Marburger Bergland

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Das Marburger Bergland ist eine bis 380 m hohe Mittelgebirgslandschaft beiderseits der Marburger Lahntalsenke um die Stadt Marburg, die durch das Lahntal in den Marburger Rücken im Westen und die Lahnberge im Osten aufgeteilt wird. Es stellt in Geologie und Relief eigentlich einen Südwestausläufer des Burgwaldes dar, wird jedoch naturräumlich zum Marburg-Gießener Lahntal gezählt.

Auf dem maximal 370 m hohen Marburger Rücken liegen u. a. die höher gelegenen Innenstadtteile Marburgs, auf den bis 380 m hohen Lahnbergen u. a. die Hochhaussiedlung Richtsberg und die Universitätskliniken nebst diverser Institute. Das Tal der Lahn überragen diese Höhenzüge um bis etwa 200 m.

Marburger Rücken und Lahnberge liegen gänzlich im Landkreis Marburg-Biedenkopf, während die Marburger Lahntalsenke im Süden auch das Terrain des Landkreises Gießen berührt.

Naturräumliche Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Marburger Bergland gliedert sich wie folgt:[1]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologische Karte des östlichen Rheinischen Schiefergebirges mit der Umgebung Marburgs

Nachdem sie südlich der Frankenberger Bucht die Flüsse Wetschaft und Ohm aufgenommen hat, durchschneidet die Lahn bei Marburg ein mächtiges, in weiten Bereichen flach liegendes und überwiegend bewaldetes Schichtpaket des Buntsandsteins, der in der Unteren Trias abgelagert wurde.[1] Das Stadtbild wird deshalb bestimmt durch die tief liegenden Ablagerungen der Lahn in der Marburger Lahntalsenke und die im Westen und Osten aufragenden Höhen des Buntsandsteins.

Der Buntsandstein des Marburger Gebiets wird wie überall in der mitteldeutschen Trias in drei Einheiten unterteilt. Im Unteren Buntsandstein überwiegen feinkörnige Ton- und Schluffsteine, die im Randbereich eines flachen Meeres abgelagert wurden. Hauptgestein des Buntsandsteins bei Marburg ist der etwa 250 m mächtige Mittlere Buntsandstein. Seine wechselnd feinen bis groben, rötlichen Quarzsande und Sandsteine unterlagern die bewaldeten Höhen der Lahnberge und des Marburger Rückens. Der Obere Buntsandstein, auch Röt genannt, besteht ebenfalls aus Ton-, Schluff- und Sandsteinen.[2]

Nicht an der Oberfläche aufgeschlossen sind im Stadtgebiet die Gesteine des Zechsteins, die südlich, westlich und nordwestlich von Marburg den Buntsandstein am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges unterlagern. Sie wurden am Ostrand des flachen Zechsteinmeers abgelagert.[3] Sie werden hier am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges etwa 60 m mächtig.[2] Aus dem Muschelkalk und allen späteren Einheiten bis in das frühe Tertiär sind für den Marburger Raum keine Gesteine bekannt. Erst im Miozän im unteren Tertiär wurden im Raum des späteren Vogelsbergs Tone, Schluffe, Sande und Kiese abgelagert, in denen Quarzit-, Mergel- und Kalksteinbänke auftreten, auch Tuffitlagen und Braunkohle kommen vor.

Eine große Rolle in der geologischen Struktur der Marburger Umgebung spielen Störungen, die ab dem Oberen Jura und während des Tertiärs die Hessische Senke in ein Bruchschollenfeld zerlegten und verschieden alte Gesteine auf gleiches Niveau brachten. Die nur etwa fünf Kilometer westlich im Schiefergebirge bekannten Gesteine der Lahnmulde und ihrer benachbarten geologischen Strukturen wurden durch Bruchtektonik abgesenkt, und bilden in einigen hundert Metern unter der Oberfläche die Unterlage des Zechsteins und Buntsandsteins unterhalb Marburgs. Sie erscheinen im Nordosten im Kellerwald wieder an der Erdoberfläche.

In Zusammenhang mit der Bruchschollenbildung steht der Vulkanismus des Vogelsbergs, der wenige Kilometer südöstlich von Marburg den Buntsandstein und die ihn überlagernden Schichten des Miozäns weitflächig mit basaltischen Gesteinen überdeckt, die im Miozän vor 7 bis 20 Millionen Jahre vor heute gefördert wurden.[4]

Den zentralen Teil des Stadtgebietes unterlagern Schluffe, Sande und Kiese der Marburger Lahntalsenke, die nur wenig verfestigt sind. Sie wurden von der Lahn abgelagert, die ein Tal durch den Buntsandstein geschnitten hat und sich wenige Kilometer südlich der Stadt in den wenig widerständigen Gesteinen des Zechsteins deutlich ausweitet.

Marburger Lahntalsenke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marburger Lahntalsenke folgt der Lahn von oberhalb der Ohmmündung im Norden bis zur Mündung der Salzböde im Süden.

Die Lahnaue ist im Bereich der Stadt Marburg durch die Höhenzüge links (Lahnberge) und rechts (Marburger Rücken) der Lahn nur einen, maximal 2 km breit und dicht besiedelt, verbreitert sich jedoch ab dem Abklingen des Marburger Rückens deutlich. In diesem Gebiet wird das Tal auch stark landwirtschaftlich genutzt.

Orte und Zuflüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nacheinander passiert die Lahn die Gemeinden Cölbe, Marburg, Weimar, Fronhausen und Lollar.

Die wichtigsten Nebenflüsse und Seen (kursiv) der Marburger Lahntalsenke sind[5]
(Zur besseren Übersicht bzw. zur Sortierung flussabwärts sind in die DGKZ-Ziffern nach der 258 - Lahn - Bindestriche eingefügt!):

Beachte: „rechts“ heißt „westlich“, also auf einer Karte links!

Name


Lage


Länge

[km]
Einzugs-
gebiet
[km²]
Abfluss
(MQ)
[l/s]
Mündung
nach
[Lahn-km][6]

auf
[m. ü. NN]

in


Kreis

Herkunft
des Flusses
[ Naturraum ]
DGKZ


Ohm links 59,7 983,8 7950 58,7 188 oberh. Cölbe (r) MR Burgwald/Lahnberge 258-2
Zahlbach links 2,6 68,2 183 Marburg-Weidenhausen (l) MR Lahnberge (Klinikum) 258-31516
Pfaffengrundbach links 4,5 4,7 71,5 178 Marburg-Südbahnhof/Cappel (l) MR Lahnberge (Sonnenblick) 258-316
Eselsgrundbach links 4,4 73,0 176 Marburg-Cappel (l) MR Lahnberge (Frauenberg) 258-31712
Niederweimarer See rechts 75,4 176 Niederweimar (r) MR
Hilgerbach links 2,5 9,0 75,8 173 unterh. Ronhausen (l) MR Lahnberge 258-318
Allna rechts 19,1 92,0 665 77,1 172 Argenstein (r) MR Elnhausen-Michelbacher Senke 258-32
Wenkbach rechts 7,2 20,8 107 80,7 168 Roth MR Salzbödetal 258-332
Zwester Ohm links 20,0 69,5 405 84,0 165 Sichertshausen (l) MR Lahnberge/Vorderer Vogelsberg 258-334
Salzböde rechts 27,6 137,8 1322 87,4 164 Odenhausen (r) GI Krofdorf-Königsberger Forst 258-34

Umgebende Höhenzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Links der Lahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Burgwald berührt das Marburg-Gießener Lahntal nur im äußersten Norden. Unterhalb des Zuflusses der Ohm führen die Lahnberge seinen Buntsandsteinrücken nach Süden fort, die mit dem Zufluss der Zwester Ohm bei Fronhausen enden. Fortan begleitet das Basalt-Hochplateau des Vorderen Vogelsberges die Lahn östlich bis zum Gießener Becken.

Rechts der Lahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der westlich gelegene Marburger Rücken folgt dem Lahntal bis Niederweimar und wird vom gemäßigten Flachland des östlichen Salzbödetals (Teil des Gladenbacher Berglandes) abgelöst, Ab etwa Fronhausen begleitet der Krofdorf-Königsberger Forst (ebenfalls Gladenbacher Bergland) die Lahn westlich.

Blick vom Hasenkopf (320 m) nach Osten auf weitere Erhebungen des Marburger Rückens und die Lahnberge; Im Hintergrund Hohes Lohr (657 m) und Wüstegarten (675 m), die beiden höchsten Erhebungen des Kellerwaldes.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Karte und Beschreibung des 348 Marburg-Gießener Lahntals (348) im Umweltatlas Hessen (in neuem Fenster öffnen!)
  2. a b Karl Heinz Müller: Geologische Übersichtskarte von Hessen, Erläuterungen. (PDF; 482 kB) Hessisches Landesamt für Bodenforschung, 18 S., Wiesbaden
  3. Die berühmte Fossillagerstätte „Korbacher Spalte“. Marburger Geowissenschaftliche Vereinigung e.V
  4. Roland Walter et al.: Geologie von Mitteleuropa. 5. Auflage. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1992, ISBN 3-510-65149-9, S. 329 ff.
  5. Gewässerkartendienst des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hinweise)
  6. → "Lahn-km" = 245,6 - Angabe/WRRL

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]