Havanna-Syndrom

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Das Hotel Nacional in Havanna ist einer der Orte, an denen das Syndrom aufgetreten ist.[1]

Als Havanna-Syndrom werden unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Übelkeit unbekannter Herkunft bezeichnet, die erstmals bei Diplomaten und Angehörigen der US-Botschaft in Havanna beobachtet wurden. Die US-Regierung vermutet darin eine verdeckte Operation eines gegnerischen Nachrichtendienstes mit einer Art neuartiger Mikrowellen-Waffe. Von Kuba wird diese Theorie jedoch als Lüge zurückgewiesen. Nach Meinung eines offiziellen kubanischen Experten-Gremiums verstoße sie gegen physikalische Gesetze.[2][3]

Nachdem derartige Vorfälle in zahlreichen anderen Staaten rund um die Welt, wie Österreich, China, Russland und selbst im Weißen Haus in Washington, D.C. auftraten, benutzen offizielle amerikanische Stellen die neutralere Beschreibung des Syndroms als unexplained health incidents („ungeklärte Gesundheits-Vorfälle“), kurz: UHI.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals wurde das Phänomen im Herbst 2016 bei US-Diplomaten in Kubas Hauptstadt Havanna beobachtet. Später waren auch kanadische Diplomaten betroffen. Obwohl nach monatelanger Untersuchung keine Verantwortlichen für den Vorfall gefunden werden konnten, machte die damalige Trump-Administration Kuba indirekt für die Vorfälle verantwortlich, weil Kuba nicht für ausreichenden Schutz der ausländischen Diplomaten gesorgt habe. Am 16. Juni 2017 erklärte Donald Trump das von Barack Obama begonnene Tauwetter in den kubanisch-US-amerikanischen Beziehungen für beendet.[5]

Im Juli 2021 machte ein entsprechender Vorfall bei Angehörigen der US-Botschaft in Wien Schlagzeilen.[6] Der Vorfall führte später auch zur Entlassung eines höheren CIA-Verbindungsbeamten, da dieser laut Vorwurf die Fälle nicht ernst genommen habe.[7] Am 18. August meldeten das Wall Street Journal und der Spiegel einen ähnlichen mutmaßlichen Vorfall bei der US-Botschaft in Berlin. Laut den Meldungen mussten mindestens zwei Diplomaten sich in ärztliche Behandlung begeben. Dies war der erste derartige Vorfall in einem NATO-Land. Inzwischen verdächtigte man Russland als möglichen Urheber.[8][9][10]

Im Oktober 2021 traten neue Vorkommnisse in der US-Botschaft in Kolumbien auf. Demnach seien mindesten fünf Familien von Botschaftsmitarbeitern betroffen gewesen.[11]

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Symptome sind relativ unspezifisch, deuten aber auf eine neurologische Schädigung hin. Betroffene klagen über Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Schlaflosigkeit. Zuvor hörten sie meist laute Geräusche gepaart mit intensiven, schmerzvollen Vibrationen oder Druck in den Ohren oder im Kopf.[12] Einige Wissenschaftler betonen jedoch, dass hörbare Geräusche keine Hirnschäden verursachen können und dass diese Geräusche zufällige Nebenwirkungen sein konnten.[13]

Ursachenforschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die konkrete Ursache des Havanna-Syndroms ist derzeit noch vollkommen unklar. Die meisten Theorien gehen von einer neuartigen Schallwaffe aus, welche seitens Russlands gegen US-Diplomaten eingesetzt wurde. Aus Havanna existieren entsprechende Tonaufnahmen betroffener Personen, in denen Geräusche zu hören sind, die an Grillen erinnern. Ein im Oktober 2021 in den USA veröffentlichter Geheimbericht legt jedoch psychische Ursachen nahe. Demnach seien die aufgenommenen Grillen-Geräusche natürlichen Ursprungs. Eine in Kuba verbreitete Kurzschwanzgrille verursache exakt die gleichen Geräusche, die auf den Tonaufnahmen zu vernehmen sind. Stattdessen vermutet man eine Art Massenhysterie.[14]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cuba Travel Advisory. 30. Januar 2018, abgerufen am 14. September 2021.
  2. Cuban scientists say ‘Havana Syndrome’ theories ‘violate laws of physics’. In: The Guardian. Associated Press, 14. September 2021, abgerufen am 15. September 2021 (englisch).
  3. Die Unwahrheiten über das von Washington erfundene Syndrom aufgedeckt. In: Granma Deutsch. 14. September 2021, abgerufen am 15. September 2021.
  4. Tom O'Connor: 'Havana Syndrome' Becomes 'Unexplained Health Incidents' As U.S. Backs Down on Blaming Cuba. In: Newsweek. 13. September 2021, abgerufen am 14. September 2021 (englisch).
  5. William M. LeoGrande: Cuba: Attacks Against U.S. Diplomats? In: AULA Blogs. Center for Latin American & Latino Studies, 14. August 2017, abgerufen am 13. August 2021 (englisch).
  6. "Havanna-Syndrom": USA untersuchen gesundheitliche Beschwerden von US-Diplomaten in Wien. In: Der Standard. 20. Juli 2021, abgerufen am 10. August 2021.
  7. "Havanna-Syndrom" nicht Ernst genommen: CIA wirft leitenden Beamten raus. In: Stern. 24. September 2021, abgerufen am 29. September 2021.
  8. "Havanna-Syndrom" bei US-Diplomaten in Berlin. In: Tagesschau.de. 18. August 2021, abgerufen am 18. August 2021.
  9. Matthias Gebauer, Christo Grozev, Roman Lehberger, Fidelius Schmid: Möglicher Schallwaffenangriff auf US-Botschaftsmitarbeiter in Berlin. In: Spiegel-Online. 18. August 2021, abgerufen am 18. August 2021.
  10. U.S. Officials in Germany Hit by Havana Syndrome. In: The Wall Street Journal. 18. August 2021, abgerufen am 18. August 2021 (englisch).
  11. Neue Fälle von Havanna-Syndrom in US-Botschaft in Kolumbien bestätigt. In: Spiegel Online. 13. Oktober 2021, abgerufen am 16. Oktober 2021.
  12. Korin Miller: What Is 'Havana Syndrome'? More Than 100 US Personnel Sickened By Mysterious Illness. In: Health.com. 19. Mai 2021, abgerufen am 13. August 2021 (englisch).
  13. [1]
  14. Havanna-Syndrom: Die rätselhafte Krankheit hat vermutlich eine psychische Ursache. In: NZZ. 9. Oktober 2021, abgerufen am 16. Oktober 2021.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nocebo-Effekt