Messinghausen

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Messinghausen
Stadt Brilon
Wappen der ehemaligen Gemeinde Messinghausen (bis 1975)
Koordinaten: 51° 23′ 30″ N, 8° 40′ 24″ O
Höhe: 397 (365–560) m ü. NN
Fläche: 9,41 km²
Einwohner: 798 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 85 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 59929
Vorwahl: 02963
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Lage der Ortschaft Messinghausen innerhalb des Stadtgebiets von Brilon
Luftbild (2013)
Luftbild (2013)
alte Knappschaftsfahne Messinghausen

Messinghausen ist ein dörflicher Stadtteil von Brilon im Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Die Ortschaft war bis Ende 1974 eine selbstständige Gemeinde und liegt an der Grenze zu Marsberg und Diemelsee. Am 31. Dezember 2013 hatte Messinghausen nach Angaben der Stadtverwaltung Brilon 798 Einwohner.[1]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Messinghausen liegt etwa sieben Kilometer östlich der Kernstadt im tief eingeschnittenen Tal der nordöstlich fließenden Hoppecke, die hier eine Höhenlage von zirka 366 m ü. NN hat. Südlich des Orts ragt der Hansenberg bis auf 560 m ü. NN auf; der Im Norden liegende Sticklenberg hat eine Höhe von 507 m. Weitere Berge in Umkreis von Messinghausen sind der Essenberg (545 m) in Südosten und der Eisenberg (561 m) im Osten.

Benachbarte Orte sind im Uhrzeigersinn die Briloner Ortsteile Bontkirchen in Süden, Hoppecke im Südwesten, Rösenbeck im Norden. Zu Marsberg gehören die Orte Beringhausen, Padberg und Helminghausen. Im Südosten liegen die Gemeinde Diemelsee und die namensgebende Diemeltalsperre.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Messinghausen 1101 in der Gründungsurkunde des Klosters Boke. Darin stattete Graf Erpo von Padberg das Kloster mit Besitz in Messinghausen aus. Nach der Verlegung des Klosters ins waldeckische Flechtdorf wurde diese Angabe 1120 durch Kurköln bestätigt.

1311 wurde das Dorf von Ambrosius von der Norderenbeke an das Kloster Bredelar verkauft. Die Klosterherrschaft dauerte bis zur Aufhebung des Klosters im Jahr 1804. Schon im Jahre 1802 war das Herzogtum Westfalen und damit Messinghausen im Zuge der Säkularisation des Kurfürstentums Köln an die Landgrafenschaft Hessen-Darmstadt gelangt. Nach den Befreiungskriegen wurde Westfalen eine preußische Provinz.

Im Jahr 1944 wurde beim Kalkwerk mit dem Bau eines Hydrierwerks für Treibstoff durch ausländische Gefangene begonnen.[2] Ein Gefangener aus Italien starb und wurde auf dem Dorffriedhof begraben. Im Februar 1945 wurde bei einem Tieffliegerangriff auf einen Zug eine ausländische Gefangene schwer verwundet, so dass sie im Marsberger Krankenhaus verstarb. Anfang März stürzte ein brennendes Flugzeug der Briten am Hansenberg ab. Ein Soldat welcher sich durch Fallschirm retten konnte wurde gefangen genommen. Aus dem Flugzeugwrack wurde nach Kriegsende eine Leiche geborgen und auf dem Dorffriedhof begraben. Am 15. März wurde eine Lokomotive im Bahnhof durch Tiefflieger getroffen. Um den 24. März erreichten 26 Sturmgeschütze der Wehrmacht das Dorf und blieben dort, da Benzin fehlte. Als am 29. Truppen der US-Army Brilon erreichten, fuhren drei der Sturmgeschütze Richtung Brilon. Nach dem eins davon abgeschossen wurde kamen die anderen beiden zurück. Die deutschen Sturmgeschütze wurden von ihren Besatzungen außerhalb des Dorfes gesprengt. Kampflos rückten US-Truppen ins Dorf und nahmen die deutschen Soldaten im Dorf gefangen. Im Dorf wurden später 200–300 ehemalige ausländische Gefangene untergebracht. Bis zum Abtransport der ehemaligen Gefangenen Ende 1945 kam es zu Überfällen und Plünderungen. Am 19. Oktober 1945 ermordeten Unbekannte zwei Einwohner von Messinghausen.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 65 Messinghäuser als Soldaten, weit überwiegend an der Ostfront, oder starben in Gefangenschaft.[3]

Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde die Gemeinde Messinghausen am 1. Januar 1975 zu einem Stadtteil von Brilon.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der ehemaligen Gemeinde

Blasonierung:

In Silber über blauem gewellten Schildfuß schwarzer Hammer und Schlägel ins Andreaskreuz gestellt.[5]

Beschreibung:

Der blaue Schildfuß weist auf die Hoppecke hin, in deren Tal Messinghausen liegt. Hammer und Schlägel symbolisieren die Eisengruben und Steinbrüche, in denen die Bewohner früher ihren Broterwerb hatten. Das Wappen der ehemaligen Gemeinde Messinghausen wurde am 16. März 1954 genehmigt.[5]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche:

Die in den Jahren 1967/68 gebaute Kirche St. Vitus (Messinghausen) hat die ehemalige Dorfkirche ersetzt, von der heute nur noch der Kirchturm erhalten ist. Der Innenraum der neuen Kirche wurde durch den Bildhauer Theodor Sprenger gestaltet.

Konstatinkreuz:

Anlässlich der 1600-Jahr-Feier zur Beendigung der Christenverfolgungen durch Kaiser Konstantin wurde auf dem Sticklenberg ein 7 m hohes Kreuz errichtet.

See im Berg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

aus der Luft

Bekannt ist Messinghausen für den See im Berg, der bei Tauchern wegen seiner außergewöhnlich guten Sichtverhältnisse sehr beliebt ist. Der See liegt südwestlich vom Ortskern und ist über 45 Meter tief. Bereits mehrmals ist es zu Tauchunfällen mit teils tödlichem Ausgang gekommen.[6][7]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schützenfest

Die örtliche Schützenbruderschaft St. Vitus 1835 gestaltet alljährlich ihr Schützenfest an dem Wochenende, das dem St. Vitus Tag (15. Juni) am nächsten liegt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Kalksteinbruch und der Firma Rheinkalk östlich Messinghausen

Einige Arbeitsplätze bieten die Kalkindustrie, kleinere Gewerbebetriebe und wenige Landwirte an. Der Tourismus, der 1980 mit 27.412 Übernachtungen einen Höhepunkt erreichte, hat heute kaum noch Bedeutung. Die Erwerbstätigen pendeln überwiegend zum Akkumulatorenwerk nach Hoppecke oder nach Brilon.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Messinghausen

Messinghausen liegt an der L 870, die von Brilon über Hoppecke nach Bredelar führt, wo sie in die Bundesstraße 7 einmündet. Über selbige erreicht man die Bundesautobahn 44 bei Westheim.

Im öffentlichen Nahverkehr verbindet die Buslinie R91 Messinghausen mit Brilon und Marsberg. Die Linie verkehrt im Stundentakt, zu Stoßzeiten im 30-Minuten-Takt.

Messinghausen liegt zwar an der Oberen Ruhrtalbahn, doch wird der Bahnhof heute nur noch von zwei Zugpaaren montags bis freitags im Personenverkehr bedient. Der nächste Bahnhof liegt in Bredelar. Dieser wird mit Regionalexpresszügen im Stundentakt in Richtung Hagen und Warburg bedient.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945 – Erlebnisberichte vieler Mitarbeiter aus dem ganzen Kreisgebiet. Josefs-Druckerei, Bigge 1955.
  • Alfred Bruns Amt Thülen Geschichte und Überlieferung Druckerei Karl Hecker Brilon 1974

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerstatistik 31.12.2013. Stadt Brilon, abgerufen am 18. Januar 2014 (PDF, 10,8 kB).
  2. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945. 1955, Abschnitt Messinghausen, S. 55–56.
  3. Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939-1945. 1955, Ehrentafel Abschnitt Messinghausen, S. 241–243.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 332.
  5. a b Eduard Belke, Alfred Bruns und Helmut Müller, Kommunale Wappen des Herzogtums Westfalen – Kurkölnisches Sauerland, Arnsberg 1986, Seite 167
  6. [1]
  7. [2]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]