Martin Keck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Martin Ekkehard Keck (* 15. Juli 1968 in Friedrichshafen) ist ein deutscher Mediziner und Neurowissenschaftler. Er ist Ärztlicher Leiter der Psychotherapeutischen Neurologie der Kliniken Schmieder in Gailingen am Hochrhein[1], und Mitgründer sowie Co-Geschäftsführer der Akademie und Gesundheitszentrum Kloster Frauenchiemsee[2].

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keck absolvierte ab 1988 sein Medizinstudium an der Universität Ulm und anschließend seine klinische Ausbildung in Ulm, München, Basel, London und Zürich. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Psychotherapie, Nervenheilkunde[3] (Schweiz: Facharzt für Neurologie FMH) und Allgemeinmedizin und zudem Supervisor an der Universität Basel, am Münchner VFKV sowie bei der Bayerischen Landesärztekammer.

Von 1996 bis 2005 war Keck am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München als wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuletzt als Sprecher des Forschungsbereichs „Angst und Depression“ sowie als Leiter der Ambulanz für Angsterkrankungen tätig. 2004 habilitierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 2005 vollendete er seine Dissertation in Neuropharmakologie an der Universität Utrecht und den Master of Science in Krankenhausmanagement an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln. Im Jahr 2010 erwarb er einen executive MBA an der Universität Zürich. Der vierfache Facharzt lehrt seit 2011 als außerplanmäßiger Professor an der medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

In den Jahren 2005 und 2006 arbeitete Keck als Oberarzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Ab 2006 war er an der Schweizer Klinik Clienia Schlössli in Oetwil am See/Zürich tätig, zuletzt, bis 2014, als Ärztlicher Direktor. Nach seiner Tätigkeit in der Schweiz wurde er 2014 als Direktor und Chefarzt an die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München berufen.

2016 wurde anonym der Vorwurf gegen Keck erhoben, er habe in seiner Habilitationsschrift plagiiert. Der von der LMU einberufene Untersuchungsausschuss stellte das Verfahren ein, da zwar ein Verstoß gegen die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis festgestellt worden sei, der Vorwurf grob fahrlässigen Verhaltens jedoch nicht erhoben werden könne.[4][5][6][7]

Im Juli 2019 wurde Keck als Chefarzt der Klinik für Psychiatrie des MPI fristlos entlassen. Kündigungsgrund soll der Verdacht auf Abrechnungsbetrug sein; Keck habe öffentliche Forschungsgelder für andere Zwecke verwendet.[8][9] Keck bestreitet das Fehlverhalten. Ein Ermittlungsverfahren wurde bereits im Februar 2017 eingeleitet[10] und im März 2021 endgültig gem. § 153 a StPO eingestellt, nachdem dieser eine Geldauflage in Höhe eines niedrigen 6-stelligen Betrages gezahlt hat. Während seiner Tätigkeit am Max-Planck-Instituts für Psychiatrie war er an der Aufdeckung der 1990 unvollständig durchgeführten Identifikation und Beisetzung von Euthanasie-Hirnpräparaten, welche sich im Archiv des Instituts befanden, beteiligt. Zusammen mit den anderen Verantwortlichen des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie machte er den damaligen Archivleiter, der 2015 selbst auf die Missstände hinwies, dafür verantwortlich und enthob ihn seiner Aufgabe[11]. Der Spiegel[12], Neue Zürcher Zeitung[13], Science[14], Süddeutsche Zeitung[15] sowie der US-amerikanische Fernsender NBC[16] berichteten ausführlich. Keck unterzeichnete zudem am 28. Juni 2019 die Hartheim-Deklaration, welche zukünftig Angehörigen ermordeter Patienten uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen gewährleisten soll[17].

Keck ist Gründer des Schweizer Facharzt-Vorbereitungsseminars Psychiatrie und Psychotherapie, welches 2018 sein zehnjähriges Jubiläum beging.[18] 2017 wurde Keck zum Vorstandsvorsitzenden des Münchner Bündnis gegen Depression gewählt,[19] dieses Amt legte er 2019 wieder nieder.[20] 2018 erfolgte die Wahl in das Kuratorium des Deutschen Museums in München.[21]

Forschung und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keck leitete am Max-Planck-Institut für Psychiatrie eine große Psychotherapie-Studie. Gesucht wurden Biomarker, die es in Zukunft beim individuellen Patienten ermöglichen sollen, bereits vor Beginn einer Behandlung deren Erfolgsaussichten zu beurteilen. Dazu wurde ein breites Spektrum psychologischer und biologischer Verfahren, wie Bildgebung (cMRT, fMRT) und molekulargenetische Methoden, angewandt. Die Studie soll darüber hinaus auch dem Vergleich dreier psychotherapeutischer Verfahren dienen: Psychotherapeuten werden depressive Patienten entweder mit der etablierten Kognitiven Verhaltenstherapie, mit der neueren Schematherapie oder einer individuell-unterstützenden Behandlung therapieren.[22][23][24][25]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Korrespondierender Beirat Schweizerische Gesellschaft für Angst und Depression (SGAD)[26]
  • Mitglied des Kuratoriums des Deutschen Museums München[27]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Publikationsliste von Martin E. Keck umfasst mehr als 100 Originalarbeiten, Übersichtsarbeiten und Buchbeiträge[28]
  • Martin Keck ist Erstautor der Schweizer Behandlungsleitlinien Angsterkrankungen, Zwangsstörungen und Posttraumatische Belastungsstörung[29]
  • Letztautor der Schweizer Behandlungsleitlinien Burnout[30]
  • Co-Autor der Schweizer Behandlungsleitlinien Unipolare Depression[31]
  • Die Auswirkungen dementieller Erkrankungen älterer Menschen auf pflegende Angehörige. Vergleich der senilen Demenz vom vaskulären Typ und der senilen Demenz vom Alzheimer-Typ unter besonderer Berücksichtigung der Symptomatologie. 1995, OCLC 64526496 (zugleich Dissertation, Ulm 1995).
  • Neurobiologische Wirkmechanismen antidepressiver Therapieverfahren. Pharmakotherapie und repetitive transkranielle Magnetstimulation im Tiermodell. 2003, OCLC 634854491 (zugleich Habilitationsschrift, München 2003).
  • Towards the neurobiological basis of antidepressant treatment strategies. Paroxetine, R121919 and repetitive transcranial magnetic stimulation in rats. 2005, OCLC 64526496 (zugleich Dissertation, Utrecht 2005).
  • mit Jürgen Drewe und Reinhard Saller: Pflanzliche Heilmittel in Psychiatrie und Psychosomatik (= Auf einen Blick). Ligatur, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-940407-49-8.
  • mit Jürgen Drewe und Reinhard Saller: Médicaments à base de plantes en psychiatrie et lors de manifestation psychosomatique. 10 tableaux (= D'un coup d'oeil). Ligatur, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-940407-51-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kliniken Schmieder. 10. Januar 2020, abgerufen am 22. Februar 2020.
  2. Akademie und Gesundheitszentrum Frauenchiemsee. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  3. § 6. Abgerufen am 13. April 2019.
  4. Christina Berndt: Mildes Urteil. In: sueddeutsche.de. 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 1. Februar 2019]).
  5. Fälschen ist nicht gleich Fälschen. 13. November 2018, abgerufen am 1. Februar 2019.
  6. Christina Berndt: Plagiatsvorwürfe gegen Münchner Klinikchef. In: sueddeutsche.de. 2016, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 1. Februar 2019]).
  7. Bayerischer Rundfunk Gabriele Knetsch: Max-Planck-Institut für Psychiatrie: Plagiatsvorwürfe gegen Martin Keck. 15. März 2017, abgerufen am 1. Februar 2019.
  8. Hermann Horstkotte: Münchner Klinikdirektor fristlos entlassen. Tagesspiegel, 30. Juli 2019, abgerufen am 16. Januar 2020.
  9. Andreas Thieme: Nach Rauswurf durch Max-Planck-Institut: Ex-Klinikchef droht mit Klage: „Werde mich wehren!“ TZ, 1. August 2019, abgerufen am 16. Januar 2020.
  10. Christina Berndt: München: Polizei durchsucht Max-Planck-Institut. Abgerufen am 7. März 2020.
  11. Christina Berndt: Hirnpräparate von Nazi-Opfern wurden nicht bestattet. Abgerufen am 7. März 2020.
  12. Conny Neumann: Präparate von Nazi-Opfern - Gehirne in der Gerümpelkammer. In: Der Spiegel. 4. März 2017, abgerufen am 22. Februar 2020.
  13. Annegret Czernotta: Mord in der Psychiatrie. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Januar 2017, abgerufen am 22. Februar 2020.
  14. Megan GannonJan. 5, 2017, 9:00 Am: Germany to probe Nazi-era medical science. In: Science. 5. Januar 2017, abgerufen am 22. Februar 2020 (englisch).
  15. Jakob Wetzel: Eine schreckliche Ahnung vom Schicksal. In: Süddeutsche Zeitung. 4. Juli 2019, abgerufen am 22. Februar 2020.
  16. NBC Fernsehbericht auf YouTube. In: NBC. 28. September 2017, abgerufen am 22. Februar 2020.
  17. Hartheim Deklaration. Gedenkinititaive für die Euthanasie-Opfer, 28. Juni 2019, abgerufen am 22. Februar 2020.
  18. Psychiatrie und Psychotherapie – 2018 | 14. Facharzt-Vorbereitungsseminar: State of the Art Weiterbildung. Abgerufen am 22. Februar 2020.
  19. Vorstand | Münchner Bündnis gegen Depression. Abgerufen am 13. März 2019.
  20. News. Abgerufen am 13. Mai 2021.
  21. Deutsches Museum: Deutsches Museum: Gewählte Mitglieder. Abgerufen am 13. März 2019.
  22. Die Vermessung der Depression. Abgerufen am 13. März 2019.
  23. Psychotherapie: Wie wirkt Psychotherapie? | Startseite | SWR odysso. 4. April 2018, abgerufen am 13. März 2019.
  24. Corinna Schöps: Psychotherapie: Wenn die Seele Hilfe braucht. In: Die Zeit. 7. Dezember 2016, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 13. März 2019]).
  25. Psychotherapiestudie OPTIMA. Abgerufen am 13. März 2019.
  26. SGAD | Schweizerische Gesellschaft für Angst und Depression - Vorstand. Abgerufen am 13. April 2019.
  27. Deutsches Museum: Deutsches Museum: Gewählte Mitglieder. Abgerufen am 13. März 2019.
  28. ResearchGate - Martin Keck. Abgerufen am 13. März 2019.
  29. Die Behandlung der Angsterkrankung. Abgerufen am 13. März 2019.
  30. Burnout Behandlung Teil-1: Grundlagen. Abgerufen am 13. März 2019.
  31. Die Akutbehandlung depressiver Episoden. Abgerufen am 13. März 2019.

[1]

  1. Münchner Klinikdirektor fristlos entlassen. Abgerufen am 9. September 2021.