Hubert Seipel

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Hubert Seipel, 2014

Hubert Seipel (* 1950 in Wasserlos) ist ein deutscher Journalist und Dokumentarfilmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seipel studierte Politik und Geschichte an der Philipps-Universität Marburg, außerdem Politikwissenschaften an der London School of Economics. Er war für den Hessischen Rundfunk tätig. Für den Stern und den Spiegel arbeitete er unter anderem als Auslandskorrespondent. 1985 veröffentlichte er ein Sachbuch über die Flick-Affäre und den Steuerfahnder Klaus Förster, der den Parteispenden-Skandal aufgedeckt hatte.

Journalistische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1991 arbeitet er im investigativen Journalismus für Fernsehsender. So dokumentierte er in einer Koproduktion von NDR und WDR unter dem Titel Die Macht, die Gier und der Größenwahn: Wie der Milliardär Ferdinand Piëch und der Schmied Klaus Volkert VW beherrschten die VW-Korruptionsaffäre und porträtierte den russischen Gaskonzern Gazprom.[1][2] In Gier und Größenwahn ging er der Affäre um die Bankenholding Hypo Real Estate nach.[3] 2011 und 2012 gelang es Hubert Seipel als erstem westlichen Journalisten, den russischen Präsidenten Wladimir Putin über Monate zu begleiten. Die ARD sendete die Dokumentation „Ich Putin – ein Porträt“ zur russischen Präsidentschaftswahl 2012.[4] Er führte auch das weltweit erste Fernsehinterview mit Edward Snowden nach den Snowden-Leaks, das die ARD in Auszügen am 26. Januar 2014 ausstrahlte.[5]

Auch führte er am 14. November 2014 in Wladiwostok ein ausführliches Interview mit Putin, das die ARD-Talkshow Günther Jauch am 16. November 2014 sendete.[6] Das Interview wurde sehr kontrovers kommentiert.[7] Kritiken reichen von höchstem Lob für Seipels zurückgenommene Gesprächsführung und die anschließende Analyse durch die Jauch-Runde („Sternstunde des Ersten“ im Handelsblatt-Korrespondent Hans-Peter Siebenhaar[8]) bis zum Vorwurf, journalistische Standards zu verletzen und mit einseitiger Gesprächsführung die russische Staatspropaganda unterstützt zu haben (Focus).[9] In einem Spiegelgespräch zu seinem Buch Putin. Innenansichten der Macht kritisiert Hubert Seipel 2015 den polemische Kampfbegriff „Putin-Versteher“ in der politischen Debatten. Verstehen sei nun mal die journalistische Voraussetzung für die rationale Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Interessen – weniger zu predigen, wie es zu sein hat. Russland habe zwar ein autoritäres System mit gesellschaftlichen Konflikten, die aber die Russen selbst lösen müssten und nicht der Westen.[10]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seipel wurde 2006 mit dem Deutschen Fernsehpreis und mit dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis für seine Dokumentation Und du bist raus. Wie Investoren die Traditionsfirma Grohe auspressen ausgezeichnet.[11] Im Jahr 2009 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis in der Kategorie Information & Kultur für Leben und Sterben für Kabul, eine von NDR und WDR in der Reihe die story koproduzierte Dokumentation über den ISAF-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. 2014 erhielt Hubert Seipel den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Information“ [12] für das weltweit erste Fernseh-Interview mit Edward Snowden.

Filmliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Abgehört und abgenickt. (ARD/NDR 2017)[13]
  • Edward Snowden exclusiv–Das Interview (ARD/NDR 2014)[14]
  • Die Syrienfalle - Deutschland und der Krieg gegen Assad (ARD 2013)[15]
  • Chaostage – Merkels Kampf um den Euro (ARD/NDR 2012)[16]
  • Ich, Putin – ein Porträt (ARD, NDR, MDR, rbb, Servus TV 2012)
  • Wohin marschiert die Armee? (ARD/NDR 2011)
  • So teuer wie möglich – der letzte Kampf der Atomindustrie (ARD/NDR 2011)
  • Die Welt des Josef Ackermann – Wie die Deutsche Bank das Land umkrempelt (WDR/NDR 2010)
  • Gier und Größenwahn – Wie die Politik bei der Banken-Rettung über den Tisch gezogen wurde (WDR TV-Dokumentation 2010)
  • Leben und Sterben für Kabul – Wie Deutschland am Hindukusch die Freiheit verteidigt (NDR/WDR 2009) / Adolf-Grimme-Preis 2009
  • Gigant Gazprom – Die Deutschen und Ihr Öl aus dem Osten (WDR 2009)
  • Joschka – eine Karriere / Im schnellen Marsch durch die Institutionen (ZDF 2008)
  • Die Macht, die Gier und der Größenwahn – Dokumentation zum VW-Korruptionsskandal (WDR/NDR 2007)
  • Und du bist raus – Wie Investoren die Traditionsfirma Grohe auspressen (ARD/WDR TV-Dokumentation 2006) / Helmut-Schmidt Preis 1. Platz
  • Der Poker um das schwarze Gold – Wie Spekulanten den Ölpreis hochtreiben (WDR 2006)
  • Opel ist nur der Anfang die Story (WDR 2005)
  • Das Gehirn: Al Zawahirii – Stationen eines Glaubenskriegers (WDR 2004)
  • Vom Niedergang der Genossen die Story (WDR 2004)
  • Auge um Auge, Zahn um Zahn – das Feilschen der Agenten (ARD/WDR 2004)
  • Herr, gib mir Geduld, aber sofort! Die Gratwanderung des Superministers Wolfgang Clement (WDR 2004)
  • Operation Blindflug – das Versagen der US-Agenten (WDR/Arte 2002)
  • Im Griff der roten Kaiser – fünf Jahrzehnte besetztes Tibet (ZDF 2002)
  • Für uns oder gegen uns die Story (WDR 2001)
  • Agent Mauss–das Ende des Schattenmannes (ZDF 1999)
  • Chronik eines angekündigten Krieges (ZDF Dokumentation über den Kosovokrieg 1999)
  • Der Kampf um's Wasser – der gestohlene Euphrat (ZDF 1998)
  • Im Griff der Generäle – wie das Militär in der Türkei mitregiert (ZDF 1998)
  • Blut für Diamanten – Executive outcome (ZDF 1997)
  • Brudermord im Namen Allahs (ZDF 1996)
  • Die Faust des Propheten (ZDF 1996)
  • Ein König auf der Kippe (ZDF 1995)
  • Staatsterror aus Teheran (ZDF 1994)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Mann, der Flick jagte. Die Geschichte des Steuerfahnders Klaus Förster. Gruner und Jahr, Hamburg 1985, ISBN 3-570-05884-0.
  • Putin. Innenansichten der Macht. Hoffmann und Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-50303-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Susanne Amann: Porträt einer Männerfreundschaft auf Spiegel Online vom 22. Mai 2007.
  2. Susanne Amann: Hinter den Kulissen des Energiegiganten auf Spiegel Online vom 22. Februar 2009.
  3. Hendrik Feindt: Teure Rettung: Eine Doku über den Zusammenbruch der Hypo Real Estate. Der Tagesspiegel, 24. März 2010, abgerufen am 21. Dezember 2010.
  4. Markus Brauck, Matthias Schepp: Der Straßenjunge. In: Der Spiegel. Nr. 8, 2012 (online).
  5. Snowden exklusiv – Das Interview (Memento vom 28. Januar 2014 im Internet Archive) auf NDR.de. Abgerufen am 26. Januar 2014.
  6. tagesschau.de (Memento vom 17. November 2014 im Internet Archive)
  7. Putin-Interview mit Kalkül (Memento vom 23. November 2014 im Internet Archive), Zapp (NDR), abgerufen am 20. November 2014.
  8. "Das tat der Sache gut, auch wenn Putins Argumente für einen Verstoß gegen das Völkerrecht durch die Annexion der Halbinsel Krim schwer erträglich sind."
  9. Kuschelkurs mit Putin: So verspielt die ARD jede Glaubwürdigkeit. auf Focus.de. Abgerufen am 17. November 2014.
  10. Britta Sandberg, Matthias Schepp: SPIEGEL-Gespräch Putin schwebt auf Wolke sieben. In: Der Spiegel. Nr. 41, 2015 (online).
  11. Schmidt-Journalistenpreis 2006: Hubert Seipel mit Helmut Schmidt-Bronzebüste ausgezeichnet
  12. Preisträger. In: deutscher-fernsehpreis.de. Abgerufen am 3. Oktober 2014.
  13. ARD-Doku zur NSA-Affäre Ausspähen geht immer
  14. ardmediathek.de
  15. ARD.de
  16. programm.ard.de