Metropolico

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Metropolico ist ein deutsches Internetportal von blu – Das Netzwerk e.V. mit Sitz in München-Schwabing. Es wurde 2012 als Blu-News gegründet und 2015 in Metropolico umbenannt. Es wird von Christian Jung betrieben, der bayerischer Landesvorsitzender der rechtspopulistischen Partei Die Freiheit war.[1] Das Portal versteht sich selbst als „bürgerlich, liberal und unabhängig“,[2] Beobachter rechnen es mehrheitlich dem politisch rechten Spektrum zu und verorten es bisweilen im Rechtspopulismus.

Inhalte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den Rubriken „News“, „Meinungen“ (Gastautoren waren u.a. Hans-Peter Raddatz und Wolfgang Hübner), „Hintergründe“, „Regional“, „Schwerpunkte“ und „Kampagnen“ bietet Metropolico auch Metropolico-TV an. Als Interview- und Gesprächspartner standen dem Portal u.a. Jörg Urban (AfD, MdL Sachsen), Frauke Petry (AfD, MdL Sachsen),[3] Alexander Gauland (AfD, MdL Brandenburg), Armin-Paul Hampel (AfD), Beatrix von Storch (AfD, MdEP für Deutschland), Thilo Sarrazin (SPD), Ismail Tipi (CDU, MdL Hessen), Gerhard Eck (CSU, MdL Bayern, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern), Sebastian Frankenberger (ÖDP), Jan Timke (BIW, MdBB), Kathrin Oertel (PEGIDA)[4] sowie die Publizisten Lars Hedegaard, André F. Lichtschlag und Felix Krautkrämer zur Verfügung. Metropolico berichtete u.a. zu Pegida, HoGeSa, der AfD, den Freien Wählern Frankfurt (heute Bürger für Frankfurt) und zum Thema Linksextremismus. Ein Bericht von Metropolico war im April 2015 Gegenstand einer Kleinen Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Biesenbach im Landtag Nordrhein-Westfalen.[5]

Die Frankfurter Polizei legte im Verfahren um die Rechtmäßigkeit des Polizeieinsatzes bei der Blockupy-Demonstration dem Verwaltungsgericht Frankfurt Filmmaterial von Metropolico als Beweismaterial vor. Das Filmmaterial zeigt laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Beamten, nachdem die Polizei die Demonstration aufgelöst hatte. Im Juni 2013 hatte die Gewerkschaft der Polizei in Baden-Württemberg einen Bericht von Metropolico in ihrer Gewerkschaftszeitung „GdP digital“ veröffentlicht, in dem die Berichterstattung der Frankfurter Rundschau scharf kritisiert wurde.[6] Der Bericht wurde später wieder entfernt. Laut dem verantwortlichen Redakteur habe der Tenor des Berichtes seiner Meinung und der seiner Kollegen vor Ort entsprochen. Er habe aber nicht genügend recherchiert, wo der Bericht herkomme.[7]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frankfurter Rundschau bezeichnete Metropolico als ein Abspaltungsprodukt des „führenden Islamhasser-Blogs PI-News“ und als ein „reaktionäres“ Portal. Die Feindbilder des Portals seien auch bei dieser Abspaltung Muslime, Schwule, Liberale, Freimaurer, sowie der „Mainstream“ der „EUdSSR“.[7] Die Tageszeitung warf dem Portal Hetze gegen den Islam und Linke sowie Homophobie vor.[8] Laut einem Beitrag in der Tageszeitung von Sebastian Friedrich (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung) hat sich das Portal „der Sache der AfD verschrieben“.[9] Das Internetportal Publikative.org der Amadeu Antonio Stiftung bezeichnete Metropolico als „Islamhassblog“, „antimuslimisch“ und „antiislamisch“.[10] Laut Roland Sieber zählen Metropolico und die Wochenzeitung Junge Freiheit zu den „inoffiziellen Parteizeitungen“ der AfD.[11] Nach Einschätzung des Blogs no-nazi.net der Amadeu Antonio Stiftung sind Metropolico, Russia Today und Junge Freiheit Plattformen, die bekannt seien für Verschwörungstheorien oder „andere Formen dekomplexitärer Agitation“.[12] Der Spiegel bezeichnete Metropolico als eines der größten Portale der national-konservativen Szene.[2] Der Publizist Christoph Giesa bezeichnete Metropolico als ein „rechtes“ Szeneportal.[13] Laut der Wiener Zeitung verkauft das Portal rechtspopulistische Inhalte unter dem Etikett „bürgerlich - liberal - unabhängig“.[14] Auch die Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a) bezeichnet Metropolico als rechtspopulistisch.[15] Der Sozialwissenschaftler Alexander Häusler (Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der FH Düsseldorf) nennt das Internetportal „rechtsgerichtet“.[16]

Gerichtliche Auseinandersetzung mit der tageszeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Journalistin Marlene Kaiser bezeichnete 2013 Blu-News in der tageszeitung als eine „neonazistische Plattform“.[17] Gegen diese Bezeichnung ging Metropolico gerichtlich vor.[18] Das Landgericht München beurteilte die Aussage als eine „unzulässige Herabwürdigung und Schmähkritik“, die nicht vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sei. Der Artikel setze sich zudem in keiner Weise mit Blu-News (Metropolico), ihren Zielen oder ihrer thematischen Ausrichtung auseinander. Das Gericht verurteilte die tageszeitung zu einer Strafe von knapp 1.060 Euro und im Falle einer Zuwiderhandlung zu einem Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dominik Hutter: Ruck nach ganz rechts. In: Süddeutsche Zeitung. 21. Oktober 2014, S. R3.
  2. a b Maik Baumgärtner, Jörg Diehl, Frank Hornig, Maximilian Popp, Sven Röbel, Jörg Schindler, Wolf Wiedmann-Schmidt, Steffen Winter: Neue deutsche Welle. In: Der Spiegel. 15. Dezember 2014, S. 23.
  3. Sabine am Orde: Sie lächelt ihn weg. In: taz, 20. Juni 2015, S. 8.
  4. Lars Geiges, Stine Marg, Franz Walter: Pegida. Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft? (= X-Texte). Transcript, Bielefeld 2015, ISBN 978-3-8376-3192-0, S. 11, 25.
  5. Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 3372 vom 22. April 2015 des Abgeordneten Peter Biesenbach CDU (Drucksache 16/8535): Sicherheitslücken bei Düsseldorfer Terror-Prozessen?, Landtag Nordrhein-Westfalen, Drucksache 16/8775, 27. Mai 2015.
  6. Hanning Voigts: Seltsame Allianz gegen Blockupy. In: Frankfurter Rundschau, 4. November 2013.
  7. a b Stefan Behr: Polizei-Kritiker verunglimpft. In: Frankfurter Rundschau, 26. Juni 2013.
  8. Jürn Kruse, Timo Reuter: Ein Fall von Propaganda. In: taz, 25. Juni 2013, S. 18.
  9. Sebastian Friedrich: Die reaktionäre Mittelschicht. In: taz, 12. Februar 2015, S. 12.
  10. Roland Sieber: Von tanzenden Rassisten und uniformierten Milizen. publikative.org, 22. Oktober 2012; ders: AfD: Professorenpartei als rechtspopulistische Sammelbewegung?. publikative.org, 19. März 2013; ders: Rechtsjugend für Deutschland. publikative.org, 15. März 2013.
  11. Roland Sieber: Professoren als Speerspitze, Partei als Sammelbewegung. publikative.org, 8. April 2013.
  12. Enorme Erfolgsgeschichte: Pegida in den Sozialen Netzwerken. Netz gegen Nazis, 12. Februar 2015.
  13. Liane Bednarz, Christoph Giesa: Deutschland dreht durch. Die Wahrheit über die AfD. Carl Hanser Verlag (eBook), München 2015, ISBN 978-3-446-24894-6, o.S.
  14. Alexander Dworzak: Opfer wie wir. In: Wiener Zeitung, 14. Januar 2015, S. 5.
  15. Robert Andreasch: Wenn die NPD nicht weiter auffällt. Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München, 2. Juni 2012.
  16. Alexander Häusler: Zerfall oder Etablierung?. Die Alternative für Deutschland (AfD) als Partei des Rechtspopulismus. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 63 (2015) 9, S. 741–758, hier: S. 752.
  17. Marlene Halser: Drei Festnahmen nach Angriffen (Memento vom 7. Juli 2013 im Internet Archive). taz.de, 10. Juni 2013.
  18. Zeitung diffamiert blu-News, Metropolico vom 12. Juni 2013, abgerufen am 4. Oktober 2015.
  19. Konservatives Internetportal setzt sich gegen „taz“ durch. jungefreiheit.de, 28. August 2014.