Leindotter

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Leindotter
Camelina sativa eF.jpg

Leindotter (Camelina sativa)

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Camelineae
Gattung: Leindotter (Camelina)
Art: Leindotter
Wissenschaftlicher Name
Camelina sativa
(L.) Crantz

Der Leindotter (Camelina sativa), auch Saat-Leindotter oder Dotterlein genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Der Name „Leindotter“ stammt daher, dass andere Leindotter-Arten, wie etwa der Gezähnte Leindotter (Camelina alyssum), als „Unkraut“ bevorzugt in Lein-Äckern auftreten.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Leindotter ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 120 cm erreicht. Der Stängel verzweigt sich im oberen Drittel im spitzen Winkel mit aufrecht stehenden Seitentrieben. Die wechselständigen und spiralig am Stängel angeordneten Laubblätter sind lanzettlich. Die Wurzel ist dünn und spindelförmig.

Der Leindotter bildet von Mai bis Juli traubige Blütenstände. Auf 4 bis 8 mm langen Stielen sitzen zwittrige, vierzählige Blüten. Die vier Kronblätter sind meist hell- bis dunkelgelb. Durch eine besondere Anatomie der sechs Staubgefäße und der Narbe erfolgt beim Leindotter meist Selbstbefruchtung.

Acht bis 16 gelbliche bis rötliche, 1 bis 2 mm große, tonnenförmigen Samen entwickeln sich in jedem birnenförmigen, spitzen Schötchen, das beim Reifen nicht aufplatzt. Die Samen sind meist 1,7 bis 2,0 mm lang und haben ein Tausendkorngewicht (TKG) von 1 bis 1,5 g.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40.[1]

Leindotter (Camelina sativa), Illustration

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Leindotter wird wegen seiner negativen Beeinflussung des Leins gerne als Beispiel für Allelopathie aufgeführt. So konnte Grümmer nachweisen, dass die Keimung des Leins allein durch Stängel- oder Wurzelextrakte des Leindotters stark beeinflusst wird.

Die Blüten sind unscheinbare „Nektar führende Scheibenblumen“. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen sowie durch spontane Selbstbestäubung. Blütezeit ist von Mai bis August.

Die hartschaligen Schötchen sind Wind- und Tierstreuer. Die Samen tragen im feuchten Zustand eine Schleimhülle, die der Klebausbreitung durch Bodenhaftung bei dieser ehemaligen Steppenpflanze auch hemmend entgegensteht. Dazu erfolgt eine Menschenausbreitung als Agrikulturrelikt. Die Samen haben 30-35 % fettes Öl und sind nur 1-2 Jahre keimfähig. Fruchtreife beginnt ab Juni.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leindotter ist als Wildpflanze in Asien sowie in Süd-, Ost- und Mitteleuropa beheimatet und kommt usrsprünglich nördlich bis Großbritannien, Dänemark und Schweden vor.[2] Das genauere ursprüngliche Areal in Asien ist nicht bekannt.[2] Darüber hinaus ist die Art ein Neophyt in Tunesien, Australien, Neuseeland, Nord- und Südamerika und wird in weiteren Ländern kultiviert.[2]

Varietäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eigentlicher Saat-Leindotter (Camelina sativa var. sativa)
  • Behaarter Leindotter (Camelina sativa var. zingeri Z.Mirek; Syn.: Camelina sativa Boiss. subsp. zingeri (Mirek) Smejkal)

Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anbau und Nutzungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leindotter stellt eine sehr alte Nutzpflanze dar, deren Nutzungsgeschichte bis in die neolithische Zeit zurückgeht. Vor allem aus der Bronze- und der frühen Eisenzeit liegen zahlreiche Funde aus dem östlichen und südlichen Europa vor, die auf die Nutzung dieser Pflanze deuten. Bis etwa 500 nach Christus war der Anbau und die Nutzung in Reinkultur weitverbreitet, ging danach jedoch stark zurück und spielt heute nur noch in Osteuropa eine gewisse Rolle.

Wie beim Raps gibt es beim Leindotter sowohl Winter- als auch Sommerzuchtformen. Er wird wie Öllein extensiv bewirtschaftet. Die in Mitteleuropa übliche Sommerform wird im März bis April ausgesät und im Juli geerntet. Sie ist tolerant gegenüber Trockenheit und Frosteinbrüchen und ist in der Bodenwahl sehr anspruchslos. Sowohl auf Sand- wie auf stark kalkhaltigen Böden ist ein Anbau möglich, der Nährstoffbedarf liegt bei etwa 100 kg Stickstoff pro Hektar. Die Erträge liegen bei 20 bis 35 dt/ha (2,0 bis 3,5 t/ha).

Mit einer Vegetationsphase von nur 120 Tagen kann Leindotter auch als Zwischenfrucht verwendet werden. In den letzten Jahren wurden zudem Untersuchungen mit Leindotter in Mischkultur mit Getreide durchgeführt. Als extensive Kulturpflanze und durch seine Eignung zum Anbau in Artenmischungen ist Leindotter für den ökologischen Landbau interessant.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Samen wurden traditionell vor allem im Ernährungsbereich genutzt. Sie dienten gemeinsam mit Leinsamen und Weizen als wichtige Zutaten für Brot und Getreidebrei. Die Stängel werden bis heute in geringen Mengen zur Papierproduktion verwendet.

Die Samen enthalten 28 bis 42 Prozent Öl mit einem sehr hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Das Öl wird durch Schneckenpressen aus den reifen Samen gewonnen und hat eine, nach dem Absetzen der dunklen Farbpartikel, gelbe Farbe. Es ähnelt in Farbe und Geschmack dem Rapsöl. Für die Ernährung ist das Öl vor allem aufgrund des hohen Anteils an α-Linolensäure wertvoll, während der Anteil an Erucasäure unter 4 Prozent liegt. Im südösterreichischen Raum wird das Öl (Sprachgebrauch: „Dotteröl“) häufig als wirksames Hausmittel genutzt. Oral eingenommen soll es die Immunabwehr stärken, eingerieben fördert es die Wundheilung und soll arthrotische Beschwerden lindern. Auch in der pharmazeutischen und technischen Industrie ist Leindotteröl interessant.

Wie Rapskuchen kann auch der Presskuchen des Leindotters nach der Auspressung des Öles genutzt werden. Er ist aktuell nicht als Futtermittel zugelassen, weil in den vergangenen Jahren regelmäßige Kontaminierungen in importiertem Presskuchen festgestellt wurden. Eine Neubewertung und Zulassung wird jedoch in Kürze erwartet. Die Presskuchen enthalten einen Restölanteil zwischen 8,5 und 16,5 Prozent, wobei die Zusammensetzung des Öles dem extrahierten Pflanzenöl entspricht. Senfölglykoside (Glucosinolate), Phytinsäure, Tannine und Sinapin als ungünstige Verbindungen für die Tierernährung wurden in ihren Anteilen untersucht. Der Anteil an Glucosinolaten liegt sehr niedrig. Er entspricht dem von 00-Raps und ist dementsprechend unbedenklich für die Verfütterung. Der Sipanin- und der Tanningehalt ist niedriger als der in Rapskuchen, während der Anteil an Phytinsäure und dessen Abbauprodukt Inositolpentaphosphat etwas höher liegt. Methionin-, Cystin- und Threoningehalte sind vergleichbar mit Soja-Eiweiß.

Seit dem 2. April 2009 ist der Einsatz von Leindotter als Futtermittel in Luxemburg zugelassen.[3] Mit In-Kraft-treten der Verordnung (EU) Nr. 575/2011 am 6. Juli 2011 werden sowohl Leindotter-Saat als auch Leindotter-Kuchen und Leindotter-Extraktionsschrot als Einzelfuttermittel (Futterausgangserzeugnisse) geführt, der Einsatz ist daher EU-weit möglich. Der „Bio-Agrar-Präis“[4] wurde 2009 zum ersten Mal verliehen. Preisträger ist Charles Goedert aus Ospern für den Anbau von Leindotter.[5] Leindotter wird auch im Saarland angebaut, verarbeitet und angeboten.[6]

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Leindotter bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bäselireps (Bern), Bäseliwat (Appenzell), Beseler (Luzern), Butterreps (Württemberg), Döttersaat, Dorella, Dotter das im Flachs wächst (Erwähnung im Jahr 1482), Dotter (Schwaben, Schlesien, Pommern, Mecklenburg), Finkensamen (Schlesien), Flachsdotter, Gelkensaat (Westfalen), Hüttentütt (Westfalen), Knöpkesad (an der Hase), Liendödder (Pommern), Oelsame, Rautsaat (Westfalen) und Provencer (Memmingen).[7]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petra Becker: Leindotter – Eigenschaften und Potenziale einer alten Kulturpflanze. Pflanzenöl 3/2008; Seiten 20–21.
  • Ralf Pude, Barbara Wenig: Pflanzen für die Industrie. Pflanzen, Rohstoffe, Produkte. Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V., Gülzow 2005, Seite 11. (PDF-Download; 1,49 MB).
  • Melesse Agegnehu: Untersuchungen zum Ertragsverhalten und zur Ertragsbildung von Leindotter in Abhängigkeit von pflanzenbaulichen Einflussfaktoren. Dissertation, Humboldt-Universität, Berlin 1999, ISBN 3-89574-367-4.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. 7. Auflage, Quelle & Meyer-Verlag, 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 477.
  2. a b c Camelina im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 20. Juli 2017.
  3. Laut dem Mémorial (Amtsblatt des Großherzogtums Luxemburg) – A-N° 66 vom 2. April 2009 gibt es folgende Änderung: Règlement grand-ducal du 25 mars 2009 modifiant le règlement grand-ducal modifié du 19 décembre 2003 concernant les substances indésirables dans les aliments pour animaux, page 851 4. (…) et le point 31, Cameline- camelina sativa (L.) Crantz, sont supprimés." Das heißt, dass seit dem 2. April 2009 der Einsatz von Leindotter (Camelina sativa) als Futtermittel in Luxemburg zulässig ist.
  4. „BIO-Agrar-Präis“. Reglement zur Verleihung. des Ministeriums für Landwirtschaft, Weinbau und Entwicklung des ländlichen Raumes Luxemburg.
  5. Leindotter-Öl macht das Rennen. Luxemburger Wort 3. Dezember 2009.
  6. Vom Feld auf den Tisch – Leindotteröl, eine Spezialität aus dem Saarland.
  7. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 74 f. (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Leindotter (Camelina sativa) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien