Ministerium für Kultur (Frankreich)

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Das Palais Royal in Paris, Sitz des Ministeriums

Das Ministerium für Kultur (französisch Ministère de la Culture) ist seit 1959 eine Behörde der französischen Zentralregierung. Von 1997 bis 2017 hieß es Ministerium für Kultur und Kommunikation (französisch Ministère de la Culture et de la Communication). Sitz ist das Palais Royal in der Rue de Valois im 1. Arrondissement von Paris. Im politischen Sprachgebrauch und der Presse wird das Ministerium daher metonymisch auch „rue de Valois“ genannt. Minister ist seit Oktober 2018 Franck Riester, seine Vorgängerin war seit Mai 2017 Françoise Nyssen.

Zuständigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im französischen Einheitsstaat ist die Zentralregierung für die Kultur zuständig. Das Ministerium befasst sich mit den kulturellen Schätzen der Nation. Es beschäftigt 10.928 Mitarbeiter.[1] Im Unterschied zu entsprechenden Ministerien im deutschsprachigen Raum ist das Ministerium grundsätzlich nur für Kultur und Medien zuständig, aber nicht für Schul- oder Hochschulbildung, ausgenommen eine kurze Phase in der Regierung Bérégovoy, in der Jack Lang Staatsminister für Bildung und Kultur war.

Seit der Fünften Republik unter Charles de Gaulle und durch seinen ersten Minister André Malraux fördert und bewahrt es das kulturelle Erbe des Landes. Mit einem Etat von rund 7,4 Milliarden Euro[2] ist es für Sprache, Literatur, Malerei, Museen, Musik, Theater, Tanz, Denkmäler, Film, Bibliotheken und Archive zuständig. Im von Malraux konzipierten Erlass heißt es: "Einer möglichst großen Zahl von Franzosen die wichtigsten Kunstwerke der Menschheit, zuvörderst jene Frankreichs, zugänglich zu machen, dem kulturellen Erbe Frankreichs ein möglichst großes Publikum zu verschaffen und das Schaffen von Werken, die die Kunst und den Geist bereichern, fördern."[3]

Im Bereich Archive unterhält es das Nationalarchiv. Im Bereich Bibliotheken ist es zuständig für die Nationalbibliothek mit ihren 17 Millionen Büchern und 4200 andere Bibliotheken. Das Kulturministerium fördert den französischen Film durch das nationale Filmzentrum und unterhält ein Archiv von 20.000 Filmen (ab dem Jahr 1883). Es fördert die Musik durch die Fête de la Musique (seit 1982) und unterhält das Centre de documentation de la musique contemporaine (CDMC), eine Dokumentation über zeitgenössische Musik.

Es schützt rund 200.000 Denkmäler und macht sie durch die Base Mérimée im Internet zugänglich. Es fördert Tanz und Theater und erschließt durch eine andere Datenbank 1000 Theaterstücke. Das Kulturministerium unterhält die Nationalmuseen und macht ihre Bestände durch die Base Joconde mit ihren rund 400.000 Einträgen zugänglich. Gemeinsam mit den Regionen fördert es die bildende Kunst durch die Regionalfonds für zeitgenössische Kunst. Es verleiht Auszeichnungen wie den Ordre des Arts et des Lettres.

Es ist auch verantwortlich für die Literatur durch das Centre national des livres und pflegt die Französische Sprache sowie die Sprachen Frankreichs. Es unterhält eine Datenbank der 390.000 Träger des Ordens der Ehrenlegion (Base Léonore).

Das französische Kulturministerium hat keine Entsprechung in der Schweiz und in Deutschland nur eine teilweise Entsprechung mit der Staatsministerin für Kultur und Medien im Kanzleramt. Für Österreich gibt es eine teilweise Übereinstimmung mit dem Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

Minister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name Amtsantritt Amtsende Partei Regierung Anmerkungen
André Malraux 8. Januar 1959 20. Juni 1969 UD-Ve bzw. UDR Debré
Pompidou I
Pompidou II
Pompidou III
Pompidou IV
Couve de Murville
Edmond Michelet 22. Juni 1969 9. Oktober 1970 UDR Chaban-Delmas
André Bettencourt 19. Oktober 1970 7. Januar 1971 FNRI Chaban-Delmas Interim nach dem Tod von Michelet
Jacques Duhamel 7. Januar 1971 28. März 1973 CDP Chaban-Delmas
Messmer I
Maurice Druon 5. April 1973 27. Februar 1974 parteilos Messmer II
Alain Peyrefitte 1. März 1974 27. Mai 1974 UDR Messmer III Minister für Kultur und Umwelt
Michel Guy 9. Juni 1974 25. August 1976 parteilos Chirac I Staatssekretär
Françoise Giroud 28. August 1976 29. März 1977 PRad Barre I Staatssekretärin
Michel d’Ornano 29. März 1977 31. März 1978 PR Barre II Minister für Kultur und Umwelt
Jean-Philippe Lecat 5. April 1978 4. März 1981 RPR Barre III Erster Minister mit der Titulatur Kultur und Kommunikation
Michel d’Ornano 4. März 1981 13. Mai 1981 UDF-PR Barre III Interim nach dem Rücktritt von Lecat
Jack Lang 22. Mai 1981 20. März 1986 PS Mauroy I
Mauroy II
Mauroy III
Fabius
Titulatur wieder nur Kultur; in den Kabinetten Mauroy III und Fabius (bis 7. Dezember 1984) nur beauftragter Minister
François Léotard 20. März 1986 10. Mai 1988 UDF-PR Chirac II Titulatur Kultur und Kommunikation
Jack Lang 12. Mai 1988 29. März 1993 PS Rocard I
Rocard II
Cresson
Bérégovoy
Titulatur in Rocard II Kultur, Kommunikation, große Arbeiten und zweihundertjähriges Jubiläum, in Bérégovoy Staatsminister für Bildung und Kultur
Jacques Toubon 30. März 1993 11. Mai 1995 RPR Balladur Minister für Kultur und Frankophonie
Philippe Douste-Blazy 18. Mai 1995 2. Juni 1997 UDFCDS
bzw. FD
Juppe I
Juppe II
Titulatur Kultur
Catherine Trautmann 4. Juni 1997 27. März 2000 PS Jospin Titulatur Kultur und Kommunikation
Catherine Tasca 27. März 2000 6. Mai 2002 PS Jospin
Jean-Jacques Aillagon 7. Mai 2002 30. März 2004 UMP Raffarin I
Raffarin II
Renaud Donnedieu de Vabres 31. März 2004 15. Mai 2007 UMP Raffarin III
de Villepin
Christine Albanel 18. Mai 2007 23. Juni 2009 UMP Fillon I
Fillon II
Frédéric Mitterrand 23. Juni 2009 10. Mai 2012 parteilos Fillon II
Fillon III
Aurélie Filippetti 16. Mai 2012 25. August 2014 PS Ayrault I
Ayrault II
Valls I
Fleur Pellerin 26. August 2014 11. Februar 2016 PS Valls II
Audrey Azoulay 11. Februar 2016 17. Mai 2017 parteilos Valls II
Cazeneuve
Françoise Nyssen 15. Mai 2017 Oktober 2018 parteilos Philippe I
Philippe II
Titulatur Kultur
Franck Riester Oktober 2018 amtierend Agir Philippe II

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kulturministerium (Frankreich) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Angaben auf der Seite des französischen Finanzministeriums (frz.) (Memento des Originals vom 18. April 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.performance-publique.budget.gouv.fr, abgerufen am 20. November 2013
  2. offizielle Zahlen des Ministeriums, abgerufen am 2. August 2012
  3. Wolfgang Asholt: Kultur und Gesellschaft. in: Adolf Kimmel/Henrik Uterwedde (Hrsg.): Länderbericht Frankreich. 2. Auflage, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2005, S. 154–170, hier S. 155.

Koordinaten: 48° 51′ 48″ N, 2° 20′ 13″ O