Kaltluftsee

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Ein Kaltluftsee ist eine Ansammlung lokal gebildeter Kaltluft in abgeschlossenen konkaven Geländeformen oder an Hindernissen infolge Kaltluftstaus[1]. Kaltluftbildung setzt ein, wenn die Strahlungsbilanz negativ ist. Durch die langwellige Abstrahlung wird die Oberfläche und die darüberliegende bodennahe Luftschicht ausgekühlt. Die verhältnismäßig dichte Kaltluft fließt hangabwärts und sammelt sich zuunterst an (geschlossener Kaltluftsee) bzw. wird dort aufgestaut (offener Kaltluftsee). Gegenüber der freien Atmosphäre bildet sich eine Temperaturinversion aus, welche in Extremfällen mehr als 30K betragen kann[2]. Zu einer solchen Temperaturumkehr kommt es besonders bei Hochdrucklagen im Herbst und im Winter. Frostgefahr und Nebelbildung, insbesondere Hochnebel im Übergangsbereich zwischen Kaltluft unten und wärmerer Luft oben, sind im Vergleich zur Umgebung erhöht.

Die folgenden meteorologischen und topographischen Voraussetzungen begünstigen die Abstrahlung und führen in Kombination zu extrem tiefen Temperaturminima[3]:

  • eine kalte Ausgangsluftmasse mit niedriger Luftfeuchtigkeit
  • Windstille
  • wenig oder keine Bewölkung
  • frisch gefallener Neuschnee
  • eine geringe Horizontüberhöhung
  • große Höhenlage

Kaltluftseen in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Kaltluftseen in Deutschland sind der Funtensee (tiefste bisher gemessene Temperatur in Deutschland: -45,9 °C am 24.12.2001[4]) oder die Doline Albstadt-Degerfeld (Tiefste bisher gemessene Temperatur in Baden-Württemberg: -36,1 °C[5]).

Kaltluftseen in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich wurde im Grünloch im Zeitraum zwischen dem 19. Februar und dem 4. März 1932 mit -52,6 °C die tiefste bekannte Temperatur in Mitteleuropa gemessen[3]. Am Scheichenspitzkar im Dachsteingebirge wurde am 2. Januar 2008 -48,4 °C gemessen[6].

Kaltluftseen in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wurde die tiefste bisher gemessene Temperatur von -52,5 °C am 7. Februar 1991 auf der Glattalp registriert[7]. Aus der Combe des Amburnex im Waadtländer Jura ist eine Minimaltemperatur von -47 °C bekannt[8]. In La Brévine wurde am 12.01.1987 mit -41,8 °C die tiefste in einer Ortschaft in der Schweiz registrierte Temperatur gemessen[9].

Weitere Stationen aus dem Messnetz von MeteoSchweiz, die in Hochtälern (nicht direkt in Kaltluftseen) liegen und an denen sehr tiefe Temperaturen auftreten können, sind Samedan, Ulrichen und Andermatt.

Kaltluftseen in Italien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Februar 2013 wurde in der Doline Busa Nord di Fradusta auf 2607 m. ü. M. eine Temperatur von -49,6 °C gemessen[10].

Kaltluftseen in Slowenien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der auf 1592 m. ü. M. gelegenen Senke Mrzla Komna wurde am 9. Januar 2009 eine Temperatur von -49,1 °C gemessen[11].

Kaltluftseen in den USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Februar 1985 wurde in Peter Sinks eine Temperatur von -56,3 °C (-69,3 °F) gemessen[12].

Siehe auch: Inversionswetterlage

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Gubser: Wechselwirkung zwischen Föhn und planetarer Grenzschicht. 1. Januar 2006, doi:10.3929/ethz-a-005207902.
  2. Bernhard Pospichal: Struktur und Auflösung von Temperaturinversionen in Dolinen am Beispiel Grünloch. Hrsg.: Universität Wien, Institut für Meteorologie und Geophysik. Wien Oktober 2004.
  3. a b Manfred Dorninger: Topografische und meteorologische Faktoren für extrem tiefe Temperaturminima in Kaltluftseen. In: Deutscher Wetterdienst (Hrsg.): Promet – Meteorologische Fortbildung. Band 98, 2016, ISSN 2194-5950, S. 43–58.
  4. Andreas Wagner: Wetterextreme. MeteoGroup Unwetterzentrale, August 2009, abgerufen am 20.12.2016.
  5. Albstadt - Wetter. Abgerufen am 20.12.2016.
  6. David Eckart, Reinhold Lazar, Manfred Dorninger: Temperaturbeobachtungen in Dolinen in den Nördlichen Kalkalpen. In: Klimaforschungsinitiative AustroClim (Hrsg.): Tagungsband des 10. Österreichischen Klimatags „Klima, Klimawandel und Auswirkungen“ 13. und 14. März 2008. 2008.
  7. Glattalp Wetterdaten. Elektrizitätswerk des Bezirks Schwyz, abgerufen am 17.12.2016.
  8. B. Bloesch, F. Calame: L’air du temps. In: G. Capt, O. Jean-Petit-Matile, J. Reymond (Hrsg.): Le Parc jurassien vaudois. éd. 24 Heures, Lausanne 1995, S. 23–33.
  9. Rekorde Schweiz. Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz, abgerufen am 17.12.2016.
  10. Depressioni fredde. Agenzia Regionale per la Prevenzione e Protezione Ambientale del Veneto, abgerufen am 23.08.2013.
  11. Gregor Vertačnik: Sibirsko jutro na Komni – rekordni mraz 9. januarja 2009. Hrsg.: Slovensko meteorološko društvo. (meteo-drustvo.si [PDF]).
  12. Selected U.S. City and State Extremes. National Climatic Data Center, February 19, 2002, abgerufen am 20.12.2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]