Horst Winterstein

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Horst Winterstein (* 5. Oktober 1934 in Novi Sivac (Neu-Siwatz, Königreich Jugoslawien); † 24. Juli 2006) war ein deutscher Jurist und Politiker (SPD).

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Horst Winterstein ist der Sohn des SPD-Politikers Ladislaus Winterstein[1] und Bruder des SPD-Politikers Norbert Winterstein. Horst Winterstein verbrachte seine Kindheit in Jugoslawien, musste das Land aber nach dem Zweiten Weltkrieg verlassen. Nach dem Abitur nahm er ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Frankfurt am Main auf, welches er mit der ersten juristischen Staatsprüfung beendete. Anschließend war er bis 1966 bei der Finanzverwaltung des Landes Hessen beschäftigt und wurde zudem als Rechtsanwalt zugelassen.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winterstein trat 1951 der SPD bei und war später stellvertretender Vorsitzender des SPD-Bezirks Hessen-Süd sowie Mitglied im Landesvorstand der Partei. Winterstein übernahm im SPD-Ausschlussverfahren gegen Diether Dehm nach dessen Enttarnung als inoffizieller Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit im Mai 1996 die Funktion seines innerparteilichen Rechtsbeistands.[2][3] Winterstein behauptete, der Forschungsverbund SED-Staat habe von der Deutschen Bank einen „Mehrere-hunderttausend-D-Mark-Betrag“ bekommen, um den „Banken-Gegner Dieter Dehm“ als IM-Spitzel zu enttarnen. Klaus Schroeder bezeichnete diese Darstellung in der FAZ als „Märchen“.[4]

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winterstein war von 1960 bis 1978 Stadtverordneter in Hattersheim am Main und wurde 1968 Mitglied des dortigen Kreistags. Er gehörte von 1976 bis 1991 als Abgeordneter dem Hessischen Landtag an, war dort zunächst von 1978 bis 1980 stellvertretender Vorsitzender und anschließend von 1980 bis 1984 Vorsitzender der SPD-Fraktion.

Öffentliche Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Winterstein wurde am 4. Juli 1984 als Staatsminister des Innern in die von Ministerpräsident Holger Börner geführte Landesregierung von Hessen berufen. Während seiner Amtszeit galt er als Unterstützer der rot-grünen Koalition und als Bindeglied zwischen Joschka Fischer und dem Ministerpräsidenten. Nach dem Bruch der Koalition und der knappen Wahlniederlage der SPD bei den Landtagswahlen 1987 schied Winterstein am 23. April 1987 aus der Regierung aus und wurde als Innenminister vom CDU-Politiker Gottfried Milde abgelöst.

Siehe auch: Kabinett Börner III

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1998 bis 2004 war Winterstein Aufsichtsratsvorsitzender des hessischen DJH-Landesverbands.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Für die Stasi ein Staatsfeind – für Gauck auch! - Das Lehrstück Dehm In: Jochen Zimmer (Hrsg.): Das Gauck-Lesebuch. Eine Behörde abseits der Verfassung?, Eichborn-Verlag, 1999, ISBN 3-8218-1532-9. Online-Fassung auf der Homepage Diether Dehm, den er in diesem Artikel entgegen den öffentlichen Beschuldigungen Wolf Biermanns als Verteidiger Dehms von dem Verdacht freispricht, sich als MFS-Spitzel das Vertrauen des aus der DDR vertriebenen Liedermachers erschlichen zu haben. Diese Darstellung Wintersteins gilt für den Politikwissenschaftler und DDR-Forscher als Klaus Schroeder in einer Rezension, die im November 2016 veröffentlicht wurde, als sehr unglaubwürdig. [4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ladislaus Winterstein. Hessische Biografie (Stand: 9. Dezember 2011). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL), abgerufen am 12. Dezember 2014.
  2. „Winterstein, Horst“. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Horst Winterstein In: Jochen Zimmer (Hrsg.): Das Gauck-Lesebuch. Eine Behörde abseits der Verfassung? Eichborn-Verlag, 1999.
  4. a b Projektgruppe moralische Entsorgung. In: FAZ.net. 16. Juli 1999, abgerufen im 12. Dezember 2014.