Jodie Foster

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Jodie Foster (2011)
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Jodie Foster (* 19. November 1962 als Alicia Christian Foster in Los Angeles, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Schauspielerin, Filmregisseurin, Filmproduzentin und zweifache Oscar-Preisträgerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jodie Foster wurde einige Monate nach der Trennung ihrer Eltern als deren viertes Kind geboren. Anfang des Jahres 1963 zog ihre deutschstämmige Mutter Evelyn Ella „Brandy“ Almond (1928–2019) mit den Kindern ins San Fernando Valley im Nordwesten von Los Angeles zu ihrer Lebensgefährtin, die den überwiegenden Beitrag zum Familienunterhalt leistete. Die Beziehung dauerte bis 1976. Zusammen mit ihren älteren Geschwistern, dem Bruder Lucius Fisher „Buddy“ (* 1957) und zwei Schwestern (* 1954 und 1955), wuchs Jodie in Los Angeles auf.[1] Dort besuchte sie die renommierte zweisprachige Privatschule des Lycée Français de Los Angeles.

Ihre Mutter arbeitete in der Filmbranche. Somit war es naheliegend, dass Jodies Karriere bereits begann, als sie drei Jahre alt war: Nämlich mit einem Auftritt in einer Fernsehwerbung für die amerikanische Sonnencreme Coppertone im Jahr 1965. Die Mutter hatte Jodies älteren Bruder zum Vorsprechen vorgesehen, jedoch auch Jodie mit zum Vorstellungstermin mitgenommen, wo sie von den Casting-Agenten bemerkt wurde.[2]

Jodie Foster an der Seite von Rod Serling in der Fernsehserie Ironside von 1972.

Dieser Fernsehspot führte zu mehr Werbearbeit und 1968 zu einem kleinen Auftritt in der amerikanischen Sitcom Mayberry R.F.D., in der jedoch ihr Bruder die Hauptrolle spielte.[3] In den folgenden Jahren trat die junge Jodie in über 50 Fernsehwerbesendungen auf; während dieser Zeit wurde sie und ihr Bruder zu den Hauptverdienern der Familie.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jodie Foster (1989)

Foster trat später zunächst in Fernsehserien wie Bonanza, Kung Fu, Bob & Carol & Ted & Alice, Love Story, The Addams Family und Paper Moon auf. Ihre erste Kinofilmrolle spielte sie im Alter von zehn Jahren in der Disney-Produktion Flucht in die Wildnis (Originaltitel: Napoleon and Samantha, 1972). In den 1970er Jahren drehte sie für dieses Studio weitere Filme.

1974 gab ihr der damals noch unbekannte Regisseur Martin Scorsese zunächst eine Nebenrolle in Alice lebt hier nicht mehr. Überzeugt von ihrem Talent besetzte er sie auch in seinem nächsten Film; als minderjährige Prostituierte in Taxi Driver (1976) wurde die 13-jährige weltberühmt: Neben einer Oscar-Nominierung als beste Nebendarstellerin erhielt Foster für ihre Darstellung zwei British Academy Film Awards und den David di Donatello.

Im selben Jahr spielte sie in den Komödien Bugsy Malone und Ein ganz verrückter Freitag. Für Bugsy Malone wurde Foster erneut mit zwei British Academy Film Awards ausgezeichnet und für Ein ganz verrückter Freitag erhielt sie eine Golden-Globe-Nominierung als beste Hauptdarstellerin in einer Komödie. In Das Mädchen am Ende der Straße (ebenfalls 1976) spielte sie eine unabhängig lebende, hochtalentierte Jugendliche, eine Rolle, die ihrem Image bis heute entspricht und für die sie mit dem Saturn Award ausgezeichnet wurde.

Neben der Schauspielerei machte Foster an der französischsprachigen Privatschule Le Lycée Français de Los Angeles ihren Abschluss als Jahrgangsbeste. Von 1980 bis 1985 studierte sie an der Yale University im Fach Literatur und schloss das Studium mit magna cum laude ab. Ihre Bachelorarbeit schrieb sie über die afroamerikanische Autorin Toni Morrison.

Auch wegen ihrer ausgezeichneten Französischkenntnisse machte sie schließlich auch in Frankreich von sich reden: Im Filmdrama Das Blut der Anderen (Originaltitel: Le Sang des autres) von Claude Chabrol aus dem Jahr 1984 spielte sie die Hauptrolle. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Roman von Simone de Beauvoir aus dem Jahr 1945.

In ihrer Studienzeit schrieb Foster einige Artikel für Zeitschriften und interviewte u. a. Nastassja Kinski. Die beiden Frauen wurden Freundinnen und suchten nach einer Möglichkeit, filmisch zusammenzuarbeiten. Die Gelegenheit ergab sich im Jahr 1984 in dem Film Hotel New Hampshire, basierend auf einem Roman von John Irving, der in dem kleinen Städtchen Tadoussac in der kanadischen Provinz Québec gedreht wurde. Vier Jahre später übernahm Foster in Angeklagt die Rolle einer vergewaltigten Frau, wofür sie ihren ersten Oscar gewann.

1991 debütierte sie mit Das Wunderkind Tate als Regisseurin. Über die Situation von Frauen in Hollywood sagte sie, diese Branche sei Frauen nicht besonders wohlgesinnt, aber sie brauche sie. „Doch die weiblichen Pioniere müssen zehnmal besser sein als jeder Mann. Vielleicht gründen wir ja eines Tages ein ‚Old Girls Netzwerk‘ […].“[4]

Im selben Jahr spielte Foster – anstelle von Michelle Pfeiffer – eine FBI-Agentin in Das Schweigen der Lämmer; die Zusammenarbeit mit Anthony Hopkins brachte beiden einen Oscar ein. 2001 löste sie ihre Produktionsfirma Egg Pictures aus familiären Gründen auf. Zu den Werken gehören – neben ihren eigenen – Lost Heaven, Waking the Dead und Baby Blues.

Sie übernahm gelegentlich Sprechrollen, wie 1996 und 1997 in den Serien Frasier und Akte X in jeweils einer Episode als Anruferin und als Stimme in einer Halluzinationssequenz. In einer Episode der Simpsons ist sie im US-amerikanischen Original als Stimme von Maggie Simpson zu hören. 1997 verlieh ihr die Yale University einen Ehrendoktortitel.[5]

Jodie Foster (2007)

Foster gehört zu den bestbezahlten Schauspielerinnen Hollywoods. 2007 belegte sie in einer Rangliste des Hollywood Reporter mit einer Gagenforderung von etwa zehn bis zwölf Millionen US-Dollar pro Film den neunten Platz.[6] Im Juli 2008 belegte sie in einer Forbes-Rangliste mit Gagen in Höhe von 23 Mio. US-Dollar (zwischen Juni 2007 und Juni 2008) hinter Cameron Diaz, Keira Knightley, Jennifer Aniston, Reese Witherspoon und Gwyneth Paltrow den sechsten Platz.[7]

Im selben Jahr spielte sie im Film Die Fremde in dir eine Journalistin, die durch ein brutales Verbrechen in die Position eines Racheengels gedrängt wird. Sie beschreibt ihre Rolle wie folgt: „Es geht dabei nicht um Rache. Es geht um eine Frau, die ihr Leben zurück will. Dabei muss sie dem Drang folgen, immer wieder abzudrücken. Sie entdeckt eine grausame Seite in sich und lebt sie aus, um zu überleben. Sie hat erfahren, wie sich Machtlosigkeit anfühlt. Mit der Waffe in der Hand ergreift sie die Macht. Sogar über Leben und Tod.“[8]

Während der Dreharbeiten in Frankreich zu Roman Polańskis Filmversion von Yasmina Rezas Theaterstück Der Gott des Gemetzels übernahm Foster 2011 den Vorsitz der César-Verleihung 2011. 2013 erhielt sie bei der Verleihung der Golden Globe Awards den Cecil B. deMille Award für ihr Lebenswerk.[9]

Bei den Internationalen Filmfestival von Cannes 2021 wurde ihr die Goldene Ehrenpalme zuerkannt.[10] Drei Jahre später wurde sie für die Nebenrolle der Schwimmtrainerin Bonnie Stoll in dem Sportlerdrama Nyad (2023) erneut für den Oscar und den Golden Globe nominiert.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Foster hat zwei Söhne (* 1998 und 2001). Im Dezember 2007 bekannte sich Foster erstmals öffentlich zu ihrer langjährigen Lebensgefährtin Cydney Bernard; im Mai 2008 gab sie die Trennung bekannt. Seit 2013 ist sie mit der Schauspielkollegin Alexandra Hedison zusammen; im April 2014 hat das Paar geheiratet.[11]

Synchronstimme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Standardsprecherin für Fosters deutsche Synchronstimme ist die Schauspielerin Hansi Jochmann, in den Filmen Nell und Lost Heaven wurde sie von Heidrun Bartholomäus synchronisiert. Foster selbst spricht und versteht etwas Deutsch.[12] In französischen Versionen ihrer Filme synchronisiert sie sich selbst, da sie die Sprache fließend spricht.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1981 verübte John Hinckley Jr. ein Attentat auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, um Fosters Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Nach der Tat fand man bei Hinckley einen Brief an Jodie Foster; er hatte sie bereits früher mit Briefen und Telefonanrufen belästigt. Sie schilderte die Ereignisse noch Jahre später als traumatisierend.
  • Bei den Dreharbeiten zu ihrem ersten Kinofilm Napoleon & Samantha (Flucht in die Wildnis, 1972) wurde Foster von einem Löwen angefallen.[13]
  • Der Asteroid (17744) Jodiefoster wurde nach ihr benannt.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellerin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehserien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1968, 1970: Mayberry R.F.D. (2 Folgen)
  • 1969: Doris Day in … (The Doris Day Show, Folge 1x23 The Baby Sitter)
  • 1969: Julia (Folge 2x09 Romeo and Julia)
  • 1969–1971: Eddies Vater (The Courtship of Eddie’s Father, 5 Folgen)
  • 1969–1972: Rauchende Colts (Gunsmoke, 3 Folgen)
  • 1970: Nanny und der Professor (Nanny and the Professor, Folge 1x04 The Scientific Approach)
  • 1970: Disneyland (2 Folgen)
  • 1970: Daniel Boone (eine Folge)
  • 1970: Adam-12 (eine Folge)
  • 1971–1972: Meine drei Söhne (My Three Sons, 6 Folgen)
  • 1972: Der Chef (Ironside, eine Folge)
  • 1972: Bonanza (A Place to Hide, eine Folge)
  • 1972: The New Scooby-Doo Moovies (eine Folge, Synchronstimme)
  • 1972: The Paul Lynde Show (eine Folge)
  • 1972: Ghost Story (eine Folge)
  • 1972: The Amazing Chan and the Chan Clan (14 Folgen, Synchronstimme)
  • 1973: Die Partridge Familie (The Partridge Family, eine Folge)
  • 1973: Kung Fu (Staffel 1x10 Alethea)
  • 1973: Die Addams Family (The Addams Family, eine Folge)
  • 1973: The New Perry Mason (eine Folge)
  • 1973: Bob & Carol & Ted & Alice (2 Folgen)
  • 1973: Love Story (eine Folge)
  • 1973–1975: Junge Schicksale (ABC Afterschool Specials, 3 Folgen)
  • 1974: Paper Moon (13 Folgen)
  • 1975: Medical Center (eine Folge)
  • 1984: Ein Engel auf Erden (Highway to Heaven, 2 Folgen)
  • 1996: Frasier (eine Folge, Sprechrolle)
  • 1997: Akte X – Die unheimlichen Fälle des FBI (The X-Files, eine Folge, Sprechrolle)
  • 2009: Die Simpsons (The Simpsons, eine Folge, Synchronstimme)
  • 2024: True Detective

Regisseurin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produzentin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscar

  • Auszeichnungen:
1989: Beste Hauptdarstellerin für Angeklagt
1992: Beste Hauptdarstellerin für Das Schweigen der Lämmer
  • Nominierungen:
1977: Beste Nebendarstellerin für Taxi Driver
1995: Beste Hauptdarstellerin für Nell
2024: Beste Nebendarstellerin für Nyad

British Academy Film Award

  • Auszeichnungen:
1977: Vielversprechendste Newcomerin für Taxi Driver und Bugsy Malone
1977: Beste Nebendarstellerin für Taxi Driver und Bugsy Malone
1992: Beste Hauptdarstellerin für Das Schweigen der Lämmer

Golden Globe Award

  • Auszeichnungen:
1989: Beste Darstellerin in einem Drama für Angeklagt
1992: Beste Darstellerin in einem Drama für Das Schweigen der Lämmer
2013: Cecil B. deMille Award für ihr Lebenswerk
2021: Beste Nebendarstellerin für The Mauritanian
  • Nominierungen:
1977: Beste Darstellerin in einem Musical oder einer Komödie für Ein ganz verrückter Freitag
1995: Beste Darstellerin in einem Drama für Nell
1998: Beste Darstellerin in einem Drama für Contact
2008: Beste Darstellerin in einem Drama für Die Fremde in dir
2012: Beste Darstellerin in einem Musical oder einer Komödie für Der Gott des Gemetzels
2024: Beste Nebendarstellerin für Nyad

Screen Actors Guild Award

  • Auszeichnungen:
1995: Beste Hauptdarstellerin für Nell

Goldene Palme

  • Auszeichnungen:
2021: Ehrenpreis für ihr Lebenswerk

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jodie Foster - Hollywoods Alleskönnerin. Regie: Camille Juza und Yal Sadat, ARTE F, Frankreich, 54 Minuten, 2021

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Jodie Foster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Buddy Foster, Leon Wagener: Foster Child: A Biography of Jodie Foster. E. P. Dutton, Penguin Press, New York 1997, ISBN 0-525-94143-6
  2. Liz Sonneborn: A to Z of American women in the performing arts. Facts on File, New York 2002, ISBN 978-0-8160-4398-9, S. 73 (archive.org [abgerufen am 12. Dezember 2023] Kapitel über Jodie Foster auf Seite 73).
  3. Buddy Foster und Leon Wagner: Jodie Foster. In: Verlagsgruppe Ullstein Buchverlage GmbH (Hrsg.): Biografie. 1. Auflage. Taschenbuch. Econ Verlag, Berlin 1998, ISBN 978-3-612-26506-7.
  4. Jodie Foster: Zum Glück nicht normal. In: Emma. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  5. Yale Bulletin & Calendar - Commencement 1997. Abgerufen am 23. Juli 2019.
  6. Top actress salaries are quoteworthy (Memento vom 21. November 2008 im Internet Archive) bei hollywoodreporter.com, 30. November 2007
  7. Wesley Johnson: Hollywood’s Top Earners. Press Association Newsfile, 23. Juli 2008, 4:38 PM BST
  8. Jodie Foster: Die Unantastbare. In: stern.de. Abgerufen am 18. Mai 2016.
  9. Jodie Foster to receive the Cecil B. De Mille Award. In: goldenglobes.org. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 3. November 2012; abgerufen am 2. November 2012.
  10. Jodie Foster, special guest of the Opening Ceremony and the Honorary Palme d'or of the 74th Festival de Cannes. In. festival-cannes.com, 2. Juni 2021 (abgerufen am 3. Juni 2021).
  11. Jodie Foster Marries Girlfriend Alexandra Hedison. Abgerufen am 21. Juni 2020 (englisch).
  12. Muskeln brauche ich nicht. Spiegel Online, 10. Oktober 2005, abgerufen am 19. November 2012.
  13. Jodie Foster mauled by a lion. (Memento vom 13. April 2011 im Internet Archive) Metro.co.uk, 2. April 2008