Hollands Diep

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Lage des Hollands Diep

Das in den Niederlanden gelegene Hollands Diep, auch Hollandsch Diep (deutsch Holländische Tiefe), ist ein breiter, nach Westen gerichteter Stromarm im Zuge des südlichen der beiden Hauptmündungsstränge des Rheins. Das Hollands Diep war bis 1970 eine offene Bucht der Nordsee. Durch den Bau des Haringvlietdams im Rahmen der Deltawerke ist der Zugang von See aus nur noch über Schleusen gegeben.

Lage und Charakteristik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das etwa 21 Kilometer lange küstennahe Binnengewässer ist das vorletzte Teilstück des breitesten Rheinarms im verzweigten Rhein-Maas-Delta. Es beginnt im Osten als Fortsetzung der Neuen Merwede, ihrerseits die Fortsetzung der Waal (Hauptstrang des Rheins). An dieser Stelle mündet die Amer, die das unterste Teilstück der Maas (Bergsche Maas) darstellt. Im Mündungswinkel liegt die teilweise naturbelassene Deltalandschaft des Biesbosch.

An seinem Westende gabelt sich das ästuarartig aufgeweitete Hollands Diep in die beiden Gewässer Volkerak im Südwesten (durch Schleusen abgetrennt) und Haringvliet im Westen. Beide, und somit auch das Hollands Diep, wurden beim Bau der Deltawerke von der Nordsee abgedämmt. Alle diese Gewässer wandelten sich dadurch seit 1970 von salzigen oder brackigen, unter Gezeiteneinfluss stehenden Ästuaren in Süßwasserseen. Die seit 2010 laufende vorsichtige erneute Verbrackung betrifft nur den Westteil des benachbarten Haringvliet.

Das Hollands Diep liegt auf der Grenze zwischen den niederländischen Provinzen Südholland im Norden und Nordbrabant im Süden. Im Norden des Hollands Diep liegt der Hoeksche Waard und die Dordrechter Insel; zwischen ihnen stellt das Dordtse Kil eine Verbindung zur Alten Maas und zum Nieuwe Waterweg her.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sturmflut von 1216 schlug bei Voorne eine Lücke in den küstenbegleitenden Dünensaum, wodurch zunächst das benachbarte Haringvliet entstand (Name seit 1315). Etwa 1250 erreichte das Wasser die Striene, von wo es bis weit nach Brabant seinen Weg suchte. Das Hollands Diep entstand 1421 durch die sogenannte Elisabethenflut, die die Mündungsbereiche von Rhein, Maas und Schelde grundlegend veränderte. Zu Beginn war die neue Meeresbucht um ein Vielfaches breiter und reichte viele Kilometer weiter nach Osten. Durch Anlandung, Verlandung und Einpolderung schrumpfte das Hollands Diep auf das heutige Ausmaß. Das Hollands Diep hieß früher Wijvekeen.

Hydrologische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1904 die alte Mündung der Maas in die Waal verschlossen wurde (Afgedamde Maas) vereinigt sich im Hollandsch Diep das Wasser der Maas (Bergsche Maas) mit mehr als der Hälfte des Rheinwassers (durch die 1874 angelegte Nieuwe Merwede). Bis 1970 verteilte sich der Abfluss von hier ins Meer großenteils auf das Haringvliet und den Volkerak, der zu der Zeit selber noch mehrere Abflusswege hatte. Seit 1970 ist der Volkerak vom Delta abgetrennt. Vom Wasser des Hollands Diep erreichen durchschnittlich 80 % die See durch die Mündung des Harinvliet, durchschnittlich ein Fünftel wird durch das Spui in den Nieuwe Waterweg abgezweigt.

Das Wassermanagement im Rheindelta strebt mittels mehrerer Sperrwerke einen Durchfluss von etwa 1500 m³/s im Nieuwe Waterweg (durch den Hafen Rotterdam) an; die darüber hinausgehende Wasserführung vor allem der Waal wird überwiegend über die Nieuwe Merwede und das Hollands Diep abgeleitet; im Mittel sind dies rund 950 m³/s.[1] Umgekehrt wird bei niedrigem Wasserstand des Rheins (weniger als 1100 m³/s beim Pegel Lobith an der deutschen Grenze) der Haringvliet-Damm nahezu geschlossen, so dass das vereinigte Wasser von Waal und Maas über verschiedene Wege dem Nieuwe Waterweg zuströmt.[2] Dadurch weist das Hollands Diep zusammen mit der Nieuwe Merwede und dem Haringvliet einen jahreszeitlich extrem schwankenden Durchfluss auf mit Pegelschwankungen von fast zwei Metern.

Daneben gibt es als Scheintide bezeichnete tägliche Schwankungen, die sich durch das Schließen der Haringvliet-Schleusen bei Flut ergeben.

Kulturlandschaft und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hollands Diep konnte vor 1872 nur eher mühsam per Schiff überquert werden. Es war damit auch ein Symbol der früher bedeutenden kulturellen Kluft zwischen dem protestantischen Norden und dem katholischen Süden der Niederlande. Die niederländischen Redewendungen boven Moerdijk („oberhalb Moerdijks“) bzw. beneden Moerdijk („unterhalb Moerdijks“) wollen sagen „im eigentlichen, protestantischen Holland“ bzw. „in den südlichen, katholischen Niederlanden“ (Nordbrabant und Limburg).

Am Südufer liegt der historische Festungsort Willemstad (Teil der Befestigungsanlagen am Hollands Diep und am Volkerak).

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das Hollands Diep führen bei Moerdijk die Moerdijkbruggen (eine Autobahn- und zwei Eisenbahnbrücken). Am Übergang zu den anderen Ästuaren liegen die Haringvlietbrug und der mit Schleusen versehene Helegatdam.

Ein Teil des Hollands Diep gehört zur Schifffahrtsroute zwischen Rotterdam und Antwerpen. Davon zeugen auch die Hafenanlagen von Moerdijk-Zevenbergen am Südufer.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anm.: Dieser Wert aus den Publikationen des Rijkswaterstaat übersteigt zusammen mit dem Abfluss des Nieuwe Waterweg die mittlere Wasserführung des Rheins an der Deutsch-Niederländischen Grenze von 1300 m³/s. Siehe hierzu: Flusssystem des Rheins
  2. Rijkswaterstaat: Water Management in the Netherlands, 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]