Cyriaxweimar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Cyriaxweimar
Stadt Marburg
Koordinaten: 50° 47′ 3″ N, 8° 43′ 1″ O
Höhe: 217 (207–229) m ü. NHN
Fläche: 3,97 km²[1]
Einwohner: 547 (31. Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 138 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35043
Vorwahl: 06421
Karte
Lage von Cyriaxweimar in Marburg
Ansicht von Westen
Ansicht von Westen

Cyriaxweimar ist ein südwestlich gelegener Stadtteil der Universitätsstadt Marburg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort verläuft die Kreisstraße 69. Die Grenze zwischen Gladenbacher Bergland und dem Marburger Rücken beschreibt der Cyriaxweimarer Bach, der in südwestlicher Richtung der Allna zustrebt. Die Siedlung von Cyriaxweimar liegt vor allem nördlich des Baches, südlich liegt der Siedlungsteil „Im Winkel“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Cyriaxweimar im Jahre 1258 als Ciliacis Wymaare.[3] Die erste Kirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Der heutige Neubau entstand 1963. Seit 1990 ist der Glaubenshof Cyriaxweimar als Einrichtung der sozialtherapeutischen Nachsorge im Ort tätig.

Am 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz als Stadtteil nach Marburg eingegliedert.[4][5]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Cyriaxweimar lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][6]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Cyriaxweimar zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[11]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Landgericht Marburg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Marburg. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[12] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[13]

Auch mit dem in Kraft treten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1577: fünf Hausgesesse
• 1630: vier hausgesessene Mannschaften (ein vierspänniger, ein dreispänniger, ein zweispänniger Ackermann)
• 1681: fünf hausgesessene Mannschaften
• 1838: Familien; fünf nutzungsberechtigte, elf nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, drei Beisassen
Cyriaxweimar: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
114
1840
  
110
1846
  
121
1852
  
118
1858
  
112
1864
  
120
1871
  
129
1875
  
130
1885
  
124
1895
  
139
1905
  
132
1910
  
127
1925
  
150
1939
  
163
1946
  
244
1950
  
285
1956
  
232
1961
  
225
1967
  
256
1987
  
472
1991
  
534
1995
  
576
2000
  
595
2003
  
591
2005
  
579
2007
  
591
2010
  
624
2011
  
524
2015
  
545
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3]; 1987–1998[14], 1999–2003[15]; 2005–2010[16]; Zensus 2011: 2011–2015[2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1861: 107 evangelisch-lutherische, zwei evangelisch-reformierte Einwohner
• 1885: 124 evangelische (= 100,00 %)
• 1961: 215 evangelische (= 95,56 %), zehn katholische (= 4,44 %) Einwohner
• 1987: 349 evangelische (= 73,9 %), 66 katholische (= 14,0 %) Einwohner[14]

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1747: Erwerbspersonen: 3 Weißbinder, 1 Schneider, 2 Tagelöhner.
• 1838: Familien: 6 Ackerbau, 7 Gewerbe, 6 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 44 Land- und Forstwirtschaft, 39 Produzierendes Gewerbe, 13 Handel und Verkehr, 17 Dienstleistungen und Sonstiges.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturschutzgebiet Kleine Lummersbach
Steinkreuz an der Kreisstraße

Naturräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nördlichen Teil von Cyriaxweimar liegt das FFH-NaturschutzgebietKleine Lummersbach bei Cyriaxweimar“. Bis in die 1990er Jahre wurde das Gebiet als Truppenübungsplatz der ehemaligen Tannenberg-Kaserne benutzt. Stellenweise fand hier eine intensive Inanspruchnahme z. B. durch Panzerübungen statt, während andere Bereiche weitgehend unberührt blieben. 1997 wurde das Gebiet als Naturschutzgebiet ausgewiesen.[17]

Am Rande des Schutzgebietes an der Kreisstraße 69 steht ein Steinkreuz, dessen Kreuzungsfeld ein dreieckiges Schild mit drei mit den Spitzen zusammentreffenden herzförmigen Blättern zeigt. Die ehemalige Flurbezeichnung des Standorts war „DER STEINERNE KREUZ ACKER“.[18] Vermutlich stammt es aus dem 14. Jahrhundert.

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Cyriaxweimar

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Vereine sind im Ortsleben aktiv:

  • Gesangverein „Harmonie“ Cyriaxweimar/Haddamshausen
  • Spielvereinigung „Grün-Weiß“ Haddamshausen
  • Freiwillige Feuerwehr Haddamshausen/Cyriaxweimar

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt einen städtischen Kindergarten, eine Grundschule, sowie eine Mehrzweckhalle.

In Cyriaxweimar gibt es seit 1995 eine Mietenkompostanlage mit zunächst 6.500 t Jahreskapazität. Nach Beschwerden über Geruchsemissionen entschloss sich der kommunale Betreiber zur Umrüstung zur Intensivrotte mittels Membranabdeckung mit Biogaserzeugung und einer Kapazitätserhöhung auf 10.000 t pro Jahr. Jeweils im Frühjahr und im Herbst wird ein „Komposttag“ veranstaltet, an dem loser Kompost kostenlos abgegeben wird.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wald hinter der Siedlung „Im Winkel“, die von den Tannenberg-Soldaten „Zickzackweimar“ genannt wurde, beherbergte je ein kleines Munitionslager sowie ein Tanklager der Bundeswehr des Standortes Tannenberg. Die Wache für das Munitionslager wurde gerne als „Hasenwache“, wegen der reichlich vorkommenden Hasen (von denen gelegentlich auch einer erlegt wurde), bezeichnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marburger zahlen von 2009-2010 auf der Website der Stadt Marburg (pdf; S. 4)
  2. a b Einwohnerzahlen von 2011 bis 2016. (PDF; 46 kB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 4 ff., abgerufen im Januar 2019.
  3. a b c d e f Cyriaxweimar, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 18. November 2019). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 1 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 370 (online bei HathiTrust’s digital library).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 107 (online bei Google Books).
  10. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  11. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  12. Verordnung über die Gerichtsverfassung im vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  13. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  14. a b Einwohnerzahlen von 1995 bis 1998. (PDF; 3,7 MB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 9 ff, abgerufen im Januar 2019.
  15. Einwohnerzahlen von 1999 bis 2003. (PDF; 7,75 MB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 8 ff., abgerufen im Januar 2019.
  16. Einwohnerzahlen von 2005 bis 2010. (PDF; 1,13 MB) In: Webauftritt. Stadt Marburg, S. 10 ff., abgerufen im Januar 2019.
  17. Stadt Marburg: FFH - Gebiet "Kleine Lummersbach bei Cyriaxweimar"
  18. DER STEINERNE KREUZ ACKER. Hessische Flurnamen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Cyriaxweimar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien