Marburger Rücken

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Marburger Rücken
Höchster Gipfel Vogelheerd (369,8 m ü. NHN)
Lage bei Marburg; Landkreis Marburg-Biedenkopf, Mittelhessen (Deutschland)
Teil vom Westhessischen Bergland
Marburger Rücken (Deutschland)
Marburger Rücken
Koordinaten 50° 50′ N, 8° 44′ OKoordinaten: 50° 50′ N, 8° 44′ O
Typ Mittelgebirge
Gestein Buntsandstein
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Der Marburger Rücken ist ein bis 369,8 m ü. NHN hoher Höhenzug des Westhessischen Berglandes (auch Westhessisches Berg- und Senkenland genannt). Er liegt bei Marburg im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf und bildet den Naturraum 348.00.[1][2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marburger Rücken, der aus Buntsandstein besteht und besonders im Norden und Süden bewaldet ist, breitet sich direkt westlich von Marburg aus und erhebt sich damit oberhalb des Tals der Lahn, das hier auf etwa 180 bis 190 m Höhe liegt. Er reicht etwa von Goßfelden im Norden bis Niederweimar im Süden. In Richtung Norden bis Nordosten fällt das Gelände zur Einmündung der Wetschaft in die Lahn, hinter der sich allmählich der Burgwald anschließt, ab, und nach Süden zur Einmündung der Allna. Auf der anderen bzw. östlichen Seite des Lahntals erheben sich die mit bis zu 380 m knapp höheren Lahnberge.

Auf dem Marburger Rücken steht insbesondere das Marburger Schloss mit dem Schlosspark. Viele Marburger Ortsteile – Oberstadt, Marbach, Ockershausen und Wehrda – schmiegen sich vom Tal her an diesen Höhenzug, andere – die Siedlung Stadtwald (bei der ehemaligen Tannenberg-Kaserne) und Wehrshausen – liegen unmittelbar darauf. Daher ist der Höhenzug deutlicher als die östlich gegenüber und jenseits der Lahn liegenden Lahnberge in das Marburger Stadtbild einbezogen, was wohl auch erklärt, dass der eigentliche Begriff vergleichsweise unbekannt ist, während die Lahnberge wegen der Philipps-Universität Marburg vielerorts im Stadtgebiet ausgeschildert und folglich bekannt sind. Für die geringe Bekanntheit des Begriffes Marburger Rücken ist überdies auch die Tatsache verantwortlich, dass sich nach Westen ohne nennenswertes Tal die deutlich höheren Kuppen des nordöstlichen Gladenbacher Berglandes um den Rimberg anschließen.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Höhenzug bildet in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Westhessisches Bergland (Nr. 34), in der Haupteinheit Marburg-Gießener Lahntal (348) und in der Untereinheit Marburger Bergland (348.0) den Naturraum Marburger Rücken (348.00). Nach Osten und Süden fällt die Landschaft in den Naturraum Marburger Lahntal oder Marburger Lahntalsenke (348.02) ab. Nach Norden fällt sie in die zur Haupteinheit Burgwald (345) zählende Untereinheit Wetschaft-Senke (345.0) ab. Jenseits der Senke liegen im Nordwesten die Sackpfeifen-Vorhöhen (332.0) mit dem Wollenberg (473,8 m), die in der Haupteinheitengruppe Süderbergland (33) zur Haupteinheit Ostsauerländer Gebirgsrand (332) zählen. Nach Westen leitet die Landschaft in den Naturraum Elnhausen-Michelbacher Senke (320.11) über, denen die Damshäuser Kuppen (320.10) mit dem Rimberg (497,1 m) folgen, und nach Südwesten in den Naturraum Salzbödetal (320.12), die alle drei in der Haupteinheitengruppe Westerwald (32) und in der Haupteinheit Gladenbacher Bergland (320) zur Untereinheit Gladenbacher Hügelland (320.1) gehören.[1]

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Bergen und Erhebungen im Marburger Rücken gehören – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN; wenn nicht anders genannt laut [3]):

Marburger Schloss auf dem Schlossberg
Dammelsberg von Süden
  • Vogelheerd (369,8 m) – zwischen Marbach und Michelbach-Görzhausen
  • Mosenberg (356 m) – westlich von Wehrda
  • Gebrannter Berg (ca. 355 m) – zwischen Marburg und Wehrda
  • Wehrshäuser Höhe (348,6 m) – mit Wasserbehälter
  • Wehrholz (337,7 m) – nordöstlich von Michelbach
  • Rickshell (331,5 m) – südlich von Goßfelden, Steinbruch (Weißenstein)
  • Schneiße (327,1 m) – nahe Freizeitgelände Stadtwald, zwischen Cyriaxweimar und Gisselberg
  • Buchholz (324,2 m) – südöstlich von Goßfelden, dem Rickshell östlich gegenüber
  • Kirchspitze (323,5 m) – mit Schutzhütte, zwischen Marburg und dem Gebrannten Berg
  • Hasenkopf (320,2 m) – an einstiger Tannenberg-Kaserne, südwestlich von Ockershausen – Aussicht ins Hinterland, zum Kellerwald und zum Großen Feldberg
  • Dammelsberg (318,0 m) – mit Schutzhütte, zwischen Marburg und Marbach
  • Weimarscher Kopf (305,4 m) – zwischen Gisselberg und Niederweimar
  • Heideberg (296,5 m) – westlich von Cölbe
  • Schlossberg (ca. 287 m)[4] – mit Marburger Schloss, nahe Schlosspark; Vor-Gipfel des Dammelsberges
Blick vom Hasenkopf (Nähe Tannenberg-Kaserne) auf Marburger Rücken (links) und Lahnberge (rechts)

Weinstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über den Marburger Rücken verlief in Nord-Süd-Richtung die Weinstraße (Wagenstraße) als mittelalterliche Handelsstraße. Westlich von Marburg-Ockershausen wurde sie von dem einst bedeutenden Ost-West-Weg, der Leipzig-Kölner-Fernhandelsstraße (Brabanter Straße) gekreuzt, die in Richtung Erfurt weiter verlief, was auch ein Anlass zur Gründung der Stadt Marburg gewesen sein dürfte.

An der Wehrshäuser Höhe quert die Kreisstraße 72 (Marburg–Wehrshausen) den Hauptkamm (März 2016)

Unter anderem passiert die Weinstraße von Süden kommend den Hasenkopf von Westen und die Wehrshäuser Höhe von Osten, um den Vogelheerd westlich in Richtung Michelbach zu umlaufen. Von dort aus führt sie steil das Wehrholz hoch, von dem aus sie etwa 2 km in einer Höhe von gut 300 m in nordöstliche Richtung auf das Buchholz zuläuft, um gegenüber dem Rickshell die Landesstraße 3381 WehrdaGoßfelden an deren höchstem Punkt zu kreuzen. Auf dem zuletzt beschriebenen Höhenzug liegen auch drei Windkraftanlagen, die Aussicht reicht von Michelbach kommend bei entsprechenden Wetterverhältnissen bis zu den knapp 30 km entfernten, höchsten Erhebungen des Kellerwaldes (Hohes Lohr mit 656,7 m und Wüstegarten mit 675,3 m). Im Südosten sieht man den Spiegelslustturm (Kaiser-Wilhelm-Turm) auf den Lahnbergen, im Norden die in 14 km Entfernung nächste(n)? Windkraftanlage(n)? in Ernsthausen. Bei sehr guten Sichtverhältnissen werden im Nord-Nordwesten auch einige der 30 bis 35 km entfernten Gipfel des Rothaargebirges erkennbar – insbesondere die Ziegenhelle (815,9 m), der Heidkopf (703,8 m) und der Bollerberg (757,7 m).

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gerhard Sandner: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 125 Marburg. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1960. → Online-Karte (PDF; 4,9 MB)
  2. Karte und Legende zu den Naturräumen Hessens (Online-Kopie von Die Naturräume Hessens, Otto Klausing 1988) im Umweltatlas Hessen des Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie
  3. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  4. Berghöhe laut unbekannte / nicht recherchierte Quelle

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Marburger Rücken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien