BMW R 11

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BMW R 11, Baujahr 1929

Die BMW R 11 war das erste Tourenmotorrad in der 750-cm³-Klasse des deutschen Motorradherstellers BMW mit einem Pressstahlrahmen in Doppelschleifenform nach dem Vorbild der Presstahl-Motorräder von Ernst Neumann-Neander.[1]

In der Bauzeit von 1930 bis 1934 wurden 7500 R 11 produziert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Londoner Olympiashow im November 1928 präsentierte BMW mit der R 11 und der R 16 die ersten Motorräder mit Pressstahlrahmen.[2] In den Preislisten Nr. 37[3] und Nr. 38[4] vom Januar und Februar 1929 waren die Motorräder mit Pressstahlrahmen für das „Frühjahr 1929“ angekündigt; in der Preisliste Nr. 39[5] vom März 1929 waren sie nicht mehr gelistet. Die Auslieferung der Motorräder begann in Deutschland erst im Sommer 1930.[6][2]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motor, Serie 1 (1929)

Motor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Motor mit der Bezeichnung M 56 war als längs eingebauter Zweizylinder-Boxer-Viertaktmotor mit SV-Ventilsteuerung ausgelegt.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Motorgehäuse war horizontal teilbar. Ein Zwischenzahnrad oberhalb der Kurbelwelle trieb die noch eine Ebene höher liegende Nockenwelle an, die wiederum über eine Steuerkette die Zündanlage in der nächsten Ebene antrieb. Beim Vorgänger R 62 wurde die Zündanlage noch durch ein Zahnrad von der Nockenwelle aus angetrieben.

Die Nockenwelle öffnete über kurze Gleitstößel die Ventile.

Zylinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zylinder aus Grauguss hatten abnehmbare Zylinderköpfe aus Leichtmetall und radial verlaufende Kühlrippen.

Vergaser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vergaser, eine Eigenkonstruktion von BMW, saugte die Luft durch das Schwungradgehäuse an.

Die Gemischzusammensetzung („Luftschieber“) wurde über einen Hebel an der rechten Lenkerhälfte eingestellt.

Getriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die R 11 hatte ein handgeschaltetes Getriebe mit Antriebswelle auf der rechten Seite des ungefederten Hinterrades.

BMW bezeichnete die Kraftübertragung vom Getriebe zum Hinterrad als „Kardanantrieb“, die Antriebswelle als „Kardanwelle“ und das Getriebegehäuse am Hinterrad als „Kardangehäuse“ – technisch richtig war es lediglich ein Wellenantrieb des Hinterrades, da es keine Kardangelenke gab.[7]

Das horizontal teilbare Getriebegehäuse war direkt an das Motorgehäuse angeflanscht. Die Eingangswelle mit drei Gängen wurde direkt von der Einscheiben-Trockenkupplung im Schwungrad der Kurbelwelle angetrieben. Die Ausgangswelle trieb über eine Hardyscheibe in direkter Verlängerung die Antriebswelle an.

Der Kickstarter wurde rechtwinklig zur Fahrzeuglängsachse betätigt.[7]

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serie 3 (1932)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Serie 3 kam ein Vergaser von Sum zum Einsatz, der keine Gemischeinstellung mehr vorsah – der Lufthebel am rechten Lenker entfiel.

Serie 5 (1934)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab der Serie 5 wurde die R 11 auch mit zwei Vergasern von Amal angeboten, die jeweils einen eigenen Luftfilter hatten. Die zwei Vergaser ermöglichten eine Dauerleistung von 20 PS und den Einbau eines „Lichtbatteriezünders“ von Bosch mit 45 Watt.[6] Die Auspuffanlage wurde ebenfalls verlängert; damit konnten die Auspufftöpfe höher angeordnet werden.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten der R 11[7]
Bohrung 78 mm
Hub 78 mm
Hubraum 745 cm³
Verdichtungsverhältnis 5,5 : 1
Leistung 18 PS (13,2 kW) bei 3400 min−1
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h
Leergewicht 162 kg
Tankinhalt 14 Liter

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Stünkel: BMW-Motorräder Typenkunde : Alle Serienmodelle ab 1923. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-2451-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BMW R 11 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Trapp: Ernst Neumann Neander und seine Motorräder. Bonn 1996, 2. Auflage 2001, ISBN 3-89365-546-8, S. 86.
  2. a b BMW präsentiert die R 11 und die R 16, die ersten BMW Modelle mit Preßstahlrahmen. In: BMW Geschichte. BMW AG, 5. November 1928, abgerufen am 6. Dezember 2015 (Dokument des BMW Group Archivs): „Die Kunden müssen sich aber in Geduld üben, denn die Auslieferung der beiden Preßstahlmodelle beginnt erst Ende 1930.“
  3. Preisliste Nr. 37 für BMW-Motorräder: R 52, R 57, R 62, R 63, R 11, R 16. In: BMW Geschichte. BMW AG, Januar 1929, abgerufen am 6. Dezember 2015 (Dokument des BMW Group Archivs): „Ab Frühjahr 1929 werden die 750 ccm-Maschinen auch mit Preßstahlrahmen geliefert […]“
  4. Preisliste Nr. 38 für BMW-Motorräder: R 52, R 57, R 62, R 63, R 11, R 16. In: BMW Geschichte. BMW AG, Februar 1929, abgerufen am 6. Dezember 2015 (Dokument des BMW Group Archivs): „Ab Frühjahr 1929 werden die 750 ccm-Maschinen auch mit Preßstahlrahmen geliefert […]“
  5. Preisliste Nr. 39 für BMW-Motorräder: R 52, R 57, R 62, R 63,. In: BMW Geschichte. BMW AG, März 1929, abgerufen am 6. Dezember 2015 (Dokument des BMW Group Archivs).
  6. a b Frank-Albert Illg: BMW R 11. Neues aus dem Baukasten. In: Motorrad Classic. Nr. 4, 2001, ISSN 0937-9495, S. 5–13.
  7. a b c Handbuch für BMW-Räder, Typ R 11 und R 16. In: BMW Geschichte. BMW AG, November 1930, abgerufen am 6. Dezember 2015 (Dokument des BMW Group Archivs).