MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke

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MIFA-Bike Gesellschaft mbH
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Rechtsform GmbH
Gründung 1907
Sitz Sangerhausen, Deutschland
Leitung Insolvenzverwalter
Lucas Flöther
Mitarbeiter 130 (April 2017)
Branche Fahrräder
Website www.mifa.de

MIFA-Bike Gesellschaft mbH ist ein deutscher Fahrradhersteller in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt). Neben seinem eigenen Namen verwendet das Unternehmen unter anderen auch die Markennamen „BIRIA“, „GRACE“, „JUNG“, „Steppenwolf“, „VAUN“ und „Zündapp“.

Der auf eine Gründung aus dem Jahr 1907 zurückgehende Betrieb erreichte in den 1920er Jahren große Bekanntheit über Erfolge im Radrennsport. Während der beiden Weltkriege stellte das Unternehmen jeweils vollständig von Fahrrädern auf Rüstungsgüter um. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bau von Fahrrädern durch die Fahrradwerke Mifa der Sowjetischen Aktiengesellschaft „Awtowelo“ wieder aufgenommen, aus der 1950 die VEB MIFA-Werk Sangerhausen hervorging. Ab Gründung der Deutschen Demokratischen Republik bis zur Übernahme durch die Treuhandanstalt im Jahr 1990 wurden mehr als 9 Millionen Fahrräder ausgeliefert, davon etwa 1,5 Mio. der umgangssprachlich auch „Trabi auf 2 Rädern“ oder „Volksräder“ genannten Klappräder. Auf dem Weltmarkt war der unter der Abkürzung MDF ab 1990 weitergeführte Betrieb aber nicht konkurrenzfähig. Ein 1993 nach Erwerb von Maschinen und Lagerbeständen durch zwei Investoren aus der Schweiz versuchter Neustart als Fahrradtechnik Sangerhausen GmbH scheiterte nach zwei Jahren.

Im Jahr 1996 erwarben Peter Wicht und Michael Lehmann die Mehrheit der Auffanggesellschaft, änderten den Namen in MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke GmbH und brachten sie 2004 als MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG an die Börse. Ab 2011 wurde die Produktpalette durch Zukäufe um zahlreiche Marken erweitert. Mit mehr als 500 Mitarbeitern und einer Jahresproduktion von 400.000 Fahrrädern galt der Betrieb 2013 als größter Arbeitgeber im Südharz. Das Unternehmen geriet jedoch 2014 in Schwierigkeiten. Auf einen Abbruch der Verhandlungen mit der indischen Hero Cycles, die zunächst angekündigt hatte, die Mehrheit der Aktien zu übernehmen, folge die Insolvenz. Trotz Einstiegs der Familie um den Unternehmer Heinrich von Nathusius im Dezember 2014 und nachfolgend umfangreicher Investitionen, war die inzwischen als MIFA-Bike Gesellschaft mbH eingetragene Firma im Januar 2017 erneut zahlungsunfähig. Im Juli 2017 wurde bekannt, dass ein Käufer das Unternehmen in Sachsenring Bike Manufaktur umbenennen werde.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitteldeutsche Fahrradwerke G.m.b.H. (1907–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprüngliche Fahrradfabrik wurde von Emil Schütze und Emil Hesse (1873–1936) im Jahr 1907 gegründet. Der Geschäftsmann Emil Schütze war gelernter Uhrmacher und führte seit Ende des 19. Jahrhunderts in Sangerhausen ein Ladengeschäft in der Kylischen Straße 28. Neben Uhren, optischen Geräten, Nähmaschinen und Musikwerken verkaufte er auch Fahrräder von verschiedenen Herstellern. Für sein neues Geschäft suchte er nach einem Spezialisten im Fahrradbau und wurde in Emil Hesse aus Rötha fündig, der zuvor als Fahrradtechniker in Johann Puchs STYRIA Fahrradfabrik bzw. Styria-Dürkopp Werke (SDW) in Graz gearbeitet hatte.[2] Schon nach nur einem Jahr fertigte das Unternehmen mit 35 Mitarbeitern bereits eine Jahresproduktion von 1.000 Fahrrädern, die zunächst unter den Markennamen „Barbarossa“ und „Million“, ab 1912 schließlich unter der Marke „Mifa“ in den Handel kamen. Bis 1913 konnte die Produktion auf 4.000 Stück pro Jahr gesteigert werden. Während des Ersten Weltkriegs verlegte man die Produktion jedoch von Fahrrädern auf Granaten.[2]

Erst nach Ausscheiden des Gründers Emil Schulze und mit dem Einstieg des Berliner Geschäftsmanns Lihmann als Investor wurde die Fahrradproduktion 1920 wieder aufgenommen. 1921 kamen als Gesellschafter die Kaufleute Guggenheimer, Karstedt und Höfling aus Berlin hinzu, bis das Unternehmen im Jahr 1925 schließlich in den Besitz der Berliner Druckerei Huck überging. Der im gleichen Jahr nochmal verstärkte Ausbau der Produktionsstätte und die Einführung der Fließbandmontage ermöglichte die Produktion von 79.000 Fahrrädern mit etwa 700 Angestellten im Jahr 1927. Gleichzeitig stellte das Unternehmen im Vertrieb vom Einzelhandel auf ein System aus über 200 Verkaufsstellen und Direktvertrieb mit Versand ab Werk um. Bei Händlern machte sich das Unternehmen damit massiv unbeliebt, umso mehr, als auch andere Anbieter bald ihrem Beispiel folgten, darunter auch Marktführer Opel.[2] Motor des Geschäfts in diesen Jahren war der Rennsport. Mifa setzte stark auf Werbung und unterhielt daher ab 1924 einen eigenen Rennstall. Der italienische Weltmeister Alfredo Binda, der Schweizer Heiri Suter sowie die deutschen Fahrer Bruno und Rudolf Wolke waren auf Fahrrädern des Unternehmens erfolgreich.[3] Die besten Rennräder der unter Vertrag genommenen Berufsrennfahrer wurden jeweils als „Meisterschaftsmodell“ bezeichnet und entwickelten sich zu Verkaufserfolgen.

Die 1930er Jahre brachten einen Niedergang. Neben den Folgen der Weltwirtschaftskrise führten auch Einschränkungen durch die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten zum Zusammenbruch des Direktvertriebs. Die Produktion sank auf 20.000 Fahrräder jährlich. Nach dem Tod des Mitgründers Emil Hesse im Jahr 1936, der bis zuletzt als Werksleiter für das Unternehmen tätig gewesen war, übernahm sein Sohn Otto (1899–1979) die Betriebsleitung.

Schon 1937 wurde ein Sprengstofflager auf dem Gelände eingerichtet und neben Fahrrädern auch Munition produziert. 1939 wurde die Fahrradproduktion schließlich eingestellt und vollständig auf Kriegswirtschaft umgestellt (u. a. Leitwerke für Junkers-Flugzeuge). Unter Einsatz von sogenannten Fremdarbeitern aus der Sowjetunion, Frankreich und Italien fertigte Mifa neben Granatzündern bald auch Kabelverlegewagen für Nachrichtentruppen und Transportkarren zur Beförderung von Verwundeten.[2]

Fahrradwerke Mifa der Sowjetischen Aktiengesellschaft „Awtowelo“ (1945–1949)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. April 1945 marschierten zunächst die US-amerikanischen Streitkräfte in Sangerhausen ein und verwendeten die Fertigungsanlagen der Mifa, um ihre Ausrüstung zu reparieren. Im Juli 1945 folgte die Rote Armee, die den Betrieb zeitnah genehmigte. Zunächst wurden aus dem von der Rüstungsproduktion übrig gebliebenen Aluminium Feuerzeuge und Lockenwickler hergestellt, auf Bestellung wurden aber auch Ofenrohre und verschiedene andere Teile gefertigt. Die Produktion zweirädriger Karren wurde im August aufgenommen und bis Oktober 1945 konnten 743 Mifa-Karren fertiggestellt werden, die teilweise noch Jahrzehnte in Sangerhausen im Einsatz waren.

Nach entschädigungsloser Enteignung der Besitzer aus der Vorkriegszeit wurde der Betrieb ab 1. August 1946 Teil der SAG Awtowelo (AWO). Otto Hesse blieb noch bis November 1947 Werksdirektor, wurde dann aber entlassen und kam anschließend für mehrere Jahre ins Gefängnis Bautzen, eine von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland genutzte Haftanstalt für Kriegsverbrecher, später zunehmend auch für als Stalinismus-Gegner bezeichnete politische Gefangene.

Ab 1946 wurden in Sangerhausen wieder Fahrräder gebaut, bereits 9.483 im ersten Jahr, die aber bis 1949 praktisch ausnahmslos als Reparationen in die UdSSR geliefert werden mussten.[2]

VEB Mifa-Werk Sangerhausen und IFA Zweiradkombinat Suhl (1950–1990)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dekorationsfigur einer fahrradfahrenden Frau auf einem Rad des VEB MIFA Fahrradwerke Sangerhausen auf der Leipziger Herbstmesse 1954

In der neu gegründeten Deutschen Demokratischen Republik wurden die Mitteldeutschen Fahrradwerke 1950 in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt. Im gleichen Jahr wurden von 1.100 Arbeitern etwa 117.000 Fahrräder gebaut.[3]

Das Fertigungsprofil war in den 1950er Jahren von klassischen Tourenrädern, Sporträdern und Kinderrädern geprägt. Infolge der Sortimentsbereinigung von 1959 entfielen die Sporträder. 1967 wurde die Produktion von Klapprädern aufgenommen, von denen bis 1978 mehr als 1,5 Mio. Stück gebaut wurden und die als Klassiker der DDR-Fahrradgeschichte gelten.[3]

1969 wurde das MIFA-Werk dem Industrieverband Fahrzeugbau Zweiradkombinat Suhl (IFA) angegliedert. Die Produktionsgebäude in Sangerhausen wurden modernisiert und um drei neue Hallen ergänzt. In den 1970er Jahren wurden auch Sporträder gebaut, was bis dahin den Diamant Fahrradwerken vorbehalten war. Am 23. August 1973 lief das 5-millionste Fahrrad seit 1946 vom Band. Die klassischen Tourenräder mit 28-Zoll-Laufrädern wurden durch modernere 26er Tourensporträder ersetzt. Ab 1979 wurden diese zusätzlich auch als 28er angeboten. Bei Mifa wurden auch Gepäckräder, Rennräder für Kinder, Saalsporträder, Tandems (ab 1986), BMX-Fahrräder (ab 1988) und das Trekking-Rad „Exkurs“ (ab 1989) hergestellt. Ein Mountainbike sollte 1990 in Produktion gehen. Nabenschaltungen waren in der DDR grundsätzlich nicht verfügbar, immerhin wurden die Sporträder in den 1980er Jahren zunehmend mit 3-, 5- oder 10-Gang-Kettenschaltungen ausgestattet. Trotz gestiegener Variantenvielfalt in den 1980er Jahren war MIFA recht weit hinter den Weltstand zurückgefallen. Dies hatte seine Ursache vor allem in den veralteten Zulieferteilen wie Bremsen, Gangschaltung und Tretlager. Noch in den 1980er Jahren waren einige Modelle mit lackierten Stahlfelgen, Stempelbremse und Glockentretlager ausgestattet. Zudem verschlechterte sich die Materialqualität etwa der Pedale, Achsen und Kleinteile zugunsten steigender Produktionszahlen zunehmend. Mifa produzierte in der Zeit als volkseigener Betrieb mehr als 9 Millionen Fahrräder.

MDF und Fahrradtechnik Sangerhausen GmbH (FaSa) (1990–1995)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1990 erfolgte die Übernahme des Betriebes durch die Treuhandanstalt. Die von der mittlerweile als MDF abgekürzten Mitteldeutschen Fahrradwerke gelieferten Räder erwiesen sich der neuen Konkurrenz gegenüber als nicht konkurrenzfähig. Die Belegschaft wurde von 1.500 auf etwa 100 Arbeiter reduziert und sämtliche Abteilungen aufgelöst, die nicht der Produktion dienten.

Im August 1993 wurden Maschinen und Lagerbestande von Urs Haymot und Franco Knill, zwei Geschäftsleuten aus der Schweiz, angekauft und der Betrieb als Fahrradtechnik Sangerhausen GmbH (FaSa) in drei von der Treuhand angemieteten Hallen aus den 1970er Jahren weitergeführt.[2] Die übrigen Gebäude, meist noch aus der Vorkriegszeit, wurden in der Folgezeit abgerissen. Bereits zwei Jahre später musste das Unternehmen Konkurs anmelden.

MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke GmbH und MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (1996–2014)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahrradfabrik Sangerhausen im Jahr 2012

1996 erwarben Peter Wicht und Michael Lehmann die Mehrheit an der Auffanggesellschaft, kehrten durch Umbenennung in Mitteldeutsche Fahrradwerke GmbH wieder zum traditionsreichen Namen zurück und konzentrierten sich ab 1999 auf den Vertrieb für Handelsketten und Versandhäuser. Ab Mai 2004 wurden die Aktien der MIFA an der Börse Frankfurt gehandelt. Im gleichen Jahr produzierte das Unternehmen 737.000 Fahrräder und erzielte einen Umsatz von 82,91 Millionen Euro.

Im Jahr 2006 übernahm MIFA für 8 Millionen Euro Lagerbestände und Kundenverträge der Biria-Gruppe. Der direkte Konkurrent war in Schwierigkeiten geraten und gehörte seit Dezember 2005 der amerikanischen Investmentgesellschaft Lone Star. Den Kaufpreis zahlte MIFA durch eine Kapitalerhöhung um 2 Mio. auf 8 Mio. Euro und Ausgabe neuer Aktien an Lone Star,[4] die damit anschließend zu 25 % an MIFA beteiligt war.[5] Das Biria-Fahrradwerk in Neukirch/Lausitz wurde von Lone Star zum Jahresende 2006 geschlossen, die Biria-Tochter Bike Systems GmbH mit Fertigung in Nordhausen war im August 2007 insolvent. Marcus Brüning, Interims-Chef bei Bike Systems, war im April 2007 in den Vorstand der MIFA gewechselt, Aufträge von der MIFA blieben aus.[6] Ein von den Mitarbeitern in Nordhausen zuletzt noch aus Protest gegen Lone Star gefertigtes rotes „Strike-Bike“ brachte einige Aufmerksamkeit aus Medien und Politik, konnte die Marktbereinigung zugunsten der MIFA aber nicht aufhalten.[6] Im ersten Quartal 2008 meldete MIFA einen Umsatzrückgang von ca. 10 % zum Vorjahresquartal, aber eine Gewinnsteigerung von 20 %. Im Zuge der Wirtschaftskrise sank sowohl die Zahl der verkauften Fahrräder (auf 614.000 Stück im Jahr 2009), als auch die Zahl der Beschäftigten.

Im Oktober 2011 übernahm der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer von Michael Lehmann einen Anteil von knapp 29 % am Unternehmen.[7] Er stockte seinen Anteil im März 2012 auf 33 % auf, was ihn zum größten Einzelaktionär machte. Zugleich erhöhte Vorstandsvorsitzender Wicht seinen eigenen Anteil ebenfalls auf über 30 % und war damit zweitgrößter Aktionär.[8]

Im März 2012 wurde die Grace GmbH & Co. KG übernommen, ein Hersteller von Elektrofahrrädern in Berlin. Im August 2012 erfolgte die Übernahme des bayerischen Fahrradherstellers Steppenwolf, der kurz zuvor Insolvenz angemeldet hatte.[9] Im Geschäftsjahr 2012 verkaufte die MIFA 546.000 Fahrräder (2011: 644.000 Stück). Dabei erzielte sie einen Umsatz von 111,3 Mio. Euro. E-Bikes machten dabei einen Anteil von 30 Prozent des Umsatzes aus (2011 betrug der Anteil 12,5 Prozent).

Mitte März 2014 erwies sich bei der Erstellung der Jahresbilanz für 2013, dass MIFA im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Fehlbetrag von 15 Millionen Euro und auch in den Jahren davor schon Verluste eingefahren hatte. Bei den vorläufigen Geschäftszahlen für 2013 wurde ein Umsatz von 110,7 Mio. Euro ermittelt.[10] Das Bekanntwerden der Details führte zu einem Kursverlust der Mifa-Aktie von etwa 50 % innerhalb weniger Tage.[11] Im April 2014 trat Unternehmensvorstand und Großaktionär Peter Wicht zurück, gegen den ein Ermittlungsverfahren wegen Anlagebetrugs eingeleitet wurde.[12] Der Landkreis Mansfeld-Südharz erwarb im gleichen Jahr das Betriebsgrundstück in Sangerhausen für 5,7 Millionen Euro. Durch „frisches Geld“ wollte man das schwer angeschlagene Unternehmen retten. Der Betrag sollte über die folgenden 15 Jahre durch Mietzahlungen wieder an den Landkreis zurückfließen.[13]

Im August 2014 kündigte der indische Hersteller Hero Cycles an, 60 % der Anteile von MIFA für 15 Millionen Euro zu übernehmen. Weitere 4 Millionen Euro sollten in die Umstrukturierung des Unternehmens investiert werden.[14] Bis Ende September 2014 hatte man die Verhandlungen jedoch abgebrochen. Aus Kreisen des Mifa-Vorstands warf man Hero Cycles vor, sie hätten sich Fertigungsprozesse abgeschaut und für den Bau einer neuen eigenen Fabrik in Asien verwendet.[15] Am 29. September 2014 beantragte das Unternehmen beim zuständigen Amtsgericht Halle (Saale) die Insolvenz.[16]

Im Oktober 2014 erwarb die Deutsche Balaton AG rund 16 % des MIFA-Aktienkapitals (1.575.000 Aktien) und stellte ein „alternatives Restrukturierungskonzept“ vor. Für den Fall, dass das Restrukturierungskonzept nicht umgesetzt werden könnte, war mit dem Verkäufer eine Rückabwicklung des Kaufs vereinbart.[17]

MIFA-Bike Gesellschaft mbh (ab 2014)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 11. Dezember 2014 übernahm die Familie um den Unternehmer Heinrich von Nathusius den Fahrradhersteller im Zuge eines Asset Deals. Die Übernahme erfolgte rückwirkend zum 1. Dezember.[18] Das Land Sachsen-Anhalt unterstützte den Kauf mit einem Kredit im „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“ durch die Investitionsbank Sachsen-Anhalt und durch Übernahme einer Landesbürgschaft.[19] Der Unternehmensname wurde auf MIFA-Bike Gesellschaft mbh geändert.

Ende Dezember 2016 wurde in Sangerhausen ein neues Werk für 17 Millionen Euro in Betrieb genommen und Gerüchte in den Medien über finanzielle Schwierigkeiten des Unternehmens von seinen Eigentümern zurückgewiesen.[20] Am 4. Januar 2017 stellte die Geschäftsleitung beim Amtsgericht Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung und Geschäftsführer Heinrich von Nathusius schied aus dem Unternehmen aus.[21] Ende März, nach Ablauf von drei Monaten Schonfrist, wurde das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet.[22] Im Juli 2017 informierte der Insolvenzverwalter, dass der Coburger Manager Stefan Zubcic das Unternehmen gekauft habe und in Sachsenring Bike Manufaktur umbenennen werde. Zubcic hatte bereits vor drei Jahren das Unternehmen Sachsenring erworben.[1]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einzelteile werden ganz überwiegend weltweit eingekauft, in Sangerhausen folgen vor allem Lackierung und Endmontage. Schon zum Börsengang im Jahr 2004 beschrieb das Unternehmen seine Fertigung mit der Devise „Global einkaufen, vor Ort verarbeiten“.[23] Die Firmenleitung unter Peter Wicht stand häufig für besonders niedrige Stundenlöhne in der Kritik, verwies aber darauf, man setze für die Wettbewerbsfähigkeit beim Preis gegenüber der Konkurrenz aus China nicht auf Lohnkostendumping, sondern auf moderne Fertigung und neue Produkte wie z. B. die seit dem Kauf von Grace produzierten E-Bikes.[24]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie auch für viele andere Betriebe in der Deutschen Demokratischen Republik waren zahlreiche Sprüche im Umlauf, mit denen das MIFA-Werk und seine Produkte spöttisch „auf die Schippe genommen“ wurden. Darunter vor allem: „Wer Mifa fährt, fährt nie verkehrt, weil Mifa überhaupt nicht fährt“[24] oder auch „ein Stückchen Blech, ein Stückchen Draht, und fertig ist das Mifa-Rad“[23] bis hin zu „Wer Mifa fährt, ist Dresche wert“.[25]

Markennamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Qualitäts- und Eigenmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Barbarossa“ und „Million“ (1907–1912)
  • „MIFA“ oder „Mifa“ (ab 1912)
  • „Steppenwolf“ (seit Erwerb der Markenrechte 2012)
  • „GRACE“ (seit Übernahme des gleichnamigen E-Bike-Herstellers 2012)
  • „VAUN“ (seit 2016)

Handelsmarken für Versandhandel, Bau- und Supermärkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Cyco“
  • „Germatec“
  • „FunLiner“
  • „McKenzie“
  • „BIRIA“ (seit Erwerb der Markenrechte der ehemaligen Biria 2006), häufig mit dem Zusatz „made by MIFA“
  • „JUNG“
  • „Zündapp“ (Markenname des ehem. Motorradherstellers Zündapp, Verwendung seit etwa 2014)

Modelle (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fahrradhersteller Mifa heißt künftig „Sachsenring Bike Manufaktur“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Juli 2017
  2. a b c d e f Tilman Wagenknecht: Mifa – Mitteldeutsche Fahrradwerke GmbH Sangerhausen. Auf: Fahrradsammler.de, abgerufen am 4. Januar 2017.
  3. a b c Die Historie der Mitteldeutschen Fahrradwerke — Vom Ursprung des Fahrrads. Auf der Webseite des Unternehmens, abgerufen am 4. Januar 2014.
  4. MIFA kauft Vermögensteile der Biria-Gruppe, DGAP-Meldung 6. Dezember 2006, abgerufen am 5. Januar 2017.
  5. US-Fonds steigt bei Fahrradhersteller MIFA ein. In: Sächsische Zeitung, 7. Dezember 2006, abgerufen am 5. Januar 2017
  6. a b Oliver Haustein-Tessmer, Dirk Nolde: Der knallrote Aufstand der Fahrradwerker. In: Die Welt, 2. Oktober 2010, abgerufen am 5. Januar 2017.
  7. Oliver Haustein-Tessmer: AWD-Gründer: Maschmeyer steigt ins Fahrradgeschäft ein, in: Spiegel Online, 6. Oktober 2011, abgerufen am 4. Januar 2017.
  8. AWD-Gründer: Maschmeyer kauft sich bei Fahrradhersteller ein, in: Spiegel Online, 12. März 2012, abgerufen am 4. Januar 2017.
  9. MIFA übernimmt Premiumhersteller Steppenwolf, DGAP-Meldung, 21. August 2012, abgerufen am 4. Januar 2017.
  10. MIFA: Veröffentlichung der vorläufigen Geschäftszahlen 2013, DGAP-Meldung vom 17. September 2014, abgerufen am 4. Januar 2017.
  11. Inder sollen 27 Prozent an Fahrradbauer Mifa erhalten. In: Wirtschaftswoche, 25. März 2014, abgerufen am 4. Januar 2017.
  12. Karl-Heinz Klarner: Betrugsverdacht gegen Fahrradhersteller aus Sangerhausen. Bei Mifa hat der Staatsanwalt das Wort, in Mitteldeutsche Zeitung, 27. August 2014, abgerufen am 4. Januar 2017.
  13. exakt exklusiv: Landkreis erwarb ein offenbar stark überteuertes Grundstück vom Fahrradhersteller Mifa. In: Mitteldeutscher Rundfunk, 1. März 2017, abgerufen am 6. Mai 2017
  14. India’s largest cycle manufacturer, Hero, acquires German bicycle co MIFA. In: Firstbiz. 25. August 2014, abgerufen am 4. Januar 2017 (englisch).
  15. Totalschaden in der Fahrradbranche. In: Handelsblatt. 29. September 2014, abgerufen am 3. Oktober 2014 (deutsch).
  16. Maschmeyer als Großaktionär: Fahrradbauer Mifa stellt Insolvenzantrag. In: Spiegel Online. 28. September 2014, abgerufen am 4. Januar 2017.
  17. Deutsche Balaton AG wird Aktionärin bei MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG i. I., DGAP-Meldung, 16. Oktober 2014, abgerufen am 4. Januar 2017
  18. MIFA: Unternehmensverkauf im Rahmen eines 'Asset Deals’ , Pressemitteilung der MIFA vom 12. Dezember 2012.
  19. Dominik Bath: Nathusius kauft Fahrradhersteller: Haldensleber Familie rettet Mifa. In: Volksstimme.de, 12. Dezember 2012, abgerufen am 4. Januar 2017
  20. Mifa startet Produktion in neuem Werk. In: Mitteldeutscher Rundfunk, 21. Dezember 2018, abgerufen am 5. Januar 2017.
  21. Fahrradhersteller Mifa insolvent. In: Mitteldeutscher Rundfunk, 4. Januar 2017, abgerufen am 4. Januar 2017.
  22. Mifa – wie es jetzt weiter geht. In: MDR Sachsen-Anhalt, abgerufen am 5. April 2017
  23. a b Carolyn Braun: Blech an die Börse. In: Die Zeit, 13. Mai 2004, abgerufen am 6. Januar 2017.
  24. a b Matthias Loke: Jetzt radelt auch der Banker, Interview in der Frankfurter Rundschau, 11. August 2012, abgerufen am 6. Januar 2017.
  25. Matthias Loke: Der ostdeutsche Fahrradhersteller will an die Börse: Wer Mifa fährt, fährt nie verkehrt.... In: Berliner Zeitung, 16. April 2004, abgerufen am 6. Januar 2017.

Koordinaten: 51° 28′ 14,9″ N, 11° 17′ 22,9″ O