Holzschuher von Harrlach

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Stammwappen der Holzschuher

Die Holzschuher von Harrlach (auch: Holzschuher zu Harrlach und Thalheim-Aschbach) sind eine der ältesten nachweisbaren Patrizierfamilien der Reichsstadt Nürnberg, erstmals 1228 urkundlich mit Heinricus Holzschuher erwähnt.[1] Die Holzschuher waren ab 1319, mit kurzen Unterbrechungen, bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Jahr 1806 im „Inneren Rat“ vertreten und gehörten nach dem „Tanzstatut“ zu den zwanzig alten ratsfähigen Geschlechtern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Holzschuher entstammten wahrscheinlich der Ministerialität aus der Umgebung von Nürnberg. Schon früh unterhielt die Familie eine Handelsgesellschaft, die mit flandrischem Tuch handelte und in Geldgeschäften tätig war. Berühmt ist das „Handlungsbuch der Holzschuher“ für die Jahre 1304 bis 1307,[2] das älteste vollständig erhaltene Kaufmannsbuch des deutschsprachigen Raums. Sie traten mit ihren Gesellschaften vom 14.–16. Jahrhundert im gesamten von Nürnberger Firmen besuchten Handelsraum auf. 1350 erweiterten die Holzschuher ihren Handel mit Gewürzen, engagierten sich seit 1480 immer stärker im Warenhandel aus Osteuropa (Felle, Leder, Pelze, Häute, Wachs) und um 1485 im Kupfergeschäft (Messinghütte in thüringischen Eisfeld). Die Holzschuher sind und waren auf der ganzen Welt zu Hause: Franken, Bayern, Livland, Ostindien, Nordamerika, Schlesien, Württemberg und Österreich. Seit Mitte des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts hatten sie Hämmer und Hütten im Nürnberger Landgebiet sowie Bergwerksbeteiligungen in Böhmen, Kärnten, in der Steiermark und gehörten zu den bedeutendsten Montanunternehmern ihrer Zeit. Viele Holzschuher reisten bereits im ausgehenden Mittelalter nach Palästina und Ägypten oder nahmen an Markgrafenkriegen, dem 30-jährigen Krieg unter Wallenstein oder als Ritter des Deutschen Ordens an Kriegszügen teil, wobei sie ihren Reichtum mehrten.

Über ihre Besitztümer in Neuenbürg, Aspach (auch: Asbachhof) und Vestenbergsgreuth (Lkr. Erlangen-Höchstadt) gehörten sie der Fränkischen Reichsritterschaft an und wurden hierüber 1815 als Edle in die bayerische Adelsmatrikel aufgenommen und 1819 in den Freiherrenstand erhoben.[3]

Der vollständige Name des noch heute bestehenden Geschlechts, „Holzschuher von Harrlach“, leitet sich von dem 1727 erworbenen Landgut Harrlach ab, einem kleinen Ort, gelegen in der Nähe von Allersberg, heute ein Stadtteil von Roth (bis 1874 im Familienbesitz). Die Holzschuherkapelle auf dem Nürnberger Johannisfriedhof war über Jahrhunderte hinweg die Begräbnisstätte der Familie. Im Nürnberger Stadtteil Sündersbühl ist eine Straße nach den Holzschuhern benannt.

Im Jahr 2002 übergab das Familienoberhaupt Wolf von Holzschuher das wertvolle Familienarchiv als Dauerleihgabe an das Stadtarchiv Nürnberg. Verbunden ist der Name der Holzschuher auch mit einem berühmten Gemälde Albrecht Dürers, das den Kaufmann Hieronymus Holzschuher (1469–1529) zeigt.

Ehemalige Besitzungen (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das frühere Holzschuher-Schloss in Almoshof
Familienwappen vom Portal in Almoshof

Der namensgebende Stammsitz der Holzschuher war 1727–1874 das Landgut mit Schloss Harrlach [4] bei Allersberg.
Weiterhin besaßen sie:

  • 1258 (mit Unterbrechung bis zum Ende der Grundherrschaft 1850) Grundbesitz in Hausen (bei Forchheim)
  • 1352–1941 Grundbesitz in Almoshof – das „Holzschuher-Schlösschen“ (1692 neu erbaut)
  • 1405–1537 das Harsdorfsche Schloss in Fischbach
  • 1405–1535 das Scheurlsche Schloss in Fischbach
  • 1405–1517 das Pellerschloss in Fischbach
  •  ????–???? Besitzungen in Horbach bei Langenzenn[5]
  • 1453–1532 den kleinen Heilsbronner Hof neben dem Heilsbronner Hof in Nürnberg
  • 1467–1502 das Burgfriedschlösschen in Sündersbühl
  • 1473–1482 die Unterbürg in Laufamholz (mit folgenden Erbschaftsstreitigkeiten)
  • 1518–1566 das Hallerweiherhaus in Gleisbühl
  • 1530–1539 das Schlüsselfeldersche Schloss (Kugelhammer) in Röthenbach bei Sankt Wolfgang
  • 15??–1535/1931–2001 (ca.)[6] das Schloss Artelshofen (Gemeinde Vorra)
  • 1545–1822 das Doktorschlösschen in Mögeldorf – mit Grundherrschaft
  • 1556–1561 der Herrensitz Enzendorf bei Hartenstein
  • 1592–1703 „Neuenbürg“[7] bei Weisendorf, Seitenlinie
  • 1592-???? das Lehen Kairlindach bei Weisendorf[8]
  • 1611–1680 den Herrensitz Birnthon
  • 1621–1909 „Thalheim“ bei Hersbruck, Seitenlinie
  • 1660–1697 Besitzungen in Kleingeschaidt[9]
  • 1707–1783 „Aspach“ bei Uffenheim, Seitenlinie
  • 1756–1838 das Rittergut Vestenbergsgreuth bei Höchstadt an der Aisch
  • 1770–1??? das Müller-Vargethsche Freihaus in Kornburg
  • Grundbesitz in Rummelsberg – um 1480
  • Grundbesitz in Oberschöllenbach – um 1630
  • 1920–1987 Schloss Gymnich bei Erftstadt
  • 1920-heute Herrenhaus Schloss Vischel bei Berg

Bekannte Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Albrecht Dürer, Bildnis des Hieronymus Holzschuher, 1526

Lorenz Holzschuher und seine Nachfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzumerken ist, dass die hier wiedergegebene Zitierung aus Johann Gottfried Biedermanns Nürnberger Geschlechtsregister viele fehlerhafte Informationen über die Holzschuher enthält, die zudem in vielen Fällen nicht belegbar sind. Der Wert dieser Genealogie als historische Quelle ist daher immer sehr kritisch zu betrachten.

Lorenz I. Holzschuher (* um 1080 Nürnberg oder Gegend um Nürnberg; † 1130 Nürnberg), beerdigt 1130 in Nürnberg St. Sebald, wohnte auf der Nürnberger Burg, weil die Stadt wüst und öde war. Er ist der Stammvater der vier Nürnberger Holzschuher-Linien. Später waren einige von ihnen Bürgermeister zu Nürnberg, außerdem finanzierten sie mehrere Kriegszüge.

Die Sitze der Familie waren: Harrlach, Neuenbürg, Thalheim, Asbachhof, Almoshof. In ihrem Wappen haben sie den Holzschuh und den Mohren, der auf Sklavenhandel hindeutet, was allerdings im späten Mittelalter bei den Machthabern und Kaufleuten gang und gäbe war.

Gemehrtes Holzschuher-Wappen nach Johann Siebmacher (1601)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stammwappen zeigt in Gold einen links gekehrten, rot gefütterten und silbern verzierten schwarzen Holzschuh. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein rot-gekleideter Mohrenrumpf mit silbernem Kragen und Knöpfen, bedeckt mit einem gold-gestulpten roten Spitzhut.

Wappengeschichte: Wolf Holzschuher wurde 1503 von König Emanuel von Portugal zum Ritter des Ordens Jesu Christi geschlagen und fügte das Ordenszeichen dem Wappen hinzu. Die Wappenmehrung wurde 1547 von Kaiser Karl V. für das ganze Geschlecht bestätigt.[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Christoph Gatterer: Historia Genealogica Dominorum Holzschuherorum Ab Aspach Et Harlach In Thalheim Cet. Patriciae Gentis Tum Apud Norimbergenses Tum In Exteris Etiam Regionibus Toga Sagoque Illustris Ex Incorruptis Rerum Gestarum Monimentis Conquisita. – Nürnberg 1755
  • Walter Gebhardt: Patrizische Leidenschaften: Christoph Sigmund Holzschuher und seine „Deductions-Bibliothek von Teutschland“, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 91 (2004), S. 195–210.
  • Christoph von Imhoff (Hrsg.): Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten. Nürnberg: Hofmann, 1984, 425 S., ISBN 3-87191-088-0; 2., erg. u. erw. Auflage, 1989, 459 S.; Neuauflage: Edelmann GmbH Buchhandlung, Oktober 2000
  • Werner Schultheiß: Holzschuher, von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 579 (Digitalisat).
  • Michael Diefenbacher: Holzschuher von Harrlach, Patrizierfamilie. In: Michael Diefenbacher, Rudolf Endres (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg. 2., verbesserte Auflage. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8 (online).
  • Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band V, Band 84 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1984, ISSN 0435-2408
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1859. Neunter Jahrgang, S.325f Holzschuher von Harrlach

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Holzschuher von Harrlach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Original im bayerischen Haupt-Staatsarchiv München
  2. Schieber, M. Nürnberg – Eine illustrierte Geschichte der Stadt. München: Beck, 2000.
  3. Michael Diefenbacher: Das Archiv der Patrizierfamilie Holzschuher von Harrlach im Stadtarchiv Nürnberg. In: Nordrhein-Westfälisches Hauptstaatsarchiv (Hrsg.): Der Archivar. Nr. 3, Juli 2002, ISSN 0003-9500, S. 236 (PDF, 637 KB [abgerufen am 19. Dezember 2010]).
  4. Die Geschichte von Harrlach (Memento des Originals vom 11. Juli 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.stadt-roth.de
  5. Die Geschichte von Horbach
  6. Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold von Haller – Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft
  7. Geschichte von Neuenbürg
  8. Die Geschichte von Kairlindach
  9. Geschichte von Kleingeschaidt (Memento des Originals vom 30. Juli 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kleingeschaidt.de
  10. Holzschuher, Ludwig von bei DNB
  11. Genealogisches Handbuch der lebenden Raths- und Gerichtsfähigen Familien der vormaligen Reichsstadt Nürnberg, München 1822, S. 66