Hans Streeck

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Robert Hans Streeck (* 11. August 1905 in Bremerhaven[1]; † 27. Juni 1963[2][3]) war ein deutscher Chemiker und Manager.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Streeck studierte als Sohn eines Kapitäns erst Chemie in Jena und dann in München, wo er 1931 promovierte. Anschließend arbeitete er als Assistent in Erlangen und Leipzig. Von November 1933 bis Ende März 1935 war er Mitglied der SA und wechselte dann in die SS. Ab Juni 1934 arbeitete er im Alizarin-Hauptlabor der I.G. Farben im Werk Hoechst unter dem überzeugten Nationalsozialisten und fanatischen Antisemiten Georg Kränzlein.[4] Als Betriebsassistent wechselte er 1936 in den Zentralversuchsraum und war anschließend in unterschiedlichen Bereichen mit betriebstechnischen und wissenschaftlichen Aufgaben betraut.

Nach dem Ende der Aufnahmesperre beantragte Streeck Mitte August 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde dort zum 1. Mai 1937 Mitglied. Anfang 1938 war er als SS-Schulungsleiter bei der 2. SS-Standarte eingesetzt.

Im Rahmen des Schnellplans wurde Streeck im Zweiten Weltkrieg Mitarbeiter des IG-Farben-Vorstandsmitglieds Otto Ambros.[4] 1942 war er an der Planung und Aufbau des I.G.-Werkes Auschwitz beteiligt, zwei Jahre später wurde er dort Abteilungsleiter der im Aufbau befindlichen Zwischenprodukte-Abteilung. Er war in dieser Zeit Mitglied der DChG und des VdCh.[5] Zum 21. Januar 1945 verlor er mit der Aufgabe des Werkes Auschwitz seine Tätigkeit.

Streeck sprach 1953 direkt den Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG, Karl Winnacker, an, da er Ressentiments der Personalabteilung wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit vermutete.[4][6] Winnacker ebnete den Weg, sodass Streeck ab Januar 1954 für die Hoechst-Tochter Kalle AG angestellt wurde.[6] Im gleichen Jahr wurde er dort Prokurist und Anfang 1955 Direktor.[6] 1956 wurde er stellvertretendes Mitglied des Vorstands[6][7] und 1957 ordentliches Vorstandsmitglied. Zum Zeitpunkt seines Todes 1963 war Streeck Sprecher des Vorstandes von Kalle[6][8] und Aufsichtsratsvorsitzender der Papierfabrik Hoffmann und Engelmann AG in Neustadt.[2]

In der Vorbereitungsphase zum ersten Frankfurter Auschwitzprozess war Streeck als einer der Zeugen der Anklage geladen.[9]

Hans Streeck war verheiratet mit Theda, geborene Leuß (1909–1980). Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, darunter Rolf-Eberhard Streeck[10] und Ulrich Streeck.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. New York State, Passenger and Crew List, 1917–1967: Ankunft Hans Streeck in New York u. a. am 1. Oktober 1959 („Robert H. Streeck“), 29. September 1960 („Hans (Dr.) R. Streeck“) und erneut am 24. November 1961 („Hans Streeck“).
  2. a b Georg Krause, Eduard Johannes Ernst Freiherr von Vietinghoff-Scheel, Walter Roth, Hermann Stadlinger, Ernst Baum: Chemiker-Zeitung/Chemische Apparatur. A. Hüthig, Juli 1963, S. 534 (google.de [abgerufen am 26. September 2020]).
  3. Nachruf in der Zeitschrift Chemische Industrie: Zeitschrift für die deutsche Chemiewirtschaft. Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf 1963, Band 15, S. 510
  4. a b c Jörg Osterloh, Harald Wixforth: Unternehmer und NS-Verbrechen: Wirtschaftseliten im »Dritten Reich« und in der Bundesrepublik Deutschland. Campus Verlag, 2014, ISBN 978-3-593-39979-9, S. 178 (google.de [abgerufen am 26. September 2020]).
  5. Helmut Maier: Chemiker im „Dritten Reich“: Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat. Wiley-VCH, Weinheim 2015, S. 555, Fußnote 300 (Online bei Google Books)
  6. a b c d e Jörg Osterloh, Harald Wixforth: Unternehmer und NS-Verbrechen: Wirtschaftseliten im »Dritten Reich« und in der Bundesrepublik Deutschland. Campus Verlag, 2014, ISBN 978-3-593-39979-9, S. 179 (google.de [abgerufen am 26. September 2020]).
  7. Meldung in der Fachzeitschrift Fette, Seifen, Anstrichmittel, Nr. 7, 1956, S. 580 (Online)
  8. Stephan H. Lindner: Hoechst. Ein I.G. Farben Werk im Dritten Reich. C. H. Beck, 2005, ISBN 3-406-52959-3, S. 370 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Findbuch des Archivs des Fritz Bauer Instituts (PDF-Datei, dort als Zeuge Robert Rudolf Hans Streeck aufgeführt)
  10. Vita von Rolf-Eberhard Streeck im Antrag auf Unterstützung für das 2006 bis 2011 von der DFG geförderte Forschungsthema Invasionsmechanismen von Humanpapillomviren an der Universität Mainz