Schnittlauch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schnittlauch
Schnittlauch (Allium schoenoprasum)

Schnittlauch (Allium schoenoprasum)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
Unterfamilie: Lauchgewächse (Allioideae)
Tribus: Allieae
Gattung: Lauch (Allium)
Art: Schnittlauch
Wissenschaftlicher Name
Allium schoenoprasum
L.

Schnittlauch (Allium schoenoprasum), auch Graslauch, Binsenlauch, Brislauch, Grusenich, Jakobszwiebel oder Schnittling genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Lauch (Allium). Sie ist in den Hochgebirgen der Nordhalbkugel weitverbreitet. Schnittlauch wird als Gewürz verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Flora Batava, Volume 10
Knospige Blütenstände mit den die Blütenknospen schützenden Hüllblättern im Calfeisental auf zirka 2000 Meter über Meer
Blütenstand
Fruchtstände
Schwarze Samen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schnittlauch ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 50 Zentimetern erreicht. Er bildet eine dünnhäutige, eiförmige bis zylindrische Zwiebel aus mit einem Durchmesser von 0,5 bis 1 Zentimetern. Daraus treiben ein bis zwei grüne oder graugrüne, im Querschnitt runde, röhrenförmige Laubblätter mit einem Durchmesser von 2 bis 6 Millimetern. Infolge unterirdischer vegetativer Vermehrung durch Tochterzwiebeln erscheint Schnittlauch oft in Gestalt vielblättriger Horste.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit reicht je nach Standort von Mai bis August. Die Blütenstandsschäfte ähneln den Laubblättern, sind aber etwas fester und höher. Die endständigen, dichten, kugeligen bis eiförmigen, scheindoldige Blütenstände enthalten viele (30 bis 50) Blüten. Ihre Hüllblätter überragen den Blütenstand nie. Anders als beim Weinberg-Lauch (Allium vineale) oder dem Gemüse-Lauch (Allium oleraceum) bildet der Blütenstand des Schnittlauchs keine Brutzwiebeln aus. Die kurzen Blütenstiele sind eineinhalb- bis dreimal so lang wie die Blüten.

Die zwittrigen, glockenförmigen Blüten sind bei einem Durchmesser von etwa 5 Millimetern radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs gleichgestaltigen, sich allmählich zuspitzenden Blütenhüllblätter sind etwa 0,7 bis 1,1 (selten bis 1,7) Zentimeter lang und 3 bis 4 Millimeter breit. Die Farbe der Blütenhüllblätter ist violett-purpurfarben, selten auch weiß, manchmal etwas blaustichig, sie variiert von hell- bis dunkelrot; auffällig ist ein dunkler hervorgehobener Mittelnerv. Es sind zwei Kreise mit je drei zahnlosen Staubblättern vorhanden. Die Staubfäden sind meist ein Drittel bis ein Halb (selten bis zu zwei Drittel) mal so lang wie die Blütenhüllblätter; sie sind an ihrer Basis und auf einer Länge von 1 bis 1,5 Millimetern mit den Blütenhüllblättern verwachsen. Die inneren Staubfäden sind nur halb so breit wie die äußeren. Die Staubbeutel sind purpurfarben. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, fast kugeligen Fruchtknoten verwachsen. Der Griffel endet in einer kopfigen Narbe.

Pollenkorn des Schnittlauchs (400x)

Die fast kugelige Kapselfrucht ist von den Blütenhüllblättern ballonartig umgeben. Die Samen sind schwarz.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.[1]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natürliche Bestände von Allium schoenoprasum sind auf der Nordhalbkugel in Hochgebirgen des warmen, alpinen und arktischen Eurasiens und Nordamerikas weitverbreitet. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet ist nicht mehr ganz klar. Für möglich gehalten wird, dass diese Art in den Alpen und den europäischen Mittelgebirgen beheimatet ist, aber auch, dass er aus Zentralasien oder dem Mittelmeerraum kommt und nach Europa einwanderte. Er kommt aber praktisch überall in den gemäßigten Breiten Nordamerikas und in ganz Europa verwildert vor.

Der Schnittlauch gedeiht auf feuchten Steinschuttfluren, Auen und Schneeböden in Höhenlagen bis zu 2600 Metern. Auch trifft man ihn entlang von Flussläufen auf feinerdigen und schlammigen Sand- und Kiesbänken an. Der Schnittlauch gedeiht am besten auf lockeren, nährstoffreichen und feuchten Böden.

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zerkleinern von Schnitt­lauch mit der Kräuterschere
Ein Schnittlauchbrot

Schnittlauch ist seit dem frühen Mittelalter in Kultur. Andere Quellen besagen, Schnittlauch sei schon seit etwa 3000 vor Christus bei den Chinesen in Gebrauch und befinde sich seitdem in Kultur. Es gibt zahlreiche Sorten, diese sind in Bezug auf Wuchshöhe und Blattdicke sehr unterschiedlich. Auch weiß blühende Formen kommen vor.

Im 17. Jahrhundert ließ sich der englische Apotheker Nicholas Culpeper nur auf besonderen Wunsch eines Landedelmannes dazu überreden, den Lauch in sein Kräuterbuch aufzunehmen, weil dieser nach seiner Ansicht den Schlaf störe und auch das Sehvermögen beeinträchtige.

Schnittlauch wird frisch oder tiefgefroren, wegen des geringen Aromas seltener getrocknet oder gefriergetrocknet verwendet und ist Bestandteil der fines herbes der französischen Küche. Als Küchengewürz geerntet werden nur die oberirdischen Röhrenblätter. Fein geschnitten wird er Salaten, Suppen, Eigerichten oder auch Mayonnaise zugefügt. Das Schnittlauchbrot – ein Butterbrot, reichlich belegt mit Schnittlauchröllchen – ist in Bayern und Österreich eine beliebte Komponente der Brotzeitplatte.[2] Schnittlauch ist ein Bestandteil der Grünen Soße, sowohl nach der Frankfurter als auch der Kasseler Rezeptur, eines typischen Gerichts der deutschen Regionalküche, das sich besonders im hessischen Raum großer Beliebtheit erfreut.[3]

Gelegentlich wird Schnittlauch auch als Zierpflanze in Gärten, beispielsweise in Steingärten, sowie zur Dachbegrünung verwendet.[4]

Die medizinischen Wirkungen wurden untersucht.[4]

Anbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Folgende Teile dieses Abschnitts scheinen seit 1995 nicht mehr aktuell zu sein: Gegenwärtige Anbausorten und Zahlen über gegenwärtige Anbauflächen.
Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Kommerziell wird Schnittlauch als Würzkraut meist in Gewächshäusern, selten auch in Feldkultur angebaut. Im kommerziellen Anbau waren in den 1990er Jahren vor allem die Sorten ‘Dominant’, ‘Kirdo’, ‘Fitlau’, ‘Wilan’ und ‘Polyvert’. Für 1991 wurde die Anbaufläche in Deutschland auf rund 390 Hektar geschätzt, Zahlen von 1995 wiesen jedoch nur 52 Hektar als Feldkultur aus.

Die langen Blätter werden tief abgeschnitten und treiben das ganze Jahr über nach, beim kommerziellen Anbau wird im ersten Jahr einmal, später drei- bis fünfmal geerntet.

Bestand

Nährstoffgehalt – Vitamine, Spurenelemente und Inhaltsstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inhaltsstoff Schnittlauch, roh
Gehalt in 100 g
Brennwert 125 kJ (30 kcal)
Wasser 90,65 g
Protein 3,27 g
Fett 0,73 g
Kohlenhydrate 4,35 g
Kalium 296 mg
Calcium 92 mg
Eisen 1,6 mg
Magnesium 42 mg
Phosphor 58 mg
Vitamin C 58,1 mg
Thiamin 0,078 mg
Riboflavin 0,115 mg
Niacin 0,647 mg
Vitamin B6 0,138 mg
Vitamin A 218 µg
Vitamin E 0,21 mg
Folsäure 105 µg
Vitamin K 212,7 µg

Quelle (in englischer Sprache) United States Department of Agriculture [5]

Der Geschmack entsteht durch die Folgeprodukte des enzymatischen Abbaus der Cysteinsulfoxide wie Dipropyldisulfid, Methylpentyldisulfid, Pentylhydrosulfid und Cis-/trans-3,5-Diethyl-1,2,4-Trithiolan.[6]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Artepitheton schoenoprasum setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern schoinos für Binse und prason für Lauch, direkt übersetzt also „Binsen-Lauch“, und bezieht sich auf die Form der Blätter.[7]

Weitere zum Teil auch nur regional gebräuchliche Trivialnamen für den Schnittlauch sind oder waren: Beeslook (Unterweser), Beestlock (mittelniederdeutsch), Bergzwiebel (Schlesien), Bestlók (mittelniederdeutsch), Brisslauch, Graslook (Ostfriesland), Jakobslauch (Leipzig), Jakobszwiebeln, Look (Pommern), Piplook (Altmark), Schnedlach (St. Gallen), Schniddleeg (Siebenbürgen), Schniedling (Augsburg), Schnirrleng (Siebenbürgen), Schnittlacht (St. Gallen), Schnitloch (mittelhochdeutsch), Snedelók (mittelniederdeutsch), Snidlak (Göttingen), Sniteloc (althochdeutsch), Snitelouch (Althochdeutsch), Snitilouch (althochdeutsch), Snitlöcher, Snitloich (althochdeutsch), Snitlook (Bremen), Snitlouch (mittelniederdeutsch) und Snittelauch (mittelniederdeutsch).[8]

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Informationen dieses Artikels entstammen zum größten Teil den unter Nachweise angegebenen Quellen, darüber hinaus werden folgende Quellen zitiert:

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5, S. 129.
  2. Botanischer Garten der Universität Erlangen-Nürnberg: Gewürzpflanzen im Freiland. zusammengestellt von Prof. Dr. A. Hohenester und Garteninspektor J. Stiglmayr, S. 6.
  3. Klaus-Ulrich Heyland, H. Hanus, E. R. Keller: Ölfrüchte, Faserpflanzen, Arzneipflanzen und Sonderkulturen In: Handbuch des Pflanzenbaues, Band 4, 2006, ISBN 3-8001-3203-6, S. 493.
  4. a b Allium schoenoprasum bei Plants For A Future
  5. USDA.
  6. GernotKatzers Gewürzseiten: Schnittlauch (vormals Uni Graz)
  7. Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3. Auflage. Birkhäuser, Basel 1996 (Nachdruck, ISBN 3-937872-16-7)
  8. Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen Hannover 1882, Seite 19.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schnittlauch (Allium schoenoprasum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Schnittlauch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen