Britische Jungferninseln

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British Virgin Islands
Britische Jungferninseln
Flagge der Britischen Jungferninseln
Wappen der Britischen Jungferninseln
Flagge Wappen
Wahlspruch: Vigilate!
(Latein „Seid wachsam!“)
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Road Town
Staatsform Britisches Überseegebiet
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II.

vertreten durch
Gouverneur Augustus Jaspert
Regierungschef Premierminister Orlando Smith
Fläche 150 km²
Einwohnerzahl 28.054 (2010)[1]
Bevölkerungsdichte 187 Einwohner pro km²
Währung US-Dollar (USD)
Nationalhymne God Save the Queen
Zeitzone UTC−4
Kfz-Kennzeichen VG
ISO 3166 VG, VGB, 092
Internet-TLD .vg
Telefonvorwahl +1 (284) siehe NANP
BahamasKubaHaitiNavassaJamaikaTurks- und CaicosinselnDominikanische RepublikKolumbienABC-InselnVenezuelaTrinidad und TobagoPuerto RicoAmerikanische JungferninselnBritische JungferninselnGrenadaSaint Vincent und die GrenadinenSaint LuciaBarbadosMartiniqueDominicaGuadeloupeMontserratAntigua und BarbudaAnguillaSint Maarten/ Saint MartinSaint Kitts and NevisSint EustatiusSabaGuyanaPanamaNicaraguaHondurasEl SalvadorGuatemalaMexikoBelizeBritish Virgin Islands in its region.svg
Über dieses Bild
Karte Britische Jungferninseln.png

Die Britischen Jungferninseln (englisch British Virgin Islands, offiziell nur Virgin Islands) sind ein britisches Überseegebiet in der Karibik. Sie umfassen über 60 Inseln und Riffs im nordöstlichen Teil der Inselgruppe der Jungferninseln am nördlichen Ende des Inselbogens der Kleinen Antillen. Die insbesondere durch Zuwanderung schnell wachsende Bevölkerung (Wanderungssaldoziffer 2012: 18,56 pro 1000 Einwohner, weltweit dritthöchster Wert) bewohnt 16 der etwa 100 km östlich von Puerto Rico gelegenen Inseln.

Die Wirtschaft ist eng verknüpft mit den bevölkerungsstärkeren Amerikanischen Jungferninseln, die offizielle Währung ist daher der US-Dollar. Dominierend ist der Dienstleistungssektor, darin insbesondere die Tourismus- und die Offshore-Finanzbranche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 1. Jahrhundert v. Chr. besiedelten Arawak die Inseln, wurden aber im 15. Jahrhundert von Kariben unterworfen. 1493 entdeckte Christoph Kolumbus die Jungferninseln für die Europäer. 1555 besiegten spanische Truppen die indigene Bevölkerung und rotteten sie in den kommenden Jahrzehnten aus.

Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Inseln zwar mehrfach von spanischen und englischen Schiffen auf deren Expeditionen nach Süd- und Mittelamerika besucht, eine Kolonisierung unterblieb aber zunächst. Erst 1615 erscheint in spanischen Aufzeichnungen eine dauerhafte Siedlung des holländischen Freibeuters Joost van Dyk auf Tortola. Bald darauf erkannte die Niederländische Westindien-Kompanie die strategische Bedeutung der Jungferninseln. Durch holländische Siedler wurden in der Folgezeit mehrere Schanzen und kleine Forts errichtet; es kam zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen mit spanischen Truppen.

Nach dem Ausbruch des Dritten Englisch-Niederländischen Krieges wurde das Gebiet 1672 von England annektiert und in die Kolonie der British Leeward Islands eingegliedert. Die Briten legten Plantagen zum Anbau von Zuckerrohr an, wofür sie eine wachsende Anzahl aus Afrika deportierter Sklaven benötigten. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es hier bereits über 6000 Sklaven. Heute sind daher rund 75 % der Bevölkerung schwarzafrikanischer Abstammung.[2] Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu mehreren Sklavenaufständen; 1834 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft.

Die 1871 gegründete Leewards Islands Federation wurde 1956 aufgelöst. Die Britischen Jungferninseln bildeten ab 1960 eine eigene Kronkolonie und erlangten mit der Verfassung von 1967 eine stärkere innere Autonomie.[3] Seit 1946 steht das Territorium auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Britischen Jungferninseln haben 28.054 Einwohner (Stand 2010).[1] Die Mehrheit der Bevölkerung ist ganz oder zum Teil afrikanischer Abstammung.[2] 17,6 % sind Methodisten, 10,4 % Mitglieder der Gemeinde Gottes, 9,5 % Anglikaner, 9 % Adventisten des siebenten Tages, 8,9 % Katholiken, 8,2 % Pfingstler, 7,4 % Baptisten, 6,9 % gehören der New Testament Church of God an, 2,5 % sind Zeugen Jehovas, 1,9 % Hindus, 17,7 % bekennen sich zu einer anderen oder keiner Religion (alle Zahlen von 2010).[4]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politische Aufteilung der Jungferninseln in (von links nach rechts) Spanische Jungferninseln, Amerikanische Jungferninseln und Britische Jungferninseln
Karte der Britischen Jungferninseln

Das Gebiet hat eine Größe von 150 km²[5] und besteht aus 16 bewohnten und über 20 unbewohnten Inseln. Die vier Hauptinseln sind Anegada, Jost Van Dyke, Tortola und Virgin Gorda. Gesamtliste:

Anegada Beef Island Bellamy Cay Carvel Rock
Cockroach Island Cooper Island Dead Chest Eustatia Island
Fallen Jerusalem Island Frenchman’s Cay George Dog Island Ginger Island
Great Camanoe Great Dog Island Great Thatch Great Tobago Island
Green Cay Guana Island Jost Van Dyke Little Camanoe
Little Jerusalem Island Little Jost Van Dyke Little Seal Dog Island Little Thatch
Little Tobago Marina Cay Mosquito Island Necker Island
Norman Island Oyster Rocks Pelican Island Peter Island
Prickly Pear Island Saba Rock Salt Island Sandy Cay
Sandy Spit Scrub Island Seal Dog Island Tortola
Virgin Gorda West Dog Island

Die Insel Anegada besteht aus Korallenriffen und Kalkstein und ist relativ flach; die anderen Inseln sind vulkanischen Ursprungs und bergig bzw. hügelig. Der höchste Punkt der Inseln ist der Mount Sage mit 523 m auf Tortola.[6]

Das Klima ist tropisch und feucht, die Temperaturen sind durch Winde gemäßigt. Hurrikane und tropische Stürme gibt es von Juli bis Oktober. Die natürlichen Süßwasservorkommen sind begrenzt. Abgesehen von einigen Quellen und periodischen Wasserläufen auf Tortola, die im Sommer austrocknen, beruht die Wasserversorgung der Inseln auf Brunnen und Regenwasserzisternen.[7]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Britischen Jungferninseln sind assoziiertes Mitglied der Karibischen Gemeinschaft und der Organisation Ostkaribischer Staaten. Sie gehören zu den Trägern der University of the West Indies.

Die oberste exekutive Autorität der Britischen Jungferninseln hat Königin Elisabeth II. inne. In dieser Funktion wird sie vom Gouverneur vertreten, der von ihr auf Vorschlag der britischen Regierung ernannt wird. Für die Außen- und Verteidigungspolitik ist das Vereinigte Königreich zuständig.

Die Verfassung der Inselgruppe wurde zuletzt 2007 neu erlassen.[8] Regierungschef ist der Premier, bis 2007 Chief Minister, der zusammen mit den vier anderen Regierungsmitgliedern aus den Mitgliedern des Legislativrates vom Gouverneur ernannt wird. Der Legislativrat (House of Assembly) besteht aus 13 vom Volk gewählten Abgeordneten, dem Speaker sowie dem nicht stimmberechtigten Attorney General.

Seit 2017 hat Augustus Jaspert das Amt des Gouverneurs inne.[9] Amtierender Premier ist seit November 2011 Orlando Smith, National Democratic Party (NDP), der Ralph Telford O’Neal, Virgin Islands Party (VIP), dessen Vorgänger er bereits von 2003 bis 2007 war, ablöste.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Straßennetz umfasst 200 km befestigte Straßen (Stand 2007),[10] es herrscht Linksverkehr. In Road Town gibt es einen Hafen.

Auf dem Gebiet der Britischen Jungferninseln gibt es fünf Flughäfen: Auguste George Airport auf der Insel Anegada (IATA-Flughafencode: NGD), Terrance B. Lettsome International Airport auf der Insel Beef Island (EIS), Virgin Gorda Airport auf der Insel Virgin Gorda (VIJ) sowie die beiden Wasserflugplätze North Sound Water Aerodrome nördlich der Insel Virgin Gorda (NSX) und West End Seaplane Base nördlich der Insel Tortola (TOV).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

White Bay der Insel Jost Van Dyke

Die Wirtschaft, eine der stabilsten und florierendsten in der Karibik, ist überwiegend vom Tourismus abhängig. Der direkte Beitrag des Tourismus zum Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei etwa 34 %; der Gesamtbeitrag zur Wirtschaftskraft des Landes, der auch die indirekten Auswirkungen auf andere Wirtschaftszweige berücksichtigt, übersteigt 95 %.[11] Circa 825.000 Touristen, darunter mehr als 440.000 Kreuzfahrtpassagiere hauptsächlich aus den USA, besuchten 2006 die Inseln. Haupteinnahmequelle der örtlichen Tourismusindustrie ist das Verchartern von Yachten.[12]

Von vergleichsweise untergeordneter Bedeutung ist die Landwirtschaft, deren Hauptaktivität in der Viehzucht liegt. Die schlechte Bodenqualität ermöglicht nur eine begrenzte Versorgung der heimischen Bevölkerung.

Die Wirtschaft ist eng an die der Amerikanischen Jungferninseln gebunden. Seit 1959 ist der US-Dollar die offizielle Währung.

Steueroase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mitte der 1980er Jahre bietet die Regierung Unternehmen die Möglichkeit, auf den Inseln mit einer Briefkastenfirma ansässig zu sein. Die Gebühren für die Gründung solcher Gesellschaften machen inzwischen mehr als 50 % der Staatseinnahmen aus. Etwa 450.000 Briefkastenfirmen waren 2012 auf den Inseln registriert.[12] Bis 2015 waren es bereits 800.000 Unternehmen.[13]

In einer Rangliste der wichtigsten Finanzzentren weltweit belegten die Britischen Jungferninseln Platz 60 (Stand: 2018).[14]

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feiertage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Name Deutscher Name Anmerkungen
1. Januar New Years Day Neujahr
7. März H. Lavity Stoutt’s Birthday Geburtstag von Hamilton Lavity Stoutt Minister von 1957 bis 1995
März Commonwealth Day Commonwealth-Tag Zweiter Montag im März
März/April Good Friday und Easter Monday Karfreitag und Ostermontag Ostern
Mai/Juni Whit Monday Pfingstmontag
Juni Sovereign’s Day Feier zum Geburtstag von Elisabeth II.
1. Juli Territory Day Fest des Territoriums
August Festival Holidays Festival (drei Tage) der erste Montag – Mittwoch im August
zur Befreiung von der Sklaverei 1834
21. Oktober St. Ursula’s Day Fest der Heiligen Ursula
25. und 26. Dezember Christmas Day und Boxing Day Weihnachten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Isaac Dookhan: A History of the British Virgin Islands, 1672 to 1970. Caribbean Universities Press in association with Bowker Pub. Co., Epping, Essex 1975, ISBN 0-85935-026-6 (englisch).
  • Norwell Harrigan, Pearl I. Varlack: The British Virgin Islands (a Chronology). Research and Consulting Services, Tortola 1970 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: British Virgin Islands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Virgin Islands 2010 Population and Housing Census Report. Executive Summary. Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, 1. Dezember 2016, S. 1, abgerufen am 9. Januar 2018 (PDF; 2,52 MB, englisch).
  2. a b Virgin Islands 2010 Population and Housing Census Report. Table 74: To which ethnic group do you belong? Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, 1. Dezember 2016, S. 57, abgerufen am 9. Januar 2018 (PDF; 2,52 MB, englisch).
  3. Our History. Government of the Virgin Islands, abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
  4. Virgin Islands 2010 Population and Housing Census Report. Table 76: What is your affiliation with a religion or faith. Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, 1. Dezember 2016, S. 59, abgerufen am 9. Januar 2018 (PDF; 2,52 MB, englisch).
  5. Flächen der Britischen Jungferninseln (Memento vom 4. April 2007 im Internet Archive), abgerufen am 9. Januar 2018.
  6. Sage Mountain National Park on Tortola BVI. Kurzbeschreibung mit Wegeskizze. In: Directory of th British Virgin Islands at ReservationsBVI.Com. Abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
  7. Geography. Government of the Virgin Islands, abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
  8. The Virgin Islands Constitution Order 2007. Statutory Instruments 2007 No. 1678. Buckingham Palace 13. Juni 2007 (englisch, online auf der Website des Londoner Büros der Regierung der Britischen Jungferninseln [PDF; 415 kB; abgerufen am 9. Januar 2018]).
  9. Governor’s Office Tortola. Our people. In: GOV.UK. Government of the United Kingdom, abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
  10. CIA World Factbook: Roadways: British Virgin Islands. Abgerufen am 11. Januar 2018 (englisch).
  11. David Scowsill (Hrsg.): Travel & Tourism: Economic Impact 2017 – British Virgin Islands. World Travel & Tourism Council (WTTC), London März 2017, 2017 Annual Research: Key Facts, S. 1, GDP: Direct Contribution sowie GDP: Total Contribution (englisch, online [PDF; 1,7 MB; abgerufen am 11. Januar 2018]).
  12. a b Our Economy. Government of the Virgin Islands, abgerufen am 11. Januar 2018 (englisch).
  13. Luxus in Steueroasen: Ducati streicheln unter Palmen. – Artikel und Fotoserie über Steueroasen, Spiegel Online.
  14. The Global Financial Centres Index 23. Abgerufen am 13. Juli 2018.

Koordinaten: 18° 30′ N, 64° 30′ W

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