Just Eat Takeaway

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Just Eat Takeaway.com

Rechtsform Naamloze Vennootschap
ISIN NL0012015705
Gründung 2000[1]
Sitz Amsterdam (Niederlande)
Leitung Jitse Groen[2]
Mitarbeiterzahl 5.423 (Ende 2019, VZÄ)[3]
Umsatz 415,88 Mio. (2019)[3]
Branche Onlinedienste, Lieferdienst
Website Just Eat Takeaway.com
Stand: 4. Juni 2020
Ehemaliges Logo

Just Eat Takeaway (anfänglich Citymeal) ist ein Essenslieferdienst, der unter anderem unter der Marke Lieferando in Deutschland und Österreich und unter der Marke Just Eat in der Schweiz tätig ist. Das 2000 gegründete Unternehmen mit Sitz in Amsterdam organisiert über seine Onlineportale die Bestellung und Auslieferung der von Partnergastronomien offerierten Mahlzeiten und ist unter verschiedenen Namen in 18 europäischen Ländern (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Slowakei, Spanien und dem Vereinigten Königreich) sowie Australien, Brasilien, Israel, Kanada, Kolumbien, Neuseeland und den Vereinigten Staaten vertreten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jitse Groen, 2015

Im Rahmen eines Familienfestes wollte der 21-jährige Student Jitse Groen 2000 im Internet Essen bestellen und konnte nur eine Restaurant-Liste in Amsterdam finden. So kam er auf die Idee, ein Onlineportal zu entwickeln, das verschiedene Lieferdienste bündelt. Groen erwarb am selben Tag die Domäne Thuisbezorgd.nl (für niederländisch thuis bezorgd, auf Deutsch etwa Hauszustellung).[4] Noch im selben Jahr ging der Lieferservice online. 2008 wurde das Unternehmen auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig.[5]

2010 wurde Thuisbezorgd.nl in Takeaway.com umbenannt und das Unternehmen ging in Frankreich und dem Vereinigten Königreich an den Markt. Bei einer Finanzierungsrunde 2012 erhielt Takeaway.com 13 Millionen Euro von Prime Ventures.[6] 2014 folgte die Übernahme des deutschen Wettbewerbers Lieferando.de[7] für 50 Millionen Euro.[8]

2018 übernahm Takeaway.com das schweizerische Onlineportal Foodarena.ch vom Wettbewerber Delivery Hero.[9] Ende 2018 gab Takeaway.com bekannt, auch dessen deutsche Dienste Lieferheld.de, Foodora und Pizza.de zu übernehmen.[7] Der Kaufpreis lag bei knapp 1 Milliarde Euro.[10]

Mit dieser Übernahme ging im April 2019 auch der Dienst McDelivery an Lieferando.de über.[11][7]

Seit Juni 2019 ist Just Eat Takeaway eine der fünfundzwanzig Aktien des niederländischen Leitindexes AEX.[12]

Ende Juli 2019 kündigte Takeaway.com an, den britischen Wettbewerber Just Eat zu kaufen.[13] Anfang August 2019 wurde die Übernahme bekannt gegeben. Die Aktionäre von Just Eat erhielten pro Anteil 0,09744 Takeaway.com-Aktien.[14] Die Fusion hatte einen Wert von knapp 5,5 Milliarden Euro. Mit gut 52 Prozent erhielten die Just-Eat-Aktionäre die Mehrheit am neuen Unternehmen, während die bisherigen Takeaway.com-Aktionäre knapp 48 Prozent behielten. Der neue Konzern soll Just Eat Takeaway.com heißen.[15] Im Januar 2020 gab es die Nachricht, dass die britische Wettbewerbsbehörde die Übernahme überprüfen wird.[16]

Am 11. Juni 2020 wurde die Übernahme von Grubhub durch Just Eat Takeaway bekannt.[17][18][19][20]

Dienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Takeaway.com agiert als Vermittler zwischen Kunde und Restaurant. Der Kunde kann via stationärem Onlineportal oder mobiler App Gerichte bestellen. Das bestellte Essen wird direkt zum Kunden geliefert. In Großstädten geschieht dies über Lieferanten von Takeaway.com, dann kann die Lieferung per GPS-Verbindung verfolgt werden, in Kleinstädten übernehmen die Auslieferung die Restaurants meist selbst. Der Kunde kann zwischen verschiedenen Zahlungsmethoden wählen, entweder bar oder online (per Kreditkarte, Sofortüberweisung, PayPal, Apple Pay oder Bitcoin). Für jede vermittelte Bestellung erhält Takeaway.com eine Provision vom Restaurant.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vermittlerdienste stehen u. a. wegen der Höhe der Provisionen in der Kritik.[21]

Just Eat Takeaway wird vorgeworfen, seine Marktmacht auszunutzen. Der Kunde weiß zum Beispiel nicht, ob er über Lieferando oder direkt beim Restaurant bestellt. Es wurden Schattenwebseiten erstellt, welche den Webseiten der Restaurants sehr ähnlich sehen. Von diesen Seiten gibt es ca. 50.000 allein in Deutschland.

Angestellter von Lieferando weist am Ersten Mai auf die prekären Arbeitsbedingungen hin

Besonders häufig wird das Unternehmen wegen seiner schlechten Arbeitsbedingungen kritisiert.[22][23] Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten bezeichnete die Arbeitsbedingungen als prekär. Viele würden nur auf Minijob-Basis arbeiten und nur leicht über dem Mindestlohn (10 € die Stunde) bezahlt werden.[24] Angestellte müssen ihre eigenen Mobiltelefone verwenden, bekommen die Kosten für ihre Geräte und Mobilfunkverträge jedoch nicht erstattet. Ein Mitarbeiter versuchte 2020, dies gerichtlich zu erstreiten.[24]

Das Bundeskartellamt teilt auf Nachfrage mit: „Derzeit führen wir kein Verfahren gegen Lieferando. Wir beobachten die Marktentwicklung aber weiterhin sehr aufmerksam.“ Die Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Ingrid Hartges, sieht bei Lieferando „nahezu monopolistische Strukturen“, die „zu einer brutalen Abhängigkeit“ der Gastronomen führten: „Die Gäste sind gut beraten, im Idealfall direkt mit dem Restaurant das Geschäft zu machen“.[25]

Auch wenn das Restaurant selbst ausliefert, beträgt die Provision in der Regel 13 %.

Lieferando verpflichtet die Restaurants dieselben Preise zu verlangen, egal ob über Lieferando oder direkt bestellt wird.

Die Fahrer werden durch die Scoober App sekundengenau überwacht. Dies sieht der Datenschutzbeauftragte Stefan Brink kritisch.[26]

Betriebsratswahlen in Münster und Köln wurden vom Management auf verschiedenen Wegen behindert.[27][28][24]

Tochtergesellschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Takeaway.com ist in 18 europäischen, in einem asiatischen, in zwei nordamerikanischen, zwei australischen und als Partner in zwei südamerikanischen Ländern vertreten:

Land Webseite Vormals Bemerkung
Australien menulog.com.au
Belgien takeaway.com/be pizza.be englisch (insbesondere Essen) mitnehmen
Brasilien ifood.com.br Als Partner von iFood
Bulgarien takeaway.com/bg bgmenu.com auch heute noch unter dem Namen bgmenu.com
Dänemark just-eat.dk
Deutschland lieferando.de pizza.de, foodora.de, lieferservice.de, lieferheld.de spanische Endung -ando; zu Lieferndes
Frankreich just-eat.fr pizza.fr
Irland just-eat.ie
Israel 10bis.co.il hebräisch ten bis im Sinne von gib mir einen Bissen
Italien justeat.it
Kanada skipthedishes.com
Kolumbien ifood.com.co Als Partner von iFood
Luxemburg takeaway.com/lu pizza.lu
Neuseeland menulog.co.nz
Niederlande thuisbezorgd.nl
Norwegen just-eat.no
Österreich lieferando.at lieferservice.at
Polen pyszne.pl polnisch für köstlich
Portugal takeaway.com/pt pizza.pt
Rumänien takeaway.com/ro oliviera.ro
Schweiz just-eat.ch takeaway.com/ch, lieferservice.ch Firmenname: eat.ch GmbH, mit Sitz in Zürich. Die Eidgenössische Postkommission PostCom beurteilte im Jahr 2021 die Aktivitäten der Firma als postalische Tätigkeit und damit als meldepflichtig im Sinne des Postgesetzes.[29]
Slowakei bistro.sk
Spanien just-eat.es
Vereinigtes Königreich just-eat.co.uk pizza.co.uk
Vereinigte Staaten grubhub.com

Just Eat Takeaway ist somit in 25 Ländern vertreten

Lokale Marken werden sukzessiv durch die Dachmarke Takeaway.com ersetzt, z. B. pizza.de und lieferheld.de.

Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stand: 6. Oktober 2020[30]
Anteil Anteilseigner Sitz
18,06 % Morgan Stanley New York City
11,13 % Gribhold B.V. Amsterdam
10,02 % Delivery Hero Berlin
06,34 % EuroPacific Growth Fund Boston
04,87 % BlackRock New York City
04,34 % Cat Rock Capital Management Greenwich, CT
03,04 % AKO Capital London

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.lieferando.de/Kundenservice-Presse
  2. https://corporate.takeaway.com/about-us/managing-board/
  3. a b Takeaway.com: Annual Report 2019. Abgerufen am 4. Juni 2020. (PDF; 9 MB)
  4. Geschichte Takeaway.com. Website Lieferservice – Wir über uns. Abgerufen am 30. September 2012.
  5. Wettkampf der Lieferdienste. Website Deutsche Startups. Abgerufen am 30. September 2012.
  6. Pizza aus Holland. Website Deutsche Startups. Abgerufen am 30. September 2012.
  7. a b c Paol Hergert: Nach dem Aus von Deliveroo in Deutschland könnte es für Lieferservice-Kunden teuer werden. Abgerufen am 20. November 2019.
  8. „Es ist absurd, mit wie viel Geld sich Lieferheld die Marktführerschaft erkauft“. 16. März 2015, abgerufen am 17. April 2019.
  9. Delivery Hero: Delivery Hero sells Swiss operations. 22. Juni 2018, abgerufen am 26. Juni 2018 (englisch).
  10. Für eine knappe Milliarde Euro: Delivery Hero verkauft deutsches Lieferdienstgeschäft. In: Spiegel Online. 21. Dezember 2018 (spiegel.de [abgerufen am 4. Januar 2019]).
  11. McDonald's Lieferservice McDelivery jetzt auf Lieferando.de verfügbar. In: finanznachrichten.de. 23. April 2019, abgerufen am 27. Mai 2019.
  12. Amsterdam’s Takeaway.com now included in Euronext’s AEX-Index: Here’s what you need to know about The Netherland’s best growing companies 12. Juni 2019
  13. Martin Hock: Lieferdienste: Fusion beflügelt Aktienkurse. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. August 2019]).
  14. Reuters: "Lieferando"-Eigentümer Takeaway.com schluckt britische Just Eat. Abgerufen am 20. November 2019.
  15. Bastian Benrath: Takeaway und Just Eat: Ein großer Dienst für ganz viel Hunger. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 6. August 2019]).
  16. Übernahme von Just Eat durch Takeaway.com vor neuer Hürde 23. Januar 2020
  17. Ruinöser Konkurrenzkampf der Lieferdienste Warum der Grubhub-Deal nicht nur Uber in Not bringt, von Jonas Rest und Marleen Gründel, Manager Magazin 11. Juni 2020
  18. Internet:Essenslieferdienst Just Eat Takeaway schluckt Grubhub, dpa via Süddeutsche Zeitung 11. Juni 2020
  19. Just Eat Takeaway schluckt GrubHub - GrubHub-Aktie stark, Just Eat-Aktie bricht zweistellig ein, Finanzen.net 11. Juni 2020
  20. Just Eat Takeaway könnte bei Grubhub-Übernahme Uber zuvorkommen, Onvista 10. Juni 2020
  21. Eva Fischer: Teures Geschäft mit Lieferando, Pizza.de & Co – Der Kampf der Pizzabäcker Handelsblatt, 22. August 2016, abgerufen am 11. Januar 2022
  22. NDR: Bringdienst Lieferando: Schlechte Arbeitsbedingungen? Abgerufen am 2. Mai 2021.
  23. Schwierige Arbeitsbedingungen: So arbeiten die Lieferdienst-Radler. Abgerufen am 2. Mai 2021.
  24. a b c Andreas Wyputta: Lieferando torpediert Betriebsratswahl: Ausgelieferte Mitarbeiter. In: Die Tageszeitung: taz. 17. April 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 7. Juli 2021]).
  25. https://www.tagesschau.de/investigativ/br-recherche/lieferando-websites-101.html
  26. https://www.tagesschau.de/investigativ/br-recherche/ueberwachung-lieferando-101.html
  27. Frank Biermann: Der Kampf um die Mitbestimmung bei Foodora wird vertagt. Abgerufen am 7. Mai 2019.
  28. Elmar Wigand: Lieferando: Umkämpfte Betriebsratswahl knapp gewonnen. In: arbeitsunrecht in deutschland. 9. April 2020, abgerufen am 24. Juni 2021 (deutsch).
  29. PostCom stellt für Essenslieferantin eat.ch Meldepflicht fest. In: admin.ch. Eidgenössische Postkommission PostCom, 18. Oktober 2021, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  30. Shareholder information. Abgerufen am 6. Oktober 2020 (englisch).