Heeresfeldwagen

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Die bespannten Feldfahrzeuge des deutschen Heeres, seit Ende der 1920er Jahre Heeresfahrzeuge (Hf.) genannt, waren Transport- und Versorgungsfahrzeuge der ehemaligen deutschen Reichswehr und Wehrmacht, die nicht ausschließlich bei nur einer Truppengattung, z. B. der Infanterie (Infanteriefahrzeuge, If.),der Artillerie (Artilleriefahrzeuge, Af.), der Nebeltruppe (Nebelfahrzeuge, Nbf.), der Pioniertruppe (Pionierfahrzeuge, Pf.), der Nachrichtentruppe (Nachrichtenfahrzeuge, Nf.), der Sanitätstruppe (Sanitätsfahrzeuge, Sf.) und den Verwaltungstruppen (Verwaltungsfahrzeuge, Vf.) eingesetzt wurden. Auch die bespannten Feldküchen gehörten zu den Heeresfahrzeugen.[1]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heeresfeldwagen c/95 als Fahrzeug der Nachrichtentruppe im Ersten Weltkrieg
Heeresfeldwagen Hf.1 in Polen 1939
Schwerer Heeresfeldwagen Hf.2 an der Ostfront

Feldwagen bildeten im Zweiten Weltkrieg, aber mehr noch im Ersten Weltkrieg, bei den meist pferdebespannten[2] Truppen den Kern des Fuhrparks des Heeres. Sie erlaubten es der marschierenden Truppe, MGs, Granatwerfer, Infanteriemunition und Handgranaten, Werkzeug, Schanzzeug, Pioniermaterial, Gepäck, Verpflegung, Versorgungsgüter und Ausrüstungsgegenstände, die nicht unbedingt am Mann geführt werden mussten, zu verlasten.

Heeresfahrzeuge wurden u. a. in den Trossen bei der Infanterie und der Artillerie, als Gerätewagen bei der Pionier- und Sanitätstruppe und Lastwagen bei den Fahrkolonnen der Nachschubtruppe eingesetzt.

Aus den Erfahrungen des Winters 1941/42 heraus konnten die Fahrzeuge ab 1942 mit Winterkufen schneebeweglich gemacht werden.

Leichter Feldwagen, Heeresfahrzeug 1 (Hf.1)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprünglich 1895 als leichter Proviantwagen n/K (neuer Konstruktion) entwickelte und später Feldwagen c/95 und dann ab Ende der 1920er Jahre Leichter Feldwagen, Heeresfahrzeug 1 (Hf.1) genannte Wagen wurde mit leichten Zugpferden zweispännig gefahren. Er war aus Holz gefertigt. Charakteristisch war die Unterteilung in einen großen hinteren Wagenkasten mit geraden Wänden und einen kleineren vorderen Wagenkasten mit abgeschrägten Wänden, wodurch ein größerer Lenkeinschlag der Vorderräder erreicht wurde.

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges gehörte je ein leichter Feldwagen als Großer Gefechtswagen (Hf.1/11) zu jedem Schützenzug der Infanterie, also drei in der Schützenkompanie. Auf ihm wurden Ausrüstung, die Maschinengewehre mit Zubehör und Munition, weitere Munition für die Handwaffen, Handgranaten usw. des Schützenzuges verlastet. An ihn wurden auch je zwei Maschinengewehr-Handwagen für MG 08 mit Schlitten (If.1) oder Dreifuß (If.2) angehängt. Teilweise wurden die leichten Feldwagen Hf.1 noch vor Kriegsbeginn durch Stahlfeldwagen Hf.7 abgelöst. Nach Einführung von jeweils einem einspännigen „Doppelkarren“, bestehend aus zwei Infanteriekarren, Infanteriefahrzeug 8 (If.8) je Schützenzug, wurden die Großen Gefechtswagen dem Gefechtstross zugeordnet und Anzahl der Großen Gefechtswagen in der Schützenkompanie auf zwei verringert. Bei Ende des Krieges gehörten je ein einspänniger Doppelkarren und ein zweispänniger Gefechtswagen Hf.1/11 (bzw. ein entsprechender Panjewagen als Ersatz) zu jedem Schützenzug, zu jedem Radfahrerzug ein zweispänniger Doppelkarren und ein vierspänniger Gefechtswagen Hf.1/11.

Ausführungen des Hf.1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hf.1 Gefechts-, Munitions-, Schanzzeug-, Geräte-, Vorrats-, Verpflegungs-, Sanitätsgeräte-, Veterinärvorrats-, Veterinärmittelwagen, Wagen für Brot- und Futterempfang und zur Beförderung von Unterkunftsgerät
  • Hf.1/1 gefederter Nachrichtengeräte-, Pioniergeräte-, Vermessungsgeräte- und Sanitätsgerätewagen
  • Hf.1/2 gefederter Handscheinwerferwagen (leicht/mittel)
  • Hf.1/3 gefederter Handscheinwerferwagen (schwer)
  • Hf.1/4 Beobachtungsgerätewagen (B.Ger.Wg.)
  • Hf.1/11 Großer Gefechtswagen (gr.Gf.Wg.)
  • Hf.1/12 Pioniergerätewagen
  • Hf.1/13 Großer Fahnenschmiedwagen (gr.Fsm.Wg.)
  • Hf.1/14 Packwagen mit Feldschmiede (P.WG.m.Fsm), Waffenmeisterwagen (Wffm.Wg.)
  • Hf.1/15 Packwagen für Sanitätskompanie
  • Hf.1/16 Bäckereigerätewagen (Bä.Ger.Wg.)
  • Hf.1/18 Truppensanitätswagen

Technische Daten des Hf.1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angaben für die gefederte Varienate in Klammern.

  • Leergewicht: 610 kg (640 kg)
  • Ladekapazität: 750 kg / 1,3 m³
  • Länge (ohne Deichsel): 3,86 m
  • Länge (mit Deichsel): 6,32 m
  • Breite: 1,85 m
  • Breite (Fahrzeugkasten): 1,02 m
  • Höhe (Bordwand): 1,52 m (1,56 m)
  • Höhe (Plane/Spriegel): 2,12 m (2,16 m)
  • Bodenfreiheit: 0,6 m (ca. 0,4 m)
  • Bodenfreiheit bis Wagenkasten: 0,81 m (0,85 m)
  • Spurweite: 1,53 m
  • Radstand: 2,00 m
  • Raddurchmesser: 1,224 m (leichtes Feldwagenrad)
  • Radreifenbreite: 5,5 cm (Eisen)
  • Radreifenstärke: 1,1 cm
  • Federung: ohne (längs Blattfederung, vorne eine Querfeder)

Ausrüstung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heeresfeldwagen führte am Abschlussblech der Ladefläche ein Reserverad mit. Hinzu kamen Halterungen für Spaten, Hacke und Klauenbeil, die durch Lederriemen angezurrt wurden. Das Fahrzeug besaß vier Spriegel, die mit einer Plane überzogen werden konnten. Der Bockkasten bot Stauraum für die persönliche Ausrüstung des Fahrers. Im Innenraum war eine Einheitslaterne mit Zubehörkasten untergebracht.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Heeresfahrzeug 1 (Hf.1) ist im Museum für die Arbeit mit Zugpferden in Lütau ausgestellt.

Schwerer Feldwagen, Heeresfahrzeug 2 (Hf.2)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Hf.1 kam der vierspännig gefahrene schwere Heeresfeldwagen (Hf.2) für schwerere Lasten zum Einsatz, der bei einem Leergewicht von 800 kg eine Nutzlast von 1200 kg bei einem Transportvolumen von 2 m³ transportieren konnte.[3]

Technische Daten des Hf.2[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leergewicht: 800 kg
  • Ladekapazität: 1200 kg / 2 m³
  • Länge (ohne Deichsel): 4,25 m
  • Spurweite: 1,53 m
  • Raddurchmesser: 1,224 m (leichtes Feldwagenrad)
  • Radreifenbreite: 7 cm

Kleiner Heeresfeldwagen, Heeresfahrzeug 3 (Hf.3)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kleine Heeresfeldwagen (Hf.3) war bereits 1916 als Kleiner Proviantwagen 16 (gefedert und ungefedert) eingeführt und später von Reichswehr und Wehrmacht übernommen worden.[4]

Technische Daten des Hf.3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leergewicht: 462 kg
  • Ladekapazität: 610 kg / 0,75 m³
  • Länge (ohne Deichsel): 3,25 m
  • Spurweite: 1,125 m
  • Raddurchmesser: 1,11 m
  • Radreifenbreite: 5,5 cm

Gebirgskarren, Heeresfahrzeug 4 (Hf.4)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über dieses einspännig von einem Pferd oder Tragtier gezogene Fahrzeug liegen nur wenige Informationen und Bilder vor. Auf Bildern wird oftmals fälschlich der französische Infanterie-Karren Voiturette d'infanterie Mle. 1937 als Hf.4 bezeichnet.

Technische Daten des Hf.4[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bauzeit: 1937
  • Material: Stahlblech
  • Leergewicht: 130 kg
  • Nutzlast: 100 kg
  • Breite: 1100 mm
  • Länge: 1400 mm
  • Höhe: 1400 mm
  • Bodenfreiheit: 600 mm

Ersatzfeldwagen 40/43 (Ef.40/43) und Feldwagen 43, Heeresfahrzeug 6 (Hf.6)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der im Kriegsverlauf eingeführte Ersatzfeldwagen 40 (Ef. 40), 1943 gefolgt vom Ersatzfeldwagen 43 (Ef. 43), dieser später umbenannt in Feldwagen 43 (Hf.6), war sehr viel einfacher ausgeführt und leicht in Massen herzustellen als der ebenfalls vierspännig gefahrene schwere Heeresfeldwagen (Hf.2).[5]

Stahlfeldwagen, Heeresfahrzeug 7 (Hf.7)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits bei Kriegsbeginn 1939 wurden die Heeresfahrzeuge vom vollständig aus Stahlblech gefertigten, gummi- und luftbereiften, meist zwei- aber auch vierspännig gefahrenen Stahlfeldwagen (Hf.7) ersetzt, der sich auf Straßen und befestigten Wegen deutlich bewährte und zudem mit einer speziellen Stahlgabel auch an Kraftfahrzeuge angehängt werden konnte.

Das Hf.7 zeigte sich aufgrund seines hohen Gewichts, insbesondere bei zweispänniger Fahrweise, aber nicht für die schlechten Wegeverhältnissen an der Ostfront geeignet. Die Truppe führte daher neben den in Russland landesüblichen leichteren Panjewagen (als Typen Pleskau I und Pleskau II nachgebaut) und den im Winter landesüblichen Schlittenfahrzeugen das bereits ausgemusterte Hf.1 wieder ein.

Technische Daten des Hf.7[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leergewicht: 1040 kg
  • Ladekapazität: 1500 kg
  • Länge (ohne Deichsel): 4,103 m
  • Breite: 1,81 m
  • Höhe: 2,1 m
  • Spurweite: 1,58 m
  • Raddurchmesser: 0,835 m

Große Feldküche, Heeresfahrzeug 11 (Hf.11) bzw. Heeresfahrzeug 13 (Hf.13)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Große Feldküche bestand aus einem aus Blech gefertigten Hinterwagen, der die Kocheinrichtung enthielt und einem aus Holz (Hf.11) bzw. aus Stahl (Hf.13) gefertigten Vorderwagen, in dem Verpflegungsvorrat und Speisenträger transportiert wurden. Sie wurde vor Kriegsbeginn mit zwei schweren Zugpferden zwei-, später mit je zwei leichten und zwei schweren Zugpferden vierspännig gefahren.

Kleine Feldküche, Heeresfahrzeug 12 (Hf.12) bzw. Heeresfahrzeug 14 (Hf.14)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ebenso wie die große Feldküche bestand auch die kleine Feldküche aus einem aus Blech gefertigten Hinterwagen, der die Kocheinrichtung enthielt und einem aus Holz (Hf.12) bzw. aus Stahl (Hf.14) gefertigten Vorderwagen. Sie wurde zweispännig gefahren. Räder und andere Teile entsprachen dem kleinen Heeresfeldwagen.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Fleischer: Deutsche Infanteriekarren, Heeresfeldwagen und Heeresschlitten 1900–1945. Podzun-Pallas-Verlag, 1995, ISBN 3-7909-0538-0. (Waffen-Arsenal Band 153)
  • Wolfgang Fleischer: Bespannte Fahrzeuge des deutschen Heeres. Motorbuch Verlag, 2011, ISBN 978-3-613-03290-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hf.1 bei www.ifem.at [5] eingesehen am 24. März 2012
  • Hf.1 bei www.kfzderwehrmacht.de [6] eingesehen am 24. März 2012
  • Hf. 4 bei www.panzerarmee.com [7] eingesehen am 28. September 2012

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fleischer: Bespannte Fahrzeuge des deutschen Heeres, S. 12f
  2. gem. www.zugpferdemuseum.de [1]@1@2Vorlage:Toter Link/www.zugpferdemuseum.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. eingesehen am 24. März 2012, waren im Laufe des Krieges 2.750.000 Pferde bei der Wehrmacht eingesetzt
  3. vgl. [2] 24. März 2012
  4. vgl. [3] 24. März 2012
  5. vgl. [4] 24. März 2012