Mediapart

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Mediapart

Beschreibung Französische Internet-Zeitung (entgeltlich)
Verlag Société Editrice de Mediapart
Erstausgabe 2008
Erscheinungsweise Täglich drei Ausgaben,

170.000 Online-Abonnenten (2019)

Chefredakteur Edwy Plenel (Directeur de la publication)
Weblink mediapart.fr

Mediapart ist eine französische Internet-Zeitung, die 2008 gemeinsam gegründet wurde von: François Bonnet (1995–2006 leitender Redakteur bei Le Monde), Gérard Desportes (früher u. a. Chefredakteur der Tageszeitung Libération), Laurent Mauduit (1994–2006 leitender Redakteur bei Le Monde) und Edwy Plenel (insgesamt 25 Jahre lang Redakteur bei Le Monde, 1996–2004 in leitender Funktion). Die Webseite enthält auch Beiträge auf Englisch und Spanisch.

Mediapart ist Mitglied der European Investigative Collaboration (EIC).

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einnahmen erzielt Mediapart nur durch zahlende Abonnenten, die Website beinhaltet keinerlei Werbung, was sowohl eine gute Qualität als auch die Unabhängigkeit von Konzernen ermöglichen soll.[1]

Um profitabel zu sein, benötigt die Zeitung laut Angaben des Mitgründers François Bonnet 50.000 Abonnenten[2][3]; diese Schwelle wurde Mitte 2011 überschritten[4]. Im November 2013 betrug die Zahl der Abonnenten 80.000[5], im Jahr 2016 waren es 130.000,[6] Ende 2019 rund 170.000.[7] In einem Interview anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Mediapart erklärte Mitgründer Edwy Plenel im März 2018:

„Ich hatte zehn Jahre lang Schulden, um dieses Medienunternehmen aufzubauen, und habe erst im Dezember 2017 mein letztes Darlehen zurückgezahlt! Heute steht Mediapart für 140.000 zahlende Abonnenten, 4.700.000 Einzelbesucher pro Monat, 85 Mitarbeiter, 13,7 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2017 und sieben gewinnbringende Jahre. Der Schlüssel zu unserem Erfolg ist Vertrauen. Unsere Abonnenten – wir nennen sie nicht ‚Leser’ oder ‚Nutzer’ – vertrauen uns selbst dann, wenn wir ihre Gewissheiten erschüttern.“[8]

Im März 2014 gab Edwy Plenel bekannt, dass die Zeitung ab 2015 in die Trägerschaft einer gemeinnützigen Gesellschaft (société à but non lucratif) überführt werden solle.[9] Inzwischen halten die Mitarbeiter und Gründer 44 % des Kapitals, die Gesellschaft der Freunde von Mediapart (Société des amis de Mediapart) 16,8 %, die Gesellschaft Doxa 31,8 % und der Fonds Ecofinace 6,3 %. Im Frühjahr 2017 wurde der Wert von Mediapart auf 11 Millionen Euro taxiert.[10] Nach Angaben aus dem Jahr 2019 erwirtschaftet die Zeitung 13,8 Millionen Euro Einnahmen und einen Reingewinn von zwei Millionen Euro.[11]

Nach dem Erlösmodell von Mediapart bezahlen die Nutzer zwischen fünf und neun Euro im Monat und erhalten dafür Zugang zu drei aktuellen Online-Ausgaben täglich sowie dem gesamten Archiv. Sie haben die Wahl zwischen zwei Bereichen: „Le Journal“ ist das redaktionelle Angebot der Journalisten, die nicht zuletzt investigativen Journalismus bieten wollen. Demgegenüber werden die Inhalte von „Le Club“ hauptsächlich von den Usern gestaltet und können ohne Abonnement gelesen werden; zum Verfassen von Beiträgen und Kommentaren muss man jedoch zahlendes Mitglied sein. Durch das Nebeneinander von redaktionellen Berichten, Blogs und Kommentaren sollen sich die verschiedenen Angebote ergänzen.[12]

Aufdeckung von Skandalen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weit über Frankreich hinaus wurde die Zeitung im Frühjahr 2010 bekannt, als sie Informationen publik machte, aus denen sich der Verdacht ergab, der Präsidentschaftswahlkampf 2007 von Nicolas Sarkozy sei möglicherweise auch durch illegale Spenden aus dem Vermögen der L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt finanziert worden.[13]

Im Oktober 2010 wurden mehreren Journalisten und Redaktionen, die sich mit der Bettencourt-Affäre intensiv befasst hatten, in einer Einbruchserie gezielt Notebooks und CDs entwendet. Neben Le Monde und Le Point war auch Mediapart davon betroffen.[14] Anschließend schrieben Mediapart und die satirische Zeitschrift Le Canard enchaîné, Staatspräsident Sarkozy lasse Journalisten abhören, die an der Aufklärung der Bettencourt-Affäre arbeiten. Der Generalsekretär des Elysée-Palastes Claude Guéant und der Chef des französischen Inlandsgeheimdienstes Bernard Squarcini kündigten daraufhin an, gegen Mediapart Anzeige wegen Verleumdung zu erstatten; Anfang 2011 wurde gemeldet, der Prozess solle im Oktober 2011 stattfinden.[15] Guéant, der unterdessen zum französischen Innenminister avanciert war, zog in der Sommerpause 2011 seine Klage „kommentarlos“ zurück.[16]

Im Frühjahr 2013 war Mediapart maßgeblich an der Aufdeckung der Cahuzac-Affäre beteiligt.[17] Der am 19. März 2013 entlassene französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hatte am französischen Fiskus vorbei hohe Geldbeträge im Ausland angelegt. Laut Mediapart-Chefredakteur Edwy Plenel löste diese Affäre „ein demokratisches Erdbeben“ aus, dessen Folgen nicht absehbar seien: „Nur weil eine kleine, unabhängige Redaktion wie Mediapart vier Monate lang stur blieb, ist diese Geschichte ans Licht gekommen und die Mauer der Lügen durchbrochen. Das ist nicht normal.“[18]

Ende Juni 2015 veröffentlichte Mediapart – zeitgleich mit der Tageszeitung LibérationWikiLeaks-Dokumente, aus denen hervorging, dass französische Unternehmen, aber auch die früheren Finanzminister Pierre Moscovici und François Baroin, vom US-amerikanischen Geheimdienst NSA ausspioniert worden sein sollen.[19]

Als im März 2018 gemeldet wurde, der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy werde in der so genannten Libyen-Affäre (angebliche Spenden des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi zur Finanzierung von Sarkozys Wahlkampf 2007) verhört, wurde daran erinnert, Mediapart habe entsprechende Vorwürfe bereits während des Präsidentschaftswahlkampfes 2012 veröffentlicht, nachdem es Unterlagen eines franko-libanesischen Geschäftsmannes ausgewertet hatte.[20]

Kritik an Position von Mediapart zum islamistischen Terror[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Mord an dem Lehrer Samuel Paty am 16. Oktober 2020 wurde Mediapart beschuldigt, zur Verharmlosung des gewaltbereiten Islamismus in Frankreich beigetragen zu haben. Innenminister Gérald Darmanin warf der Internet-Zeitung unter anderem vor, nie über die in Frankreich stark beachtete „Affäre Mila“ berichtet zu haben; die Jugendliche Mila hatte sich im Januar 2020 auf Instagram abfällig über den Islam geäußert, erhielt daraufhin Mord- und Vergewaltigungsdrohungen und musste unter Polizeischutz gestellt werden. Zudem klagte Darmanin gegen Mediapart wegen Verleumdung der Polizei, nachdem auf der Homepage der Internet-Zeitung die Erschießung des Attentäters Ansorow als Beispiel für die „barbarische Gewalt“ der Polizei bezeichnet worden war.[21]

Bereits im November 2017 hatte Laurent Sourisseau – genannt Riss –, Chefredakteur von Charlie Hebdo und ein Überlebender des Anschlags vom 7. Januar 2015 auf die Satirezeitschrift, den Chefredakteur von Mediapart, Edwy Plenel, beschuldigt, dass er Charlie Hebdo ein zweites Mal zum Tode verurteile; Plenel habe der Satirezeitschrift vorgeworfen, sie nehme an einem Feldzug gegen die Muslime teil.[22] Der Journalist Fabrice Nicolino, ebenfalls Überlebender des Terroranschlags auf Charlie Hebdo, warf Plenel im September 2020 vor, „als Erklärungen verkleidete Argumente“ geliefert zu haben, „um Gewalt und Terror zu rechtfertigen“.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harriet Wolff: „Wir sind entspannt“. In: Die Tageszeitung: taz. 22. September 2018, ISSN 0931-9085, S. 23 (taz.de [abgerufen am 17. Oktober 2018]).
  2. Siehe Mediapart.fr: die Pioniere des Paid Content (Memento vom 8. August 2010 im Internet Archive), Meedia Topstory vom 1. Juni 2010; ferner Wir lassen uns nicht einschüchtern, taz online vom 30. Januar 2011.
  3. Skeptisch zu den Überlebensaussichten dieser entgeltlichen Internetzeitung Thomas Knüwer: Mediapart – der falsche Traum (Memento vom 14. Juni 2010 im Internet Archive), Handelsblatt-Blog, 24. März 2009.
  4. So Stefan Ulrich: „Keine Fesseln mehr“, Süddeutsche Zeitung online vom 14. Juni 2011.
  5. Jutta Sommerbauer: Das französische Onlinemedium »Mediapart« finanziert sich nur durch Abos. Dabei ist es sogar hochprofitabel. "Die Presse", Print-Ausgabe, 17. November 2013
  6. Siehe Mediapart a neuf ans : nos comptes, nos résultats, Redaktionsblog vom 9. März 2017.
  7. Siehe Edwy Plenel: Mediapart publie ses comptes et résultats 2019, Mediapart, 10. März 2020 (abgerufen 17. Juli 2020).
  8. Siehe After 10 years, could French independent publisher Mediapart be a model for the whole news industry? Global Editors Network, 8. März 2018.
  9. Siehe Mediapart a 7 ans : voici nos comptes, Redaktionsblog vom 12. März 2015.
  10. Siehe Combien vaut Mediapart? BFM Business, 3. März 2017.
  11. Siehe Jürg Altwegg: Alter Trotzkist auf Ministerjagd, FAS vom 4. August 2019, S. 6.
  12. Siehe Einzelnachweis 1 sowie Lena Bopp: Online-Journalismus: Es ist etwas weniger komfortabel, FAZ online, 5. Juni 2009.
  13. Siehe z. B. Sascha Lehnartz: Die verlorene Ehre des Präsidenten Sarkozy, Welt online, 7. Juli 2010.
  14. Siehe Die Handschrift der Geheimdienste, FAZ online vom 2. November 2010.
  15. Siehe Elysée erstattet nach Bespitzelungsvorwurf Anzeige gegen Medien, Der Standard online vom 6. November 2010 und Le procès Guéant/Mediapart en octobre, Le Figaro online vom 6. Januar 2011 (abgerufen am 4. August 2019).
  16. Siehe Jürg Altwegg: Drei Kugeln in den Kopf, FAZ vom 3. September 2011, S. 33.
  17. Siehe Adrian Lobe: Ein gefährlicher kleiner Fisch unter Haien, NZZ online vom 2. April 2013; Tanja Kuchenbecker: Gefürchtet bei Politikern, Handelsblatt online vom 4. April 2013; Michaela Wiegel: Der Journalist, der Hollande in Bedrängnis brachte, FAZ online vom 4. April 2013.
  18. Siehe Michaela Wiegel: Ein Hauch von fin de règne, FAZ online vom 3. April 2013.
  19. Siehe NSA soll auch französische Wirtschaft ausspioniert haben, Deutschlandfunk, 30. Juni 2015.
  20. Siehe Sarkozy und die Gaddafi-Millionen, tagesschau.de, 20. März 2018 (abgerufen 20. März 2018).
  21. Jürg Altwegg: Wer wäscht seine Hände in Unschuld? FAZ vom 24. Oktober 2020, S. 14.
  22. Charlie Hebdo. Riss accuse Plenel de „condamner à mort“ la rédaction, Ouest-France vom 14. November 2017. Siehe auch Fabrice Nicolino: À l’attention de monsieur edwy plenel, l’homme qui n’était au courant de rien, Charlie Hebdo vom 15. November 2017.
  23. Le procès des mots, Charlie Hebdo vom 16. September 2020.