Bahnhof Schwerte (Ruhr)

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Schwerte (Ruhr)
Bahnhofsgebäude
Bahnhofsgebäude
Daten
Lage im Netz Kreuzungsbahnhof
Bahnsteiggleise 6
Abkürzung ESRT
IBNR 8000037
Kategorie 4
Eröffnung 1. April 1867
Profil auf Bahnhof.de Schwerte__Ruhr_
Lage
Stadt/Gemeinde Schwerte
Land Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 51° 26′ 30″ N, 7° 33′ 31″ OKoordinaten: 51° 26′ 30″ N, 7° 33′ 31″ O
Höhe (SO) 127,4 m ü. NHN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen
i16

Der Bahnhof Schwerte (Ruhr) ist ein Eisenbahnknotenpunkt in der mittleren kreisangehörigen Stadt Schwerte in Nordrhein-Westfalen. Er ist laut nordrhein-westfälischem Denkmalschutzgesetz als Kulturdenkmal eingestuft.[4] Der Bahnhof ist in die Bahnhofskategorie 4 eingestuft.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof noch mit Formsignalen, 2005

Der Bahnhof wurde von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft am 1. April 1867 mit dem Abschnitt HengsteyHolzwickede[6] der Bahnstrecke von Hagen nach Unna eröffnet und für den Verkehr freigegeben.[7] Am 1. Juni 1870 ging das Teilstück von Schwerte nach Arnsberg der Oberen Ruhrtalbahn in Betrieb. Damit wurde Schwerte ein bedeutender Knotenpunkt, besonders für die vielen Kohlenzüge zwischen dem Ruhrgebiet und Mitteldeutschland. Der sich rasant entwickelnde Rangierbetrieb führte gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Bau eines Ringlokschuppens, einer Werkstatt und zahlreichen Zugbildungs- und Abstellgleisen. 1910 kam die Strecke nach Iserlohn und 1912 jene nach Dortmund-Hörde hinzu. Ab 1911 entstand an der Oberen Ruhrtalbahn der nahe Rangierbahnhof Geisecke. Beim Ausbau der Gleisanlagen wurden mehrere Über- und Unterführungen errichtet, um Behinderungen der Zugfahrten mit den Rangierbewegungen weitgehend auszuschließen. Mit 2000 Wagen pro Tag erreichte der zweiseitige Verschiebebahnhof 1913 seine volle Leistungsfähigkeit.[6]

Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Eisenbahnausbesserungswerk wurde Schwerte aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage an mehreren Hauptstrecken gewählt. Auf dem bis dahin landwirtschaftlich genutzten, 2,5 ha großen Gelände in Schwerte Ost begannen die ersten Vorarbeiten im Sommer 1914. Der Erste Weltkrieg sowie Verzögerungen bei den Genehmigungs- und Finanzierungsverfahren verzögerten die Fortführung bis zum 1. Januar 1919. Kostensteigerungen und Streiks störten wiederholt den Fortgang der Baumaßnahmen. Am 1. Oktober 1922 konnte das Werk schließlich eröffnet werden. Es umfasste drei große Schiebebühnenfelder, eine Lokomotivrichthalle, eine Schmiede, eine Dreherei, eine Kesselschmiede und eine Gießerei sowie Lager- und Verwaltungsgebäude. Zunächst wurden die preußischen Gattungen G 7, G 8, G 10, G 12, T 12, T 14, T 16, P 8 und P 10 in Schwerte ausgebessert.[6]

Der mit der Bahn verbundene wirtschaftliche Aufschwung brachte der Stadt zwischen 1885 und 1910 eine Vervierfachung der Einwohnerzahl. 1920 begann der Bau der Kreinberg-Siedlung in Schwerte-Ost, die 1935 fertiggestellt wurde. Diese Siedlung diente als Werkssiedlung für die Arbeiter des Eisenbahnausbesserungswerks, wo 1925 ca. 1600 Personen tätig waren. Die folgenden, von Krisen geprägten Jahre brachten Kurzarbeit und Entlassungen mit sich. Ab 1933 nahm die Belegschaft wieder zu. 1938 wurden von über 2300 Arbeitern rund 1100 Lokomotiven ausgebessert, darunter ab 1936 auch Schnellzuglokomotiven der Baureihen 03 und anderen. 1942 wurde die Ausbesserung der 20 000. Lokomotive gefeiert.[6]

Im Juni 1940 wurde der Bahnhof eines der Hauptangriffsziele des britischen Bomber Command im Ruhrgebiet. Am 31. Mai 1944 folgte der schwerste Luftangriff auf Schwerte, als US-amerikanische Bomber den Verschiebebahnhof attackierten. Über 217 Menschen wurden dabei getötet.

Da im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Arbeiter zur Front einberufen oder zu anderen Diensten abbeordert waren, wurden im 1922 in Schwerte-Ost eingerichteten Eisenbahnausbesserungswerk zunehmend Frauen beschäftigt. 1942 wurde dort die Wochenarbeitszeit auf 63 Stunden heraufgesetzt. 1944 wurde eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet, die inhaftierten Menschen wurden zur Arbeit im Ausbesserungswerk gezwungen. In jenem Jahr waren 4000 Personen dort beschäftigt.[6]

1945 endete der Betrieb im Bahnhof Geisecke, der während des Zweiten Weltkriegs zu den größten Rangierbahnhöfen Westdeutschlands gehört hatte. Aufgrund der Kriegsschäden blieb auch das Ausbesserungswerk zwei Wochen lang geschlossen. 1949 verließ die 30 000. Lok dessen Hallen, 161 wurde die 40 000. ausgebesserte Lok verzeichnet. Die Deutsche Bundesbahn unterhielt in Schwerte vor allem Lokomotiven der Baureihen 42, 50 und 56. Zur Kompensierung der rückläufigen Anzahl von Dampflokomotiven rückte in den 1960er Jahren zunehmend die Unterhaltung von Güter- und Sonderwagen in den Vordergrund, auch Schneepflüge, Spreng- und Heizkesselwagen wurden gewartet. 1966 wurde erstmals die Schließung des Ausbesserungswerks erwogen, das Ende jenes Jahres nur noch 1200 Mitarbeiter zählte. Die Dampflokausbesserung endete am 25. Oktober 1967 mit einer Belegschaft von 700 Arbeitern. Die Zuteilung aller DB-eigenen Tiefladewagen, die Zerlegung ausgemusterter Lokomotiven und die Aufbereitung von Hemmschuhen, Instrumenten und Lampen beschäftigte bis 1980 noch knapp 500 Personen. 1983 wurde das Werk endgültig geschlossen.[6]

Bis 2007 wurden die Bahnhofsanlagen von elektromechanischen Stellwerken gesteuert[8], es standen noch Formsignale.

Im Jahr 2011 folgte die Deutsche Bahn AG (DB) einem Antrag der Stadtverwaltung Schwerte und dem Verein der Eisenbahnfreunde in Schwerte und taufte einen ICE auf den Namen Schwerte.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schienenpersonenfernverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Züge des Fernverkehrs halten seit 2002 nicht mehr in Schwerte, die stündlichen ICEs der Relation Berlin–Köln fahren durch. Anfang 2016 wurde bekanntgegeben, dass ab Dezember 2019 wieder Intercity-Züge auf der Strecke Frankfurt–Münster in Schwerte halten sollen.[10]

Anfang des 20. Jahrhunderts hielten Schnellzüge im Verkehr zwischen dem Raum Köln und Mittel- bzw. Ostdeutschland, ab den 1930er Jahren Züge zwischen Bad Wildungen und Arnheim. 1941 verkehrte ein durchgehender Fronturlauber-D-Zug Brest-Litowsk–Bebra–Arnsberg–Aachen–Brüssel–Ostende.

Das D-Zug-Paar Amsterdam–Bad Wildungen verkehrte bis 1991, zudem liefen D-Züge nach Kassel, Leipzig und Berlin. Mit Systemhalt in Schwerte verkehrte die Interregiolinie 22 letztmals im Jahr 2002.[6]

Schienenpersonennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Bahnhof Schwerte (Ruhr) halten vier Linien des Nahverkehrs. Stündlich kann man mit dem Regionalverkehr in alle größeren benachbarten Städte wie Dortmund, Hagen, Münster, Köln oder Düsseldorf fahren. In der nachfolgenden Tabelle finden sich alle Linien des Schienenpersonennahverkehrs, die Schwerte bedienen.

Linie Verlauf Takt Betreiber
RE 7 Rhein-Münsterland-Express:
Rheine – Emsdetten – Greven – Münster Hbf – Münster-Hiltrup – Drensteinfurt – Hamm (Westf) – Bönen – Unna – Holzwickede – Schwerte – Hagen Hbf – Ennepetal (Gevelsberg) – Schwelm – Wuppertal-Oberbarmen – Wuppertal Hbf – Solingen Hbf – Opladen – Köln Messe/Deutz – Köln Hbf – Dormagen – Neuss Hbf – Meerbusch-Osterath – Krefeld-Oppum – Krefeld Hbf
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min National Express
RE 13 Maas-Wupper-Express:
Hamm (Westf) – Bönen – Unna – Holzwickede – Schwerte (Ruhr) – Hagen Hbf – Ennepetal (Gevelsberg) – Schwelm – Wuppertal-Oberbarmen – Wuppertal-Barmen – Wuppertal Hbf – Wuppertal-Vohwinkel – Düsseldorf Hbf – Neuss Hbf – Mönchengladbach Hbf – Viersen – Dülken – Boisheim – Breyell – Kaldenkirchen – Venlo
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min eurobahn
RE 17 Sauerland-Express:
Hagen Hbf – Schwerte (Ruhr) – Fröndenberg – Wickede – Neheim-Hüsten – Arnsberg – Oeventrop – Freienohl – Meschede – Bestwig – Olsberg – Brilon Wald – Bredelar – Marsberg – Westheim – Scherfede – Warburg – Hofgeismar – Kassel-Wilhelmshöhe
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
60 min DB Regio NRW
RB 53 Ardeybahn:
Dortmund Hbf – Dortmund Signal-Iduna-Park – Dortmund-Hörde – Dortmund-Aplerbeck Süd – Schwerte (Ruhr) – Ergste – Hennen – Kalthof (Märkischer Kreis) – Iserlohnerheide – Iserlohn
Stand: Fahrplanwechsel Dezember 2015
30 bis 60 min DB Regio NRW

Öffentlicher Straßenpersonennahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der nachfolgenden Tabelle finden sich alle Buslinien, die Schwerte bedienen.

Linie Verlauf Betreiber
R30 ZOB/Bahnhof, Schwerte – Werner-Steinem-Platz – Ruhrtalmuseum – Ev. Krankenhaus – Schützenstraße – Schulzentrum Gänsewinkel – Lichtendorf Sölderstraße – Geisecke Naust – Geisecke Bahnhof – Geisecke Post – Rheinen Wellenbad – Hennen Marktplatz – Hennen Bahnhof – Kalthof Sterkenkamp – Kalthof Mitte – Schapker Weg – Ortlohnstraße – Hauptpost – Iserlohn Rathaus – Unnaer Platz – Stadtbahnhof, Iserlohn DB Westfalenbus
C31 Holzen Heideweg, Dortmund – Erikastraße – Holzen Zum Prinzenwäldchen – Holzen Luisenstraße – Nickelfabrik – ZOB/Bahnhof, Schwerte – Werner-Steinem-Platz – Ruhrtalmuseum – Ostenstraße Stadtbad – Wittekindstraße – Gymnasium – Hermannstraße – Kreinberg – Römerstraße – Schwerterheide, Schwerte Lücke Reisen
(im Auftrag der VKU)
C32 ZOB/Bahnhof, Schwerte – Werner-Steinem-Platz – Ruhrtalmuseum – Villigst Alte Lay – Villigst Bachstraße – Ergste Elsebad – Ergste Bahnhof – Ergste Amtshaus – Ergste Im Wietloh Quecke Reisen
(im Auftrag von VKU/BRS)
C33 ZOB/Bahnhof, Schwerte – Kath.Krankenhaus/RTG – Bergische Straße – Osthellweg – Agnes-Miegel-Straße – Regenbogenstraße – ZOB/Bahnhof, Schwerte – Kath. Krankenhaus – Schwerte Post – ZOB/Bahnhof, Schwerte – Regenbogenstraße – Agnes-Miegel-Straße – Osthellweg – Bergische Straße – Kath. Krankenhaus, Schwerte – Schwerte Post – ZOB/Bahnhof, Schwerte Quecke Reisen
(im Auftrag der VKU)
R50 ZOB/Bahnhof, Schwerte – Werner-Steinem-Platz – Ruhrtalmuseum – Ev. Krankenhaus – Schützenstraße – Schulzentrum Gänsewinkel – Lichtendorf Sölderstraße – Geisecke Post – Geisecke Bahnhof – Geisecke Gemeindehaus – Lichtendorf, Dortmund DB Westfalenbus
430 ZOB/Bahnhof, Schwerte – Schwerte Post – Talweg – Bergstraße – Freischütz – Schwerter Wald – Berghofen Zentrum – Kleiberweg – Hörde Bahnhof, Dortmund DSW21
594 ZOB/Bahnhof, Schwerte – Werner-Steinem-Platz – Wandhofen – Tannenstraße – Reichshofstraße – Ruhrbrücke – Külpestraße – Turmstraße – Bauhaus – Hauptbahnhof Hagen DB Rheinlandbus

Weitere Bahnhöfe in Schwerte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerte verfügt über einen weiteren Bahnhof im Stadtgebiet, den Bahnhof Ergste an der Bahnstrecke Dortmund–Iserlohn. Er wird stündlich von Regionalzügen bedient. Die Station Schwerte Ost an der Oberen Ruhrtalbahn ist außer Betrieb.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bahnhof Schwerte (Ruhr) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
NRWbahnarchiv von André Joost

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtverwaltung Schwerte – Auflistung aller Denkmäler in Schwerte (PDF; 290 kB), abgerufen am 10. Februar 2013
  2. Bahnhofskategorieliste 2017. DB Station&Service AG, 16. Dezember 2016, abgerufen am 14. Februar 2017 (PDF).
  3. a b c d e f g Knoten am Rande des Potts in: Lok Magazin 5/2018, S. 40 ff.
  4. André Joost: BetriebsstellenArchiv Schwerte (Ruhr). In: NRWvbahnarchiv. Abgerufen am 25. Juni 2017.
  5. Holger Kötting: Stellwerksliste, abgerufen am 19. August 2016
  6. PM ICE Schwerte braust bald durch Deutschland (PDF-Datei; 55 kB)
  7. Artikel in den Ruhrnachrichten vom 27. Januar 2016, abgerufen am 27. Januar 2016