Markus Kreitmayr

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Markus Kreitmayr (* 24. März 1968) ist ein Brigadegeneral des Heeres der Bundeswehr. Er ist Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr.[1][2]

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beförderungen

Kreitmayr trat 1987 beim Panzergrenadierbataillon 113 in der Nordgaukaserne in Cham in die Bundeswehr ein. Es folgte von 1987 bis 1989 die Ausbildung zum Offizier der Panzergrenadiertruppe und von 1989 bis 1990 eine Verwendung als Zugführer in der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112 in der Bayerwald-Kaserne in Regen. Im Anschluss studierte Kreitmayr Luft- und Raumfahrttechnik (Abschluss Diplom-Ingenieur (univ.)) an der Universität der Bundeswehr in München. Es folgte 1994 bis 1995 wiederum eine Verwendung als Zugführer in der 4. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112. Anschließend wurde Kreitmayr 1995 bis 1996 in einer Stabsverwendung als S3-Planungsoffizier beim Chef des Stabes des II. Deutsch-Amerikanischen Korps in der Wilhelmsberg-Kaserne in Ulm eingesetzt. Im Anschluss war er von 1996 bis 1999 als Kompaniechef der 2. Kompanie des Panzergrenadierbataillons 112 wieder in Führungsverantwortung. Von 1999 bis 2000 war er als Ausbildungsgruppenleiter am Regionalen Übungszentrum Infanterie in Hammelburg eingesetzt, bevor er von 2000 bis 2002 am 43. Generalstabslehrgang des Heeres (LGAN 2000) an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg teilnahm.

Dienst als Stabsoffizier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Verwendung im Generalstabsdienst erfolgte von 2002 bis 2004 als G2 bei der 14. Panzergrenadierdivision in Neubrandenburg. Anschließend war er Lehrgangsteilnehmer am Advanced Command and Staff Course am Joint Services Command and Staff College in Watchfield (Vereinigtes Königreich).

Von 2005 bis 2006 folgte die ministerielle Verwendung als Referent Fü S III 1 (Militärpolitische Grundlagen; Bilaterale Beziehungen) im Führungsstab der Streitkräfte im Bundesministerium der Verteidigung in Berlin. Von 2007 bis 2009 folgte eine Verwendung beim Kommando Spezialkräfte als Chef des Stabes.

Kreitmayr war von 2009 bis 2011 Kommandeur das Panzergrenadierbataillons 112 in Regen, von 2011 bis 2013 Adjutant des Inspekteurs des Heeres im Führungsstab des Heeres. Später folgte eine Verwendung im Kommando Heer in Bonn bzw. Strausberg. Von 2013 bis 2015 war er Faculty Member am United States Army War College, Carlisle (USA). Er nahm dabei am Distance Education Program (Abschluss Masters of Strategic Studies (M.S.S.)) teil.

Es folgte von 2015 bis 2016 die Stabsverwendung als Chef des Stabes der Division Schnelle Kräfte in Stadtallendorf. Anschließend wurde er von 2016 bis 2018 nach Berlin versetzt, wo er als Referatsleiter Managemententwicklung im Bundesministerium der Verteidigung diente.

Dienst als General[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 26. Juni 2018 ist Kreitmayr als Nachfolger von Brigadegeneral Alexander Sollfrank Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw sowie gleichzeitig General Spezialkräfte.[3] Auf diesem Dienstposten erhielt er im Dezember 2018 auch die Ernennung zum Brigadegeneral.

Munitionrückgabeaktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Aufklärung rechtsextremer Vorfälle innerhalb des KSK, in deren Zusammenhang auch verschwundene Munition gesucht wurde, schuf Kreitmayr für Angehörige des Kommandos von Anfang 2020 bis Ende April 2020 die Möglichkeit, unrechtmäßig oder sorglos angeeignete Munition anonym und damit straffrei zurückzugeben. In einem Schreiben der KSK-Führung an den Verband wurde dies als „Amnestie“ bezeichnet. Diverse Medien hielten dieses (in angloamerikanischen Verbänden nicht unübliche) Verfahren für unrechtmäßig und Kreitmayr als dazu nicht befugt. Bei der anonymen Rückgabe kamen mehrere zehntausend Schuss zusammen und insgesamt deutlich mehr Munition, als das KSK vermisst hatte. Zudem sollen sogar Handgranaten abgegeben worden sein.[4] Zumindest gegen einzelne Soldaten hätte ein Strafverfahren eingeleitet werden müssen, was laut Angaben der Tagesschau unterblieben ist. Nach Ansicht des Staatsrechtlers Ulrich Battis könne sich Kreitmayr der Strafvereitelung im Amt (§ 258 StGB) schuldig gemacht haben;[5] laut einem Bericht des Spiegel wussten jedoch auch das Kommando Heer sowie bestimmte Teile des Bundesverteidigungsministeriums über das Vorgehen Bescheid.[6] Im Strafprozess gegen den Stabsfeldwebel Philipp Sch., vormals 2. KSK-Kompanie, führte der Richter im Hinblick auf den KSK-Kommandeur aus: „Was hätte er denn erreicht, wenn er die Rückgabe der Munition mit einer Strafandrohung verbunden hätte? Nichts hätte er erreicht, weil kaum jemand etwas abgegeben hätte.“[7]

Der Bundeswehrverband gab Anfang März 2021 zu Kreitmayrs Person eine ausführliche Stellungnahme ab, die sich kritisch mit den Ermittlungen gegen ihn auseinandersetzt, weil das Ministerium vermutlich frühzeitig von der „Amnestie“ gewusst habe und Kreitmayr sonst ein „untadeliger“ Offizier sei.[8]

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer teilte am 21. März 2021 mit, dass sie disziplinäre Vorermittlungen gegen Kreitmayr eingeleitet habe, die aus Neutralitätsgründen von Wehrdisziplinaranwälten des Kommandos Sanitätsdienst der Bundeswehr durchgeführt werden. Kreitmayr bleibe bis zum Abschluss der Untersuchung auf seinem Kommandeursposten.[9] Anfang Mai 2021 beschlagnahmten Feldjäger die dienstlichen Kommunikationsgeräte des Kommandeurs. Sie setzten damit ein Amtshilfeersuchen der Staatsanwaltschaft Tübingen um.[10]

Auslandseinsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1997 SFOR Kompaniechef der 2. Kompanie des Gepanzerten Einsatzverbandes, Bosnien-Herzegowina
  • 2003/2004 KFOR Deputy J2/Chief All Sources Intelligence Center, Multinational Brigade Southwest, Kosovo
  • 2009 ISAF Kommandeur Einsatzverband Spezialkräfte (TF47), Afghanistan
  • 2010/2011 ISAF Chief Forward Planning Cell, Regional Command North, Afghanistan

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kreitmayr ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Passauer Neue Presse: Ehemaliger Regener Kommandeur ist jetzt Chef bei der Bundeswehr-Eliteeinheit. In: Bayerwald-Bote Regen - Nachrichten - Zeitung - Regen, Viechtach, Zwiesel. (pnp.de [abgerufen am 3. Dezember 2018]).
  2. Ralf Klormann: Calw – KSK: Neuer Kommandeur kommt. In: Schwarzwälder Bote. 5. Mai 2018, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  3. Matthias Schiermeyer: Viel Arbeit für den neuen KSK-Chef. In: https://www.stuttgarter-zeitung.de/. 26. Juni 2018, abgerufen am 11. Januar 2019.
  4. Thomas Wiegold: Neue Vorwürfe gegen das KSK: Amnestieaktion für gehortete Munition? Augen geradeaus! (Blog), 19. Februar 2021, abgerufen am 22. Februar 2021.
  5. Verdacht auf Strafvereitelung. Tagesschau, 19. Februar 2021, abgerufen am 22. Februar 2021.
  6. Matthias Gebauer: KSK-Affäre: Munitionssammlung war im Ministerium lange bekannt. Der Spiegel, 23. Februar 2021, abgerufen am 23. Februar 2021.
  7. Joachim Käppner Mildes Urteil für KSK-Soldat, Süddeutsche Zeitung, 13./14. März 2021, S. 5
  8. Stellungnahme des DBwV, abgerufen am 6. März 2021
  9. Peter Carstens: Nach Amnestie-Aktion: Ermittlungen gegen KSK-Kommandeur Kreitmayr. In: FAZ. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 22. März 2021]).
  10. Handy und Tablet von KSK-Kommandeur beschlagnahmt. In: Süddeutsche Zeitung, 3. Mai 2021.