Mannenbach-Salenstein

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Mannenbach-Salenstein
Wappen von Mannenbach-Salenstein
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Kreuzlingen
Politische Gemeinde: Salensteini2
Postleitzahl: 8268
frühere BFS-Nr.: 4852
Koordinaten: 721331 / 281612Koordinaten: 47° 40′ 26″ N, 9° 3′ 15″ O; CH1903: 721331 / 281612
Höhe: 415 m ü. M.
Fläche: 0,58 km²[1]
Einwohner: 271 (31.12.2018)[2]
Einwohnerdichte: 467 Einw. pro km²
Mannenbach-Salenstein vom Schloss Arenenberg aus fotografiert – im Hintergrund der Schiffsteg

Mannenbach-Salenstein vom Schloss Arenenberg aus fotografiert – im Hintergrund der Schiffsteg

Karte
Mannenbach-Salenstein (Schweiz)
Mannenbach-Salenstein
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Mannenbach-Salenstein, bis um etwa 2010 Mannenbach,[3][4] ist eine Ortschaft[2] der politischen Gemeinde Salenstein im Bezirk Kreuzlingen des Kantons Thurgau in der Schweiz. Sie liegt am Südufer des Untersees gegenüber der Insel Reichenau.

Von 1816 bis 1978 bildete die Ortsgemeinde Mannenbach mit Fruthwilen und Salenstein die Munizipalgemeinde Salenstein. 1979 vereinigten sich die drei Ortsgemeinden zur Einheitsgemeinde Salenstein.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindestand vor der Fusion im Jahr 1979
Mannenbach im Juli 1948

Die älteste Erwähnung Mannenbachs in einer Originalurkunde stammt aus dem Jahre 1221. Die Villule Manninbach gehörte zum Kloster Reichenau. Im Mittelalter war das Kloster Reichenau Grund- und Gerichtsherr sowie Kollator.[6]

Nach finanziellen Schwierigkeiten des Klosters im 15. Jahrhundert wurde Mannenbach mehrmals verpfändet. Die Einwohner bemühten sich selbst um die Einlösung des Pfandes und kamen damit am 4. Juni 1414 zu einem Freiheitsbrief, in dem ihnen der Abt das Recht gewährte, den Ammann selbst zu bestimmen. Im Schwabenkrieg wurde das Dorf zusammen mit den Dörfern Triboltingen und Ermatingen am 11. April 1499 von schwäbischen Truppen geplündert und in Brand gesetzt. 1502 erhielt Mannenbach eine Offnung. Nach der Inkorporation der Abtei ins Hochstift Konstanz 1540 unterstand das Niedergericht Mannenbach mit Mannenbach und Salenstein bis 1798 dem Bischof von Konstanz, der es von der Obervogtei Reichenau verwaltete.[6] Nach den Umwälzungen von 1798 bildete Mannenbach eine eigene Munizipalität.

Das ab 1529 mehrheitlich reformierte Mannenbach gehörte stets zur Pfarrei bzw. Kirchgemeinde Ermatingen. Die Kapelle St. Aloysius (Weihe angeblich 1155) mit spätmittelalterlichen Wandmalereien war mit einer Pfründe und einer Kaplanei verbunden; 1559 erfolgte die Inkorporation ins Kloster Reichenau. 1835/36 errichtete der französische General Marquis de Crenay anstelle des alten Kaplaneigebäudes das klassizistische Schloss Louisenberg.[6]

1350 wird eine Mühle erwähnt. Der Rebbau verlor ab dem 19. Jahrhundert an Bedeutung. Bis nach der Mitte des 20. Jahrhunderts bildeten Viehzucht, Obstbau und Fischerei die wirtschaftliche Grundlage der Bevölkerung. Das Dorf wurde 1874 an die Eisenbahnstrecke Etzwilen–Konstanz angeschlossen. Ende des 20. Jahrhunderts entstanden aufgrund der Seelage neue Wohnbauten.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MaBach.Wappen.jpg

Blasonierung: In Silber ein roter, wachsender Bär mit schwarzer Bewehrung und schwarzem Halsband.[7]

Im Mittelalter belegt. Damals besassen die Fährleute von Mannenbach das Fährrecht zur Reichenau. Die Chronik von Johannes Stumpf zeigt den Mannenbacher Bären, der auf ein Familienwappen zurückgeht.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung von Mannenbach-Salenstein
Jahr 1850 1900 1930 1950 1970 2000 2010 2018
Ortsgemeinde 186 148 216 202 224
Ortschaft [6] 212 248 271
Quelle [3] [4] [2]

Von den insgesamt 271 Einwohnern der Ortschaft Mannenbach-Salenstein im Jahr 2018 waren 71 bzw. 26,2 % ausländische Staatsbürger. 110 (40,6 %) waren evangelisch-reformiert und 68 (25,1 %) römisch-katholisch.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Mannenbach-Salenstein ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz aufgelistet.

Die Wallfahrtskapelle St. Aloysius und das Schloss Louisenberg befinden sich in der Liste der Kulturgüter in Salenstein. Das Schloss, welches anstelle des alten Kaplaneigebäudes erbaut wurde, steht unmittelbar neben der Kapelle St. Aloysius.

Wallfahrtskapelle St. Aloysius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Louisenberg und Wallfahrtskapelle St. Aloysius

Die Kapelle liegt am südwestlichen Ausgang von Mannenbach-Salenstein auf einem kleinen Hügel. Sie ist auf den See ausgerichtet, der früher die Verkehrsfläche war. Die Kapelle wurde 1155 zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit sowie der Heiligen Niklaus, Dionysius und Georg geweiht. Nach der Sage geht die Gründung der Kapelle auf einen Ritter von Salenstein zurück, der sie aus Dankbarkeit über die überstanden Gefahren einer Kreuzfahrt gestiftet habe. Als wichtigste Reliquie wurde ein Splitter des heiligen Kreuzes aufbewahrt.

Die romanische Kapelle wurde in den 80er Jahren des 15. Jahrhunderts gegen Norden und Osten erweitert und mit Gemäldezyklen versehen. Bis 1540 war das Kloster Reichenau Kollator der Kapelle. Die hochmittelalterliche Kapelle verlor durch die Reformation ihre Bedeutung und wurde mit ihren Altären verwüstet. 1692 wurde die Kapelle und die damit verbundene Wallfahrt neu belebt und der heilige Aloysius verehrt. 1694/95 wurde die spätgotische Kapelle restauriert und eine neue Decke eingezogen. Das letzte Mal restauriert wurde die Kapelle in den Jahren 1993 bis 1995[8].

Verkehr und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizerische Nationalbahn eröffnete am 17. Juli 1875[9] den Betrieb auf der Bahnstrecke Etzwilen–Konstanz/Kreuzlingen Hafen. Damit war Mannenbach ans Schienennetz angeschlossen. In der Fachliteratur wird vermutet, dass das Bahnhofsgebäude Mannenbach-Salenstein als Muster für den Einheitsbahnhof in Württemberg gedient hat.

Im Sommer ist Mannenbach per Kursschiff der Linie Schaffhausen–Kreuzlingen der Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein erreichbar. Eine besondere Attraktion stellt die Solarfähre dar, die in den Sommermonaten Mannenbach mit der gegenüberliegenden Insel Reichenau verbindet.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ferdinand Hardekopf (1876–1954), deutscher Schriftsteller, lebte um 1912 in Mannenbach und Salenstein
  • Susie Stoddart (* 1982), schottische Autorennfahrerin (DTM), lebt seit 2008 in Mannenbach-Salenstein

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Baumgartner: Salenstein – Fruthwilen – Mannenbach. Buch zur 900-Jahr-Feier 1092–1992. Frauenfeld 1992.
  • Alfons Raimann, Peter Erni: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau VI. Der Bezirk Steckborn. Bern 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Mannenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  2. a b c d Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  3. a b Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis. Kanton Thurgau, Ausgabe 2005. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF; 1,7 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  4. a b Ortschaften- und Siedlungsverzeichnis. Kanton Thurgau, Ausgabe 2012. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF; 3,4 MB), abgerufen am 11. Mai 2020.
  5. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  6. a b c d e Verena Rothenbühler: Mannenbach. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  7. a b Mannenbacher Wappen. Auf der Webseite der Gemeinde Salenstein, abgerufen am 1. Februar 2020
  8. Jürg Ganz: Wallfahrtskapelle St. Aloysius Mannenbach. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 635). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1998, ISBN 978-3-85782-635-1.
  9. Schienennetz Schweiz. Hrsg. vom Generalsekretariat SBB, Bern 1980, S. 23.
  10. Albrecht Bedal: Frühe Sekundärbahn und erster Einheitsbahnhof. Zur Geschichte des Kupferzeller Bahnanschlusses. In: Der Bahnhof aus Kupferzell. Die Geschichte eines württembergischen Stationsgebäudes und der Nebenbahn Waldenburg–Künzelsau. Hohenloher Freilichtmuseum, Schwäbisch Hall 2001, ISBN 3-9806793-3-0, S. 56.