Hevert-Arzneimittel

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Hevert-Arzneimittel
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1956
Sitz Nußbaum (Rheinland-Pfalz)
Leitung Mathias Hevert, Marcus Hevert (Geschäftsführer)
Mitarbeiterzahl ca. 200
Umsatz ca. 30 Mio. EUR (2018)
Website www.hevert.com
Stand: 4. Juni 2019

Die Hevert-Arzneimittel GmbH & Co. KG ist ein mittelständisches deutsches Pharmaunternehmen mit Sitz in Nußbaum bei Bad Sobernheim, Rheinland-Pfalz, das homöopathische und pflanzliche Arzneimittel sowie Mikronährstoffpräparate herstellt.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Produktpalette von Hevert umfasst homöopathische Einzel- und Komplexmittel, Phytopharmaka, Mikronährstoffpräparate und Vitamine. Für Ärzte und Heilpraktiker bietet die Firma neben Tabletten und Tropfen auch Injektionslösungen an. Mit über 100 vertriebenen Präparaten zählt sich die Firma selbst zu den führenden deutschen Herstellern „von homöopathischen und pflanzlichen Arzneimitteln sowie von Mikronährstoffpräparaten“.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1956 von Emil Hevert in Sobernheim als Hesopharm Pharmazeutische Erzeugnisse gegründet. Viele der Arzneimittel entstanden in Zusammenarbeit mit Schülern von Emanuel Felke, einem Mitbegründer der Komplexmittelhomöopathie.[2]
Hevert hatte vor der Gründung des eigenen Unternehmens in der Firma Richard Mauch & Co. gearbeitet. Mauch hatte Emil Hevert mit den Methoden und Heilmitteln Pastor Felkes bekannt gemacht, der in seinen letzten Lebensjahren eng mit dem Richard Mauch, befreundet war und sich von diesem seit 1922/23 seine Felke-Komplexmittel hat herstellen lassen.[3]

Nach einem Rechtsstreit mit dem Unternehmen Helopharm aus Berlin wurde der Name der Firma 1963 in Hevert-Arzneimittel geändert. Nach dem frühen Tod des Firmengründers wurde es vorübergehend von seiner Frau Dorothea Hevert weitergeführt, bis im Jahr 1972 der Sohn der Gründer, der promovierte Mediziner und Pharmazeut Wolfgang Hevert, die Leitung des Unternehmens übernahm. Als Wolfgang Hevert 2003 im Alter von 55 Jahren starb, übernahm sein ältester Sohn Mathias Hevert die Leitung der Firma. Seit 2014 ist auch sein Bruder Marcus Hevert Geschäftsführer.[4][5]

Seit 2006 stiftet Hevert-Arzneimittel zweijährlich einen mit 10.000 Euro dotierten Dr. Wolfgang Hevert Preis für „Veröffentlichungen die sich mit Grundlagenforschung, klinischen Prüfungen, Therapiekonzepten oder besonderen Fallbeschreibungen auf dem Gebiet der Ganzheitsmedizin, wie beispielsweise der Naturheilkunde oder Homöopathie, befassen“.[6][7][8]

Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 hatte die Hevert-Arzneimittel GmbH & Co. KG 95 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz in Höhe von 16 Millionen Euro. 2013 konnte dieser auf über 20 Millionen Euro gesteigert werden.[9] Bis 2018 stieg er auf 29,7 Millionen Euro.[10]

Rechtsstreitigkeiten, Kontroversen und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2017 darf Heverts Präparat Sinusitis nicht mehr damit beworben werden, es helfe „schnell und effektiv“. Für das Komplexhomöopathikum Calmvalera untersagte das Gericht die Werbebotschaft, es sei eine „effektive Unterstützung bei Schlafstörungen“. Die BGH-Entscheidung erlaubte nur Aussagen, die von der Produktzulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) direkt abgedeckt sind. Die Beschwerde der Firma gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz, in dem die für die Bewerbung von Calmvalera genutzte Aussage „homöopathische Arzneimittel fördern die Selbstheilungskräfte“ wegen unzureichender Belege untersagt worden war, nahm der BGH bereits im Jahr 2016 nicht an. (Az.: ZR 1 6/16).[11]

2019 ging das Unternehmen wegen „ungerechtfertigter Diskreditierungen von Homöopathie“ und „zum konstruktiven Austausch“ juristisch gegen den Journalisten Bernd Kramer[12], die Ärztin Natalie Grams sowie den Apotheker Gerd Glaeske vor und sorgte damit deutschlandweit für Aufsehen.[10][13][14][15][16] Grams wurde in einer Unterlassungsabmahnung aufgefordert, nicht länger zu behaupten, die Wirksamkeit von Homöopathie gehe „nicht über den Placebo-Effekt hinaus“. Sonst drohe eine Vertragsstrafe von 5100 Euro.[14] Grams hat die Erklärung nach eigener Aussage jedoch nicht unterschrieben. Sie erklärte, sie werde es sich „nicht nehmen lassen, den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu referieren“[17] und sprach von einem „Versuch, Kritiker mundtot zu machen“.[15] Glaeske wurde aufgefordert, die Aussage, dass „bei allen Mitteln, die homöopathisch daherkommen, ein Wirksamkeitsnachweis“ grundsätzlich fehle, zu unterlassen, da bei zugelassenen homöopathischen Mitteln im deutschen Arzneimittelrecht ein Wirksamkeitsnachweis gefordert werde. Gerd Glaeske stimmte dem zu, stellte aber fest, dass der Wirksamkeitsnachweis durch „Binnenkonsens“ „nicht den methodischen Anforderungen an einen Nachweis für die therapeutische Wirksamkeit und den therapeutischen Nutzen“ entspricht und er auch weiterhin erhebliche Zweifel am therapeutischen Nutzen homöopathischer Arzneien habe.[15] Mit dem Vorgehen gegen Grams hat sich Hevert in den sozialen Netzwerken viel Ärger eingehandelt, berichtete der Tagesspiegel.

Große Beachtung fand in diesem Zusammenhang ein Beitrag von Jan Böhmermann in seiner Sendung Neo Magazin Royale, in dem sowohl das juristische Gebaren der Firma Hevert, als auch die Lehre der Homöopathie insgesamt kritisiert wurde.[18][19][20][21][22] Böhmermann warf dem Unternehmen unter anderem vor, „Quatsch“ zu produzieren; Hersteller, die so täten, als würde Homöopathie wirklich wirken, bezeichnete er als „Hochstapler“ und „gewerbsmäßige Lügenbarone“. Während der Sendung erhöhte sich ein eingeblendeter Zähler bei jeder Wiederholung der Aussage, die Wirkung homöopathischer Präparate gehe nicht über den Placebo-Effekt hinaus, um die von Hevert in den Unterlassungserklärungen geforderte Summe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wir über uns. der Hevert-Arzneimittel
  2. Hevert – In der Tradition von Pastor Felke
  3. Geschichte der Villa Mauch in Göppingen
  4. Rainer Mersinger: Nachruf Apotheker Dr. med. Wolfgang Hevert. auf naturheilpraxis.de
  5. Führungskreis der Hevert-Arzneimittel
  6. Dr. Wolfgang Hevert-Preis.
  7. Dr. Wolfgang Hevert-Preis 2018. Abgerufen am 9. Juli 2019.
  8. Dr. Wolfgang Hevert-Preis 2018. Abgerufen am 13. Juli 2019.
  9. Hevert mit Rekordumsatz - Zweistelliges Wachstum des Naturheilkunde-Spezialisten. Deutsche Apotheker Zeitung Nr. 4 vom 20. Januar 2014, S. 4
  10. a b Siegfried Hofmann: Homöopathie-Firma sorgt für Empörung im Netz. Handelsblatt vom 4. Juni 2019
  11. Hinnerk Feldwisch-Drentrup: Bundesgerichtshof - Hevert darf nicht mit Selbstheilung werben. DAZ.online vom 14. Februar 2017
  12. René Martens: Homöopathie-Kritik: Arzneimittelhersteller schickt Anwaltsschreiben zum konstruktiven Austausch. In: Journalist, 8. Juli 2019.
  13. Julia Borsch: Registrierte vs. zugelassene Homöopathie: Hevert legt Wert auf Unterscheidung. DAZ.online vom 4. Juni 2019
  14. a b Julia Köppe: Pharmakonzern geht juristisch gegen Homöopathie-Kritiker vor. Spiegel online vom 3. Juni 2019
  15. a b c Christoph von Eichhorn: Homöopathie-Firma mahnt Skeptiker ab. Süddeutsche Zeitung vom 31. Mai 2019
  16. Hevert - Hersteller homöopathischer Arzneimittel verklagt Kritiker. Focus online vom 1. Juni 2019
  17. Leonie Feuerbach: Ärztin als Aktivistin: „Homöopathie ist Esoterik und nicht Medizin“. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 9. Juni 2019]).
  18. Nach Böhmermann-Satire: Mehr Respekt in der Homöopathie-Debatte. Abgerufen am 18. Juni 2019.
  19. VICE Staff: So brutal zerstört Böhmermann die Homöopathie. In: Vice. 14. Juni 2019, abgerufen am 15. Juni 2019.
  20. Berliner Morgenpost- Berlin: Jan Böhmermann nimmt Homöopathie auseinander: Hat er recht? 14. Juni 2019, abgerufen am 15. Juni 2019 (deutsch).
  21. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Germany: Nach Böhmermanns Kritik an Homöopathie: Globuli-Anbieter Hevert wird online verhöhnt. Abgerufen am 18. Juni 2019.
  22. Böhmermann hat gerade die Homöopathie zerstört. Abgerufen am 18. Juni 2019.