Molschleben

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Molschleben
Molschleben
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Molschleben hervorgehoben
51.00444444444410.779722222222290Koordinaten: 51° 0′ N, 10° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Verwaltungs­gemeinschaft: Nesseaue
Höhe: 290 m ü. NHN
Fläche: 15,24 km²
Einwohner: 1063 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 70 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99869
Vorwahl: 036258
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 047
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dr.-Külz-Str. 4
99869 Friemar
Webpräsenz: www.molschleben.de
Bürgermeister: Rolf Bärwolf (CDU)
Lage der Gemeinde Molschleben im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild
Dorfkirche St. Peter und Paul

Molschleben ist eine Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Nesseaue im thüringischen Landkreis Gotha.

Geologie[Bearbeiten]

Molschleben liegt am Südwesthang der Fahner Höhe. Die nächstliegenden Dörfer und Gemeinden sind Eschenbergen (N), Bienstädt (NO), Tröchtelborn (SO), Friemar (S) und Bufleben (W). Das umgebende Land ist ausschließlich landwirtschaftlich genutzt. Am südwestlichen Ortsrand entlang fließt die Nesse. Im Norden findet sich der von der Fahner Höhe herab kommende Attichbach, der sich über den Kelchbrunnsgraben beim Sportplatz in die Nesse ergießt. Der höchste Punkt der Gemeinde liegt in der Fahner Höhe beim „Breiten Holz“ und misst etwa 402 m ü. NN. Der tiefste Punkt der Gemarkung ist dort, wo die Nesse das Gemeindegebiet verlässt, in einer Höhe von 274 m ü. NN. Am östlichen Ortsrand des Dorfes entspringt der Österbrunnen, der sein Wasser nach wenigen Metern in einen von der Fahner Höhe kommenden Bach leitet.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits in der jüngeren Steinzeit (vor 11.500 bis 4.500 Jahren) war die Molschleber Flur Siedlungsgebiet, wie archäologische Funde beweisen. Magolfeslebo war die Bezeichnung des Ortes in der ersten urkundlichen Erwähnung des vom ersten Mainzer Erzbischof Lullus und erstem Abt der Abtei Hersfeld (710-786) veranlassten Güterverzeichnis des Klosters. Mangels einer genauen Datierung wurde für Molschleben das Todesjahr von Lullus als Erstbekundungsjahr festgelegt, so wie es für viele andere Orte des Verzeichnisses ebenfalls geschah. So kann der Ort 2011 seine 1225-Jahr-Feier begehen.

Schon um 1000 wurden Ritter von Molschleben erwähnt, die in ihrem Wappen zwei aufrechte Scheren, so genannte Schafscheren, trugen. Vom 13. bis 15. Jahrhundert gehörte der Ort den vermögenden Edelleuten von Malsleiben. Andere Schreibweisen des Ortes waren Molsleben, Masleibin und Molsleiben. 1438 starb das Geschlecht mit Heinrich und Hans von Molschleben aus.

Ein Rittergut, auch als Edelhof bekannt, besaßen danach die Herren von Witzleben im Ort. Es befand sich am Westausgang des Ortes. Erstmals werden 1351 Friedrich und Titzel von Witzleben in Molschleben genannt. Die Nachkommen dieser Linie, zuletzt Friedrich Jobst von Witzleben, behaupteten das Rittergut bis 1731. Alexander von Witzleben, kaiserlich-königlicher Kammerherr und Oberforstmeister in Gotha, verkaufte das Rittergut am 7. Juni 1737 mit all seinen Gerichten und Gütern (ohne die Jagdgerechtigkeit) für 25.000 Meißnische Gulden an 22 Einwohner von Molschleben. Danach rissen die neuen Besitzer das Rittergut ab und teilten die Ländereien unter sich auf. Der Schultheiß Christian Büchner wurde 1739 als gemeinschaftlicher Lehensträger des „Gutes“ benannt. Das Recht, Schäfereien zu betreiben, (Gerechtigkeit der Schaftrift), sowie das Recht zum Bierbrauen (Braugerechtigkeit) und zum Bierausschank (Schankgerechtigkeit) erwarb die Gemeinde vom Herzog in Gotha für 1300 Gulden. Molschleben war somit schon im 18. Jahrhundert ein ansehnliches fürstlich-gothaisches Amtsdorf.

Der Dreißigjährige Krieg brachte auch in Molschleben große Not und verringerte die Bevölkerung um mehr als zwei Drittel. Die letzte Pest in Erfurt 1683, der dort mehr als die Hälfte der Einwohner zum Opfer fielen, erreichte auch Molschleben. Im September 1757, während des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763), zogen die französischen Truppen unter dem Prinz von Soubise und die Reichsexekutionsarmee unter dem Prinzen von Sachsen-Hildburghausen gegen die preußischen Truppen unter Friedrich II. – der Weimarische Hof in Gamstädt beherbergte den König – durch die Region und brachten großes Leid über die Menschen. Nach dem Sieg der Preußen über die Franzosen am 5. November 1757 in der Schlacht von Roßbach waren die restlichen französischen Truppenteile auf einem chaotischen Rückweg nach Frankreich und forderten erneut Vieles von der Bevölkerung ab. Durch zwei große Brände in den Jahren 1764 und 1778 wurde das Dorf kurz hintereinander zweimal größtenteils vernichtet. Mit Hilfe der Einwohner aus den Nachbarorten konnten 200 Häuser neu aufgebaut werden.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Zahlen geben jeweils den Stand am 31. Dezember des Jahres wieder

1618[2] 1638[2] 1816[2] 1871[2] 1939[2] 1950[2] 1971[2] 1990[2] 1995[3] 2000[3] 2005[3] 2010[3]
1144 466 720 916 1096 1602 1353 1132 1125 1156 1153 1112

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ackerbau und Viehzucht sind schon früher die wichtigsten Erwerbszweige gewesen. Neben Getreide wurden auch Flachs und Waid angebaut. Daran erinnert der denkmalgeschützte Waidhof an der Gothaer Straße. Heute hat sich das wirtschaftliche Angebot um Händler, Handwerker und Gewerbetreibende erweitert.

Kultur[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Das kulturelle leben wird hauptsächlich von zwei Vereinen geprägt: dem Sportverein „TSV 90 Molschleben“ und dem „Heimatverein Molschleben e.V.“.

Schulen[Bearbeiten]

Schulunterricht wurde seit 1570 in Molschleben gegeben. 1657 errichtete die Gemeinde ein zweites Schulgebäude. Unter der Regierung des gebildeten und fortschrittlichen Herzogs Ernst des Frommen (1640–1674) wurde im Herzogtum die allgemeine Schulpflicht eingeführt und dadurch der Unterricht qualitativ verbessert. Der Fürst förderte Künstler, Wissenschaftler und Pädagogen. Beim großen Brand im Jahre 1764 wurden beide Molschlebener Schulen ein Raub der Flammen. Die obere Schule wurde schon ein Jahr danach nebst Scheune, Holzschuppen und Stall wieder aufgebaut, gefolgt vom Neubau auch der unteren Schule. Nachdem 1882 ein neues Schulgebäude auf dem Lindenplatz entstanden war, wurde die untere Schule nun zum Wohnraum für Lehrer, da sie nicht mehr als Unterrichtsstätte benötigt wurde. Der Kartenzeichner Johann Christoph Baer, der in Molschleben zur Schule ging, schenkte dieser 1838 eine Sonnenuhr, die man bis heute am Gebäude sehen kann. Die Zahl der Lehrer stieg bis 1930 auf vier. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs konnte nur unregelmäßig unterrichtet werden, da die meisten Lehrer als Soldaten eingezogen waren. Das obere Schulgebäude (bei der Kirche) wurde zur Unterkunft für vertriebene Deutsche aus den Ostgebieten. Unterricht wurde in nur zwei Klassenzimmern in der Schule auf dem Lindenplatz erteilt, behelfsweise auch in der alten Kegelbahn auf dem Schenksplatz und in zwei Räumen der Gemeindeschenke. Ab 1950/51 wurde wieder in der oberen Schule unterrichtet, die in den Jahren 1984 bis 1985 neue Toilettenanlagen und Waschräume erhielt. 1965 bohrte man auf dem Schulhof der Lindenplatz-Schule einen Brunnen. Am 28. Februar 1977 begann der Unterricht in der neuen Schule in der Friemarer Straße, in der zehn Schulklassen unterrichtet werden können. 1991 wurde die Schule eine staatliche Regelschule. Heute wird sie von Kindern aus Molschleben, Friemar, Eschenbergen, Tröchtelborn, Bienstädt und Zimmernsupra besucht. Nachdem nun in der oberen Schule kein Unterricht mehr stattfand, wurden die Klassenräume 1977 für verschiedene Institutionen des Ortes ausgebaut. Die Post, die Bibliothek und das Dienstleistungskombinat (DLK) zogen in das Gebäude ein, das heute es als Wohnhaus dient.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Dorfkirche St. Peter und Paul[Bearbeiten]

Reliefstein mit der Jahreszahl der Erbauung

Eine Sehenswürdigkeit des Ortes ist die evangelische Kirche St. Peter und Paul. Die heutige Kirche steht an gleicher Stelle wie ihr Vorgängerbau aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, der wegen Baufälligkeit gegen Ende des 15. Jahrhunderts abgerissen wurde. Der jetzige spätgotische Kirchenbau wurde in mehreren Bauabschnitten errichtet. 1500 wurde der Chor im Osten mit seinen schönen gotischen Fenstern fertiggestellt, was ein Reliefstein an der Südostecke bestätigt. Der Text lautet: Anno dm MCCCCC copletue noc opus (Im Jahre des Herrn 1500 wurde dies Werk vollendet).

Eine Erweiterung nach Westen erfuhr die Kirche in den Jahren 1528 und 1552. Dies kann man an den unterschiedlichen Dachhöhen gut erkennen. Die Anbauten auf der Nordseite sind späteren Ursprungs. Die Kirche ist in Ost-West-Richtung erbaut und hat die Maße 28,8 m mal 8,3 m. 1552 wurde der 37 m hohe Kirchturm auf der Nordseite errichtet und trägt diese eingemeißelte Jahreszahl im oberen Bereich des Turms. Die dicken Wände stehen auf einer Grundfläche von 4,5 m mal 4,3 m. Das Erdgeschoss birgt die Sakristei mit einer Kreuzgewölbedecke. Der gesamte obere Teil des Turmes ist achteckig und schiefergedeckt; er stammt aus dem 18. Jahrhundert. Ein neuklassischer Reliefstein über der südlichen Eingangstür mit der Aufschrift M.F.H.J. 1726 weist auf die Herstellung der Tür und eine Gesamtreparatur der Kirche hin. Diese wurde fällig, da der Aufbau im Laufe der Jahre in bedrohliche Schieflage geriet. Anlässlich der Sanierung wurde die Wetterfahne vergoldet, so dass der Turm heute besonders schön aussieht. Turm und Glocken sind Eigentum der Gemeinde. Der Bau soll von der Gemeinde finanziert worden sein. Erneute Reparaturen am Gebäude vollzog man 1828.

Einige gut erhaltene alte Grabplatten stehen an der Südwand der Kirche.

Vor der Reformation gehörte Molschleben zum Bistum Mainz und hatte als Dekanatssitz nach einem Register von 1506 als Filialen die großen Pfarreien Burgtonna, Ballstädt und Bufleben und die mittleren Pfarreien Eschenbergen, Tröchtelborn, Zimmernsupra, Friemar, Aschara, Westhausen, Pfullendorf, Hausen, Bienstädt und Töttelstädt. Das Kirchenbuch, seit 1628 geführt, enthält wie üblich Geburten, Taufen, Trauungen und Sterbefälle. Der alte Friedhof um die Kirche wurde bis 1949 genutzt. Die Kirche in Molschleben besitzt einen interessanten Hochaltar, der aus drei Tafeln besteht.

Söhne und Töchter der Gemeinde und Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. a b c d e f g h Zur Natur und Geschichte der Fahner Höhe Hrsg: NABU-Landesverband e.V., Kreisverband Gotha e.V.: 25-27
  3. a b c d Thüringer Landesamt für Statistik

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Molschleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien