Judy Garland

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Judy Garland 1945

Judy Garland (* 10. Juni 1922 als Frances Ethel Gumm in Grand Rapids, Minnesota; † 22. Juni 1969 in Chelsea, London) war eine US-amerikanische Filmschauspielerin und Sängerin. Berühmt wurde sie durch ihre Hauptrolle in dem Filmklassiker Der Zauberer von Oz (1939), in dem sie die Originalversion des Liedes Over the Rainbow singt. Danach drehte sie über zwei Dutzend Filme für MGM, neun davon an der Seite von Mickey Rooney. Weitere bekannte Filme sind Meet Me in St. Louis, Ein neuer Stern am Himmel und Das Urteil von Nürnberg. Als Sängerin füllte sie in den 1950er und 1960er Jahren zahlreiche Konzerthallen.

Im Laufe ihrer Karriere wurde sie mit bedeutenden Preisen wie dem Grammy, dem Golden Globe, dem Tony Award und einem Ehrenoscar ausgezeichnet. Im Gegensatz zu ihrer erfolgreichen Karriere war ihr Privatleben mit Problemen behaftet. Sie starb mit 47 Jahren an der Überdosis eines Schlafmittels.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judy Garlands Geburtshaus in Grand Rapids, heute ein Museum

Judy Garland kam 1922 als Frances Ethel Gumm in Grand Rapids, Minnesota als drittes Kind von Francis Avent „Frank“ Gumm (1886–1935) und Ethel Marion Milne (1893–1953) zur Welt. Sie hatte zwei ältere Schwester, Mary Jane „Suzy“ (1915–1964) und Dorothy Virginia „Jimmie“ (1917–1977). Der Vater führte in der Stadt ein Kino, und die Familie trat in den Pausen mit Gesangs- und Tanznummern auf. 1924 verkauften die Gumms ihr Haus und ließen sich in der Hoffnung, in Hollywood vom Film entdeckt zu werden, in Kalifornien nieder. In Lancaster übernahm der Vater erneut ein Filmtheater.

1932 zogen sie nach Los Angeles. Als Gumm Sisters traten die drei Schwestern in Vaudeville-Shows auf. Star dieser Shows war die jüngste Tochter Frances Ethel. 1933 durften sie auf der Weltausstellung in Chicago auftreten. 1934 änderte Frances ihren Namen in Judy Garland (vermutlich nach dem Schauspielkritiker Robert Garland). Mit sieben Jahren debütierte sie 1929 in dem Film The Big Revue und sang That’s the Good Old Sunny South. Der Film wurde in den 1990er Jahren auf diversen Laser-Discs veröffentlicht.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Talentsucher Jack Robbins verschaffte ihr 1935 einen Vertrag bei Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Nach einem Jahr intensiver Ausbildung, während der ihr Vater an Poliomyelitis starb, trat Garland 1936 in ihrem ersten MGM-Film neben Deanna Durbin in Every Sunday auf. Der erste Film, in dem Garland eine wichtige Rolle spielte, war Broadway Melody of 1938, in dem sie das Lied Dear Mister Gable interpretierte. Das Studio baute Garland ein Image als All-American-Girl auf. Die Mitwirkung in der populären Andy-Hardy“-Filmserie, in der sie an der Seite von Mickey Rooney die Betsy Booth spielte, bekräftigte ihre frische Popularität noch. Rooney und Garland waren in neun Filmen ein Leinwandpaar und auch privat miteinander befreundet.

Zu ihrer bekanntesten Rolle wurde die Dorothy in dem Film Der Zauberer von Oz mit dem Lied Over the Rainbow. Die Verfilmung des Kinderbuchklassikers „Der Zauberer von Oz“ von Lyman Frank Baum aus dem Jahre 1939 ist noch heute einer der bekanntesten Filme der USA. Figuren und Handlungsabläufe sind Bestandteile des US-amerikanischen Allgemeinwissens geworden. Ursprünglich wollte man für die Rolle der Dorothy Shirley Temple engagieren, doch scheiterten die Vertragsverhandlungen mit deren Studio (20th Century Fox). Für ihre Darstellungen in Der Zauberer von Oz sowie in den Andy-Hardy-Filmen erhielt Judy Garland den damals noch vergebenen Juvenile Award (Oscar) für jugendliche Darsteller. Nach dem großen Erfolg spielte Garland in weiteren MGM-Musicals. Vor allem Meet Me in St. Louis (1944) gilt bis heute als ein herausragendes Beispiel des MGM-Stils, und Judy Garland wurde eine seiner bedeutendsten Interpretinnen.

Jedoch galt die junge Schauspielerin bei Dreharbeiten als äußerst schwierig. Wie später bekannt wurde, hatte sie bereits früh Drogenprobleme. Sie nahm je nach Bedarf Aufputsch- und Schlafmittel, was zu dieser Zeit jedoch als unbedenklich angesehen wurde. Es kam wiederholt zu Verzögerungen und Skandalen, die dafür sorgten, dass Garland 1950 aus ihrem Vertrag entlassen wurde. Wegen ihrer psychischen Anspannung und ihres unglücklich verlaufenden Privatlebens kam es auch zu einem Selbstmordversuch. Ihre Ehe mit Vincente Minnelli stand kurz vor dem Scheitern. Im Nachhinein erhob sie schwere Vorwürfe gegen das Filmstudio MGM und ihre inzwischen verstorbene Mutter, die sie finanziell rücksichtslos ausgebeutet hätten.

Garland entfernte sich von Hollywood und es folgte eine schwere, erfolglose Zeit. Sie hatte zwar viele berühmte Freunde, etwa den US-Präsidenten John F. Kennedy, litt jedoch unter chronischem Geldmangel. Schließlich kehrte sie auf Anraten ihres dritten Ehemanns und Managers Sidney Luft auf die Bühne zurück. Mit einer Gesangsshow tourte sie quer durch die USA, wo Menschenmassen sie mit ihren Filmhits feierten. Der Rauswurf bei MGM führte dazu, dass sie als Sängerin umso größere Erfolge feierte. Sie hat im Laufe ihres Lebens mehr als 1500 Konzerte gegeben und galt über Jahre hinweg als bestbezahlte Bühnenkünstlerin der Welt. Als herausragende Dokumentation ihrer Auftritte gilt das Doppelalbum Judy at Carnegie Hall von 1961. Das Album erreichte Platz 1 der US-Popcharts und wurde mit fünf Grammy Awards ausgezeichnet.

1954 kehrte Garland auf die Leinwand zurück. George Cukor besetzte sie in der Hauptrolle neben James Mason in Ein neuer Stern am Himmel. Ihr gelang ein Comeback und sie erhielt für die Rolle der Vicky Lester den Golden Globe als beste Komödien- bzw. Musicaldarstellerin. Im selben Jahr erhielt sie eine Oscarnominierung als beste Hauptdarstellerin, musste sich aber Grace Kelly geschlagen geben, die den Filmpreis für ihren Part in George Seatons Melodram Ein Mädchen vom Lande entgegennahm. Für Garland war die Enttäuschung darüber so groß, dass sie nur noch sporadisch in Filmen auftrat, so in Stanley Kramers preisgekröntem Drama Das Urteil von Nürnberg (1961), für das sie eine Oscarnominierung als beste Nebendarstellerin erhielt.

Erste große Fernseherfolge feierte Garland bei CBS mit ihren Auftritten in Ford Star Jubilee: The Judy Garland Special (1955) und General Electric Theatre: Judy Garland Musical Special (1956). Ihr CBS-Special The Judy Garland Show (1962, mit Dean Martin und Frank Sinatra) erhielt vier Emmy-Nominierungen. 1963/64 produzierte CBS eine gleichnamige wöchentliche Fernsehshow mit 26 Folgen und zahlreichen Stargästen, darunter zweimal ihre Tochter Liza Minnelli, was ihr drei weitere Emmy-Nominierungen einbrachte.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judy Garland mit Ehemann Mickey Deans am 15. März 1969

Judy Garland war viermal geschieden. Von 1941 bis 1945 war sie mit Songwriter David Rose, von 1945 bis 1951 mit Regisseur Vincente Minnelli, von 1952 bis 1965 mit Showproduzent Sidney Luft und von 1965 bis 1966 mit Schauspieler Mark Herron verheiratet. Ihren fünften Ehemann, den Musiker Mickey Deans, heiratete sie 1969 wenige Monate vor ihrem Tod. Aus der Ehe mit Minnelli stammt Tochter Liza Minnelli; aus der Ehe mit Luft gingen Tochter Lorna Luft und Sohn Joey Luft hervor.

Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie überwiegend in London, wo sie im März 1969 den Nachtclub-Besitzer Deans heiratete, der noch im selben Monat für sie eine Konzerttour durch Skandinavien arrangierte. Doch die vielen kräftezehrenden Jahre bei MGM, ihre Abhängigkeit von Aufputsch- und Schlafmitteln sowie eine schwere Hepatitis im Jahr 1969 forderten schließlich ihren Tribut. Am 22. Juni 1969, zwölf Tage nach ihrem 47. Geburtstag, starb sie an einer Überdosis von 10 Tabletten Secobarbital. Wohl versehentlich, da die Packung von 25 Tabletten erst zur Hälfte aufgebraucht und ein weiteres Fläschchen mit 100 Tabletten ungeöffnet war.[1] Ihre Tochter Liza Minnelli sagte über sie: „Sie lebte acht Leben in einem“.

Am 27. Juni 1969 wurde Garland in Hartsdale im Bundesstaat New York beigesetzt. Im Januar 2017 wurde sie auf den Hollywood Forever Cemetery in Los Angeles überführt.[2][3]

Vermächtnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das American Film Institute führt Judy Garland unter den größten weiblichen Stars aller Zeiten (Greatest Female Stars of All Time) auf Platz 8. Seit ihrem Tod wurden mehr als zwei Dutzend Biografien veröffentlicht, darunter auch die Biografie ihrer Tochter Lorna Luft Me and My Shadows: A Family Memoir. Lufts Memoiren wurden später in der Mini-TV-Serie Life with Judy Garland: Me and My Shadows verfilmt. In Hollywood wird an einer weiteren Verfilmung und einem Theaterstück ihres Lebens unter dem Titel Get Happy: The Life of Judy Garland auf Basis einer Biografie von Gerald Clark gearbeitet. Anne Hathaway soll dabei sowohl im Film als auch im Bühnenstück die Hauptrolle spielen.

Garland wurde 1997 posthum mit dem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet, und viele ihrer Aufnahmen wurden in die Grammy Hall of Fame aufgenommen, darunter die Titel Over the Rainbow, Have Yourself a Merry Little Christmas, Get Happy, The Trolley Song und The Man That Got Away. Garland wurde in den USA bereits zweimal auf einer Briefmarke verewigt, 1989 als Dorothy aus The Wizard of Oz und 2006 als Vicki Lester aus A Star Is Born.

Die Bedeutung Judy Garlands für die Schwulenszene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Judy Garland war bis zu ihrem Tode eine Ikone der schwulen Camp-Kultur[4] und hatte schon immer eine große Anzahl an Fans in der Schwulenszene. Während einer Pressekonferenz in den 1960er Jahren fragte ein Reporter Garland, ob sie sich ihrer loyalen schwulen Gefolgschaft bewusst sei. „Mir ist das sowas von egal“, antwortete sie, „ich singe für Menschen“.[5]

Fünf Tage nach ihrem Tod, am Abend ihrer Beerdigung, wehrten sich Homosexuelle erstmals im Stonewall Inn, einer Schwulenkneipe in Greenwich Village, gegen die Routinekontrollen der Polizei. Dieser unorganisierte Stonewall-Aufstand bildete den Ausgangspunkt für ein beschleunigtes Anwachsen der Lesben- und Schwulenbewegung und das Entstehen des internationalen Christopher Street Day.[6]

Obwohl Garlands Tod vor allem in der amerikanischen Gay Community oft als ein Auslöser für dieses Schlüsselereignis angesehen wird, dürfte der zeitliche Zusammenhang nur Zufall sein. Dennoch wurden Garlands Tod, ihr Begräbnis und die Verknüpfungen zu Stonewall ein Teil der amerikanischen LGBT-Geschichte und Überlieferung.[7] Als Rufus Wainwright in New York City mit dem gleichen Programm wie Garland 45 Jahre zuvor auftrat, beschrieb er das Ereignis als „den schwulsten Moment seines Lebens“.[8]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehshows (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1955: Ford Star Jubilee: The Judy Garland Special
  • 1956: General Electric Theatre: The Judy Garland Musical Special
  • 1962: The Judy Garland Show
  • 1963–1964: The Judy Garland Show (Serie, 26 Folgen)

Spielfilme über Judy Garland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oscar

Golden Globe Award

Grammy Awards

  • 1962: Album des Jahres (Judy at Carnegie Hall)
  • 1962: Beste weibliche Gesangsdarbietung (Judy at Carnegie Hall)
  • 1981: Grammy Hall of Fame Award (Over the Rainbow)
  • 1998: Grammy Hall of Fame Award ((Dear Mr. Gable) You Made Me Love You)
  • 1998: Grammy Hall of Fame Award (Judy at Carnegie Hall)
  • 1999: Lifetime Achievement Award für ihr Lebenswerk
  • 2005: Grammy Hall of Fame Award (Meet Me in St. Louis. Original Motion Picture Soundtrack)
  • 2006: Grammy Hall of Fame Award (The Wizard of Oz. Original Motion Picture Soundtrack)

Emmy

  • Nominierungen
    • 1956: Beste Sängerin
    • 1962: Herausragende Leistung in einer Varieté- oder musikalischen Sendung (The Judy Garland Show)
    • 1964: Herausragende Leistung in einer Varieté- oder musikalischen Sendung (The Judy Garland Show)

Tony Award

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Judy Garland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerald Clarke: Get Happy: The Life of Judy Garland. Random House, New York 2001, ISBN 0-375-50378-1.
  2. Judy Garland's remains moved from NY to LA. In: USA today. 30. Januar 2017, abgerufen am 1. Februar 2017.
  3. Judy Garland’s Remains Moved From New York Burial Place to L.A.’s Hollywood Forever Cemetery. abgerufen am 1. Februar 2017.
  4. George E. Haggerty: Gay Histories and Cultures. Garland, 2000, ISBN 0-8153-1880-4.
  5. Eric Braun: Frightening the Horses: Gay Icons of the Cinema. Reynolds & Hearn, 2002, ISBN 1-903111-10-2.
  6. History of Gay and Lesbian Pride Month. (Memento vom 18. Juni 2006 im Internet Archive) National Women's History Project, 16. Juni 2006.
  7. David Bianco: Stonewall Riots. (Memento vom 29. Juni 2006 im Internet Archive), PlanetOut
  8. Arndt Breitfeld: Wainwright singt Garland – „Der schwulste Moment meines Lebens“. In: Spiegel online. 15. Juni 2006.