Hans-Jürgen Syberberg

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Hans-Jürgen Syberberg

Hans-Jürgen Syberberg (* 8. Dezember 1935 in Nossendorf, Vorpommern) ist ein deutscher Regisseur. Er wird zu den Vertretern des Neuen Deutschen Films gezählt.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren als Sohn eines Gutsbesitzers, lebte er nach 1945 in Rostock und Berlin. 1952/53 entstanden erste 8-mm-Filme von den Theaterproben des Berliner Ensembles. 1953 zog er in die Bundesrepublik, wo er 1956 bis 1957 Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte studierte. Er promovierte in München über „Das Absurde bei Dürrenmatt“. 1963 drehte Syberberg Kulturberichte für die Münchener Abendschau des Bayerischen Rundfunks, unter anderem über Fritz Kortner und Romy Schneider.

Es folgten erste Spielfilme wie der 1969 gedrehte Film Scarabea nach einer Tolstoi-Novelle. Filme wie Ludwig, Karl May und Hitler waren eine Auseinandersetzung mit der deutschen Tradition. Sein Film San Domingo erhielt 1971 den deutschen Filmpreis für Beste Kamera (Christian Blackwood) und Beste Filmmusik (Amon Düül) in Gold. Seit 1982 arbeitete Syberberg eng mit der Schauspielerin Edith Clever zusammen. Hieraus entstanden zahlreiche Theater- und Filmprojekte, beispielsweise Parsifal (1982) und Penthesilea (1988).

Syberberg lebt in München und Nossendorf bei Demmin, wo er nach der Wende das völlig heruntergekommene Anwesen der Familie zurückkaufte.Er rekonstruierte die alte Aufteilung des Gutshauses, befreite den Garten von Schutt und Trümmern, pflanzte Bäume und legte die alten Wege wieder an[1]. Für die Renovierung seines Elternhauses aus eigener Kraft erhielt er im Jahr 2010 den Friedrich-Lisch-Denkmalpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der mit 4.500 € dotiert ist.

Für Syberberg stellt das Kino eine vitale Passion dar, ein „Gesamtkunstwerk“. Sein kinematographisches Werk ist geprägt durch eine Fusion zweier ursprünglich entgegengesetzter Pole der deutschen Kulturgeschichte: dem Rationalismus im 18. Jahrhundert und dem Romantizismus im 19. Jahrhundert.

Sein fünfstündiger und nur aus einem einzigen Interview bestehender Film Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914-1975 (1975) deckte die Freundschaft des Bayreuther Clans mit Adolf Hitler auf und wurde deshalb von den Wagners erbittert bekämpft[2]. Aufgrund dieses und seines umstrittenen Werkes Hitler, ein Film aus Deutschland (1977), eines Interviews mit André Müller (1988)[3] sowie seines Buches Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege (1990) wurde ihm eine Verharmlosung des Nationalsozialismus vorgeworfen.[4] Syberbergs ist diesbezüglich der Überzeugung, dass Trauerarbeit nur geschehen kann, wenn man sich der Faszinationskraft des Dritten Reiches stellt und den "Hitler in uns" erkundet[5].

1968 und 1982 wurde Syberberg mit dem Deutschen Kritikerpreis ausgezeichnet. 2011 wurde er vom französischen Kulturministerium zum „Commandeur“ des Ordens Ordre des Arts et des Lettres ernannt.

Für Th. Hierneis oder: wie man ehem. Hofkoch wird bekam Syberberg 1973 zusammen mit dem Hauptdarsteller Walter Sedlmayr den Adolf-Grimme-Preis für das interessanteste Experiment und den Deutschen Filmpreis in Gold in der Kategorie Bester programmfüllender Film ohne Spielhandlung.

Syberberg hat seine vorpommersche Heimat nicht vergessen. Nossendorf und Demmin heißen seine aktuellen Projekte. So liess er 2017 das 1945 abgebrannte Café Zilm am Marktplatz in Demmin für zwei Wochen in Originalgröße als auf Stoff bedruckte Fassade wieder aufleben[6].

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Interpretationen zum Drama Friedrich Dürrenmatts: Zwei Modellinterpretationen zur Wesensdeutung des modernen Dramas. Uni-Druck, München 1965.
  • Fotografie der 30er Jahre: Eine Anthologie. Schirmer-Mosel Verlag, München 1977, ISBN 978-3-921375-14-3.
  • Filmbuch – Filmästhetik – 10 Jahre Filmalltag- Meine Trauerarbeit für Bayreuth- Wörterbuch des deutschen Filmkritikers. Fischer Taschenbuch, 1979, ISBN 3-596-23650-9.
  • Die freudlose Gesellschaft. Notizen aus dem letzten Jahr. Hanser Verlag, München 1981, ISBN 3-446-13351-8.
  • Parsifal. Ein Filmessay. Heyne Verlag, München 1982, ISBN 3-453-01626-2.
  • Der Wald steht schwarz und schweiget. Neue Notizen aus Deutschland. Diogenes Verlag AG, Zürich 1984, ISBN 3-257-01662-X.
  • Kleist, Penthesilea. Hentrich, Berlin 1988, ISBN 3-926175-49-4.
  • Vom Unglück und Glück der Kunst in Deutschland nach dem letzten Kriege. Matthes & Seitz, München 1990, ISBN 3-88221-761-8.
  • Der verlorene Auftrag – ein Essay. Karolinger, Wien 1994, ISBN 978-3-85418-068-5.
  • Das Rechte – tun. Kronenbitter, München 1995, ISBN 3-930580-02-0.
  • Film nach dem Film. Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2008, ISBN 3-940748-12-9.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sucher, C.Bernd (Herausgeber) Theater Lexikon, Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker, Deutscher Taschenbuch Verlag (DTV), München 1995, ISBN 3-423-03322-3.
  • Guido Goossens, Verloren zonsondergangen. Hans Jürgen Syberberg en het linkse denken over rechts in Duitsland. Amsterdam University Press, 2004, ISBN 90-5356-677-5.[7]
  • Roger Hillman: A Wagnerian German Requiem: Syberberg’s Hitler (1977). In: R.H.: Unsettling Scores: German Film, Music, and Ideology. Bloomington, Indiana U.Pr., 2005.
  • Gerald Matt, Hans Jürgen Syberberg, Boris Groys u. a.: Syberberg – Film nach dem Film. Hrsg. Hans-Jürgen Syberberg, Ursula Blickle Stiftung, Gerald Matt für die Kunsthalle Wien, Verlag für moderne Kunst, Nürnberg 2008, ISBN 978-3-940748-12-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Jürgen Syberberg: Nossendorf, eine abgefilmte, fotografierte, dokumentierte Lebensinstallation. In: Die Zeit. 15. September 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. September 2017]).
  2. Katja Nicodemus: Hans-Jürgen Syberberg: Ein König im Widerstand. In: Die Zeit. 15. September 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. September 2017]).
  3. André Müller: Man will mich töten, Interview mit Hans-Jürgen Syberberg in DIE ZEIT vom 30. September 1988
  4. Frühling für Hitler?, Artikel vom 3. September 1990 von Hellmuth Karasek auf Spiegel Online
  5. Katja Nicodemus: Hans-Jürgen Syberberg: Ein König im Widerstand. In: Die Zeit. 15. September 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 30. September 2017]).
  6. Geschichte soll lebendig werden: Ein Wiedersehen mit dem Café Zilm | Nordkurier.de. 18. September 2017 (nordkurier.de [abgerufen am 30. September 2017]).
  7. Dissertation Universiteit Maastricht