Korsze

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Korsze
POL Korsze COA.svg
Korsze (Polen)
Korsze
Korsze
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Kętrzyn
Fläche: 4,03 km²
Geographische Lage: 54° 10′ N, 21° 8′ OKoordinaten: 54° 10′ 0″ N, 21° 8′ 0″ O
Einwohner: 4475
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 11-430
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NKE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 590: BarcianyReszelBiskupiec
Schienenweg: PKP-Linie 38: Białystok–Giżycko–Kętrzyn↔Bartoszyce
PKP-Linie 353:Posen–Toruń–Olsztyn→Korsze
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 21 Schulzenämter
Fläche: 249,94 km²
Einwohner: 10.218
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2808043
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Ryszard Ostrowski
Adresse: ul. Mickiewicza 13
11-430 Korsze
Webpräsenz: www.korsze.pl



Korsze [ˈkɔrʃɛ] (deutsch Korschen) ist eine Stadt im Powiat Kętrzyński (Rastenburger Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren mit etwa 4.500 Einwohnern.

Geographische Lagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Rastenburg (Kętrzyn) und 59 Kilometer nordöstlich von Allenstein (Olsztyn).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korschen südöstlich von Königsberg und nordwestlich von Rastenburg auf einer Landkarte von 1908.
Ehemaligische evangelische Kirche (Aufnahme 2012)
Ehemalige evangelische Kirche aus anderer Perspektive (Aufnahme 2008)
Römisch-katholische Kirche
Wohnhaus im Ortszentrum
Gebäude im Ortszentrum
Bahnhof des ehemaligen Eisenbahnknotenpunkts

Der Ort wurde 1341 als in campo Cohorsen erwähnt. Die Deutung des prußischen Namens ist unsicher („karšis“: Haselnuss, „karsa“: Höhle, Grotte).[2] Das Dorf Korschen wurde 1448 gegründet. Es ist anzunehmen, dass der Ort viel älter ist, denn es sind Berichte von einem Ritter des Gutes Korschen vorhanden, der in der Schlacht bei Tannenberg 1410 gefallen sein soll. Im Jahr 1785 wird Korschen als ein adliges Gut und Bauerndorf mit einer Kirche und 12 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.[3]

Im Zuge der Neuordnung der preußischen Territorialverwaltung wurde Korschen 1816 in den Kreis Rastenburg, Regierungsbezirk Königsberg, eingegliedert.

1871 bis 1873 wurde Korschen an das Schienennetz angeschlossen.[4] Korschen war zu deutscher Zeit ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt in Ostpreußen. Hier kreuzten sich die Eisenbahnlinien (Berlin –) Allenstein – Insterburg (– Tilsit) und Königsberg – Lötzen – Lyck – russische Grenze. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wird die Ortschaft als Dorf und Rittergut bezeichnet.[5]

Bis 1945 waren die Dorfbewohner zum großen Teil Bedienstete der Reichsbahn und der Reichspost. Industrie hatte Korschen außer dem Eisenbahnbetriebswerk sehr wenig. Es befand sich hier lediglich ein Imprägnierwerk, in dem Eisenbahnschwellen und Strom- bzw. Telegrafenmasten aus Holz gefertigt und witterungsfest gemacht wurden. Weiterhin hatte Korschen ein Dauermilchwerk, in dem Kondens- und Trockenmilch sowie Kakao hergestellt wurden. Außerdem war in Korschen die ostpreußische Imkerschule.

Im Jahr 1945 gehörte Korschen zum Kreis Rastenburg im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde Korchen von der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens und ganz Westpreußen unter polnische Verwaltung gestellt. Soweit die deutschen Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Korchen vertrieben. Die Polen führten für Korschen zunächst die Ortsbezeichnung Korszyn ein, die später in Korsze abgeändert wurde.[4]

Am 22. Juli 1962 wurde die Ortschaft durch Eingemeindung umliegender Orte zur Stadt erhoben. Die Stadt- und Landgemeinde hat etwa 10.800 Einwohner. Wegen der nahegelegenen Grenze zur russischen Oblast Kaliningrad hat der Ort als Eisenbahnknotenpunkt keine große Bedeutung mehr.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1816 0114 [6]
1831 0154 [7]
1858 0165 davon 112 Evangelische und ein Katholik im Rittergut und 52 Evangelische im zugehörigen Dorf[8]
1864 0 272 am 3. Dezember, davon 82 im Gemeindebezirk und 190 im Gutsbezirk[9]
1900 0490 [5]
1910 1263
1933 2742 [10]
1939 3041 [10]
seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1947 1832 [11]
1960 3898
2005 4714
2014 4545 [12]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Korsze gliedert sich in die folgenden 21 Schulzenämter: Babieniec, Błogoszewo, Bykowo, Dłużec Wielki (mit Krzemity), Garbno, Gudniki, Gudziki, Kałwągi, Karszewo, Kraskowo, Łankiejmy, Parys, Piaskowiec, Płutniki, Podlechy, Prosna, Saduny, Sajna Wielka, Sątoczno, Suśnik und Tołkiny.

1946 umfasst die Landgemeinde Korsze 33 Ortschaften und erstreckte sich auf einer Fläche von 9.431 Hektar.[4] 1973 gehörten der nunmehrigen Stadt- und Landgemeinde Korsze 69 Ortschaften an, die in 19 Schulzenämter aufgeteilt waren.[13]

polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
polnischer Name deutscher Name
(bis 1945)
Babieniec Babziens Karszewo Karschau Sajna Mała Klein Schrankheim
Błogoszewo Seeligenfeld Kaskajmy Małe Klein Köskeim Sajna Wielka Schrankheim
Błuskajmy Małe Klein Bloßkeim Korsze Korschen Sarkajmy Scharkeim
Błuskajmy Wielkie Groß Bloßkeim Kowalewo Duże Vorwerk Wotterkeim Sątoczek Klein Leunenburg
Bykowo Bollendorf Kowalewo Małe Wotterkeim Sątoczno Leunenburg
Chmielnik Henriettenhof Kraskowo Schönfließ Słępy Schlömpen
Długi Lasek Langwäldchen Krzemity Kremitten Starynia Groß Altendorf
Dłużec Mały Klein Langwalde Łankiejmy Langheim Stawnica Oberteich
Dłużec Wielki Groß Langwalde Łękajny Landkeim Studzieniec Wormen
Dubliny Dublienen Marłuty Mockelkeim Suliki Döhrings
Dzierżążnik Nunkajmy Nohnkeim Suśnik Sußnick
Dzikowizna Olszynka Waldriede Tołkiny Tolksdorf
Garbno Lamgarben Parys Paaris Trzeciaki Dreihöfen
Giełpsz Gelbsch Piaskowiec Sandenberg Wągniki Wangnick
Glitajny Glittehnen Płutniki Plötnick Wandajny Wendehnen
Głowbity Glaubitten Podgórzyn Friedrichsthal[14] Warnikajmy Warnikeim
Gnojewo Grützau Podlechy Podlechen Wetyn Wettin
Góra Polany Annafeld Wiklewko Klein Winkeldorf
Gudniki Gudnick Pomnik Pomnick Wiklewo Winkeldorf
Gudziki Godocken Prosna Prassen Wygoda Heinriettenhof
Kałmy Kollmen Równina Dolna Unter Plehnen
Kałwągi Kaltwangen Równina Górna Ober Plehnen
Kamień Saduny Sdunkeim

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leopold Krug: Die preußische Monarchie - topographisch, statistisch und wirtschaftlich dargestellt. Teil 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1833, S. 455, Abschnitt h.
  • Tadeusz Swat: Dzieje Wsi. In: Aniela Bałanda u. a.: Kętrzyn. Z dziejów miasta i okolic. Pojezierze, Olsztyn 1978, S. 194–196 (Seria monografii miast Warmii i Mazur).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Korsze – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Rozalia Przybytek: Ortsnamen baltischer Herkunft im südlichen Teil Ostpreußens (= Hydronymia Europaea, Sonderband 1). Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06449-4, S. 126.
  3. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 87.
  4. a b c Tadeusz Swat, 1978, S. 195.
  5. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien 1907, S. 514.
  6. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 387.
  7. Leopold Krug: Die preußische Monarchie - topographisch, statistisch und wirtschaftlich dargestellt. Teil 1: Provinz Ostpreußen, Berlin 1833, S. 455, Abschnitt h.
  8. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirks Königsberg. Hartung, Königsberg 1861, S. 207, Ziffer 120–121.
  9. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg: Berlin 1966, Kreis Rastenburg, S. 10, Ziffer 69–70.
  10. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/rastenburg.html#ew33rastkorsch
  11. Tadeusz Swat, 1978, S. 195.
  12. http://wiki-de.genealogy.net/Korschen
  13. Tadeusz Swat, 1978, S. 196.
  14. D. Lange: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005)