John Philip Sousa

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John Philip Sousa im Alter von 22 Jahren
Gemälde John Philip Sousa von Capolino nach einem Photo

John Philip Sousa (* 6. November 1854 in Washington, D.C.; † 6. März 1932 in Reading, Pennsylvania) war ein US-amerikanischer Dirigent von Militärkapellen und Komponist von Marschmusik und Operetten.

Seine bekanntesten Werke sind The Stars and Stripes Forever, The Washington Post, Semper Fidelis und The Liberty Bell. Dem „König der Marschmusik“ ist zudem das Sousaphon gewidmet, das 1893 auf seine Anregung hin entwickelt wurde und zum Dank seinen Namen erhielt.[1]

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Philip Sousa, 1900

Der Sohn des in Spanien geborenen Portugiesen John Antonio de Sousa und der aus Darmstadt stammenden Maria Elisabeth Trinkaus[2] wuchs umgeben von Militärkapellen-Musik auf. Bereits im Alter von sechs Jahren machte er sich mit der Geige vertraut, es folgten Klavier, Flöte, Posaune und Horn. Sein Vater spielte Posaune in der US-Marines-Band und unterrichtete ihn auch. John Philip war das dritte Kind von zehn Geschwistern. Als er mit 13 Jahren von zu Hause ausriss, um sich einer Zirkuskapelle anzuschließen, schrieb ihn sein Vater in die Band des United States Marine Corps als Lehrjunge ein. Bis er 20 Jahre alt war, blieb er in der Kapelle und nahm zusätzlich Unterricht in Musiktheorie und Komposition bei George Felix Benkert, einem bekannten Orchesterleiter und Lehrer in Washington. Während dieser Jahre schrieb Sousa seine erste Komposition mit dem Titel Moonlight on the Potomac Waltzes.

Nach seiner Entlassung aus dem Korps 1875 begann Sousa mit Auftritten als Geiger auf Tourneen, und dirigierte schließlich Theaterorchester wie beispielsweise bei Gilbert & Sullivans H.M.S. Pinafore am Broadway. 1879 begegnete er Jane van Middlesworth Bellis, die er am 30. Dezember 1879 heiratete. Zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit war Bellis 16 Jahre und Sousa 25 Jahre alt. Später bekamen sie einen Sohn und zwei Töchter.

Kapellmeister des Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sousa 1892 mit der Band der US-Marines im Palace Hotel in San Francisco

Ein Jahr später kehrte das Paar zurück nach Washington D.C., wo Sousa die Leitung der US-Marines-Band übernahm und zahlreiche Änderungen einführte. Proben wurden verpflichtend, so dass rund ein Viertel der Musiker aufgab. Sousa veränderte auch die Musikbibliothek, indem er einige seiner eigenen Transkriptionen aufnahm. Das Debüt seiner neuen Band war erfolgreich, was die Popularität der Marinekapelle erhöhte und dazu führte, dass sie zur besten amerikanische Militärkapelle wurde. Ansehen in den Kreisen der Militärmusiker gewann er mit seiner Komposition von 1886 The Gladiator. 1888 schrieb er das Stück Semper Fidelis (Immer treu), das er den „Offizieren und Männern des Marine Corps“ widmete. Es wird seitdem als offizieller Marsch des Marine Corps angesehen.

Die Columbian Phonograph Company wollte eine Militärkapelle mit der damaligen neuesten Technologie aufnehmen, dem Phonographen. Sie suchten die beste Kapelle und wählten Sousas Band. Im Herbst 1890 wurden bereits 60 Walzen veröffentlicht. In den zwei Folgejahren gehörte die Marschmusik von Sousa zu den erfolgreichsten Aufnahmen. 1897 hatte Columbia Records mehr als 400 verschiedene Aufnahmen im Angebot.[3] Sousa war zwölf Jahren als Kapellmeister der offiziellen Kapelle des amerikanischen Präsidenten, „The President's Own“, tätig, und zwar unter den Präsidenten Rutherford B. Hayes, James A. Garfield, Chester A. Arthur, Grover Cleveland und Benjamin Harrison. 1892 verließ er auf Anraten seines Freundes und Promoters David Blakeley die Marines, um seine eigene zivile Kapelle zu gründen. Sein Abschiedskonzert hielt Sousa am 30. Juli 1892 auf dem Rasen vor dem Weißen Haus.

Sousas „New Marine“ Band[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sousa mit seiner Band auf Welttornee, 1911 in Johannesburg

Die neue Band gab ihr erstes Konzert am 26. September 1892 in der Stillman Music Hall in Plainfield, New Jersey. Zwei Tage vorher war der Kapellmeister Patrick S. Gilmore in St. Louis gestorben. Neunzehn von Gilmores ehemaligen Musikern traten nach und nach in Sousas Kapelle ein, darunter auch der Hornist Herbert L. Clarke und der Saxophonist E. A. Lefebre. Obwohl der Originalname Sousa's New Marine Band lautete, wurde Sousa durch Kritik aus Washington gezwungen, den „New-Marine“-Teil des Namens zu streichen.

Mit seinem Orchester ging Sousa von 1900 bis 1905 auf Tournee in den Vereinigten Staaten und Europa, und schließlich tourte er von 1910 bis 1911 um die Welt.[4] Solisten der Tournee waren: Virginia Root (Sopran), [5] Nicoline Zederer (Violine), Herbert L. Clarke (Kornett), John J. Perfetto (Euphonium), auch Infanteriecello genannt, das „Violoncello“ der Blasmusik, Ralph Corey (Posaune), Paul J. Senno (Piccoloflöte), Joseph Norrito (Klarinette) und Joseph Marthage (Harfe).[6]

Zusammenfassung der Weltreise 1910/11:

  • 9. Jan – 3. Marz 1911: England, Irland
  • 24. März - 21. April: Südafrika
  • 12. Mai – 23. Aug : Tasmanien, Australien, Neuseeland
  • 10. Sept.- 15. Okt.: Hawaii, West Canada & U.S.A.
  • 23. Okt. – 1. Dez: Midwestern U.S. (TX, OK, KS, MO, NE, IA, WI, MN, MI, IL, OH)
  • 4. Dez. – 10. Dez: New York [7]
Sousa mit Solistinnen

Sousa war Mitglied im Bund der Freimaurer, er wurde in die Hiriam Lodge Nr. 10 in Washington aufgenommen.[8] Dort komponierte er auch für die Shriners den Marsch Nobles of the Mystic Shrine.[9]

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Sousa 1917 als Reserve-Offizier bestellt. Er war 62, was dem Pensionsalter für Offiziere der Flotte entsprach. Während des Krieges leitete er die Kapelle der Marine, die an den Großen Seen stationiert war. Zu dieser Zeit war Sousa bereits ein reicher Mann, so dass er sein Gehalt jeden Monat dem Sailors’ and Marines’ Relief Fund spendete.[10] 1918 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen. Gleichwohl blieb er in der Reserve, und in den 1920ern wurde er zum „Lieutenant Commander“ ernannt. Nach Kriegsende nahm er das Reisen mit seiner Kapelle wieder auf. Er trat für die musikalische Erziehung der Schulkinder ein und kämpfte für die Rechte von Komponisten. Aus diesem Grund sprach er 1927 und 1928 vor dem Kongress.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stars and Stripes Forever
The Liberty Bell
The Washington Post
Semper Fidelis

Fast jeder kennt die Marschmusik von John Philip Sousa, ohne dass der Name des Komponisten und Dirigenten auch nur annähernd so geläufig wäre. Seine patriotische Komposition Stars and Stripes Forever von 1896 gilt als eine Art zweite Nationalhymne der USA und diente u. a. lange Jahre in der deutschen Fernsehwerbung als Erkennungsmelodie des Reinigungsmittels Der General. Ebenfalls sehr bekannt ist das Thema von The Liberty Bell (1893), benannt nach der Freiheitsglocke in Philadelphia, das als Eröffnungsmusik für die englische Fernsehserie Monty Python’s Flying Circus verwendet wurde.

Einige weitere seiner über 100 Werke gehören zum Standardrepertoire von Blaskapellen in aller Welt, wie Semper Fidelis (1888) und besonders The Washington Post. Dieser Marsch wurde 1889 im Auftrag der Zeitung Washington Post komponiert.[11] Die Händler bestellten Noten für das Piano von diesen Märschen in Mengen von 20.000 Stück. The Washington Post Marsch erfreute sich auch internationalem Erfolg, weil ein neuer Tanz in Mode gekommen war: der two-step. In Europa bezog man sich auf Washington Post wenn man den Two-Step tanzen wollte.[12]

Weitere Märsche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Transit of Venus March, 1896

Er schrieb 136 Märsche; einige der populärsten neben den oben bereits genannten sind:

  • President Garfield’s Inauguration March (1881)
  • Transit of Venus March (1883)
  • The Thunderer (1889)
  • The High School Cadets (1890)
  • The Liberty Bell (1893)
  • Manhattan Beach March (1893)
  • King Cotton (1895)
  • El Capitan (1896)
  • Hands Across the Sea (1899)
  • Fairest of the Fair (1908)
  • U.S. Field Artillery (1917)
  • Bullets and Bayonets (1919)
  • The Gallant Seventh (1922)
  • The Black Horse Troop (1924)
  • Daughters of Texas (1929)

Operetten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Smugglers, 1882
  • Desiree, 1883
  • The Queen of Hearts, 1885, auch bekannt als Royalty and Roguery
  • El Capitan, 1896, uraufgeführt am 20. April im Tremont-Theatre in Boston
  • The Bride Elect, 1897, Libretto von Sousa
  • The Charlatan, 1898, auch bekannt als The Mystical Miss, Text von Sousa
  • Chris and the Wonderful Lamp, 1899
  • The Free Lance, 1905
  • The American Maid, 1909, auch bekannt als The Glass Blowers

Sousa komponierte außerdem die Musik für sechs Operetten, die entweder unvollendet waren oder nicht produziert wurden: The Devils' Deputy, Florine, The Irish Dragoon, Katherine, The Victory, und The Wolf.

Weitere Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferner entstammen seiner Feder elf Suiten und 70 Lieder, zahlreiche instrumentale Solostücke, Schauspielmusik sowie verschiedene Werke für Militärkapelle und Orchester.

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fifth String, Publisher: Bowen Merrill, Indianapolis 1902.
  • Marching Along: Recollections of Men, Women, and Music. Publisher: Hale, Cushman, and Flint, Boston 1928. Rev. ed. by Paul E. Bierley. Westerville, OH: Integrity Press, 1994.

Erfolgreicher Tontaubenschütze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sousa war ein so erfolgreicher Tontaubenschütze (Disziplin Trap), dass er als einer der besten aller Zeiten in die Trapshooting Hall of Fame aufgenommen wurde.[13] Er war maßgeblich an der Gründung der First National Trapshooting Organization beteiligt, die später durch die Amateur Trapshooting Association (ATA) abgelöst wurde und ein gefragter Autor für Bücher über das Tontaubenschießen (so 1902: The Fifth String).

Grabstätte Sousas auf dem Congressional Cemetery, Washington, D.C.

Tod und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1932 starb John Philip Sousa in Reading, Pennsylvania. Er war in der Stadt, um das Jubiläumskonzert der Ringgold Band [14] zu dirigieren und starb im Abraham-Lincoln-Hotel an einem Herzinfarkt. Sousas Beerdigungsfeier wurde im Marine-Band-Auditorium abgehalten und vom Columbia Broadcasting System übertragen. Er wurde im Familiengrab des Congressional Cemetery in Washington, D.C. beigesetzt. Am 9. Dezember 1939 erhielt die neu erbaute Pennsylvania-Avenue-Brücke seinen Namen. Er wurde posthum durch einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt. 1976 wurde Sousa in die Hall of Fame for Great Americans aufgenommen. Sousas renommierste Ehrung wurde 1987 durch den Kongress vorgenommen, der seine Komposition The Stars and Stripes Forever zum „National March of the United States“ erklärte. 1998 wurde er in die American Classical Music Hall of Fame [15] in Cincinnati, Ohio aufgenommen.

Kuriosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Um Sousas Europatournee besser vermarkten zu können, verbreitete sein Agent die Angabe, Sousa sei ein Auswanderer aus dem jeweiligen Gastspielland. Der Name Sousa rühre von der Abkürzung S. O. USA auf seinem Koffer bei der Einwanderung. Dabei stünden die ersten beiden Buchstaben für seinen Namen (in Deutschland z. B. „Sigmund Ochs“), dann folge die Abkürzung für das Zielland. Das Gerücht ist bis heute weit verbreitet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul E. Bierley: John Philip Sousa - American Phenomenon. Warner Bros. Publications, 2001, ISBN 0-7579-0612-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John Philip Sousa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Sousaphone
  2. Fränkisch-Crumbach als Musikweltdorf. Echo online, 9. September 2011, abgerufen am 21. Januar 2013
  3. Columbia Phonograph Co. Cylinders
  4. John Philip Sousa [biography in Library of Congress]
  5. Virginia Root Collection in the The Sousa Archives and Center for American Music in the University of Illinois
  6. Sousa Band Roster A partial listing of musicians and soloists who performed and toured with Sousa's Band Reference: Kenneth Berger, The March King and His Band. New York, Exposition Press, 1957
  7. The Sousa Band 1910-11 World Tour byDavid Lovrien for a complete list of tour stops, consult Paul Bierley's The Incredible Band of John Philip Sousa
  8. Today in Masonic History John Philip Sousa
  9. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. Nachdruck von 1932. Amalthea, Wien 1980, ISBN 3-85002-038-X.
  10. The Navy-Marine Corps Relief Society
  11. Marsch von Sousa Arrangeur: Siegfried Rundel
  12. A HISTORY OF THE WIND BAND by Dr. Stephen L. Rhodes
  13. John Philip Sousa in the Trapshooting Hall of Fame
  14. History of the Ringgold Band
  15. American Classical Music Hall of Fame