Tilo Jung

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Jung als Referent bei den Jugendmedientagen 2015 in Bonn

Tilo Jung (* 21. Oktober 1985[1] in Malchin) ist ein deutscher Video-Blogger und Podcaster. Laut Selbstbezeichnung ist er freier Chefredakteur der Informationsreihe Jung & Naiv. In den Jahren 2013 und 2014 war Jung Moderator beim deutschen Fernsehsender Joiz.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Schritte und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jung schrieb ab dem Alter von 15 Jahren als freier Reporter für den Nordkurier unter anderem über seinen einjährigen Aufenthalt in den USA. 2006 zog er nach Berlin, um an der Humboldt-Universität Betriebswirtschaftslehre zu studieren, doch nach einigen Semestern wechselte er für einige weitere Semester zur Juristischen Fakultät. Während des Studiums arbeitete Jung bei diversen Internetfirmen, beispielsweise beim sozialen Netzwerk studiVZ, der Jobbörse für junge Akademiker Absolventa, oder auch bei Onlineshops wie Spreadshirt, Zalando und Dailydeal in den Bereichen Kundendienst, Produktmanagement, Produkteinpflege und Marketing.[2][3]

Tätigkeit als Journalist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 nahm Jung eine Tätigkeit als freier Mitarbeiter für das Medienmagazin von Radio Eins beim Rundfunk Berlin-Brandenburg auf. Als Radioreporter war er für Interviews und Reportagen über Social Media und internationale Politik zuständig, z. B. rund um die US-Präsidentschaftswahl.[4]

Auf der Bertelsmann-Gala 2012 war Jung als „Social Media VIP Reporter“ eingesetzt, wo er unter dem Motto Ask Deutschlands VIPs anything prominenten Gästen wie Günther Jauch Fragen stellte, die zuvor auf Facebook gesammelt worden waren.[5][6] Diese Idee setzte er später unter dem Namen All you can ask mit der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und CDU-Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach fort.[7] Bei einer Rede vor dem AGH-Medienausschuss forderte er eine staatliche Förderung für Journalisten wie etwa eine Recherchestiftung für investigativen Journalismus anstelle der derzeitigen Finanzierung von medialen Institutionen.[8] In Bezug auf die Debatte über die zunehmende Politikverdrossenheit vertrat er die Meinung: „Die Medien sind politikverdrossen, weil sie kein Interesse mehr haben, Sachverhalte erklärend darzustellen.“[9]

Anfang Februar 2013 spielte Jung zum ersten Mal die Rolle des naiven, unbedarften Reporters und stellte die Videoclips unter dem Namen Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte in seinem YouTube-Kanal ins Netz. Um das Projekt technisch zu verbessern, sammelte er das Geld für neues Equipment durch Crowdfunding über die Online-Plattform Krautreporter.[2] Ab August 2013 nahm der neu gegründete Privatsender Joiz Jungs Format ins Programm auf, die ungekürzten Interviews stellte er weiterhin nach Ausstrahlung bei YouTube online.[10]

Im Frühjahr 2014 wurde Jung offizielles Mitglied der Bundespressekonferenz.[11] Als Online-Journalist veröffentlichte er des Öfteren seine dort gestellten Fragen und die erhaltenen Antworten als Transkript in seinen Social-Media-Seiten, später auch als Videos in seinem YouTube-Kanal.

Jung behandelt nicht nur innenpolitische Themen, sondern auch die Außenpolitik. Als aufgrund der Krimkrise die Euromaidan-Bewegung in den Hintergrund gerückt war, reiste das Team von Jung & Naiv Anfang März 2014 auf eigene Kosten in die Ukraine. Anlässlich der Europawahl 2014 entschloss sich Jung, Vertreter politischer Organisationen in Griechenland, Spanien und Italien zu interviewen. Diese Reisen wurden auch durch Crowdfunding finanziert. Im Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt 2014 reiste er im Juli 2014 zudem nach Israel und Palästina.[12] Mit dem Untertitel The search for an end of a never-ending story entstanden 25 Filmbeiträge, in denen Aktivisten, Journalisten und politische Berater beider Seiten zu Wort kamen.[13][14]

Als Mitglied des Journalistenteams des Online-Magazins Krautreporter publiziert Jung seit Ende Oktober 2014 die neuen Interviews nicht nur als Videos, sondern auch in Textform. 2014 hatte er von allen Autoren in diesem Magazin die meisten Artikel.[15]

Anfang 2015 verlagerte Jung seinen Schwerpunkt auf die Berichterstattung in der Bundespressekonferenz und veröffentlichte die dort aufgenommenen Folgen auf seinem YouTube-Kanal unter der Rubrik BPK für Desinteressierte. Im Gegensatz zu den anderen Hauptstadtjournalisten war sein „Ansatz ... [zu] informieren, wie die Bundesregierung informiert“.[16] Ab Mitte April begann er kurze Clips aus den sehr langen Folgen anzubieten, bald darauf auch themensortierte Zusammenschnitte verschiedener Folgen, so genannte Super-Cuts. Etwa zeitgleich startete er in Zusammenarbeit mit dem Soziologen und F.A.Z.-Journalisten Stefan Schulz ein Podcast-Format mit dem Titel Aufwachen!. Darin besprechen und bewerten sie regelmäßig die Fernsehnachrichten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wie auch privater Fernsehsender der Vortage.[17]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Dezember 2016 wählte die Fraktion der Piratenpartei des Landtages Nordrhein-Westfalen Tilo Jung zu einem Mitglied der 16. Bundesversammlung.[18]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im TTIP-Thriller Tödliche Geheimnisse, der 2016 in der ARD ausgestrahlt wurde, hatte er einen Cameo-Auftritt.[19]

Nominierungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen

Nominierungen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Tilo Jung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Top 30 bis 30 – Nachwuchstalente 2013. Medium Magazin, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  2. a b Julia Nikschick: Tilo Jung revolutioniert den Journalismus auf Youtube. Der Tagesspiegel, 3. Juni 2013, abgerufen am 20. Oktober 2014.
  3. Stefan Schulz: Wer was zu sagen hat, kann ewig reden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. März 2014, abgerufen am 4. Juni 2015.
  4. Castingshow for president. World Wide Wagner, 22. Januar 2012, abgerufen am 2. Januar 2015.
  5. Social Media VIP Reporter. vipreporter.tumblr.com, abgerufen am 3. Januar 2015.
  6. Jung & Naiv: Günther Jauch beantwortet die Fragen der Facebook-User. videogold.de, abgerufen am 2. Januar 2015.
  7. Erika Steinbach – Bund der Vertriebenen. Youtube, 14. November 2012, abgerufen am 4. Januar 2015.
  8. Entwicklung des Journalismus: Sitzung des Medienausschusses des Berliner AGH. storify.com, 21. November 2012, abgerufen am 3. Januar 2015.
  9. Julia Friese: Politik für Naivlinge. Berliner Morgenpost, 17. März 2013, abgerufen am 4. Januar 2015.
  10. Ingrid Brodnig: Die Nähe muss sein. falter.at, 8. Juli 2014, abgerufen am 2. Januar 2015.
  11. Julian Heck: Tilo Jung – naiver Neuling in der Bundespressekonferenz. ausgeheckt.com, 15. Februar 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  12. YouTube-Channel "Jung & Naiv": Einfache Fragen, interessante Antworten. Deutschlandfunk, 16. August 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  13. YouTube-Channel "Jung & Naiv": Einfache Fragen, interessante Antworten. Deutschlandfunk, 16. August 2014, abgerufen am 21. Oktober 2014.
  14. Jung & Naiv in Israel & Palestine. Youtube, abgerufen am 1. Dezember 2014.
  15. Kraut von Rüben sortiert – Krautreporter durchgezählt. verwickeltes.wordpress.com, 4. Januar 2015, abgerufen am 4. Januar 2015.
  16. Stefan Schulz, Tilo Jung: Viele betrübliche Nachrichten. aufwachen-podcast.de, 22. April 2015, S. 52:02 min – 52:18 min, abgerufen am 9. Mai 2015.
  17. Stefan Schulz, Tilo Jung: Wer wir sind. aufwachen-podcast.de, abgerufen am 15. Juni 2015.
  18. Piratenpartei nominiert YouTuber für die Bundesversammlung. piratenpartei.de, abgerufen am 11. Februar 2017.
  19. http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-film-toedliche-geheimnisse-das-passiert-wirklich-a-1119917.html
  20. Pädi 2013 – Der pädagogische Interaktiv-Preis, von abgerufen am 22. Oktober 2014
  21. Axel Springer Preis für Journalisten – 2. Preis „Internet“, abgerufen am 21. Oktober 2014
  22. Preisträger 2014. Grimme-Institut, abgerufen am 20. Oktober 2014.
  23. Thomas Knüwer: Die Goldenen Blogger 2012 – die Nominierungen. Indiskretion Ehrensache, 11. Dezember 2012, abgerufen am 3. Januar 2015.
  24. Die Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis 2014. DWDL.de, abgerufen am 18. September 2014.