Hellmuth Karasek

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Hellmuth Karasek (2012)

Hellmuth Karasek (* 4. Januar 1934 in Brünn, Tschechoslowakei; † 29. September 2015 in Hamburg) war ein deutscher Journalist, Buchautor, Film- und Literaturkritiker und Professor für Theaterwissenschaft. Er schrieb auch drei Theaterstücke unter dem Pseudonym Daniel Doppler. Einem breiten Publikum wurde er als Teilnehmer der im ZDF ausgestrahlten Fernsehsendung Das Literarische Quartett bekannt.

Hellmuth Karasek und seine Frau Armgard Seegers (2012)

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Karasek floh 1944 während des Zweiten Weltkriegs vor der Roten Armee aus dem schlesischen Bielitz nach Mitteldeutschland und gelangte über Zwischenstationen nach Bernburg (Saale). Zuvor war Karasek Mitglied der Hitlerjugend und einige Monate Schüler einer Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola) gewesen. Seine Eltern waren Sympathisanten des NS-Regimes; später sagte er: „Mit der Ideologie hatte ich nichts am Hut, aber ich war so unsportlich und ein Mamasöhnchen, sodass ich in der Napola dann gnadenlos geschliffen wurde.“[1]

Seiner Zeit von 1948 bis 1952 an der Oberschule in Bernburg (heute wieder Gymnasium Carolinum) setzte er in seinem Buch Auf der Flucht als Zeitdokument ein literarisches Denkmal.[2] Hierin schildert er insbesondere zeittypische Erlebnisse in der politisch schwierigen Zeit des Stalinismus mit seinen Lehrern Martin („Mope“) Kersten, Eduard Kämpfe, Gertrud Mehlhose und Walter Kühlhorn. Nach dem Abiturabschluss 1952 als bester Schüler siedelte Karasek aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland über. Sein Studium der Germanistik, Geschichtswissenschaft und Anglistik an der Universität Tübingen beendete er mit der Promotion. Über seine Vergangenheit äußerte sich Karasek gegenüber der Deutschen Presse-Agentur wie folgt: „Ich habe in zwei Diktaturen gelebt. Die erste habe ich gemocht und erst später gemerkt, dass das ein Schweineregime war. Die zweite habe ich von Anfang an gehasst.“[3] Neun Monate lebte Karasek 1959 als Junglehrer in Ebersberg und unterrichtete Deutsch an der Außenstelle des Grafinger Goethe-Instituts. Im Oktober zog er nach Stuttgart.[4]

Karasek begann seine journalistische Laufbahn bei der Stuttgarter Zeitung. Danach war er ein Jahr lang Chefdramaturg am Württembergischen Staatstheater Stuttgart und ab 1968 Theaterkritiker bei der Wochenzeitung Die Zeit. Von 1974 bis 1996 leitete er beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel das Kulturressort, wo er auch die Nennung von Autorennamen einführte.[5] Nach seinem Bruch mit dem Spiegel aufgrund eines Nichtabdrucks seiner Kritik zum Film Rossini verarbeitete er 1998 in Das Magazin seine Erfahrung in einem Schlüsselroman. Nach der Tätigkeit beim Spiegel war er bis 2004 Mitherausgeber der Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel. Karasek arbeitete daraufhin unter anderem für die Zeitungen Die Welt, Welt am Sonntag und Berliner Morgenpost der Axel Springer SE.

Karasek war auch häufig in verschiedenen Fernsehsendungen zu sehen. Über den langen Zeitraum von 1988 bis 2001 war er ständiger Teilnehmer der ZDF-Sendung Das Literarische Quartett, die unter der dominierenden Leitung von Marcel Reich-Ranicki stand. In einer Folge merkte Marcel Reich-Ranicki an, dass es nie jemandem gelungen sei, das ultimative Porträt des am nachhaltigsten in das kollektive Gedächtnis unserer Gesellschaft eingebrannten Diktators Hitler zu zeichnen, woraufhin Karasek protestierte, dass es Charlie Chaplin war, dem Derartiges mit dem Film Der große Diktator gelungen sei.

Weiter wirkte Karasek an Ausgaben der RTL-Show Die 5-Millionen-SKL-Show als prominenter Pate der Kandidaten mit. Über seine häufig auch kritisierte Fernsehtätigkeit sagte Kasarek selbst, er könne an seinen Fernsehauftritten nichts Ehrenrühriges sehen und dass ihn das Fernsehen am meisten geprägt habe[6]; außerdem stellte er fest, dass „eine gute Pointe besser als eine schlechte Welt“ sei. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte ihn 2004 diesbezüglich einen „publizistisch schillernden Turbokarpfen im Teich der grauen Hechte“.[7]

1992 wurde Karasek Honorarprofessor am theaterwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg. Außerdem war er Unterstützer des Zentrums gegen Vertreibungen.[8]

2014 sagte Karasek in einem Interview mit der Osnabrücker Zeitung, dass er für das Titelbild des Spiegels 1995 zum Verriss des Günter-Grass-Romans Ein weites Feld verantwortlich sei: „An diesem Cover bin ich schuld. Ich war damals verantwortlicher Kulturredakteur beim „Spiegel“ und habe Marcel Reich-Ranicki zur Besprechung gebeten.“[9] Im August 2015 publizierte er auf YouTube einen Werbespot für den Ikea-Katalog in Form einer ironisch gemeinten Buchrezension.[10]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grab von Hellmuth Karasek

Karasek lebte zuletzt in Hamburg. Er war in zweiter Ehe mit Armgard Seegers verheiratet und hatte vier Kinder, darunter den Theaterregisseur und Intendanten Daniel Karasek und die Anwältin und Schriftstellerin Laura Karasek-Briggs. Seine erste Frau, die aus Venezuela stammende Musikstudentin Marvela Ines Mejia-Perez, heiratete Karasek 1959 in Ebersberg.[4] Sein jüngerer Bruder war der Schriftsteller Horst Karasek.

Mit 81 Jahren erlag Karasek einem Gallengangskarzinom. [11][12] Er wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg bestattet.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hellmuth Karasek (2011)

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hellmuth Karasek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zitatenschatz und zweite Geige. Nachruf in tagesschau.de vom 30. September 2015
  2. Auf der Flucht. Erinnerungen. Ullstein, Berlin, Taschenbuchausgabe 2006, ISBN 3-548-36817-4, S. 176–189 und 200–225.
  3. Hellmuth Karasek feiert 80. Geburtstag. In: Deutsche Welle. 3. Januar 2014.
  4. a b Süddeutsche Zeitung Ebersberg: Goethe am Klostersee, 9. Oktober 2015, abgerufen am 11. Oktober 2015.
  5. Peter von Becker: Deutschlands erster Pop-Journalist. In: Der Tagesspiegel. 4. Januar 2014.
  6. Hellmuth Karasek ist tot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 30. September 2015.
  7. Wortgewandter Plauderer. In: Süddeutsche Zeitung. 30. September 2015.
  8. Menschen an unserer Seite. In: Zentrum gegen Vertreibungen.
  9. Literaturkritiker stirbt im Alter von 81 Jahren. In: Focus. 30. September 2015.
  10. David Hugendick: Der große Schwärmer. In: Die Zeit. 30. September 2015.
  11. Literaturkritiker Hellmuth Karasek ist tot. In: Focus. 30. September 2015.
  12. Hellmuth Karasek: Hätte ihn ein Urintest retten können? - DIE WELT. In: welt.de. Abgerufen am 3. Oktober 2015.
  13. Bundespräsidialamt