La Araucana

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Titelblatt der 1574 in Salamanca erschienenen Ausgabe der Araucana (Teil I, 2. Auflage)
Porträt in der Ausgabe von 1578

La Araucana („Die Araukanerin“) ist ein epischer Versroman des spanischen Dichters Alonso de Ercilla y Zúñiga aus dem 16. Jahrhundert. Er beschäftigt sich in 15 Gesängen mit der Geschichte der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen der indigenen Bevölkerung der Mapuche und den spanischen Eroberern im Süden des heutigen Chile, die als Arauco-Krieg bezeichnet werden.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alonso de Ercilla reiste 1555 im Gefolge des neuen Vizekönigs von Peru, Andrés Hurtado de Mendoza in die Neue Welt. 1557 brach García Hurtado mit einer gut ausgerüsteten Streitmacht von Callao aus auf. Ercilla erhielt den Auftrag, die Taten seines Vorgesetzten zu dokumentieren. In den folgenden beiden Jahren nahm Alonso de Ercilla als Soldat und Chronist an den Operationen der Spanier gegen die Mapuche-Indianer in Südchile teil. Nach eigenem Zeugnis notierte er seine Beobachtungen und Erlebnisse täglich auf Briefrückseiten, Lederresten und Baumrinden, wobei diese kriegstagebuchähnlichen Notizen auch bereits ganze Gedichtstrophen seines späteren Hauptwerkes enthalten haben sollen.[1]

1562 kehrte Ercilla nach Spanien zurück und verfasste auf der Basis seiner Aufzeichnungen, Gesprächsprotokolle und Erinnerungen den ersten Teil seines epischen Versromans La Araucana, den er Philipp II. widmete und 1569 auf eigene Kosten veröffentlichte. Die zweite Auflage erschien 1574 in Salamanca.

Alonso de Ercilla unternahm verschiedene Reisen durch Frankreich, Italien, Deutschland, Böhmen und Ungarn und heiratete im Jahre 1570 die aus wohlhabender Familie stammende María de Bazán, deren Reize und Tugenden er an mehreren Stellen seines Gedichts rühmt. Mit dieser Verbindung erlangte der Schriftsteller eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit. Das Paar ließ sich in Madrid nieder, wo Ercilla an den Fortsetzungen seines von Anfang an sehr erfolgreichen Romans arbeitete. 1578 bzw. 1589 publizierte er den zweiten und dritten Teil des Werkes; 1590 wurde der Roman erstmals als Ganzes in Madrid herausgegeben.

1597 erschien postum eine unter Leitung seiner Witwe entstandene Gesamtausgabe aller drei Teile des Werkes, die neben einzelnen Korrekturen und Einschüben in die bereits publizierten 35 Gesänge zwei zusätzliche Gesänge mit einem abweichenden Schluss enthält, was von der Forschung mittlerweile mehrheitlich als Produkt der Arbeit Ercillas in den letzten vier Jahren seines Lebens angesehen wird.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ercilla spricht mit Tegualda (Illustration aus der 1884 in Madrid erschienenen Edición ilustrada der Araucana). Im XX. und XXI. Gesang berichtet der Dichter von seiner Begegnung mit der Indianerin Tegualda, die nachts auf dem Schlachtfeld verzweifelt die Leiche ihres erst seit Monatsfrist mit ihr vermählten Gatten Crepino sucht. Ercilla lässt sich die Geschichte ihrer Liebe von ihr erzählen, hilft ihr bei der Suche nach dem Toten und lässt sie danach unbehelligt mit dem Leichnam ihres Mannes ziehen. Die Episode ist ein bekanntes Beispiel für die Schilderungen des Leids indianischer Kriegerwitwen in Ercillas Werk.[2]

Unter den „drei besten Versromanen in kastilischer Sprache“, die er als „Glanzstücke der Dichtung Spaniens“ bezeichnet, nennt Cervantes im 1605 erschienenen ersten Teil seines eigenen Hauptwerks Don Quijote den Roman La Araucana an erster Stelle.[3][4] Die balladenartige Dichtung im Stil der Renaissance ist in der Modegattung der damaligen Zeit abgefasst, dem so genannten „heroischen Epos“ in achtzeiligen Stanzen (octavas reales). Mit der konsequenten Verwendung dieser aus der italienischen Renaissancedichtung übernommenen Versform begründete Ercilla deren bedeutende epische Tradition in Spanien, wo sie sich zur Standardform der Kunstepik des Siglo de Oro entwickelte und in der Zeit von 1585 bis 1625 sehr große Verbreitung in der epischen und dramatischen Dichtung fand.[5]

Thema der Dichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ercillas Epos soll sich den Ankündigungen des Verfassers im Prolog zufolge mit dem Krieg der spanischen Eroberer in der fernen „Provinz Chile“, dem entferntesten Teil der damals bekannten Welt „nahe der Magellanstraße“ befassen. Die ältere Kritik hat dem Romanerzähler vorgeworfen, in der Behandlung seines Stoffs oft vom Thema abgekommen zu sein und sich nicht an die im Prolog geäußerten Vorsätze gehalten zu haben: Dort begründet er wortreich, nicht über die Liebe, sondern den Krieg schreiben zu wollen, widmet dann aber doch ganze Gesänge den amourösen Verwicklungen einzelner Figuren. Er sagt, er befasse sich mit dem Krieg in Chile, schildert aber auch ganz andere Kriege an verschiedenen Orten der Welt; er verspricht, sich eng an die Wahrheit zu halten, berichtet aber von märchenhaften Begegnungen und übernatürlichen Erlebnissen.[6] Für die Würdigung der Komposition ist neben der rhetorischen Systematik der erzählerischen Ordnung, die sich streng am formalen Aufbau des virgilischen Epos orientiert, in jedem Fall die lange Dauer der Abfassungszeit des Romans zu beachten, dessen 37 Gesänge über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren hinweg entstanden sind und den Autor mehr als 30 Jahre beschäftigt haben. Seine Erzähl- und Herangehensweise an den Stoff und die Geschichtsdeutung des Autors erfahren in dieser Zeit eine Entwicklung.[7]

Dennoch bleibt der Krieg das alles beherrschende Thema des Romans.[8] Häufig hebt der Dichter den Heldenmut der Araukaner (damalige Bezeichnung für die Mapuche) hervor und spart nicht an zum Teil ironisch verbrämter Kritik am Verhalten der europäischen Eroberer. Grauenhafte Schilderungen der wechselnden kriegerischen Erfolge und Misserfolge und beiderseitigen Exzesse der Kriegsparteien durchziehen das gesamte Werk und stehen neben präzisen geographischen und landeskundlichen Beschreibungen, sagenhaften Darstellungen des Landes und seiner Bewohner und fantastischen Erlebnissen des Erzählers.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Titelfigur des Werks („Die Araukanerin“) gilt meist Fresia, die Frau des Kriegshäuptlings Caupolicán, der 1558 auf dem Feldzug von den Spaniern gefangen genommen und grausam gepfählt worden war. Vor allem dieser Häuptling, dessen im XXXV. Gesang zum Martyrium ausgestalteter Tod den Höhepunkt und ursprünglichen Schluss des dritten Romanteils bildet, wird in Ercillas Werk zum Prototyp des „edlen Wilden“ stilisiert, ein Motiv, das in der späteren Literaturgeschichte geradezu klassisch werden sollte und als dessen Schöpfer Ercilla gelten kann.[9]

Auffällig ist aber das Fehlen einer echten Hauptperson, deren Geschichte erzählt wird. Daher sprach die Literaturwissenschaft auch von dem „Rätsel der Araucana“: ein episches Gedicht ohne Protagonisten. Der chilenische Historiker Diego Barros Arana (1830–1907) hielt das Werk Ercillas deswegen eher für eine Chronik als einen Roman und wollte es als historische Quelle ernst nehmen.[10] Dem chilenischen Dichter Fernando Alegría (1918–2005) zufolge lässt sich das „Rätsel“ auflösen, indem man die eigentlichen Protagonisten des Versromans in den beiden Kollektiven erkennt, die sich in erbittertem und tödlichen Kampf gegenüberstehen, den Spaniern und den Araukanern.[11] Als wichtigste indianische Protagonisten des Epos werden für gewöhnlich die araukanischen Kriegsführer Colocolo, Lautaro, Caupolicán und Tucapel bezeichnet.[12] Auf spanischer Seite steht das oft kritisch kommentierte Verhalten der Kommandeure und Soldaten im Mittelpunkt, darunter der sehr negativ gezeichnete Pedro de Valdivia und Ercillas Auftraggeber García Hurtado de Mendoza, dessen aufbrausendes Temperament und leichtfertige Brutalität bisweilen karikaturesk überzeichnet herausgestellt werden, auch wenn Ercilla auf direkte Kritik weitgehend verzichtet und seinen Anführer in der Regel schlicht übergeht und unerwähnt lässt. Dies wurde von der Kritik oft auf ein generell schlechtes Verhältnis zwischen beiden oder Ercillas Ärger über seine Verurteilung und Gefangensetzung zurückgeführt.[13] In der Forschung nicht einheitlich beantwortet ist die Frage, ob Ercilla die spanische Eroberungspolitik als solche kritisieren will oder nur deren Auswüchse und das persönliche Fehlverhalten Einzelner tadelt.[14] Einig sind sich die meisten Interpreten darüber, dass die Indianerfiguren in dem Roman als zentrale Hauptakteure fungieren und literarisch wesentlich künstlicher und sorgfältiger gestaltet und charaktervoller ausgemalt werden als die spanischen Romanfiguren, deren Darstellung eher chronistisch-nüchtern und deutlich realistischer wirkt, sodass das Werk insoweit mit Recht als „Indianerroman“ bezeichnet werden kann.[15] Ercilla selbst erklärt in seinem Prolog:

«Y si alguno le pareciere que me muestro algo inclinado a la parte de los araucanos, tratando sus cosas y valentías más estendidamente de lo que para bárbaros se requiere, si queremos mirar su crianza, costumbres, modos de guerra y ejercicio della, veremos que muchos no les han hecho ventaja, y que son pocos los que con tan gran constancia y firmeza han defendido su tierra contra tan fieros enemigos como son los españoles.»

„Und wenn jemand meint, ich zeigte mich der Araukanerpartei etwas sehr zugetan, indem ich ihre Dinge und Heldentaten ausführlicher behandle, als es für Barbaren nötig ist: Betrachten wir ihre Erziehung, Bräuche, Kriegssitten und deren Übung, werden wir sehen, dass ihnen viele nicht gewachsen waren und wenige ihr Land mit solcher Ausdauer und Festigkeit gegen so schreckliche Feinde verteidigt haben, wie es die Spanier sind.“

Alonso de Ercilla y Zúñiga: Prolog der Araucana[12]

Weibliche Figuren stehen in mehreren Episoden im Vordergrund, die nicht den eigentlichen Kampfhandlungen gewidmet sind, aber schlüssig in das narrative Programm eingebunden und stets mit dem Liebesthema in Verbindung gebracht werden, darunter neben Fresia und der Kriegerwitwe Tegualda[2] vor allem Lautaros um dessen Wohl besorgte Geliebte Guacolda (XIII. Gesang),[16] die schöne Kazikentochter Glaura, die vor zwei dunkelhäutigen spanischen Soldaten flüchtet, die sie vergewaltigen wollen, und anschließend vom Ich-Erzähler ihrem Geliebten Coriolano übergeben wird, der ihr zur Hilfe kam (XXVIII. Gesang),[17] und Lauca, die ihrem von spanischen Kanonen getöteten Mann in den Tod folgen will und zum Vorbild ehelicher Treue über den Tod hinaus stilisiert wird, sodass sie Ercilla zu einer langen, exkursartigen Verteidigungsrede für die in Vergils Aeneis der Untreue gegenüber ihrem verstorbenen Ehemann beschuldigte mythische Königin Dido von Karthago inspiriert (XXXII.–XXXIII. Gesang).[18] Mithilfe klassischer pastoraler Motive werden diese zum Teil nach Vorbildern Ariosts gestalteten Frauen der petrarkistischen Liebesauffassung der Renaissancedichtung folgend idealisiert.[8][19]

Eine weitere Besonderheit des Romans ist das pseudoautobiografische Erzähler-Ich Ercillas, in dem die Rolle des Schriftstellers und die Figur des Erzählers so sehr miteinander verschmelzen, dass der Autor dem Leser nicht nur vorgeblich aus eigener Anschauung zu berichten vermag, sondern den Leser an manchen Stellen sogar am Prozess der Romanentstehung teilhaben lässt (als Beispiele nennt Atero Burgos die Verse XX, 79,5-8 und XII, 57,5-8, wo Ercilla mit seinen Lesern darüber berät, was als nächstes zu erzählen wäre).[20]

Inhalt der einzelnen Teile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt des aus 15 Gesängen bestehenden ersten Teils der Reimchronik, in dem sich Ercilla im Wesentlichen um eine informative Darstellung bemüht, steht die Geschichte der „Provinz Chile“ und ihrer Bewohner sowie die Schilderung der Kämpfe mit den eindringenden spanischen Eroberern unter Pedro de Valdivia, Francisco de Villagra und Pedro de Villagra bis zum Tod des araukanischen Kriegshäuptlings Lautaro im Frühjahr 1557. Die Beschreibung der Ereignisse beruht nach Angaben des Verfassers auf seinen Aufzeichnungen sowie Gesprächen, die er in Peru mit älteren Kameraden und Veteranen geführt hatte. Zusätzlich hat er wahrscheinlich auch schriftliche Berichte ausgewertet. Er berichtet in der Vorgeschichte zunächst von der Ankunft der Spanier in Chile und beschreibt die Sitten, die Kriegskunst und den Charakter der dort ansässigen Ureinwohner, wobei viele fantastische Elemente einfließen. So schildert die Eingangsszene als erstes Handlungselement des Romans im II. Gesang die Wahl Lautaros zum Kriegshäuptling im Rahmen eines archaischen Kräftemessens indianischer Heldenkrieger, das der Autor nach dem Vorbild baskischer Kraftspiele gestaltet, wie sie in seiner eigenen Heimat üblich sind. Anschließend beschreibt er die blutigen Kämpfe des Arauco-Krieges und flicht die Erzählung der Taten und des Schicksals Lautaros und der übrigen Hauptfiguren in die Darstellung ein. Der erste Teil endet mit der Ankunft des Erzählers auf dem Kriegsschauplatz, die effektvoll mit dem ersten Sieg der Spanier gegen die Aufständischen und dem Tod Lautaros durch einen verirrten Pfeil verknüpft wird. Wie ausdrücklich angekündigt nimmt der Ich-Erzähler Ercilla im Verlauf der Romanhandlung ausschließlich an für die Spanier siegreichen Kampfhandlungen teil, während er die Niederlagen in Form von Erzählungen Dritter schildert.[21] Der am Ende des XV. Gesangs einsetzende Sturm ist als Cliffhanger-Szene gestaltet, an die die Handlung im zweiten Teil bruchlos anschließt, da Ercilla die neun Jahre später erschienene Fortsetzung der Geschichte von Anfang an plante.

Im zweiten Teil des Romans (XVI.–XXIX. Gesang), mit dem die Behandlung der Ereignisse beginnt, die Alonso de Ercilla als Soldat selbst miterlebt hat, wird die historische Darstellung im Stil eines Augenzeugenberichts wieder aufgenommen, mit romantischen Visionen und anderen dichterischen Handlungselementen angereichert und um Schilderungen diverser anderer zeitgenössischer Ereignisse wie der Schlacht bei Saint-Quentin (1557) und der Seeschlacht von Lepanto (1571) ergänzt. Erzählerisch ermöglicht wird die Gegenüberstellung von alter und neuer Welt durch den Aufstieg des Ich-Erzählers auf einen Andengipfel, der zum Pendant des mythischen Musenbergs Parnass stilisiert wird.[22] Dort begegnet er der römischen Kriegsgöttin Bellona, die ihm in einer Traumvision einen Ausblick nach Europa gewährt, durch den er von den dortigen Geschehnissen erfährt.[23] Einen noch ausgedehnteren magischen Fernblick ermöglicht ihm in einer Kampfpause ein Besuch bei dem indianischen Seher Fitón, der in einem unterirdischen Stollensystem haust und durch dessen Glaskugel der Erzähler eine imaginäre Weltreise im Überflug über alle Kontinente der bekannten Welt antreten kann.[24] Auf dem chilenischen Kriegsschauplatz steht militärisch die Schlacht bei Millarapue (XXV. und XXVI. Gesang) im Mittelpunkt, bei der Caupolicán erstmals als aktiver militärischer Führer in Erscheinung tritt.

Besonders ins Auge fällt der Kontrast zwischen Ercillas glorifizierenden Schilderungen der europäischen Kriegserfolge Spaniens, die dem Leser als ethisch gerechtfertigt und ehrenhaft vor Augen geführt werden, und den jeweils unmittelbar anschließenden Darstellungen unbeschreiblicher Gräuel und Ungerechtigkeiten, die von den Spaniern im grausamen Kampf gegen die (von Ercilla als „Verteidiger ihres Landes“[25] bezeichneten) Indianer verübt wurden und die der Dichter als „Überschreitung der für Christen zulässigen Grenzen“[26] tadelt. Damit ruft er das Bild einer im neuen Kontext des Kolonialkrieges an ihren eigenen Idealen scheiternden Großmacht hervor.[27]

Im dritten und kürzesten Teil des Epos setzt Ercilla die vergleichende Gegenüberstellung amerikanischer und europäischer Ereignisse fort. Auf dem chilenischen Kriegsschauplatz steht der Kampf um das Fort von Ongolmo bzw. die neu gegründete Stadt Cañete im Brennpunkt (XXX.–XXXIII. Gesang), in dessen Verlauf Caupolicán Opfer eines von Ercilla nach Vorbildern aus der antiken Literatur gezeichneten Verrates aus den eigenen Reihen wird und von den Spaniern gefangen genommen werden kann. Auf dem europäischen Schauplatz befasst sich der Autor unter anderem mit den Ursachen und Folgen der Kriegserklärung Spaniens an Portugal (1580). Dabei fließen völkerrechtliche und rechtsphilosophische Reflexionen ein, in denen er sich mit der Lehre des Francisco Suárez und der Schule von Salamanca über den „gerechten Krieg“ auseinandersetzt.[28] Die nach christlich-abendländischem Rechtsverständnis unverzichtbar notwendige und sorgsam betriebene juristische und ethische Rechtfertigung des spanischen Krieges gegen Portugal wird mit den Verhältnissen in den Kolonien kontrastiert, wo der spanische Eroberungskrieg nach Ansicht der maßgeblichen Akteure offenbar keiner Rechtfertigung bedarf und jeder Rechtsbruch erlaubt scheint.[18] Zunehmend offen verurteilt der Erzähler die Kriegsführung der Spanier, „die in unmenschlicher Weise die Gesetze und Grenzen des Krieges überschritten haben und bei ihren Entdeckungen und Eroberungen enorme und unerhörte Grausamkeiten begingen.“[29] Wiewohl der Verfasser die grundsätzliche Berechtigung des spanischen Herrschaftsanspruchs über die Indios nicht bestreitet,[30] weist er subtil auf ungeklärte Grundfragen hin und entlarvt das konkrete Verhalten der Kriegführenden in Chile als moralisch nicht zu rechtfertigende Kriegsverbrechen. Letztlich zieht er mit deutlichem Sarkasmus das Fazit:

«Todo le es justo y lícito al que vence.»

„Dem Sieger ist alles erlaubt und gerecht.“

Alonso de Ercilla y Zúñiga: La Araucana XXXII, 5d

Dies führt Ercilla vor allem in seiner ergreifenden Darstellung der brutalen Hinrichtung des araukanischen Romanhelden Caupolicán durch die Siegermacht vor. Der heroische Mut der Araukaner erweist sich hier gerade in ihrer Niederlage am eindringlichsten.[18]

In den (postum hinzugefügten) Schlusskapiteln des Werkes, die den Tod Caupolicáns und damit zugleich die moralische Niederlage der Spanier voraussetzen, versucht der Dichter ein Fazit der kolonialen Expansion Spaniens zu ziehen und thematisiert zum insgesamt dritten Mal in seinem Roman die Magellanstraße, die er als Chiffre für entdeckerisches Eroberungsstreben jedes Mal in ein anderes Licht setzt. Die Forschung hat in den paradiesisch-unschuldigen Verhältnissen, die die Spanier auf der vom Ich-Erzähler angeblich entdeckten Insel Chiloé und bei den in dieser Wildnis beheimateten und im Gegensatz zu den Araukanern friedfertigen und gastfreundlichen Eingeborenen vorfinden, das utopische Gegenbild eines Goldenen Zeitalters erkannt, das dem Leser eine Alternative zum ermüdenden und exzessiven Eroberungs- und Abwehrkrieg vor Augen führt.[31] Während Barbara Held betont, Ercilla habe in seinem Werk nur diese „idealen Wilden“ aus dem Romanschluss und gerade nicht die Araukaner als bons sauvages gezeichnet, macht Beatriz Pastor[32] eine beinahe ungebrochene Rückkehr der Handlung zurück zu den Anfängen des Epos aus, so als hätte keine der Parteien aus den Ereignissen gelernt: Wie zu Beginn des Romans Lautaro, wählen die Araukaner nach dem Tod ihres zweiten Kriegshauptmanns Caupolicán neuerlich einen Anführer, um den Krieg voraussichtlich bald wieder aufzunehmen. Die Spanier kehren dagegen zu ihrer ursprünglichen Betätigung als Entdecker unberührter Landschaften zurück, um Reichtum zu erwerben und das Reich ihres Königs bis zu den Grenzen der Erde auszudehnen. Ricardo Padrón hat den trügerischen Schein der vom Dichter geschilderten Idylle hervorgehoben, da sie den Keim neuer Korruption und Gewalt durch die Habgier der Kolonisatoren und die anhaltende Verteidigungsbereitschaft der Araukaner bereits in sich trägt.

Wirkung und Adaptionen des Romans[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Rössner[33] zufolge lässt sich Ercillas Renaissance-Heldenepos als ein erster Versuch begreifen, Amerika zu „europäisieren“ und die Conquista vor der Folie der antiken Iliassage zu beschreiben. Gleichwohl gilt Alonso de Ercilla aufgrund seiner Biografie und der Thematik seiner Dichtung neben Pablo Neruda, der in seinem Werk mehrfach auf ihn Bezug nimmt,[34][35] auch als Nationaldichter Chiles.[36] Verwiesen wird in diesem Zusammenhang darauf, alle drei Teile des Werkes seien zwar in Spanien niedergeschrieben und veröffentlicht worden, beruhten aber nach eigenem Zeugnis des Verfassers großteils auf minuziösen Tagebuchaufzeichnungen Ercillas, die dieser während seines Aufenthalts auf chilenischem Boden verfasst habe.[1] Als Erster bezeichnete der Philosoph und Völkerrechtler Andrés Bello (1781–1865) Ercillas Araucana als Nationalepos Chiles.[37] Der chilenische Literat und Nationalpreisträger Roque Esteban Scarpa (1914–1995) verglich die Bedeutung der Araucana für Chile mit jener, welche die mittelalterlichen Heldenepen vom Cid für Spanien, das Rolandslied für Frankreich oder das Nibelungenlied für Deutschland einnehmen.[38] Bis heute gern zitiert werden die Verse, mit denen der Dichter zu Beginn des ersten Teils seines Werkes den Furcht und Respekt einflößenden Ruf der kriegerischen Indianer Chiles besingt:

Übersetzung (Horst Pérez)
Chile, fértil provincia y señalada Chile, das edle und fruchtbare Land,
en la región Antártica famosa, in der berühmten Antarktis gelegen,
de remotas naciones respetada von fernen Nationen respektvoll genannt:
por fuerte, principal y poderosa; Macht, Stärke, Bedeutung sind ihm gegeben.
la gente que produce es tan granada, Ein Volk wie Granaten bringt es hervor,
tan soberbia, gallarda y belicosa, so aufsässig, kriegstoll und ungezwungen,
que no ha sido por rey jamás regida denn niemals beherrschte ein Fürst es zuvor
ni a extranjero dominio sometida. noch hat je ein Fremder es niedergerungen.[39]
Das zeitgenössische Porträt von Alonso de Ercilla als Dichterfürst dokumentiert seinen großen Erfolg als „Bestsellerautor[40] (ca. 1595; das Bild wurde lange El Greco zugeschrieben).
Der Priester und Schriftsteller Juan de Castellanos (1522–1607) versuchte, Ercillas Dichtweise zu imitieren.

Die Araucana inspirierte nachfolgende Autoren zu einer ganzen Reihe späterer Conquista-Heldenepen, die bis ins 17. Jahrhundert hinein entstanden. Bekannt ist das 1596 in Lima erschienene, aus 19 Gesängen bestehende rhetorische Gedicht Arauco Domado („Gezähmter Araukaner“) des bereits in der Neuen Welt geborenen chilenischen Dichters Pedro de Oña (1570–1643), das zur Kolonialliteratur gehört und in bewusstem Gegensatz zur Vorlage die gewaltsame Unterwerfung („Zähmung“) der Eingeborenen, die Oña als gerechte Bestrafung für die Untaten der von ihm als abstoßende Wilde geschilderten Aufständischen begreift, rechtfertigt und verherrlicht (sein Gedicht entstand als Auftragswerk für den peruanischen Vizekönig García Hurtado de Mendoza, der mit seiner Darstellung in Ercillas Roman unzufrieden war und eine Revision wünschte). Oñas Werk fällt zudem durch ein neuartiges Reimschema[5] sowie zahlreiche erotische Konnotationen auf, die an Pastoraldichtungen erinnern, wie sie als Topos auch bereits bei Ercilla erkennbar sind,[8] hier jedoch in unterhaltender Absicht stark ausgebreitet werden (etwa in einer Liebesszene zwischen Caupolicán und Fresia im Badehaus).[41]

Ein bekannter Nachahmer Ercillas war auch der andalusische Bauernsohn und spätere Priester und Schriftsteller Juan de Castellanos (1522–1607), der 1541 als Konquistador nach Amerika gelangt war und seit den 1560er Jahren als Stadtpfarrer und Domherr in Tunja im heutigen Kolumbien lebte. Seine in vier Teilen ab 1589 in Madrid veröffentlichten und stilistisch eng an Ercillas Araucana angelehnten Elegías de varones ilustres de Indias („Elegien berühmter Männer Amerikas“) gelten als der Versuch, ein ähnlich ambitioniertes und erfolgreiches Werk zur Thematik der übrigen spanischen Eroberungen in der Neuen Welt neben Chile auf den Markt zu bringen.[42] Castellanos hatte zunächst eine chronistische Vorlage in Prosa verfasst und diese nach dem Bekanntwerden der Araucana in zehnjähriger Arbeit in die Gedichtform umgearbeitet. Seine Dichtung zeichnet sich nach dem Urteil Hermann Schumachers „weniger durch dichterischen Schwung, als durch den Reichthum ihres Inhalts und die sorgsame, fast pedantische Gewissenhaftigkeit der Berichterstattung aus.“[43] Anders als bei Ercilla ist auch das Indianerbild Castellanos’ stark von konventionellen Sichtweisen der kreolischen Kolonisten und Encomenderos geprägt. Castellanos beschreibt als erster Schriftsteller das Wirken des 1566 verstorbenen Bartolomé de las Casas, ohne sich indes mit dessen Zielen zu identifizieren.[44]

Eine von dem spanischen Dichter Diego de Santisteban verfasste und aus zwei zusätzlichen Teilen bestehende Fortsetzung von Ercillas Epos unter dem Titel La Araucana, quarta y quinta parte („Die Araucana, vierter und fünfter Teil“) wurde 1597 in Salamanca veröffentlicht und 1733 mit dem Originalwerk zusammen herausgegeben. Ercillas Gedicht erlebte in der Folge zahlreiche Neudrucke und fand als 12. Band in der ab 1846 herausgegebenen nationalliterarischen Textsammlung Biblioteca de Autores Españoles (BAE) Aufnahme. Eine Übersetzung des Versepos ins Deutsche besorgte der Sprachwissenschaftler und Übersetzer Christian Martin Winterling (1800–1884);[45] sie erschien 1831 in zwei Bänden in Nürnberg. In den 1960er Jahren gab der in Kanada lebende Literatur- und Militariasammler Horst Pérez mehrere selbst angefertigte deutsche Übersetzungen einzelner Gesänge im Eigenverlag heraus.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritische Ausgabe des spanischen Originaltextes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La Araucana. Herausgegeben von Isaías Lerner. . Ediciones Cátedra, Madrid 1993. 5. korrigierte und revidierte Auflage 2009, ISBN 978-84-376-1151-8 (kritische Studienausgabe mit einer literaturhistorischen Einführung und fortlaufender Kommentierung auf Spanisch)

Deutsche Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Araucana, aus dem spanischen des Don Alonso de Ercilla zum ersten Male übersetzt. Deutsch von Christian Martin Winterling. Nürnberg 1831 (Die Übersetzung des Epos ist nicht ganz vollständig, da Winterling in jedem Gesang mehrere Strophen kommentarlos wegfallen lässt. Sie ist bei books.google.de verfügbar: Band 1, Band 2)

Online-Versionen des spanischen Originaltextes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • La Araucana bei Wikisource: transkribierter Text des Gesamtwerks (Teile I, II und III)
  • La Araucana in der Biblioteca Virtual Miguel de Cervantes: diverse elektronisch erfasste Werkausgaben als Faksimile oder Digitalisate konsultierbar
  • La Araucana in der Bibliothek des Nationalkongresses von Chile: transkribierter Text des Gesamtwerks (Teile I, II und III) als Hypertext (PDF) mit erläuternden Anmerkungen sowie Faksimile einer seltenen Ausgabe von Teil I des Werkes (2. Auflage, 1574)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

weitere Literatur

  • Miguel Zugasti: Pedro Ordóñez de Ceballos en America: un nuevo en torno a la prueba del tronco (La Araucana, canto II). In: Ingrid Simson (Hrsg.): América en España: influencias, intereses, imágenes. Iberoamericana, Madrid 2007, S. 69–116
  • Cedomil Goic: Letras del reino de Chile. Iberoamericana, Madrid 2006, ISBN 84-8489-254-9, S. 69–87
  • Ingrid Simson: Amerika in der spanischen Literatur des Siglo de Oro: Bericht, Inszenierung, Kritik. Vervuert, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-89354-891-2. Zugleich: Berlin, Freie Univ., Diss., 1998
  • Christian Wentzlaff-Eggebert: La Araucana como poema épico. In: Frauke Gewecke: Estudios de literatura espanola y francesa: siglos XVI y XVII; homenaje a Horst Baader. Vervuert, Frankfurt/Main 1984, S. 237–254
  • Carlos Albarracín Sarmiento: Arquitectura del narrador en La Araucana. In: Dámaso Alonso (Hrsg.): Studia hispanica in honorem R. Lapesa. Band 2. Cátedra-Seminario Menendez Pidal, Madrid 1974, S. 7–19

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Alonso de Ercilla y Zúñiga (1533–1594). (Biographische Einleitung) Memoria Chilena (Digitalisierungsprojekt der chilenischen Staatsbibliotheken); abgerufen im Dezember 2015. – Ob die Behauptung Ercillas, seine Aufzeichnungen hätten bereits fertig gedichtete Strophen enthalten (wie er es z. B. bzgl. der Episode von seiner Ankunft auf Chiloé im XXXVI. Gesang sagt), zutrifft oder nur dazu diente, seinem Werk nachträglich noch mehr Authentizität zu verleihen, ist allerdings umstritten. Sicher ist, dass er umfangreiches schriftliches Material benutzte und die Handlung seiner Dichtung nicht völlig frei aus dem Gedächtnis rekonstruierte.
  2. a b Francisco Ramírez: Conquista, raza y religión en el episodio de Tegualda: cantos XX y XXI de La Araucana. („Eroberung, Rasse und Religion in der Episode der Tegualda: XX. und XXI. Gesang von La Araucana“). In: Revista Chilena de Literatura, Nr. 74, 2009, S. 251–265.
  3. Karl Friedrich Merleker: Musologie. Systematische Übersicht des Entwickelungsganges der Sprachen. Leipzig 1857, S. 230:
    Rufo’s ‚Austriade‘, Virues’ ‚Monserrate‘ und Ercilla’s (geb. 1533) ‚Araucana‘ (deutsch von Winterling, 1831) bezeichnet Cervantes als die trefflichsten epischen Werke in castilianischer Sprache.
  4. Im 6. Kapitel des Ersten Buches von Don Quixote heißt es:
    Que me place, respondió el barbero; y aquí vienen tres todos juntos: La Araucana de Don Alonso de Ercilla; La Austríada de Juan Rufo, jurado de Córdoba, y El Montserrat de Cristóbal de Virués, poeta valenciano. – Todos estos tres libros, dijo el cura, son los mejores que en verso heroico en lengua castellana están escritos, y pueden competir con los más famosos de Italia; guárdense como las más ricas prendas de poesía que tiene España.
    Übersetzung von Ludwig Braunfels:
    „Einverstanden“, antwortete der Barbier. „Und hier kommen drei miteinander: Die Araucana von Don Alonso de Ercilla, Die Austríada von Juan Rufo, dem Stadtrat zu Córdoba, und Der Monserrate von dem valencianischen Dichter Christóbal de Virués.“ – „Alle diese drei Bücher“, sagte der Pfarrer, „sind die besten, die in achtzeiligen Stanzen in spanischer Sprache geschrieben sind, und können sich mit den berühmtesten Italiens messen; sie sollen aufbewahrt werden als die reichsten Pfänder der Dichtkunst, die Spanien besitzt.“
  5. a b Rudolf Baehr: Spanische Verslehre auf historischer Grundlage. Tübingen 1962, S. 207 u. Anm. 194.
  6. Cedomil Goic: Los mitos degradados: ensayos de comprensión de la literatura hispanoamericana. Amsterdam / Atlanta1992, S. 312 f.:
    La crítica tradicional ha puesto de relieve la falta de unidad que hay en los propósitos del narrador, que rechaza el tema del amor y acaba por darle lugar en el poema; que dice ocuparso con las guerras de Chile y acaba narrando variadas guerras; que dice luego ceñirse a la verdad y concluye por narrar hechos maravillosas y extraordinarios.
  7. Virtudes Atero Burgos: ‘La Araucana’ en la literatura española de los siglos de oro: un panorama crítico. In: Festschrift Braulio Justel Calabozo (Estudios de la Universidad de Cádiz ofrecidos a la memoria del profesor Braulio Justel Calabozo.), Cádiz 1998, S. 341–353; hier: Anm. 3 (S. 350). Dgl. Lucía Invernizzi Santa Cruz: Ercilla, Erzähler der Araucana.- 2011.
  8. a b c Virtudes Atero Burgos: ‘La Araucana’ en la literatura española de los siglos de oro: un panorama crítico. In: Festschrift Braulio Justel Calabozo (Estudios de la Universidad de Cádiz ofrecidos a la memoria del profesor Braulio Justel Calabozo.), Cádiz 1998, S. 341–353; hier: S. 345.
  9. Sirinya Pakditawan: Die stereotypisierende Indianerdarstellung und deren Modifizierung im Werk James Fenimore Coopers. Dissertation an der Universität Hamburg, März 2008, S. 41 u. Anm. 127, sub.uni-hamburg.de (PDF; 4,29 MB). Einschränkend zum Motiv des bon sauvage: Barbara Held: Studien zur Araucana des Don Alonso de Ercilla. Frankfurt am Main 1983, S. 144.
  10. Alonso de Ercilla y Zúñiga: La Araucana (Einleitung). Memoria Chilena. Abgerufen im Dezember 2015.
  11. Fernando Alegría: La Araucana y sus críticos. In: La poesía chilena, orígenes y desarrollo, del siglo XVI al XIX. (Kap. 1), Fondo de Cultura Económica, México 1954.
  12. a b José Manuel López de Abiada: De voces y polifonías: escritores hispanos, percepción de América y V Centenario. In: Ders. u. a. (Hrsg.): El peso del pasado: Percepciones de América y V Centenario. Madrid 1996, S. 67.
  13. Virtudes Atero Burgos: ‘La Araucana’ en la literatura española de los siglos de oro: un panorama crítico. In: Festschrift Braulio Justel Calabozo (Estudios de la Universidad de Cádiz ofrecidos a la memoria del profesor Braulio Justel Calabozo). Cádiz 1998, S. 341–353; hier: Anm. 9 (S. 350).
  14. Barbara Held (Studien zur Araucana des Don Alonso de Ercilla. Frankfurt 1983, S. 181 f.) sieht Ercilla als Unterstützer des christlich-spanischen Universalismus und hält die von einigen Studien betonten „revolutionären“ Tendenzen für unabsichtliche Einträge, die aus der Übernahme ideologischer Ausrichtungen seiner dichterischen Vorbilder (vor allem Lucans) resultieren, die er eng zu imitieren suche. Ricardo Padrón (Spacious Word: Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. Chicago 2004, S. 190–215) hält im Anschluss an Beatriz Pastor die triumphalistischen Darstellungen Ercillas, die die Ausdehnung der spanischen Weltherrschaft unter König Philipp II. betont zelebrieren, für vordergründig und durch die kontrastreiche Gegenüberstellung von Herrschaftsideologie und grausamer Realität parodistisch gebrochen. Er spricht von einer „Gegenkartographie“, die Ercilla den spanischen Weltreichsambitionen trotz aller Lobeshymnen untergründig entgegensetze (S. 215). Isaías Lerner (Einleitung zu La Araucana. Madrid 1993, 4. Auflage 2005, S. 38 f.) möchte klargestellt wissen, dass Ercilla trotz aller Sympathien für den indianischen Aufstand und Kritik an García Hurtado und anderen Spaniern das Aufbegehren der Eingeborenen für ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen hält, das langfristig keine Aussicht auf Erfolg hat, weil der universellen Expansion Spaniens letztlich kein dauerhafter Widerstand entgegengesetzt werden könne.
  15. Virtudes Atero Burgos: ‘La Araucana’ en la literatura española de los siglos de oro: un panorama crítico. In: Festschrift Braulio Justel Calabozo (Estudios de la Universidad de Cádiz ofrecidos a la memoria del profesor Braulio Justel Calabozo). Cádiz 1998, S. 341–353; hier: S. 346.
  16. Frank Pierce: Alonso de Ercilla y Zúñiga. Amsterdam 1984, S. 53.
  17. Barbara Held (Studien zur Araucana des Don Alonso de Ercilla. Frankfurt 1983, S. 147 u. Anm. 110) zeigt in diesem Zusammenhang die rassistischen Klischees in Ercillas Stilisierungen auf. So werden später die liebenswürdigen „guten Wilden“ von Chiloé anders als die „kriegstollen“ Araukaner als weißhäutig beschrieben:
    Weiß wie die Spanier und nicht schwarz, wie die von Ercilla als Bestien in Menschengestalt gezeichneten Neger (110). – Vgl. Canto XXVIII,23 ff.: die schöne Glaura muß vor zwei Negern flüchten, die sie vergewaltigen wollen; Canto XXXIV,24: Ercillas Dichter-Ich bezeichnet es als eine Beleidigung Caupolicáns, daß ein Neger ihn hinrichten sollte; Caupolicán selbst wehrt sich gegen diese "Schande".
  18. a b c Isaías Lerner: Introducción (Einleitung). In: ders. (Hrsg.): La Araucana. 4. Aufl., Madrid 2005, S. 38f.
  19. David Quint: Epics of the Defeated: The Other Tradition of Lucan, Ercilla, and d’Aubigne, in: ders.: Epic and Empire: Politics and Generic Form from Virgil to Milton. Princeton University Press, New Jersey 1993, S. 131–209; hier: S. 182 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  20. Virtudes Atero Burgos: ‘La Araucana’ en la literatura española de los siglos de oro: un panorama crítico. In: Festschrift Braulio Justel Calabozo (Estudios de la Universidad de Cádiz ofrecidos a la memoria del profesor Braulio Justel Calabozo.), Cádiz 1998, S. 341–353; hier: S. 341f.
  21. Isaías Lerner: Introducción (Einleitung). In: ders. (Hrsg.): La Araucana. 4. Aufl., Madrid 2005, S. 36.
  22. Vgl. James R. Nicolopulos: The Poetics of Empire in the Indies: Prophecy and Imitation. In: “La Araucana” and “Os Lusiadas”. Pennsylvania State University Press, 2000, S. 91; referiert von: Ricardo Padrón: Spacious Word: Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. University of Chicago Press, 2004. S. 203 u. Anm. 32.
  23. La Araucana, XVII.–XVIII. Gesang.
  24. La Araucana, XXIII.–XXIV. Gesang.
  25. La Araucana XXVI, 8d
  26. La Araucana XXVI, 7a-b
  27. Vgl. Ricardo Padrón: Spacious Word: Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. University of Chicago Press, Chicago 2004, S. 200–203.
  28. Ausführlich Barbara Held: Studien zur Araucana des Don Alonso de Ercilla: Vorstellungen zu Recht, Staat und Geschichte in epischer Form., Frankfurt 1983, S. 23–73.
  29. La Araucana XXXII, 4; hier paraphrasiert nach Ricardo Padrón, S. 216:
    The narrator becomes increasingly frank in his condemnation of the Spanish fighters, who “in an inhuman manner have exceeded the laws and limits of war, committing in their explorations and conquests, enormous and unheard of cruelties” (32.4).
  30. Vgl. Isaías Lerner (2005), S. 38; Barbara Held (1983), S. 182 und öfter.
  31. Vgl. Barbara Held (1983), S. 144–148; Ricardo Padrón (2004), S. 215–228.
  32. Referiert bei: Ricardo Padrón: Spacious Word: Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. Chicago 2004, S. 217f.
  33. Vgl. Michael Rössner: Die hispanoamerikanische Literatur. In: Kindlers neues Literatur-Lexikon (CD-ROM-Ausgabe, 2000).
  34. Vgl. María Maluenda: Neruda y Arauco. Santiago de Chile 1998, S. 57 ff.
  35. Vgl. Memoria Chilena: Alonso de Ercilla y Zúñiga (1533–1594) - Palabras a Alonso de Ercilla (Zitate und Dokumente). Abgerufen im Mai 2013.
  36. Gerhard Drekonja-Kornat: Frontier - Frontera. Von den Schwierigkeiten eines Vergleichs zwischen Nord und Süd in Amerika. In: Thomas Fröschl, Margarete Grandner, Birgitta Bader-Zaa (Hrsg.): Nordamerikastudien. Historische und literaturwissenschaftliche Forschungen aus österreichischen Universitäten zu den Vereinigten Staaten und Kanada. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 2000, ISBN 3-7028-0364-5, S. 353:
    Kurioserweise gilt La Araucana, obschon es die Siege und Niederlagen der Spanier gegen die Mapuches lyrisch dokumentiert, als chilenisches Nationalepos.
  37. Cedomil Goic: Los mitos degradados: ensayos de comprensión de la literatura hispanoamericana. Amsterdam und Atlanta 1992, S. 307, Anm. 2.
  38. Esteban Scarpa schreibt im Vorwort zu der von ihm herausgegebenen Auswahlausgabe der Araucana (1982):
    Chile tiene el honor, gracias a don Alonso de Ercilla y Zúñiga, de ser la única nación posterior a la Edad Media cuyo nacimiento es cantado en un poema épico como lo fueron España con el "Poema del Cid", Francia con "La Chanson de Roland" o el pueblo germano con "Los Nibelungos".
    („Dank Alonso de Ercilla y Zúñiga hat Chile die Ehre, die einzige Nation seit dem Mittelalter zu sein, deren Geburt in einer epischen Dichtung auf dieselbe Weise besungen wurde wie Spanien im Poema del Cid, Frankreich im Chanson de Roland oder das deutsche Volk im Nibelungenlied.“) Vgl. De Prólogo Breve („Als kurzes Vorwort“), in: Alonso de Ercilla: La Araucana. Selección y notas de Roque Esteban Scarpa (Auswahl und Anmerkungen von Roque Esteban Scarpa). Editorial Andrés Bello, Santiago de Chile 1982. Hier zitiert nach: Bibliothek des Nationalkongresses von Chile: Introducción a "La Araucana" (abgerufen am 25. Dezember 2015).
  39. In Winterlings 1831 entstandener Übersetzung (die das Reimschema genauer imitiert, aber weniger textgetreu ist) lautet die Strophe:
    Verbreitet durch des Südens Regionen
    Ist Chili ein berühmt und fruchtbar Land,
    Gefürchtet und gescheut von allen Nationen,
    Da es im Kriege stets die Oberhand
    Behielt. Die Leute, die dieß schöne Land bewohnen,
    Sind als hoffärtig, stolz und kriegerisch bekannt,
    Da keinem König sie Gehorsam je bezeigten,
    Noch unter fremdes Joch den Nacken beugten.
  40. So Ricardo Padrón: Spacious Word: Cartography, Literature, and Empire in Early Modern Spain. University of Chicago Press, Chicago 2004. S. 185.
  41. Memoria Chilena: Pedro de Oña: Arauco Domado. abgerufen im Dezember 2015.
  42. Vgl. Ingrid Galster: Aguirre oder Die Willkür der Nachwelt. Die Rebellion des baskischen Konquistadors Lope de Aguirre in Historiographie und Geschichtsfiktion (1561–1992). Frankfurt am Main 1996, S. 119.
  43. Hermann Schumacher (Hrsg.): Hamburgische Festschrift zur Erinnerung an die Entdeckung Amerikas. Hamburg 1892, S. 16 (Einleitung des Herausgebers, forgottenbooks.com). Die Schrift enthält die biografische Skizze Juan de Castellanos. Ein Lebensbild aus der Conquista-Zeit von Hermann Albert Schumacher, dem Vater des Herausgebers.
  44. Wolf Lustig: Fray Bartolomé de las Casas. Zur dichterischen Aneignung des Apóstol de las Indias in der hispanoamerikanischen Literatur. In: Mariano Delgado (Hrsg.): Bartolomé de las Casas: Werkauswahl. Bd. III/2, Paderborn 1997, S. 29–46, hier S. 30 f., staff.uni-mainz.de.
  45. Der aus Schwarzenbach an der Saale stammende Winterling lehrte ab 1823 bis zu seinem Tod neuere Sprachen und Literatur in Erlangen (zunächst als Privatdozent und ab 1834 als außerordentlicher Professor) und war ein zu seiner Zeit prominentes Mitglied des Pegnesischen Blumenordens.