Karl Leon Du Moulin-Eckart

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Karl Leon Du Moulin-Eckart (1933)

Karl Leon Eduard Friedrich Bernhard Max Graf Du Moulin Eckart (* 11. Januar 1900 in München; † 31. März 1991 in Oberviechtach; auch Carl-Leon Du Moulin-Eckart) war ein deutscher Politiker (NSDAP) und SA-Führer. Er wurde vor allem bekannt als Leiter des Nachrichtendienstes der SA in den Jahren 1930 bis 1932.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend und Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Du Moulin Eckart wurde als drittes Kind und einziger Sohn des Geschichtsprofessors Richard Graf Du Moulin Eckart (1864–1938) und seiner Frau Bertha (* 18. Juli 1866 in Coburg; † 5. März 1949 in Bertoldsheim; geb. Berger) geboren. Nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg gehörte er zeitweise dem Freikorps Epp an, bei dem er Ernst Röhm kennenlernte. Von Februar bis Oktober 1923 arbeitete Du Moulin als Fahrdienstleiter bei der Firma Faber. Im November 1923 nahm er am Hitler-Putsch in München teil. Zusammen mit Röhm, Heinrich Himmler und einigen anderen besetzte er an diesem Tag das ehemalige bayerische Kriegsministerium. Außerdem versah Du Moulin als Kurierdienste während des Putsches, indem er als Ordonnanz Verbindung zwischen den verschiedenen Abteilungen der Putschisten hielt.

Es folgte das Studium der Rechtswissenschaften, das er 1927 mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss. Seine Doktorarbeit widmete sich dem Thema Die Spionage und ihre Behandlung nach Völkerrecht und Reichs-Strafrecht unter besonderer Berücksichtigung des Entwurfes zu einem Allgemeinen deutschen Strafgesetzbuch von 1927. Als nach dem Tod eines Onkels Du Moulins Vater als Majoratsherr die Familiengüter in Winklarn und Bertoldsheim übernahm, übernahm Du Moulin deren Verwaltung.

Du Moulin Eckart mit Ernst Röhm während der Harzburger Tagung vom 11. Oktober 1931 (Moulin steht direkt hinter Röhm)

Karriere in der SA (1931 bis 1934)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Ernst Röhm Anfang 1931 zum Stabschef der SA ernannt wurde holte er Du Moulin Eckart in seinen Stab in der SA-Führung: Dort versah dieser zunächst Aufgaben als Referent z.b.V. und später als Leiter der Unterabteilung Ic (Nachrichtendienst). Diese Dienststellung, die er von einem Büro im Braunen Haus in München ausübte, hatte Du Moulin Eckart, der mit Wirkung vom 1. Februar 1932 zum SA-Oberführer ernannt wurde, bis zum reichsweiten Verbot von SA und SS am 13. April 1932 inne.[1] Die Geschäftsführung erledigte dabei der Münchner SS-Mann Max Frauendorfer.

Nach der Aufhebung des SA-Verbots am 14. Juni 1932 war Du Moulin Eckart vom 1. Juli bis 30. September 1932 Referent im Gruppenstab z.b.V. der Obersten SA-Führung. Anschließend wurde er ab 1. Oktober 1932 vom Stab der Obersten SA-Führung zur SA-Gruppe Österreich versetzt, wo er bis zum 19. April 1933 Führer der SA-Untergruppe Wien war. Ab 20. April 1933 erfolgte seine „Beurlaubung bis auf Weiteres“, bevor er am 25. September 1933 zwecks Einteilung zur SA-Gruppe Sachsen versetzt wurde. Bis zum 1. Juli 1934 war Du Moulin Eckart SA-Führer z.b.V. der SA-Gruppe Sachsen. Hier wurde er am 9. November 1933 anlässlich des zehnten Jahrestages des Putsches noch zum SA-Brigadeführer befördert.

In den gefälschten Briefen der Münchner Neuen Post wurde Du Moulin Eckart am 24. Juni 1931 zusammen mit Rolf Reiner als einer der führenden homosexuellen SA-Leute bezeichnet. Ihm wurde auch vorgeworfen, „wegen seiner ausgesprochen femininen Einstellung der widerlichste im ganzen Braunen Haus“ für Oberleutnant a. D. Brückner zu sein. Im Frühjahr 1932 plante Walter Buch, der oberste Parteirichter der NSDAP, die Ermordung von Du Moulin Eckart, Röhm, dessen Adjutant Spreti-Weilbach, Bell und Uhl, da er fürchtete, dass deren in der Öffentlichkeit allgemein bekannte Homosexualität sich bei den damals bevorstehenden Wahlen als politische Hypothek erweisen könnte, das heißt viele potentielle Wähler aus Abscheu vor den „widernatürlichen Neigungen“ der Röhm-Clique der NSDAP ihre Stimmen vorenthalten lassen könnte. Er erteilte dem bankrotten Bandagefabrikanten und NS-Spitzel Emil Traugott Danzeisen den Auftrag, den Mord zu übernehmen. Dieser wiederum gab den Befehl in brieflicher Form an den ehemaligen Architekten Emil Karl Horn weiter. Horn schreckte jedoch davor zurück und informierte Du Moulin Eckart. Im anschließenden „Danzeisen-Prozess“ wurde jener zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt.[2]

Karl Du Moulin-Eckart als Häftling im KZ Dachau (1936)

Im 1936 erschienenen Exilroman Vor großen Wandlungen des Kommunisten Ludwig Renn, wo die SA als brutaler Männerbund geschildert wird, in dem Heranwachsende systematisch vergewaltigt werden, wird Du Moulin Eckart als enger Kumpan von Wolf-Heinrich von Helldorf und Edmund Heines dargestellt. Mit jenen und anderen, die „es durch das Bett des Stabschefs Röhm zu etwas gebracht hatten oder hofften, es zu etwas zu bringen“, habe er in einem Nebenzimmer des Weinlokals Horcher in der Lutherstraße nahe dem Berliner Wittenbergplatz sich über den „holländischen Strichjungen“ Marinus van der Lubbe unterhalten, um diesen zum Brandanschlag auf das Reichstagsgebäude anzustiften. Damit übertrug Renn das Klischee vom „homosexuellen Faschisten“ und Verbrecher auch auf Du Moulin Eckart und trug zur Verfestigung des Stereotyps bei.[2] (→Homophobie unter Linken)

Verfolgung und späteres Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommer 1934 entkam Du Moulin nach seiner Verhaftung am Abend des 30. Junis 1934 in Wiesbaden durch Zufall der Ermordung im Zuge des „Röhm-Putsches“. Laut Dornbach ist der Grund hierfür wahrscheinlich in seiner persönlichen Freundschaft zu Heinrich Himmler zu sehen, der die Mordaktion orchestrierte. In seinem Lebenslauf berichtete Du Moulin im Gegensatz dazu, Himmler habe später zu ihm gesagt: „Du hast Glück gehabt, du bist zum Erschießen zu spät nach Berlin gekommen.“[3] Während der Nürnberger Prozesse sage Hermann Göring aus, dass Hitler eigentlich auf Du Moulin-Eckart" "besonders wütend gewesen" sei und seine Erschießung angeordnet habe, dass dieser aber mit Konzentrationslager davongekommen sei, da man die Erschießungen vom 30. Juni/1. Juli 1934 eingestellt habe, nachdem diese aus dem Ruder gelaufen seien, wobei Du Moulin-Eckart dass Glück gehabt habe, zum Zeitpunkt da der Befehl ergangen sei, die Erschießungen einzustellen, noch am Leben gewesen sei.[4] Hitler selbst erklärte, als Winifred Wagner, sich auf Bitten von Du Moulin-Eckarts Vater, bei ihm für dessen Sohn einsetzte: "Bitten Sie nicht für diesen Burschen. Er ist der schlimmste von allen." Der Diktator begründete dies damit, dass dieser Geheimnisse an die Sozialdemokraten verraten habe.[5]

Spätestens ab August 1934 bis 1936 war er aber im KZ Lichtenburg inhaftiert.[6] Später wurde er ins KZ Dachau verlegt, wo er bis 1936 festgehalten wurde.[7]

Du Moulin ließ sich dann gerichtlich bescheinigen, nicht zu den Homosexuellen zu gehören,[8] und zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Am 28. März 1944 heiratete er Erika Schmaeling (* 25. September 1911 in Memel), von der er sich 1949 wieder scheiden ließ. Aus der Ehe ging der im Kindbett verstorbene Sohn Carl-Marcel (*/† Schloss Winklarn 25. März 1945) hervor.

Am 9. März 1954 heiratete Du Moulin in zweiter Ehe die Internistin und Psychotherapeutin Eva Kusche (* 27. Juli 1925 in München). Sie gebar ihm die Töchter Constanze-Irmingard Aimée Elisabeth Charlotte Anna Maria Mathilde (* 11. Oktober 1954 in München) und Maja-Christine Agathe Antonia Mimi Theodora Yanka Ina (* 24. Juli 1956 in München).[2][9] Die Witwe verkaufte 2008 das Schloss Bertoldsheim mit allem Inventar.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Spionage und ihre Behandlung nach Völkerrecht und Reichs-Strafrecht unter besonderer Berücksichtigung des Entwurfes zu einem Allgemeinen deutschen Strafgesetzbuches von 1927. Coburg 1928 (Erlangen, Universität, Dissertation, 1929).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS. Mohn, Gütersloh 1967, S. 71 ff.
  2. a b c Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. Ein biographisches Lexikon (= Suhrkamp-Taschenbuch 3266). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-39766-4.
  3. Andreas Dornheim: Röhms Mann fürs Ausland. Politik und Ermordung des SA-Agenten Georg Bell (= Geschichte. Bd. 18). LIT, Münster u. a. 1998, ISBN 3-8258-3596-0, S. 288.
  4. Aussage Görings vor dem Nürnberger Gericht vom 18. März 1946, in: IMT, Bd. x, S. 485f. (Digitalisat). Auch Irving: Göring, S. 216 zitiert eine Aussage Görings, dass die Hinrichtungen aufgrund seiner Empfehlung an Hitler, diese einzustellen, beendet wurden, "obwohl zwei persönliche Feindes des Führers, von Alvensleben und Moulin-Eckart mit dem Leben davonkamen".
  5. Brigitte Hamann: Winifred Wagner, oder, Hitlers Bayreuth, 2002, S.282.
  6. Dietmar Schulze: Der „Röhm-Putsch“ in der Provinz Sachsen. In: Hallische Beiträge zur Zeitgeschichte. Heft 15, 2005, ISSN 1433-7886, S. 9–33, online (PDF; 578 KB).
  7. Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann, Berlin 2010, S. 273.
  8. Burkhard Jellonnek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich. Schöningh, Paderborn 1990, ISBN 3-506-77482-4, S. 70, Anm. 50.
  9. Andreas Dornheim: Röhms Mann fürs Ausland. Politik und Ermordung des SA-Agenten Georg Bell (= Geschichte. Bd. 18). LIT, Münster u. a. 1998, ISBN 3-8258-3596-0, S. 53f., 123–135.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]