Kleinburgwedel

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Stadt Burgwedel
Wappen von Kleinburgwedel
Koordinaten: 52° 30′ 32″ N, 9° 52′ 48″ O
Höhe: 54 m ü. NHN
Fläche: 17,91 km²[1]
Einwohner: 2414 (1. Jul. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 135 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 30938
Vorwahl: 05139
Kleinburgwedel (Niedersachsen)
Kleinburgwedel

Lage von Kleinburgwedel in Niedersachsen

Haus der Kirche in Kleinburgwedel
Haus der Kirche in Kleinburgwedel

Kleinburgwedel (niederdeutsch Littjen Borwee) ist ein Dorf und eine nordöstlich liegende Ortschaft der Stadt Burgwedel in der niedersächsischen Region Hannover.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelalter bildete Kleinburgwedel zusammen mit Großburgwedel, Oldhorst, Neuwarmbüchen und Fuhrberg das Kirchspiel Burgwedel. Ungeachtet der vielen Kriegskosten fand Herzog Wilhelm Mittel, um Güter anzukaufen. Am 6. Januar 1361 erwarben er und Herzog Ludwig von Aschwin von Alten viele Höfe und Koten zu Kleinburgwedel, Thönse, Wettmar, Engensen, Schillerslage, Burgdorf, Sorgensen, Weferlingsen und Aligse mit allem Zubehör, ausgenommen diejenigen Stücke, welche Aschwin von Alten verlehnt hatte und sich beim Verkaufe vorbehielt. Nur die Güter zu Kleinburgwedel hatte Aschwin von dem Herzoge Wilhelm zu Lehn besessen; von den übrigen gelobte er ihm und dem Herzoge Ludwig das Lehn zugutezuhalten.[2]

Die Kirchenbücher sind ab 1661 erhalten. Sie lassen ein durchschnittliches Bevölkerungswachstum von 1,5 % erkennen, das erst um 1830 leicht zurückging.

Durch seine Lage am Südrand der Lüneburger Heide werden in Kleinburgwedel bis heute Bienen gehalten. Zwischen 1589 und 1900 wurden regelmäßig zwischen 70 und etwa 150 Standvölker in Strohkörben aufgestellt. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Zahl der Bienenvölker starken Schwankungen unterworfen.

Am 28. August 1808 ereignete sich in Kleinburgwedel eine große Brandkatastrophe. In einer einzigen Nacht brannten elf Wohnhäuser und 16 Nebengebäude ab.[3]

Der Zweite Weltkrieg zog Kleinburgwedel zunächst nicht in Mitleidenschaft. In Bahnhofsnähe wurde bei Kriegsbeginn eine Flakscheinwerferstellung eingerichtet. In unmittelbarer Nähe befand sich ein kleines Barackenlager für sowjetische Kriegsgefangene. Das eigentliche Kriegsgeschehen erreichte das Dorf, als englische Bomberverbände im Oktober 1943 Großangriffe auf Hannover flogen. Am 9. Oktober stürzte eine britische Halifax nach Flaktreffern westlich von Kleinburgwedel in die Wiesen. Am 18. Oktober warf ein größerer Bomberverband wegen schlechter Sicht Brandbomben auf das Dorf, die eigentlich für Hannover bestimmt waren. Dabei brannten 40 Gebäude ab; eine große Zahl weiterer wurde erheblich beschädigt.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, verlor die Gemeinde Kleinburgwedel ihre politische Selbständigkeit und wurde eine Ortschaft der Gemeinde Burgwedel.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1885 1910 1925 1933 1939 1950 1956 1961 1970 1973 2007 2020
Einwohner 415 468 464 517 608 1252 1162 1361 1627 1749 2594 2414
Quelle [5] [6] [5] [7] [8] [9] [1]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsrat von Kleinburgwedel setzt sich aus fünf Ratsmitgliedern (zwei Ratsfrauen und drei Ratsherren) folgender Parteien zusammen:[10]

(Stand: Kommunalwahl 11. September 2016)

Ortsbürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbürgermeister ist Jürgen Schodder (CDU). Sein Stellvertreter ist Friedhelm Leisenberg (CDU).[10]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Entwurf des Kommunalwappens von Kleinburgwedel stammt von dem Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der zahlreiche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde durch den Regierungspräsidenten in Lüneburg am 9. Dezember 1959 erteilt.[11]

Wappen von Kleinburgwedel
Blasonierung: „In Silber vor einer hohen, fünfzinnigen, roten Wand eine stilisierte, silberne Eiche, wachsend aus dem mittleren von fünf Steinen. Im grünen Schildfuß eine liegende, silberne Wolfsangel.“[11]
Wappenbegründung: Die rote Mauer erinnert daran, dass in Kleinburgwedel früher eine Burg vorhanden war, die 1521 in der Hildesheimer Stiftsfehde zerstört wurde. Die Reste des Burgwalles mit dreizehn großen Findlingen und starken Eichen sind bis 1870 erhalten geblieben. Deshalb wurden die Steine und der Eichbaum in das Wappen aufgenommen. Die Wolfsangel symbolisiert die Zugehörigkeit zum Landkreis Burgdorf, der ebenfalls dieses Zeichen in seinem Wappen führt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 120-jährige Blutbuche

Baudenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eine Blutbuche (120-jährig)

Grünflächen und Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Würmsee 2007
  • In der Gemarkung liegt der fortschreitend verlandende und 2014 weitgehend trockengefallene Würmsee.[12] Eine größere Fläche war Anfang 2016 wieder mit Wasser bedeckt.[13] Er ist vermutlich im 19. Jahrhundert aus einem Torfstich entstanden und erreichte eine Fläche in der Größenordnung von 10 ha. Schon im Kaiserreich nutzten ihn die Hannoveraner als Ausflugsziel. An seinem Ufer errichteten Städter einige Wochenendhütten, die nach 1945 für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt und zu einer größeren Siedlung erweitert wurden. Der Bootsverleih wurde vor einigen Jahren eingestellt.
  • Zu den botanischen Besonderheiten des 171 ha großen Naturschutzgebiets Trunnenmoor zählen Gagel, Lungenenzian und Torfmoos-Knabenkraut, das aber in letzter Zeit verschwunden ist. Zahlreiche flache Teiche sind aus bäuerlichen Torfstichen entstanden. In der lokalen Fauna sind 26 Libellenarten bekannt, von denen mehrere auf der Roten Liste Niedersachsens stehen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Kleinburgwedel befinden sich eine Kindertagesstätte und eine Grundschule, in der auch eine Kinderbücherei integriert ist. Ihr gegenüber steht das Haus der Kirche der St.-Petri-Gemeinde in einem landschaftsüblichen Fachhallenhaus („Niedersachsenhaus“) mit prägnant beigestelltem Glockenturm aus Holz.

Die Freiwillige Feuerwehr Kleinburgwedel sorgt für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe insbesondere auf örtlicher Ebene.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinburgwedel wird durch Buslinien der RegioBus Hannover innerhalb des Nahverkehrs der Region Hannover erschlossen. Der Ort befindet sich innerhalb des Tarifgebietes des Großraum-Verkehrs Hannover GVH. In Kleinburgwedel haltende Regionalbusse fahren bis Großburgwedel, Engensen und Fuhrberg. (Stand: Dezember 2015) Der Haltepunkt Großburgwedel an der durch Kleinburgwedel führenden Bahnstrecke Hannover–Celle ist etwa ein bis zwei Kilometer entfernt, die Anschlussstelle Großburgwedel der Bundesautobahn 7 etwa fünf bis sechs Kilometer.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit dem Ort in Verbindung stehen

  • Albrecht Daniel Thaer (1752–1828), Polywissenschaftler, er gilt als Begründer der Agrarwissenschaften, nach ihm wurde eine Straße in Kleinburgwedel benannt
  • Kurt Griemsmann (* im 20. Jahrhundert), Heimatforscher, Autor sowie Gründer und Leiter der Volkshochschule in Großburgwedel, er verfasste umfangreiche Chroniken mit zahlreichen Illustrationen vor allem mit historischem Bildmaterial u. a. zu dem Ort Kleinburgwedel
  • Berthold Schneider (* 1932), Biometriker und emeritierter Hochschullehrer, er gilt als einer der Pioniere der Biometrie, von Juni bis August 2000 unternahm er eine Pilgerreise von Kleinburgwedel nach Santiago de Compostela, über die er ein Tagebuch veröffentlichte
  • Dieter Schatzschneider (* 1958), ehemaliger Fußballspieler und -trainer, der Stürmer absolvierte für Hannover 96 und den SC Fortuna Köln 201 Spiele in der 2. Bundesliga und ist mit 154 Toren ihr Rekordtorschütze, wohnt in Kleinburgwedel

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Griemsmann: Bildchronik Alt-Burgwedel: Großburgwedel, Kleinburgwedel, Thönse, Wettmar, Engensen, Fuhrberg, Oldhorst in Wort und Bild. Eigenverlag, Burgwedel 1975 (87 S.).
  • Christian Heppner: Burgwedel – Die Geschichte der sieben Dörfer Engensen, Fuhrberg, Großburgwedel, Kleinburgwedel, Oldhorst, Thönse, Wettmar. Hrsg.: Gemeinde Burgwedel. Eigenverlag, Burgwedel 1999 (472 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 27. März 2021]).
  • Norbert Bentlewski: Kleinburgwedel 1310–2010: 700 Jahre bewegte Geschichte. (die Festschrift zum 700-jährigen Dorf-Jubiläum). Hrsg.: Festkomitee 700 Jahre Kleinburgwedel. Eigenverlag, Kleinburgwedel 2010 (128 S., eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 27. März 2021]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kleinburgwedel – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Zahlen, Daten, Fakten. In: Webseite Stadt Burgwedel. 1. Juli 2020, abgerufen am 27. März 2021.
  2. Hans Sudendorf: Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande. Vom Jahre 1357 bis zum Jahre 1369 (= Urkundenbücher zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg und ihrer Lande. Band 3). Hannover 1862, S. 82 (LXXXII) (Digitalisat auf Regesta Imperii [abgerufen am 27. März 2021]).
  3. Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, ISBN 978-3-00-019837-3, S. 177.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 221.
  5. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Burgdorf. (Siehe unter: Nr. 40; Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Ulrich Schubert: Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Burgdorf. Angaben vom 1. Dezember 1910. In: gemeindeverzeichnis.de. 5. Januar 2020, abgerufen am 27. März 2021.
  7. Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1957 (Bevölkerungs- und Gebietsstand 25. September 1956, für das Saarland 31. Dezember 1956). W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 173 (Digitalisat).
  8. Statistisches Bundesamt Wiesbaden (Hrsg.): Amtliches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland – Ausgabe 1971 (Bevölkerungsstand: 27. Mai 1970, Gebietsstand 1. Januar 1971). W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1971, S. 82 (Digitalisat).
  9. Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindeverzeichnis für Niedersachsen. Gemeinden und Gemeindefreie Gebiete. Eigenverlag, Hannover 1. Januar 1973, S. 35, Landkreis Burgdorf (Digitalisat [PDF; 21,3 MB; abgerufen am 27. März 2021]).
  10. a b Ortsrat Kleinburgwedel. In: Webseite Stadt Burgwedel. Abgerufen am 27. März 2021.
  11. a b Landkreis Hannover (Hrsg.): Wappenbuch Landkreis Hannover. Selbstverlag, Hannover 1985, S. 114–115.
  12. Martin Lauber: Wo ist das Wasser im Würmsee? In: Webseite Hannoversche Allgemeine Zeitung. 8. Dezember 2014, abgerufen am 27. März 2021.
  13. Birgit Schröder: 2016: Ein neuer Anlauf für die Rettung des Würmsees? In: marktspiegel-verlag.de. 16. Januar 2016, abgerufen am 27. März 2021.