Josef Bulva

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Josef Bulva (* 9. Januar 1943 in Brünn, Tschechoslowakei) ist ein luxemburgischer Pianist.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Bulva wurde 1943 in der seinerzeit deutsch besetzten Tschechoslowakei, dem heutigen Tschechien, geboren. Ab 1950 besuchte er die Musikschule in Napajedla, wohin seine Eltern umgesiedelt worden waren. Bulva nahm Unterricht bei dem Musikpädagogen Václav Lanka und erlangte bald die Virtuosität, die ihm den Ruf eines Wunderkindes einbrachte. Bereits mit 12 Jahren spielte er Liszt-Etüden und Mozart-Klavierkonzerte. Mit 13 Jahren spielte er Brahms' anspruchsvolle Paganini-Variationen. Gefördert durch ein Staatsstipendium der ČSSR besuchte Bulva zunächst das Konservatorium Kroměříž, später das Konservatorium Brünn und schließlich das Konservatorium in Bratislava, wo er mit 17 Jahren in die damalige Akademie der Künste aufgenommen wurde. Seine Ausbildung schloss Bulva mit Auszeichnung und dem so genannten Roten Diplom ab. Bulva wurde mit 21 Jahren zum Staatssolisten der ČSSR ernannt.

Die Konzerttätigkeit Bulvas wurde 1971 durch einen schweren Bergunfall mit über fünfzig Knochenbrüchen[2] abrupt unterbrochen. Nach einem fast einjährigen Krankenhausaufenthalt konzertierte er wieder und nutzte 1972 seine erste Auslandstournee zur Emigration nach Luxemburg. In der ehemaligen ČSSR wurde er des Hochverrats angeklagt. Bulva wurde Bürger des Großherzogtums Luxemburg und fand parallel in München seine zweite künstlerische Heimat. Bei Besuchen in seiner Wahlheimat residiert er als Dauergast im Münchner Hotel Vier Jahreszeiten[3]. Die Emigration und der Neubeginn als Pianist öffneten Josef Bulva die internationalen Konzertsäle, die Rundfunkanstalten und die Schallplattenstudios. Der Musikwelt präsentierte Bulva sich durch die erstmalige Einspielung von Sergej Prokofjews Ballettzyklus op. 75, Romeo und Julia, in der Bearbeitung für Klavier, für die Schallplattenfirma Teldec. Neben diesem dramaturgischen Beitrag sorgte auch seine Einspielung des Zyklus der Grandes études de Paganini von Franz Liszt für Furore. Bulva wurde von der internationalen Fachwelt gefeiert. Trotz seines Erfolges zog sich Bulva in den folgenden Jahren zunehmend aus der Konzerttätigkeit zurück.

Am 22. März 1996 stürzte er bei einem familiären Besuch in seiner Heimat auf eisglatter Straße und verletzte sich an einer unter dem Schnee verborgenen Glasscherbe. Dabei wurde seine linke Hand vermeintlich irreparabel geschädigt. Seine pianistische Karriere galt damit als beendet. Er zog sich nach Monaco zurück, um sich einen neuen Lebensinhalt aufzubauen. Beruflich und finanziell engagierte sich Bulva dort als Finanzinvestor[4].

Bulva unterzog sich etlichen Operationen und trainierte täglich die Bewegungsfähigkeit seiner Hand. Nach jahrelanger Heilungsphase konnte die Spielfähigkeit der Hand wiederhergestellt werden. 2009 kehrte Bulva nach 13-jähriger Abwesenheit in die Konzertsäle zurück. Seine Aufnahmetätigkeit für die Tonträgerindustrie setzt er bei RCA Red Seal[5] fort.

Klavierkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Josef Bulvas Klavierspiel folgt seinem persönlichen Credo: natürliche Musikalität, Geschmack, Kenntnis seines "Metiers" und Disziplin. Bulva hat nichts anderes im Sinne, als den Notentext respektvoll, sinngetreu und ohne Extravaganzen auszulegen. Dabei stehen ihm die Selbstverständlichkeit des technischen Standards und die Unfehlbarkeit in Fragen des Stilgefühls uneingeschränkt zur Verfügung.[6]

Bulva wurde durch die ihm eigene Verwendung des Sostenuto-Pedals zu einer Art Pionier des Klavierspiels. In einem Interview mit Christian Buchmann legt er dar, wie dieses mittlere Pedal ein weiteres Gestaltungsrefugium eröffnet und auch Klarheit in Passagen der Vielstimmigkeit legt. Bulvas Gebrauch des dritten Pedals unterscheidet ihn von anderen Pianisten. Von Steinway & Sons wird er darum als "Pianist unter den Pianisten" bezeichnet, da er als bislang Einziger die mechanischen Möglichkeiten dieser seit 140 Jahren patentierten Erfindung in die Gestaltung seiner Interpretation implementiert.[7]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Musikkritiker Joachim Kaiser nannte ihn „den Pianisten des wissenschaftlichen Zeitalters“ und attestierte ihm: „Meisterwerke erscheinen in einem neuen Gewand“, das Steinway Owners' Magazine stellte anerkennend fest, dass „sein Spiel das Credo von Steinway & Sons reflektiert“[8]. In der Süddeutschen Zeitung würdigte Wolfgang Schreiber 2009 Bulvas Interpretation als "virtuos, präzise und ausgereift"[9]. Die seinerzeit unverstandene Auslegung des ersten Satzes der Mondscheinsonate als dreistimmige Invention – was Beethovens Notation vorgibt – wird heute als Standard wahrgenommen. Ebenso führte seine analytische Auslegung von Chopinwerken zu Überraschungen oder sogar Ablehnung bei Publikum und Medien, die an Rubato-intensive Wiedergaben gewöhnt waren.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bulva hat bei folgenden Schallplattenfirmen aufgenommen: Supraphon, Teldec, Orfeo, Mediaphon-Madacy und RCA. Einige der Aufnahmen sind nach wie vor am Markt erhältlich, darunter:

Später publizierte Oreikon The Art of Josef Bulva, eine Buchausgabe mit 7 CDs, deren Aufnahmen von Josef Bulva autorisiert worden waren. Die Edition beinhaltet u. a. folgende Werke:

Die im Mai 2018 zusammen mit dem Violinisten Markus Wolf (auf einer Vollrath Stradivarius von 1722) aufgenommene Aufnahme von Charles-Auguste de Bériot, "Scène de Ballet" op. 100 ist im November 2018 auf der CD Klangraum, einer Sonderedition für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, erschienen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef Bulva - Konzertpianist | SWR1 LEUTE Night | SWR. Abgerufen am 17. Oktober 2019 (deutsch).
  2. Josef Bulva im Gespräch, NDR Kultur, 17. März 2012
  3. Karl Forster: Dieser Pianist lebt seit 45 Jahren im Hotel. In: Süddeutsche Zeitung. 18. Juni 2018, abgerufen am 18. Juni 2018.
  4. https://www.youtube.com/watch?v=lOKK4WtaRlQ
  5. https://www.sonyclassical.de
  6. Klaus Seidel, The Art of Josef Bulva, Oreikon, 2008, Seite 115
  7. https://www.youtube.com/watch?v=C32GBMTlQZE&t=18s
  8. http://www.haz.de/Sonntag/Tipps-Kritik/Tipps/Der-vehinderte-Weltstar-Ausnahmepianist-Josef-Bulva
  9. http://www.josefbulvasociety.com/pr1A.html