Hage

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hage (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hage
Hage
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hage hervorgehoben
Koordinaten: 53° 36′ N, 7° 17′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Aurich
Samtgemeinde: Hage
Höhe: 1 m ü. NHN
Fläche: 16,62 km²
Einwohner: 6152 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 370 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26524
Vorwahl: 04931
Kfz-Kennzeichen: AUR, NOR
Gemeindeschlüssel: 03 4 52 008
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 56
26524 Hage
Webpräsenz: www.sg-hage.de
Bürgermeister: Erwin Sell (SPD)
Lage der Gemeinde Hage im Landkreis Aurich
Baltrum Juist Landkreis Wittmund Landkreis Leer Memmert Norderney Nordsee Emden Landkreis Friesland Landkreis Leer Landkreis Wittmund Aurich Berumbur Berumbur Dornum Großefehn Großheide Hage Hagermarsch Halbemond Hinte Ihlow (Ostfriesland) Krummhörn Leezdorf Lütetsburg Marienhafe Norden (Ostfriesland) Osteel Rechtsupweg Südbrookmerland Upgant-Schott Upgant-Schott Wiesmoor WirdumKarte
Über dieses Bild

Der Flecken Hage (ostfriesisch: Haag) ist eine Gemeinde und Verwaltungssitz der Samtgemeinde Hage in Ostfriesland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hage liegt als Straßensiedlung auf einem ehemaligen Seedeich, am nördlichen Rand der ostfriesischen Geest zwischen Norden und Arle. In der vorgelagerten Marsch fließt entlang des Geestrandes das Hager Tief, und weiter westlich des Ortes davon abzweigend verläuft in süd-nördlicher Richtung, schon in Höhe des Ortes Lütetsburg, das Marschtief. Im östlich gelegenen Ort Berum und dem westlich gelegenen Lütetsburg gab es Häuptlingssitze. Im westlichen Hage befand sich eine Burg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hage Altes Rathaus

Erste Siedlungsspuren und Hoch-Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hage entstand vermutlich am Ausgang des 12. Jahrhunderts an einem alten Handelsweg aus der Bronzezeit. An dem sogenannten „Hagherweg“ wurden erste Siedlungen nachgewiesen: Hilgenbur und Vnuggenbur.

Im frühen 13. Jahrhundert finden sich Berichte über ein klösterliches Leben in Hage. Zunächst entstand ein Benediktinerinnen-Kloster, allerdings kann die Existenz des wahrscheinlich 1235 verlassenen St.-Annen-Klosters nicht eindeutig nachgewiesen werden. Ab Mitte des 13. Jahrhunderts folgte den Nonnen ein Mönchskloster der Dominikaner.

Um das Jahr 1250 war die Ansgari-Kirche fertiggestellt. Bis heute beherrscht sie das Ortsbild des Fleckens.

Spätes Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erwähnt wird Hage jedoch erst nach 1400 und zwar als Haghene, Hagha oder Haghe, was so viel wie „hoch zusammenhängen“ bedeutet. Zum ersten Mal findet sich der Name Hage im Ostfriesischen Urkundenbuch ca. 1410.

Eine besondere Bedeutung für die Entwicklung des Ortes kommt der ostfriesischen Adelsfamilie Hinkena zu. Mit ihrer Burg, deren Westflügel noch heute zu sehen ist, sicherte sie den alten Handelsplatz Hage. 1466 ging die Burg mit den dazugehörigen Ländereien in den Besitz der Kirche über und diente viele Jahrhunderte der Finanzierung einer zweiten Hager Pastorenstelle, der so genannten Westerpastorei.

17. und 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 17. Jahrhundert zog Wohlstand in Hage ein, der bis etwa 1715 andauerte und sich im Sturmflutjahr 1717 (Weihnachtsflut, 2800 Todesopfer in Ostfriesland) wieder schwand. Auch erhielt Hage im Jahre 1656 das Marktrecht und konnte sich fortan „Marktflecken“ nennen. Gemäß der damals verliehenen fürstlichen Urkunde (11. September 1656) durfte Hage zwei Märkte pro Jahr abhalten. Diese Tradition setzt sich bis in die heutige Zeit fort.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im frühen 19. Jahrhundert (1817–1819) erhielt Hage erstmals eine gepflasterte Steinstraße. Wo zuvor nur ein schmaler, mit Bäumen gesäumter und häufig kaum befahrbarer „Hagherweg“ gewesen war, entstand mit Hilfe einer holländischen Straßenbaufirma die neue Straße.

Hager Mühle
Hage

Ein weiteres Gebäude, welches das Ortsbild beherrscht, ist die achtstöckige Hager Windmühle, ein achtkantiger Galerieholländer mit fünfstöckigem Ziegelunterbau. Mit ihrer Höhe von 30,20 Metern bis zur Kappenspitze ist sie heute die höchste Windmühle Deutschlands und eine der höchsten Mühlen Europas. Sie wurde 1872/73 erbaut und 1880 nach Brand um eine Etage aufgestockt.

1900–1959[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende 1914 errichtete die Kaiserliche Marine aufgrund der strategischen Lage unmittelbar nördlich der Ortschaft den Luftschiffhafen Hage, der bis 1915 mit vier großen Luftschiffhallen fertiggestellt war. Hage war einer der Hauptangriffsstützpunkte der Luftschiffe gegen Großbritannien im Ersten Weltkrieg. Im Jahre 1917 wurden die Luftschiffe aufgrund stetig steigender Luftangriffe alliierter Flieger weiter landeinwärts verlegt. Die Hallen mussten 1921 entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrages hin abgerissen werden. Das Gelände wurde ab 1937 von der Luftwaffe erneut genutzt.[2]

1960 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einhergehend mit einem Strukturwandel zu Beginn der 1960er Jahre sank der Anteil der Erwerbspersonen in der Landwirtschaft 1961 auf 30,2 Prozent und 1965 auf 26,1 Prozent. Kleine Familienbauernhöfe verschwanden zusehends. Neue Straßen und Wirtschaftswege wurden gebaut und die ersten Windräder zur Stromerzeugung wurden installiert. Im Oktober 1963 erfolgte die Einweihung des neuen Rathauses. 1965 schloss sich Hage mit Berum, Blandorf-Wichte, Lütetsburg und Westdorf zur Samtgemeinde Hage zusammen. Nachdem sowohl der Personenverkehr der Deutschen Bundesbahn 1983 als auch 1989 der Güterzugbetrieb eingestellt wurde, gründete sich ein Betreiberverein für den Museumszug Küstenbahn Ostfriesland. Diese Museumsbahn hält ab jetzt am ehemaligen Hager Bahnhof.

In den 1980er und 1990er Jahren entwickelte sich Hage zu einem ländlichen Zentrum mit Einkaufs- und Freizeitbereich. 2006 wurde der ehemalige Hager Bahnhof abgerissen, der durch den Brand des Dachstuhls beschädigt war. Im gleichen Jahr begann der Bau der Entlastungsstraße, der 2010 abgeschlossen wurde.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Berum und Blandorf-Wichte in den Flecken Hage eingegliedert.[3]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansgarikirche im Jahr 2006

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Hage besteht aus 17 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 5.001 und 6.000 Einwohnern.[4] Die 17 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 31. Oktober 2016.

Der Gemeinderat wählte das Gemeinderatsmitglied Erwin Sell (SPD) zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle Wahlperiode.

Die letzte Kommunalwahl vom 11. September 2011 ergab das folgende Ergebnis:[5]

Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze Veränderung Stimmen Veränderung Sitze
SPD 61,3 % 10 +8,92 % +1
CDU 26,89  % 5 -12,36 % -2
Bündnis 90/Die Grünen 11,8 % 2 +7,3 % +1

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2011 lag mit 54,32 %[5] etwas über dem niedersächsischen Durchschnitt von 52,5 %.[6] Zum Vergleich – bei der vorherigen Kommunalwahl vom 10. September 2006 lag die Wahlbeteiligung bei 59,33 %.[7]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 8. Mai 2008 ist Erwin Sell ehrenamtlicher Bürgermeister des Fleckens Hage.[8]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Hage
Wappenbeschreibung:

Blasonierung: Geteilter Schild, oben in Blau ein wachsender, rotbewehrter goldener Löwe, unten in Gold ein blaues Gatter.[9]

Das Wappen des Fleckens Hage wurde bei der Einrichtung der Samtgemeinde Hage als Wappen der Samtgemeinde übernommen.[9] Die Farben sind Blau-Gold. Die Farben sind identisch mit jenen der Stadt Norden und weisen auf die Zugehörigkeit der Samtgemeinde zum Norderland hin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magda-Heyken-Haus

Die St.-Ansgari-Kirche stammt aus der Zeit um 1220. Der spätgotische Chor wurde Ende des 15. Jahrhunderts angebaut. Dirk Lohmann baute 1776–1783 die Orgel unter Verwendung von Pfeifenmaterial aus dem 17. Jahrhundert.

Die Hager Mühle von 1873/1880 ist eine Galerieholländermühle. Sie ist mit 30,20 Meter bis zur Kappenspitze die höchste Mühle in Ostfriesland und ganz Deutschland. Vorgängerbauten waren die hölzerne Bockwindmühle, die um 1597 erbaut und 1852 abgebrochen wurde sowie die Ständermühle von 1852/1853, die 1872 durch Feuer zerstört wurde. Die Hager Windmühle wurde ursprünglich 1873 von Claas Hinrich Bruns gebaut und 1880 durch Blitzschlag teilweise zerstört, anschließend aber wieder aufgebaut und mit einem weiteren Stockwerk versehen. 1931/1932 wurde ein Speicher und die Weizenmühle hinzugefügt. Die Weizenverarbeitung musste in den 1960er Jahren wegen Unrentabilität eingestellt werden. 1965 übernahm die Schelten-Peterssche Vermögensverwaltung die Hager Windmühle mitsamt Nebengebäuden und sanierte sie ab 1995. Nach umfangreicher Restaurierung hatte die Windmühle am 15. August 1997 eine neue Kappe erhalten, und auch das Flügelkreuz drehte sich wieder. Lange Zeit konnte die Mühle besichtigt werden, dies ist aktuell (Frühjahr 2012) leider nicht mehr möglich. Die Flügel sind mittlerweile wieder abgebaut, die Kappe dreht sich nicht mehr automatisch in den Wind.

Das Magda-Heyken-Haus beherbergt eine heimatkundliche Sammlung über den Ort Hage und Umgebung. Das 1959 erbaute Wohnhaus der Chronistin Magda Heyken wurde 1972 an den Flecken Hage als Geschenk übergeben unter der Bedingung, hier ein Heimatarchiv einzurichten. Die Eröffnung fand 1986 statt. Heute beherbergt das Magda-Heyken-Haus historische Akten, Dokumente, Fotos und Gemälde aus Hage und Umgebung. Außerdem ist hier eine Bibliothek und eine heimatliche Sammlung untergebracht. Der im Jahre 1988 verstorbene Gemeindedirektor Udo Backer lieferte dazu ein originalgetreues Modell des Alt-Hage aus dem Jahre 1872.

Hager Tief Brücke um 1990
Hager Tief um 1990

Hager Tief[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1934/1935 wurde das Hager Tief vom Entwässerungsverband Norden zur Verbesserung der Entwässerung ausgebaut. Die Arbeiten wurden in mühsamer Kleinarbeit mit einfachen Spaten ausgeführt.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • SV Hage (Fußball, Ballett, Tischtennis, Handball, Turnen, Volleyball)
  • Einigkeit Hage (Boßeln/Klootschießen)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurzentrum mit Ferienpark in Berum

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Magda Heyken: Dorfschullehrerin, Chronik des Fleckens Hage, 1976
  • Friedrich Arends: Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, 1824
  • Otto Galama Houtrouw: Ostfriesland, eine geschichtlich ortskundige Wanderung gegen Ende der Fürstenzeit, 1889/91
  • Johann Haddinga, Martin Stromann: Luftkurort Hage. Mit den Ortschaften Blandorf-Wichte, Berum, Berumbur, Hagermarsch, Halbemond, Lütetsburg. Verlag Soltau-Kurier, Norden 2002, 92 S., ISBN 3-928327-55-0
  • Autorenkollektiv: Samtgemeinde Hage. Luftkurort Hage im Ferienland Ostfriesland an der Nordsee. BVB-Verlags-Gesellschaft, Nordhorn 2004, 24 S.
  • Autorenkollektiv: 350 Jahre Marktrechte Flecken Hage. 1656–2006. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde Hage. BVB-Verlags-Gesellschaft, Nordhorn 2006, 28 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 100 Bevölkerungsfortschreibung – Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Der Einsatzhafen Hage, abgerufen am 8. Januar 2011
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 264.
  4. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 28. November 2011
  5. a b Gemeinde Hage – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2011, abgerufen am 28. November 2011
  6. Abwärtstrend bei Wahlbeteiligung gestoppt. In: ndr.de. 12. September 2011, archiviert vom Original am 25. August 2013, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  7. Gemeinde Hage – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2006, abgerufen am 28. November 2011
  8. Erwin Sell zum Bürgermeister vom Flecken Hage gewählt, abgerufen am 28. November 2011
  9. a b www.sg-hage.de: Hauptsatzung, PDF-Datei, S. 1, abgerufen am 3. Februar 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien