Josef Wilfling

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Josef Wilfling bei einer Autorenlesung im November 2017

Josef Wilfling (* 1947 in Münchberg) ist ein ehemaliger deutscher Polizeibeamter (zuletzt Kriminaloberrat) und Autor.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wilfling wurde als Kind von Vertriebenen aus dem Egerland in der oberfränkischen Kleinstadt Münchberg geboren, wo er mit vier Geschwistern aufwuchs. Er trat am 3. Oktober 1966 in den mittleren Dienst der bayerischen Polizei ein.[1] Nach einem Jahr bei der Würzburger[2] Bereitschaftspolizei wurde er nach München versetzt.[1] Beim Brandanschlag auf das Altenheim der Israelitischen Kultusgemeinde in München im Jahr 1970 war er als Bereitschaftspolizist eingesetzt und hatte u. a. die Aufgabe, einen Rabbiner zu den völlig verkohlten Leichen der Opfer zu führen.[3] Ab 1976[2] arbeitete er als Zivilfahnder und ab 1983 als Kriminalkommissar.[3] 1987 kam er als Ermittler zur Münchner Mordkommission, deren Leiter er 2002 wurde.[3] Er wirkte unter anderem bei der Aufklärung der Morde an Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer sowie der Morde des Serienmörders Horst David mit. Zudem ermittelte er im Falle des Schauspielers Günther Kaufmann.

Nachdem der Personalrat einer nochmaligen Verlängerung seiner Dienstzeit widersprochen hatte,[1] wurde er am 30. Januar 2009 in den Ruhestand verabschiedet.[2] Wilfling, der schon während seiner Dienstzeit für die hauseigene Polizeizeitung Glossen und Analysen geschrieben hatte,[4] verarbeitete die Erfahrungen aus seiner Dienstzeit als Buchautor und wurde zum gefragten Referenten.

Im Februar 2013 sagte er als Zeuge im bayerischen Untersuchungsausschuss zur rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund aus, da er die Ermittlungen nach den Morden an Habil Kılıç in München-Ramersdorf 2001 und an Theodoros Boulgarides im Münchener Westend im Jahr 2005 geleitet hatte (siehe Ceska-Mordserie).

Als er am 11. Juli 2013 zum Ramersdorfer Mord im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München aussagte, verwahrte er sich gegen den Vorwurf, die Ermittler seien auf dem rechten Auge blind gewesen.[5] Vielmehr sei die Art der Tatausführung, die er als „professionelle Hinrichtung“ bezeichnete, für rechte Gewalttäter untypisch und nur mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung zu bringen gewesen.[6] Die Mordkommission hatte darum wegen möglicher Verbindungen des Opfers zur PKK, den Grauen Wölfen, sowie dem Glücksspiel-, Drogen- und Rotlichtmilieu ermittelt, die Polizei hatte bei einer Durchsuchung die Wohnung der Witwe verwüstet und die Tochter des Opfers hatte die Schule verlassen müssen, weil man fürchtete, Täter aus diesen Milieus könnten die Schule stürmen.[7] Weiterhin gab er an, dass keiner der etwa 40 türkischen Hinweisgeber einen Verdacht in Richtung Rechtsextremismus erhob. Auch habe er sich die von einer Zeugin genannten Radfahrer nicht als Täter vorstellen können. Der Versuch, die mutmaßlichen Täter als Zeugen zu gewinnen, blieb ohne Erfolg.[8]

Wilfling ist verheiratet, hat einen Sohn (Jahrgang 1970) und lebt in München.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Susi Wimmer: "Ich dachte nur, Flucht, Deckung, weg". Als die Fahnder noch mittendrin waren: Über das bewegte Leben des Josef Wilfling. Der langjährige Chef der Mordkommission geht in den Ruhestand. In: Süddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 7. September 2013.
  2. a b c Dorita Plange: Münchens oberster Mörderjäger. Seine härtesten Fälle. In: tz. 23. Januar 2009, abgerufen am 7. September 2013.
  3. a b c Karin Truscheit: Der Respekt vor dem Bösen. In: Faz.net. 12. Juli 2010, abgerufen am 7. September 2013.
  4. Susi Wimmer: Schreib' das auf! Josef Wilfling blickt in seinem Buch in die Abgründe der menschlichen Seele. Mit denen ist er als Ex-Chef der Münchner Mordkommission vertraut. In: Süddeutsche.de. 14. März 2010, abgerufen am 7. September 2013.
  5. ebu: Wilfling im NSU-Prozess in München: "Das war eine Hinrichtung". In: tz. 11. Juli 2013, abgerufen am 7. September 2013.
  6. Anna Fischhaber: NSU-Mord in München vor Gericht Hitzige Wortgefechte. In: Süddeutsche.de. 11. Juli 2013, abgerufen am 7. September 2013.
  7. Tom Sundermann: Als sei Habil Kiliç ein Mafioso gewesen. Im NSU-Prozess sagt die Witwe des ermordeten Kiliç aus. Ihre Wut richtet sich auch gegen die Polizei, die nie an rechtsextreme Täter dachte. In: Zeit Online. 11. Juli 2013, abgerufen am 7. September 2013.
  8. Frank Jansen: Hitzige Wortgefechte und merkwürdige Zeugenaussagen. In: tagesspiegel.de. 11. Juli 2013, abgerufen am 16. Februar 2015.