Martin Richenhagen

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Martin Richenhagen beim Weltwirtschaftsforum 2009 in Davos.

Martin Richenhagen (* 1952 in Köln) ist ein deutsch-amerikanischer Manager im Ruhestand. Von 2004 bis 2020 war er CEO der AGCO Corporation. Er lebt in Duluth (Georgia, USA). Seit 2011 besitzt er auch die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er studierte nach dem Abitur am Hölderlin-Gymnasium in Köln-Mülheim Theologie, Philosophie und Romanistik an der Universität Bonn.[2] Nach Abschluss des Studiums arbeitete Richenhagen zunächst als Lehrer für katholische Religion und Französisch am Gymnasium der Stadt Frechen.

Nach seiner Verbeamtung entschloss er sich auf Anraten des ehemaligen BDI-Präsidenten Thumann, in die Wirtschaft zu wechseln.[3] Er arbeitete 1985–1995 bei Hille & Müller Stahl in Düsseldorf, 1995 bis 1998 als Senior Executive Vice President des Aufzug- und Rolltreppenherstellers Schindler Deutschland Holding GmbH, 1998 bis 2002 als Geschäftsführer der Claas KGaA mbH, 2003 bis 2004 als Vorstand der Forbo International SA in der Schweiz. Seit 2004 ist Richenhagen bei AGCO, dem weltweit drittgrößten Landmaschinenhersteller.[4] Am 20. August 2020 gab Richenhagen bekannt, dass er zum Jahresende 2020 in den Ruhestand gehe. Sein Nachfolger wurde per 1. Januar 2021 Eric Hansotia, der bisherige Chief Operating Officer des Konzerns.[5]

Seit November 2008 ist Richenhagen Chairman von AEM (Association of Equipment Manufacturers), dem US-Verband der Maschinenhersteller.[6] Im Dezember 2008 wurde Richenhagen zum Honorarprofessor für Management in der Agrartechnik an der TU Dresden berufen.[7] Richenhagen ist der einzige deutsche CEO eines US-Fortune-500-Unternehmens. Im Jahr 2004 betrug sein Gesamtgehalt 1,6 Millionen US-Dollar.[8]

Richenhagen ist verheiratet und hat drei Kinder. Er spricht neben Deutsch auch Englisch, Französisch und Italienisch fließend.[9] Im September 2017 bekam er von Peter Wittig im Namen des Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.[10]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem AGCO-Tochterunternehmen Fendt wollte Richenhagen das Arbeitssoll für die Produktionsstandorte in Deutschland erhöhen, von 35 auf 38,5 Wochenstunden ohne Ausgleich. Dieses Vorhaben scheiterte am Widerstand der Gewerkschaft IG Metall.[11] Der Streit wurde nach langen Verhandlungen Ende 2008 beigelegt. Der US-Konzern kündigte an, in den nächsten Jahren rund 170 Millionen Euro[12] im Allgäu zu investieren.[13]

Vor der US-Präsidentschaftswahl im November 2012 kritisierte er den Amtsinhaber Barack Obama heftig und warf ihm Versagen in der Wirtschaftspolitik vor.[14]

Im März 2018 trat Richenhagen von seinem Posten als Mitglied eines Beratergremiums des US-Präsidenten (President's Advisory Council on Doing Business in Africa) zurück aus Ärger darüber, wie Trump Außenminister Rex Tillerson entließ.[15] In einem Interview äußerte er danach, er habe immer gedacht, Trumps Populismus sei nur eine Masche, um die Wahl zu gewinnen. Trump bringe im kleinen Kreis dieselben einfachen Botschaften wie in Medienäußerungen. Er sei ungebildet, ein schlechter Zuhörer und er habe keine Ahnung von Wirtschaft. Trump umgebe sich „mehr und mehr mit Radikalen, Spinnern und Außenseitern.“ Trump sei überhaupt kein Unternehmer. Er habe sein Geld damit verdient, andere Leute über den Tisch zu ziehen.[16]

Pferdesport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Richenhagen als Dressurrichter bei der Siegerehrung beim Deutschen Dressurderby 2014

Richenhagen war lange Zeit als Dressurreiter aktiv und ritt Dressurprüfungen bis zur schweren Klasse. Im Jahr 2008 war er Equipechef der deutschen Dressurreiter beim CHIO Aachen und bei den Olympischen Reitersportwettbewerben in Hongkong. Bis 2014 war er internationaler Dressurrichter auf 4*-Niveau (der zweithöchsten Befähigungsstufe); Anfang 2017 zog er sich endgültig von der Richtertätigkeit zurück.[17]

Im November 2017 wurde bekanntgegeben, dass Richenhagen als Herausgeber der Zeitschrift Reiter Revue International tätig sein wird.[18]

Im Bereich des Studentenreitsports war er Gründungsmitglied des Akademischen Reiterclubs (ARC) Bonn und Cheforganisator der Deutschen Hochschulmeisterschaften Reiten 1978. Von 2006 bis 2010 war er Vorsitzender des Deutschen Akademischen Reiterverbandes. Für seine Verdienste um den deutschen Pferdesport wurde Richenhagen das Reiterkreuz in Silber verliehen.[19][20]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Richenhagen, Stefan Merx, Thomas Mersch: Der Amerika-Flüsterer. Mein Weg vom deutschen Religionslehrer zum US-Topmanager. Edel Books, Hamburg 2021, ISBN 978-3-8419-0761-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Akademischer Reiterverband e.V.: DAR-Online.de. In: dar-online.de. Archiviert vom Original am 28. September 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dar-online.de Abgerufen am 27. September 2015.
  2. Martin Richenhagen in der Notable Names Database (englisch)
  3. Manager im Ausland: "Der Berliner flucht - der Amerikaner sagt gar nichts", Gespräch geführt von Susanne Amann, Spiegel online
  4. Montagsporträt: Martin Richenhagen - The German Boss (Memento vom 3. April 2007 im Internet Archive), Jennifer Lachman / ftd.de
  5. AGCO: AGCO Announces Chairman and CEO Succession. Abgerufen am 21. August 2020 (amerikanisches Englisch).
  6. Construction Equipment Guide
  7. DAR-Chef Richenhagen wird Honorarprofessor an der TU Dresden (Memento vom 2. Januar 2009 im Internet Archive), Deutscher Akademischer Reitverband
  8. Gehaltsreport@1@2Vorlage:Toter Link/swz.salary.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Die Rossnatur in: FAZ vom 17. Dezember 2011, Seite C3
  10. Martin Richenhagen mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet@1@2Vorlage:Toter Link/www.pferd-aktuell.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , Deutsche Reiterliche Vereinigung, 20. September 2017
  11. Wolfgang Röhl: [ARCHIVE Martin Richenhagen: Jetter, Schlepper, Bauernfänger]. In: Stern. Stern. 25. November 2007. Archiviert vom Original am 27. September 2015. Abgerufen am 27. September 2015.
  12. top agrar online
  13. Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, Referat Invest in Bavaria@1@2Vorlage:Toter Link/www.invest-in-bavaria.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  14. Deutsche und die US-Wahl 2012: Wie ein deutscher US-Boss Obama beschimpft (Memento vom 5. Dezember 2012 im Internet Archive)
  15. manager-magazin.de 22. März 2018: Deutscher CEO verlässt Beratergremium von Trump
  16. Die Zeit 14/2018: „Er umgibt sich mit Spinnern“
  17. Martin Richenhagen nicht mehr als Grand Prix-Richter im Einsatz, Reiter Revue International, 25. Januar 2017
  18. Prof. Dr. Martin Richenhagen wird Herausgeber der Reiter Revue International, www.reiterrevue.de 17. November 2017
  19. Reiterkreuz in Silber für Martin Richenhagen (Memento des Originals vom 25. Mai 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pferde.de
  20. Martin Richenhagen in der Personendatenbank der FEI