Heldra

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Koordinaten: 51° 7′ 39″ N, 10° 11′ 47″ O

Heldra
Stadt Wanfried
Höhe: 173 (169–183) m ü. NHN
Fläche: 5 km²[1]
Einwohner: 490 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 98 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 37281
Vorwahl: 05655
Blick auf Heldra

Blick auf Heldra

Das Steuben-Haus in Heldra
Das Franckesche Gut Heldra
Der zu Heldra gehörende frühere Bahnhof Großburschla

Heldra ist ein dörflicher Stadtteil der Stadt Wanfried im Werra-Meißner-Kreis in Hessen. Zu Heldra gehört die Siedlung Bahnhof Großburschla, die sich im Laufe der Jahre um den in der Gemarkung Heldra gelegenen Bahnhof des thüringischen Nachbarortes entwickelt hat.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heldra liegt am östlichen Rand Nordhessens an der Mündung des Heldrabachs in die Werra. Das Dorf ist an drei Seiten von thüringischem Gebiet umgeben. Am nördlichen Ortsrand treffen sich die Landesstraße 3244 und die Kreisstraße 6; beide führen zur nahen Bundesstraße 250. Südlich erhebt sich, jenseits der Werra auf thüringischer Seite, der 503,8  m hohe Berg Heldrastein, für den Heldra namensgebend war.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf wurde erstmals im Jahre 874 als Heldron, später Hellerbach genannt, erwähnt. In der nördlichen Flur des Ortes markiert die sogenannte „Feldmühle“ den Standort einer Wüstung. Sie soll nach der örtlichen Überlieferung Vorgängerort von Heldra gewesen sein. Im 15. Jahrhundert siedelte man den Ort in die Nähe der Hellerburg um.

1902 erhielt Heldra Anschluss an die Bahnstrecke Schwebda–Wartha, welche nach 1945 durch die Teilung Deutschlands zwischen Heldra und Treffurt unterbrochen und 1970 stillgelegt wurde.

Heldra war von 1949 bis 1990 nach Westen, Süden und Osten vom Territorium der DDR umschlossen und somit nur von Norden aus zugänglich. Der Ort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg dem amerikanischen Sektor zugeteilt, da sich in Heldra das Steuben-Haus befindet, welches die Amerikaner nicht den Russen überlassen wollten. In den 1960er und 1970er Jahren war es ein beliebter Ausflugspunkt, von dem aus man rundum in die DDR schauen konnte. Hierzu waren wie vielerorts entlang der innerdeutschen Grenze besondere Informationspavillons eingerichtet.

Der besondere Grenzverlauf wurde von Amts wegen als „Heldraer Zipfel“ bezeichnet. Tatsächlich konnte man vom obersten „im Westen“ erreichbaren Aussichtspunkt nur den eigenen Ort (Heldra) und die Verbindungsstraße von Großburschla nach Schnellmannshausen sowie ein Stück von Treffurt einsehen, denn der 500 m hohe Heldrastein versperrte die Sicht nach Thüringen. Diese Stelle, wie überhaupt der Ort Heldra, war über Jahre im Kalten Krieg ein beliebtes Motiv für westliche Kamerateams, um direkt vom Eisernen Vorhang zu berichten. Gegenüber dem Aussichtspunkt stand hinter den Grenzzäunen und jenseits der Straße ein mittelgroßer Beobachtungsturm (BT 11) der DDR-Grenztruppen. Er sollte potentielle Flüchtlinge vom Überwinden der Sperranlage abhalten, die hier wegen der extremen Steilhanglage lediglich aus zwei Streckmetallzäunen im Abstand von nur ca. 10 m und wegen der Hundelaufspur ohne Minenfeld bestand. Der Bevölkerung von Großburschla, die täglich mit Bus oder Pkw am Zaun vorbeifuhr, war es streng verboten, den nur einen Steinwurf entfernten Leuten am Aussichtspunkt „im Westen“ durch Gesten wie Winken oder Nicken zu antworten. Außerdem galt absolutes strenges Halteverbot, denn ein kleiner Teil der Straße war vom Turm nicht einsehbar, ausgerechnet dort verlief die Grenze für etwa 150 m unmittelbar neben der Straße und die Zäune lagen wegen des steilen Geländes an einem Punkt auch noch halb unter Straßenniveau, so konnte diese Stelle nur mit regelmäßigen Patrouillen überwacht werden.

Genau dort gelang am frühen Morgen des 3. März 1989 einem Lkw-Fahrer, der die Strecke gut kannte, die Flucht aus der DDR. Er hielt an, legte eine aus einem langen Rohr selbstgebaute Konstruktion (die erfolgreich den übernächtigten Kontrollposten in Schnellmannshausen einen zum Fahrzeug gehörenden Kran vortäuschte), waagerecht von der Ladefläche aus. Die reichte aber nur über den ersten Zaun, er entschloss sich, trotzdem darüber zu krabbeln, musste allerdings jetzt in den Zwischenraum springen. Er sprach trotz Aufregung den Hund freundlich an, der zu seinem Erstaunen friedlich blieb und stellte jetzt erst fest, dass er in der Falle saß, denn der zweite Zaun war zum Überklettern etwas zu hoch. Da half ihm ein unglaublicher Zufall, er sah, dass das Dach auf der Hundehütte nur lose auflag, er benutzte es als Steighilfe und konnte so über den Zaun klettern. In dem steil abfallenden Gelände schaffte er es schnell über die tatsächliche Grenze und verschwand im dichten Wald auf der hessischen Seite. Wie alle Fluchtversuche war auch dieser lebensgefährlich - weniger als neun Monate vor der Wende.

Am 1. April 1972 wurde Heldra in die Stadt Wanfried eingegliedert.[3]

Heldra wurde 2003 Landessieger im Wettbewerb „Unser Dorf“ und errang 2004 eine Silbermedaille im Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Heldrastein (Lithographie)

Im Ort befinden sich viele Fachwerkhäuser und -gehöfte, darunter die Häuser der Ahnen von August Hermann Francke und Friedrich Wilhelm von Steuben. Weitere Sehenswürdigkeiten sind der Heldrastein, das Franckesche Gut und das benachbarte Steuben-Haus im Ortszentrum sowie das Heimatmuseum.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Heldra wurde im 18. Jahrhundert Florian Henning, ein berüchtigter Räuber im Werratal, geboren, er hauste in der Henningshöhle am Heldrastein.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heldra, Werra-Meißner-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 26. Januar 2016)
  2. Geodatenzentrum: Heldra, abgerufen im Februar 2016.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 389.