Weleda (Unternehmen)

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Weleda AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1921[1]
Sitz Arlesheim, Schweiz
Leitung Aldo Ammendola (CRDO),
Ralph Heinisch (CEO),
Michael Brenner (CFO),
Andreas Sommer (CCO),
Paul Mackay
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 2'371 (12/2015)
Umsatz 389 Mio. EUR (2015)[2]
Branche Naturkosmetik, Komplementärmedizin
Website www.weleda.com

Die Weleda AG ist eine international tätige Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Arlesheim, Schweiz, die Naturkosmetik und anthroposophische Arzneimittel produziert. Sie hat eine anthroposophisch inspirierte Unternehmensphilosophie.

Produkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen macht etwa 70 % seines Umsatzes mit Naturkosmetik und 30 % mit Arzneimitteln.[2]

Die anthroposophischen Arzneimittel, die ursprünglich das Kerngeschäft ausmachten, werden auf Grundlage der Anthroposophischen Medizin entwickelt und hergestellt. Zu den speziellen, von der Weleda entwickelten Herstellverfahren gehören das Rh-Verfahren, das durch rhythmische Bewegungen die Haltbarkeit erhöhen soll, und die „Vegetabilisierung“ von Metallen.

Organisation der Weleda-Gruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weleda AG ist eine Aktiengesellschaft nach schweizerischem Recht mit Hauptsitz in Arlesheim bei Basel. Eigentümer der Weleda AG sind die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft, die Klinik Arlesheim und rund 500 Aktionäre und Partizipanten.[3] Die Anthroposophische Gesellschaft und die Klinik Arlesheim halten zusammen 76 Prozent der Stimmrechte und 34 Prozent des Kapitals der Weleda AG.[3]

Der Verwaltungsrat setzt sich zusammen aus Vertretern der wichtigsten Anteilseigner und Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben. Er wurde zuletzt am 05. Juni 2015 neu gewählt.[4] Unternehmerisch geführt wird die Weleda Gruppe von der Weleda Geschäftsleitung. Sie ist verantwortlich für die Umsetzung der Unternehmensstrategie auf internationaler Ebene.

Der größte Teil des Arzneimittel- und Naturkosmetiksortiments wird in den Betrieben der drei Länder Schweiz, Deutschland und Frankreich produziert. Die deutsche Niederlassung in Schwäbisch Gmünd mit etwa 1000 Mitarbeitern ist die größte Niederlassung.

Insgesamt umfasst die internationale Weleda Gruppe 18 Mehrheitsbeteiligungen und weitere Minderheitsbeteiligungen, Vertretungen und Lizenznehmer weltweit. Insgesamt beschäftigt die Weleda AG mehr als 2300 Menschen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1920–1933[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rudolf Steiner um 1905

Die heutige Weleda AG geht auf zwei Gründungen in Deutschland und der Schweiz zurück. Die schweizerische Futurum AG wurde 1920 in Dornach von Ita Wegman und Rudolf Steiner gegründet und verfügte ab dem 1. Februar 1921, nachdem das „Laboratorium am Goetheanum“ gekauft wurde, über eine pharmazeutische Herstellung. In Stuttgart in Deutschland wiederum wurde unabhängig davon die Firma Der kommende Tag AG – Aktiengesellschaft zur Förderung wirtschaftlicher und geistiger Werte am 13. März 1920 von Rudolf Steiner mitgegründet. Die Zentrale Des kommenden Tages war in Stuttgart und in Schwäbisch Gmünd wurde ein Mühlenbetrieb gekauft, um Nahrungsmittel und Arzneimittel herzustellen.

Die Futurum AG und die Der kommende Tag AG waren als sogenannte „Assoziationen“ gegründet worden, um der Verbreitung der Dreigliederungs-Idee durch eine allmähliche Wirtschaftsreform einen neuen Auftrieb zu geben. Weiterhin sollten diese beiden Betriebe die finanziellen Mittel für das Fortführen der verschiedenen Initiativen innerhalb der anthroposophischen Bewegung – zum Beispiel der Aufbau des Goetheanum oder der „Freien Waldorfschule Stuttgart“, sichern. Daher betonte Rudolf Steiner, dass sowohl die Arzneimittel wie auch die Naturkosmetik Gewinn bringen müssten und sich nicht gegenseitig finanzieren dürften, da ansonsten das große Ziel gefährdet sei.[5]

Infolge einer Liquiditätskrise bei der Futurum AG im Jahr 1922 wurden die Firma in Internationale Laboratorien AG (ILAG) umbenannt und neue Aktien ausgegeben. Da auch die deutsche Vorläuferfirma der Weleda Der kommende Tag AG im Jahr 1922 kurz vor dem Konkurs stand, bat Rudolf Steiner auf der Hauptversammlung die Aktionäre Des kommenden Tages ihre Anteile an die ILAG zu verschenken, da er hoffte, dass durch diesen Schritt das Überleben beider Firmen gewährleistet sein würde.

Nachdem die Mitglieder dem zugestimmt hatten, firmierte die neu fusionierte Firma am 21. November 1922 unter den Namen Internationale Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim A.G.[1] Wegen Namensstreitigkeiten wurden ab 1924 die Heilmittel unter den Namen Weleda vertrieben und am 25. September 1924 auch markenrechtlich geschützt. Am 10. Dezember 1928 wurde vom Verwaltungsrat beschlossen, dass auch die ILAG den Namen Weleda AG bekommt und dementsprechend wurde dies dann in den Handelsregistern eingetragen.[6]

Der Name Weleda geht auf die germanische Heilpriesterin Veleda zurück, die als Prophetin und Seherin wirkte. Der Firmenname deute an, dass die Quelle der Heilkunst gemäß anthroposophischem Verständnis im übersinnlichen Bereich liegt.[7] (Weleda wird aber mit W statt mit V geschrieben, da befürchtet wurde, dass in manchen Sprachen das V wie ein F ausgesprochen werden könnte)

1933–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1980er Jahren geriet das Unternehmen in die Kritik, weil es dem KZ-Arzt und Himmler-Protegé Sigmund Rascher eine „naturheilkundliche Frostschutzcreme“ geliefert hatte. Rascher, der Lösungen für die Probleme von ins Meer abgestürzten Wehrmachtspiloten suchte, setzte die Weleda-Creme im Rahmen von Unterkühlungsversuchen an Häftlingen im Konzentrationslager Dachau ein. Obwohl die Firma Weleda Sigmund Rascher unter seiner Münchner Privatadresse belieferte und von der Verwendung der Creme aufgrund der Geheimhaltungsstufe der Versuche Raschers keine Kenntnis hatte,[8] entschuldigte sich das Unternehmen Ende der 1990er Jahre schriftlich bei der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH) und sicherte dem Historischen Seminar der Universität Basel die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung durch eine Öffnung seiner Firmenarchive zu.[9] Die Weleda AG in Schwäbisch Gmünd als Niederlassung einer Schweizer AG überstand das NS-Regime und die Kriegsjahre relativ unbeschadet – wenn auch nicht ohne zeitweise schwere Bedrohung durch behördliche Maßnahmen, da die Anthroposophie während der NS-Zeit in Deutschland verboten war.

ab 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptverwaltung der Weleda in Schwäbisch Gmünd

Im Jahre 1964 wurde das Krebs-Arzneimittel „Iscador“ bei den Krankenkassen zugelassen und seit 1976 wirken Weleda-Mitarbeiter in der Deutschen Homöopathischen Arzneimittel-Kommission an den Arzneibuch-Monografien des Homöopathischen Arzneibuchs (HAB) mit. Fast alle aufgeführten mineralischen, wärmebehandelt und rhythmisch behandelt bezeichneten Arzneimittel gehen auf Weleda zurück. Das Sortiment umfasst über 120 Naturkosmetikprodukte und über 1000 Fertig-Arzneimittel. Das Unternehmen beschäftigt zurzeit 2371 Mitarbeiter weltweit (1000 davon in Schwäbisch Gmünd). Weleda ist nach den Regelwerken EU-Ökoaudit-Verordnung und nach der Norm ISO 14001 zertifiziert.

Calendula-Feld im Weleda-Heilpflanzengarten

Im Juli 2006 wurden der Heilpflanzenanbau und die Pflanzenverarbeitung in die hundertprozentige Tochterfirma Weleda Naturals ausgegliedert. Die Weleda Naturals stellte jährlich rund 450 verschiedene Tinkturen und Ölauszüge aus Frischpflanzen und getrockneten Kräutern her, die in den drei Weleda Herstellstandorten als Ausgangsstoffe für die Arzneimittel und Körperpflegeprodukte Verwendung finden. 2014 wurde die Weleda Naturals GmbH in die Weleda AG integriert. Im firmeneigenen Heilpflanzengarten werden rund 260 verschiedene Heilpflanzen angebaut, die zum großen Teil nach der Ernte sofort als Frischpflanze verarbeitet werden. Mit 23 Hektar in biologisch-dynamischer Anbauweise ist er der größte Heilpflanzengarten Europas mit Freilandanbau für einheimische Arten und Gehölze sowie Gewächshäusern für die Jungpflanzenzucht und tropische Pflanzen. Um der großen Anzahl an Besuchern gerecht zu werden, betreibt Weleda in Schwäbisch Gmünd ein Besucher- und Erlebniszentrum gebaut, in dem Führungen, Kurse und Massagen angeboten werden.

2008 kam es zu Problemen in der Lieferkette infolge einer IT-Umstellung. So mussten Waren wegen Ablauf des Verfalldatums teilweise vernichtet werden und einige Kunden erhielten Waren, aber keine Rechnungen.[10]

2009 zertifizierte Weleda seine sogenannten Naturkosmetikprodukte nach den Richtlinien des Ende 2008 von Naturkosmetikherstellern gegründeten NaTrue-Label[11] und erzielte 2009 einen Umsatzwachstum von 13 Prozent auf 399,4 Millionen Franken.[12] Utopia, Deutschlands größte Gemeinschaft für nachhaltigen Konsum verlieh Weleda 2009 den Utopia-Award gleich zweifach: Neben dem Jury-Preis wählte auch das Publikum Weleda zum vorbildhaftesten Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit.[13] Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundesfamilienministerin Renate Schmidt ehrten Weleda mit dem Innovativpreis für zukunftsweisende familienorientierte Maßnahmen. Das Weleda Generationen-Netzwerk erhielt 2010 vom Bund Deutscher Unternehmensberater den „Demografie Exzellenz Award“.

Im Jahr 2012 kam es aufgrund von Verlusten in den vorangehenden Jahren zu einer umfassenden Reorganisation des Unternehmens, an deren Beginn ein vollständiger personeller Wechsel an der Spitze von Weleda stand: Der Verwaltungsrat wurde von den Aktionären neu besetzt und dieser wieder setzte den Kaufmann Ralph Heinisch als CEO ein. Im selben Jahr erwirtschaftete Weleda einen Überschuss von 0,5 Mio. Euro nach Steuern bei einem Umsatz von 322,5 Mio. Euro (+5 Prozent).

2014 war Weleda Projektpartner der baden-württembergischen Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd. Mit 2 Millionen Besuchern war sie die erfolgreichste ihrer Art. Das Geschäftsjahr endete mit einem Umsatz von 364 Mio. Euro (+8 Prozent).

Im Jahr 2015 wuchs der Umsatz um 7 Prozent. Für das Projekt „Ethische Beschaffung natürlicher Rohstoffe“ wurde die Weleda AG 2016 mit dem Swiss Ethics Award, dem Preis des Swiss Excellence Forum ausgezeichnet.

Heute ist Weleda der drittgrößte Hersteller von Babypflege-Produkten in Deutschland und Marktführer bei zertifizierter Naturkosmetik in Europa.[14] 2015 erreichte Weleda in Deutschland einen Marktanteil von 25 Prozent.[15]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weleda finanzierte mit Claus Fritzsche einen Betreiber mehrerer Websites, der sich selbst als Journalist bezeichnete und sich auf diesen der Diffamierung von Kritikern komplementärmedizinischer Praktiken widmete. Dabei verwendete Fritzsche verschiedene Server, die sich gegenseitig verlinken, um so unter anderem die Google-Suchergebnisse zu manipulieren und so die Kritik in den Vordergrund zu rücken. Ein Opfer dieser Praxis war der britische Forscher Edzard Ernst.[16] Weleda stellte im Juli 2012 die Finanzierung ein, nachdem Jens Lubbadeh in der Süddeutschen Zeitung diese Vorgehensweise kritisiert hatte.[17] 2011 unterstellte eine Zürcher Bloggerin Weleda, mit Fakeaccounts die firmeneigene Facebookseite zu unterstützen.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda (= Beiträge zur Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe. Nr. 118/119, ZDB-ID 302064-2). Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach 1997.
  • Uwe Werner: Das Unternehmen Weleda 1921-1945. Berliner Wissenschaftsverlag, 2014, ISBN 978-3-8305-3272-9.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kosmetik aus der Natur – Weleda in Schwäbisch Gmünd. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 29:47 Min., Buch und Regie: Thomas Eberding, Produktion: SWR, Reihe: made in Südwest, Erstsendung: 19. August 2015 bei SWR, Inhaltsangabe von ARD, online-Video.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Beiträge zur Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe. Veröffentlichen aus der Archiv der Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, Dornach Heft Nr. 118/119, 1997, Seite 34 (PDF-Datei)
  2. a b Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2015 (PDF; 3,2 MB).
  3. a b Vgl. Geschäftsbericht 2015, Seite 1
  4. Pressemitteilung Weleda AG vom 26. März 2012.
  5. Vgl. Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda. 1997, Seite 181 ff.
  6. Vgl. Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung (Hrsg.): Rudolf Steiner und die Gründung der Weleda. 1997, Seiten 35, 44, 47, 89.
  7. Barbara Burkhard: Anthroposophische Arzneimittel. Eine kritische Betrachtung. GOVI, Eschborn 2000. S. 15.
  8. Vgl. Uwe Werner: Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus. (1933–1945). Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56362-9, S. 361.
  9. Iso Ambühl: Crème für KZ: Weleda bedauert. In: SonntagsZeitung, Nr. 15, 12. April 1998, im Archiv der Aktion Kinder des Holocaust (AKdH), aufgerufen am 10. Januar 2016.
  10. Weleda musste eigene Ware vernichten. In: Gmünder Tagespost, 2. Februar 2008.
  11. Natrue: Weleda Natrue Mitgliedschaft.
  12. Weleda AG: Geschäftsbericht 2009 (PDF; 2,2 MB).
  13. Utopia: Award Gewinner 2009 (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive).
  14. Vgl. Christiane Jaud: Corporate Social Responsibility als Erfolgsfaktor für das Marketing von Unternehmen. GRIN Verlag, München 2009, ISBN 978-3-640-48987-9, Seite 71ff.
  15. ug: Weleda wächst mit Naturkosmetik und Arzneimitteln. In: Pharmazeutische Zeitung, 3. Februar 2012 und in: Lebensmittel Zeitung, Nr. 27, 6. Juli 2012, S. 98.
  16. Jens Lubbadeh: Homöopathie-Lobby im Netz – Schmutzige Methoden der sanften Medizin. In: Süddeutsche Zeitung, 30. Juni 2012.
  17. merdeister: Weleda und die Weisheit der Menschen. In: der Freitag / Blog, 9. Juli 2012.
  18. Uli Busch: „Wir betreiben keine Fake-Accounts“: Weleda wehrt sich gegen Social-Media-Vorwürfe. In: W&V, 17. Oktober 2011.