Jugend ohne Gott (2017)

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Filmdaten
Originaltitel Jugend ohne Gott
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2017
Länge 114 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
Stab
Regie Alain Gsponer
Drehbuch Alex Buresch,
Matthias Pacht
Produktion Uli Aselmann,
Sophia Aldenhoven
Musik Enis Rotthoff
Kamera Frank Lamm
Schnitt Tobias Haas
Besetzung

Jugend ohne Gott ist ein deutsches Filmdrama von Alain Gsponer, das auf dem Roman Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth basiert und am 31. August 2017 in die deutschen Kinos kam.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem jährlich stattfindenden Assessment-Camp versuchen die Besten einer Abschlussklasse, einen der begehrten Plätze an den fünf weltweit existierenden Rowald-Universitäten zu ergattern, einer Elitehochschule. Die jugendliche Elite, Kinder reicher Eltern, wurden in das Camp geschickt, um dort Leistungspunkte zu sammeln und sich gegen Konkurrenten durchzusetzen. Allen Teilnehmern an dem Auswahlwettbewerb wird ein Sender unter die Haut implantiert, damit sie bei Geländespielen auf dem weiträumigen Areal des Camps jederzeit lokalisiert werden können. Die Schüler werden vor „Illegalen“ gewarnt, welche die ihnen zugewiesene Zonen verlassen haben und von den Schülern gemeldet werden sollen. Der einzelgängerische Zach hat kein wirkliches Interesse an dem Wettbewerb. Sein Vater hat sich kürzlich das Leben genommen, worunter Zach sehr leidet. In einem Tagebuch hält er all seine Gedanken fest, den Mitstreitern gegenüber ist er verschlossen. Auch deswegen fühlt sich die sehr ambitionierte Nadesh von ihm fasziniert und angezogen. Zach trifft im Wald auf die geheimnisvolle Ewa, die dort mit anderen Illegalen lebt und sich mit Diebstählen über Wasser hält. Ihre Bekanntschaft widerspricht allen Regeln und ist für beide mit der Gefahr der Entdeckung verbunden; dennoch verlieben sie sich ineinander und beginnen ein Verhältnis. Nadesh entdeckt sie zufällig, verrät Zach aber zunächst nicht. Sie beginnt aber, sein Tagebuch zu lesen. Als Zach sie dabei erwischt, eskaliert die Situation und beide müssen sich vor der Psychologin des Camps verantworten. Als Zachs Tagebuch gestohlen wird, glaubt er, dass Nadesh es war, und prügelt sich mit ihr. Zach muss das Camp verlassen, wartet aber nicht auf den Helikopter, der ihn abholen soll, sondern geht in den Wald zu Ewa. Er schneidet seinen Sender aus der Haut und will mit den Illegalen im Wald leben. Nadesh sieht die beiden und es kommt zu einer Auseinandersetzung, bei der Nadesh mit einem Stein den Kopf Zachs trifft, der daraufhin bewusstlos einen Abhang hinunterstürzt. Als er erwacht, liegt Nadesh mit eingeschlagenem Schädel tot am Boden; neben ihr sitzt Ewa. Zach gesteht den Mord, da er davon ausgeht, dass Ewa es war, und er sie schützen will. Die Indizien sprechen für Ewa als Täterin. Bei der Gerichtsverhandlung gibt sie an, dass noch ein Junge im Wald aufgetaucht sei, der Nadesh getötet haben muss. Das Gericht glaubt ihr nicht und weist sie in eine Anstalt ein.

Der Lehrer der Schüler gesteht, das Tagebuch an sich genommen zu haben, da er so Zach besser verstehen wollte, um ihm zu helfen. Er muss die Schule und das Wohnviertel der Elite verlassen. Durch die Lektüre des Tagebuchs bricht er mit seinen bisherigen Wertvorstellungen. Er kommt dahinter, dass der gefühlskalte Schüler Titus der Täter sein muss. Er hatte das Ortungssystem manipuliert, so dass er am Tatort nicht lokalisiert werden konnte. Der Lehrer sucht Titus auf und konfrontiert ihn mit seinem Verdacht. Dieser zeigt sich zunächst unbeeindruckt, aber als ihn der Lehrer umarmt und ihn nicht loslässt, lässt er seinen unterdrückten Emotionen freien Lauf. Die Polizei holt den Lehrer am nächsten Tag aus dem Bett, da Titus sich das Leben genommen hat und eine Notiz hinterlassen hat: „Fragt den Lehrer, er weiß die Wahrheit“. Ewa wird freigelassen und von Zach abgeholt. Sie laufen zusammen glücklich aus der Anstalt.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literarische Vorlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film entstand auf Grundlage des Romans Jugend ohne Gott des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horvath. Dieser wurde 1937 veröffentlicht, und der Stoff diente bereits mehrfach als Vorlage für Filme. In dem Roman wird einem Lehrer „Humanitätsduselei“ vorgeworfen und er bei der Schulleitung gemeldet, weil er einen Schüler darauf hinweist, dass Schwarze auch nur Menschen sind.

Stab und Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Regie übernahm der Schweizer Alain Gsponer, der zuvor für die Filme Lila, Lila (2009) und Heidi (2015) in dieser Funktion tätig war. Das Drehbuch stammt von Alexander Buresch und Matthias Pacht.

Der Film ist eine Produktion der die film gmbh in Koproduktion mit Constantin Film.[2] Als Produzenten fungierten Uli Aselmann und Sophia Aldenhoven.[3] Von den vom FilmFernsehFonds Bayern im Jahr 2015 geförderten Projekten erhielt der Film mit einer Million Euro die höchste Fördersumme.[4] Der Deutsche Filmförderfonds steuerte 800.000 Euro bei.[5] Weitere Förderungen erhielt der Film von HessenInvest Film[6] und von der FFA.

Aufbau und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahri Yardım spielt im Film einen Lehrer, der seine eigenen Wertvorstellungen überdenkt

Um den Stoff für Jugendliche interessant zu machen, wird er für den Film in die nahe Zukunft versetzt: „Statt des Faschismus herrscht in unserem Film eine starke Gewinner-Verlierer-Gesellschaft. Die, die in der Gesellschaft oben sind, stehen in einem harten Konkurrenzkampf“, sagte Gsponer.[7] Weiter erklärte der Regisseur in einem Interview mit der Aargauer Zeitung, warum sein filmische Adaption des Romans in der Zukunft spielt: „Wir haben lange recherchiert, bevor wir zu diesem Entschluss gekommen sind. Wichtig in diesem Prozess war, von Jugendlichen direktes Feedback zur Geschichte zu erhalten. Ich habe dazu eine Schulklasse befragt, die den Roman im Unterricht lesen musste. [...] Es galt herauszufinden, von welchen Aspekten der Geschichte sie sich angesprochen fühlen. [...] Im Gegensatz zum faschistischen System bei Horvath sind es heute die sozialen Medien und der durch sie entstandene Konkurrenzkampf, der die Jugendlichen beeinflusst.“[8] Zur Erklärung, warum sich Yardim in der Rolle des Lehrers in seinem Film nicht so sehr mit Gott auseinandersetzt, wie in der literarischen Vorlage, sagte Gsponer: „Gott steht bei Horvath für Wahrheit, Werte und Liebe. Man könnte es also auch Jugend ohne Werte nennen. Die heutige Jugend kennt keine Werte mehr. Das war einer der Gründe, weshalb wir es anders interpretiert haben. Es geht nicht primär um das Gottlose, sondern um die Kritik an den fehlenden humanistischen Werten.“[8]

Die Geschichte des Films wird aus vier verschiedenen Perspektiven erzählt.[9] Während im Buch der Lehrer der Protagonist ist, hat Gsponer versucht, für den Film einen anderen Ansatz finden: „Wir entschieden uns, die Jugendlichen besser in die Geschichte zu integrieren. Schliesslich sind auch sie unser Zielpublikum.“[8] Zu dem Ergebnis sagt die Deutsche Film- und Medienbewertung, Gsponer erzähle die Geschichte in mehreren Teilen jeweils aus der Perspektive eines der Protagonisten, sodass die Geschehnisse mehrfach, jeweils mit neuen, tieferen Bedeutungsebenen durchgespielt werden. Diese ungewöhnliche Erzählform sorge zuerst für Irritationen, doch spätestens nach der Hälfte des Films entwickele die Dramaturgie dann doch eine beachtliche Sogwirkung, und der Film entwickele sich zu einem spannenden Thriller.[10]

Fahri Yardim spielt die Hauptrolle des Lehrers. Anna Maria Mühe ist in dem Film als Psychologin Loreen zu sehen, die die Schüler im Camp betreut.[7] Jannis Niewöhner übernahm mit Zach im Film eine zentrale Rolle. Alicia von Rittberg spielt Nadesh, Emilia Schüle ihre Rivalin Ewa, die alleine in den Wäldern lebt. Jannik Schümann (Titus), Livia Matthes (Samira), Genet Zegay (Suri), Damian Thüne (Wladim) und David Meier (Ronen) verkörpern weitere Campteilnehmer.

Für die Dreharbeiten im Mai und Juni 2016 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen konnten sich Interessierte für Kleinrollen bewerben.[11]

Dreharbeiten und Nachbearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Beobachtungsplattform in der Grube Messel
Kletterfelsen in der Nähe von Poppenhausen

Die Dreharbeiten haben im April 2016 begonnen.[12] Im Mai und Juni 2016 fanden Filmaufnahmen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen statt.[11] Die Szenen, in denen sich die Schüler im Film für das Camp anmelden und ihre elektronischen Geräte abgeben müssen, wurden am 13. und 14. Juni 2016 im Besucherzentrum des UNESCO-Welterbes Grube Messel gedreht, das aus grauen, harten Betonwänden besteht. „Die Architektur ist der Grund, weshalb wir hier drehen. Sie hat etwas Offenes, aber auch Brachiales“, erklärt der Regisseur. Das Besucherzentrum soll noch digital bearbeitet werden, wodurch rechts und links von dem Gebäude ein Zaun zu sehen sein wird, der das Camp begrenzt.[7] Weitere Drehorte in Hessen waren einige Hochhäuser in Frankfurt am Main, das Kongresszentrum in Darmstadt und Kletterfelsen in der Nähe von Poppenhausen.[7] Die Dreharbeiten dauerten insgesamt zwei Monate.

Marketing und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende April 2017 wurde ein erster Trailer zum Film veröffentlicht.[13] Der Film feierte am 21. August 2017 im Münchner Mathäser-Filmpalast seine Premiere[14] und wurde Tags darauf in Berlin vorgestellt.[15] Am 31. August 2017 kam der Film in die deutschen Kinos.[16]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist der Film FSK 12. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film ist jugendaffin erzählt und bietet in den wenigen moralisch aufrechten Protagonisten starke Identifikationsfiguren. Zwar können Intensität und Dramatik des Geschehens Kinder unter 12 Jahren emotional überfordern, doch bereits 12-Jährige sind in der Lage, die düstere Atmosphäre und die Spannungssequenzen in den Kontext einzuordnen, zumal die zentralen Fragen und Konflikte letztlich gelöst werden. Die genannte Altersgruppe kann sich ausreichend distanzieren, um sich eigenständig mit den ethischen Fragen des Films auseinanderzusetzen und das Gesehene zu verarbeiten. So fordert der Film sie zwar, überfordert sie aber nicht.“[17]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Deutschen Film- und Medienbewertung wurde Jugend ohne Gott mit dem Prädikat Besonders wertvoll versehen. Im Pressetext heißt es dort: „Die Kulisse des hermetisch abgeschlossenen Camps zwischen Bergen und Wäldern liefert mithilfe der Kamera von Frank Lamm großartige Bilder, dazu kommt eine authentisch konstruierte Stadtkulisse der Zukunft, die auch im Hier und Jetzt verortet sein könnte und dadurch gespenstisch nah wirkt. Genau wie Farb- und Lichtsetzung unterstreicht auch die Musik kongenial die Atmosphäre der permanenten Bedrohung.“[10]

Alexandra Seibel vom Kurier kritisierte den geringen Bezug zur Buchvorlage und charakterisierte den Film als "ein glattes Jugenddrama, dessen autoritätskritischer Inhalt sich wahnsinnig wichtig nimmt und an der eigenen Aufgeblasenheit begeistert. [...] Kein Dystopie-Klischee bleibt unberührt: Stereotyp prallen die Jugendlichen als Streber, Rebellen oder Mitläufer aufeinander."[18]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bayerischer Filmpreis 2016

New Stars @ Deutscher Filmball

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Jugend ohne Gott. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 167849/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Jugend ohne Gott – Offizielle Website zum Film von Constantin Film. Abgerufen am 9. Mai 2017.
  3. Jugend ohne Gott In: presseportal.de, 28. April 2017.
  4. Film-Fernseh-Fonds fördert neue Projekte In: Süddeutsche Zeitung, 16. Juli 2015.
  5. Förderzusagen 01.01.2015 - 31.12.2015 In: dfff-ffa.de. Abgerufen am 7. August 2016 (PDF; 178 KB)
  6. Dreharbeiten zum Spielfilm 'Jugend ohne Gott' im UNESCO-Welterbe Grube Messel In: hessenfilm.de, 13. Juni 2016.
  7. a b c d Dreharbeiten im Welterbe. Grube Messel wird Eingangsschleuse zur Filmwelt In: hessenschau.de, 16. Juni 2016.
  8. a b c Alain Gsponer im Gespräch mit Corina Gall: 'Jugend ohne Gott': Regisseur Alain Gsponer: 'Die Jugend kennt keine Werte mehr' In: Aargauer Zeitung, 27. August 2017.
  9. Jugend ohne Gott In: jugend-filmjury.com. Abgerufen am 27. August 2017.
  10. a b Jugend ohne Gott In: fbw-filmbewertung.com. Deutsche Film- und Medienbewertung. Abgerufen am 28. Mai 2017.
  11. a b Komparsen gesucht! In: merkur.de, 30. März 2016.
  12. Jannis Niewöhner In: film-pr.de. Abgerufen am 7. August 2016.
  13. Philipp Mentis: Jugend ohne Gott – Seht den rasanten ersten Trailer zur Dystopie In: moviepilot.de, 28. April 2017.
  14. 'Jugend ohne Gott' feiert Premiere in München In: mediabiz.de, 22. August 2017.
  15. https://www.morgenpost.de/berlin/leute/article211672939/Jugend-ohne-Gott-Eine-duestere-Zukunftsvision.html
  16. Jugend ohne Gott In: moviejones.de. Abgerufen am 7. August 2016.
  17. Freigabebegründung für Jugend ohne Gott In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 31. August 2017.
  18. Alexandra Seibel: "Jugend ohne Gott": Kein Gott, aber viel Stereotyp. (kurier.at [abgerufen am 6. September 2017]).
  19. Bayerischer Filmpreis. Stehende Ovationen für Bruno Ganz – und die Frauen In: Spiegel Online, 20. Januar 2017.
  20. 44. Deutscher Filmball 2017 In: deutscherfilmball.de. Abgerufen am 18. Januar 2017. (PDF; 568 KB)