Waltershausen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Waltershausen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Waltershausen
Waltershausen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Waltershausen hervorgehoben
Koordinaten: 50° 54′ N, 10° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Höhe: 320 m ü. NHN
Fläche: 60,63 km²
Einwohner: 13.092 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 216 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99880
Vorwahl: 03622
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 072
Stadtgliederung: Stadt und 7 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1,
99880 Waltershausen
Webpräsenz: www.waltershausen.de
Bürgermeister: Michael Brychcy (CDU)
Lage der Stadt Waltershausen im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild

Waltershausen ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Gotha im Freistaat Thüringen (Deutschland). Sie liegt zwischen dem Thüringer Becken im Nordosten und dem Thüringer Wald im Südwesten.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Waltershausen liegt am Übergang vom Thüringer Becken zum Thüringer Wald, deshalb wird Waltershausen gelegentlich als „Tor zum Thüringer Wald“ bezeichnet. Der Große Inselsberg liegt nur wenige Kilometer entfernt.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtgliederung

Es existieren sieben Ortsteile (Fischbach, Schmerbach, Schwarzhausen, Winterstein, Wahlwinkel, Schnepfenthal und Langenhain) sowie ein Stadtteil (Ibenhain).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entwickelte sich an der Kreuzung der alten Salzstraße von Salzungen nach Erfurt und von Eisenach nach Saalfeld. Zusätzlich bot die 1176 erstmals erwähnte Burg Tenneberg (siehe Bauwerke) Schutz für die Stadtbewohner. Eine weitere Begünstigung für den Standort war die Engstelle zwischen dem Burgberg und dem Ziegenberg, die der gesamte Verkehr passieren musste, da der Wald sehr unwegsam war.

Die Stadt selbst wurde 1209 erstmals urkundlich erwähnt unter dem Namen „Ulricus,villicius de Waltherißhusin“. Die Stadt gehört zur Grafschaft Mühlburg (in einer Urkunde von 1293 erwähnt) und stand unter der Lehnshoheit des Erzbistums Mainz. Damals war sie bereits im Besitz der Stadtrechte. 1392 wurden Waltershausen und die Burg Tenneberg zum Leibgedinge für die zukünftige Schwiegertochter des Thüringer Landgrafen bestimmt.[2] In der Folgezeit gehört Waltershausen zum wettinisch-ernestinischen Amt Tenneberg, welches ab 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte.

Waltershausen um 1900
Luftbild der Stadt
Stolperstein für Klara Felstyner

Waltershausen mit dem Ortsteil Langenhain war 1618–1658 von Hexenverfolgung betroffen. Acht Frauen und ein Mann gerieten in Hexenprozesse, zwei wurden hingerichtet, drei mit Landesverweis bestraft.[3]

Waltershausen hat eine im Jahr 1815 begründete Tradition als Puppenstadt. Es entstand im 19. Jahrhundert eine Vielzahl von Spielzeug- und Puppenfabriken. Die erste Puppen- und Spielwarenfabrik gründete 1816 Johann Daniel Kestner. Die Thüringerwaldbahn wurde 1929 nach Waltershausen verlängert und verbindet die Stadt seitdem mit Tabarz im Südwesten und Gotha im Nordosten.

Anfang der 1930er Jahre lebten in Walterhausen neun jüdische Familien, die alle durch Emigration und Deportation ihrer Heimat beraubt wurden. Eine einzige Frau überlebte das KZ Theresienstadt und lebte ab 1945 in Eisenach. Während des Zweiten Weltkrieges mussten etwa 600 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter aus zahlreichen von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit leisten bei technischen Firmen, im Ade-Werk, in der Thüringer Schlauchweberei und anderen Firmen. Auf dem Friedhof von Waltershausen erinnern zahlreiche Gräber an Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Auf dem Platz der Pariser Kommune erinnert ein Mahnmal an 16 Opfer aus Frankreich.[4] Am 9. Mai 2008 wurde an der Ecke Bremerstrasse-Quergasse ein Stolperstein von Gunter Demnig für die deportierte Jüdin Klara Felstyner gelegt. Sie starb 1940 im Warschauer Ghetto.

Die Stadt Waltershausen hatte, wie alle deutschen Städte, eine große Anzahl von gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege zu beklagen.

Am 6. Februar 1945 erlebte Waltershausen - wie am gleichen Tag mehrere Städte in der Region - einen amerikanischen Bombenangriff. 12 Fliegende Festungen B-17G warfen um die Mittagszeit aus 8.000 m Höhe 30 Tonnen (120 Stück) Bomben. 21 Gebäude wurden zerstört und 20 Tote gezählt.[5]

Die industrielle Fertigung von Puppen endete 1990. Die Waltershäuser Puppenmanufaktur stellte bis vor kurzem noch gelegentlich Puppen her. Es handelte sich dabei um Sammlerpuppen, die sehr hohen ästhetischen Ansprüchen Rechnung tragen. Die Puppenstadt existiert lediglich noch als Erinnerung im Museum der Stadt weiter. Im imposanten Gebäudekomplex der unter Denkmalschutz stehenden Puppenfabrik hat sich 2003 die Kommune Waltershausen angesiedelt.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt in Waltershausen und allen Ortsteilen insgesamt sieben christliche Kirchen und Kapellen. Die mit Abstand größte ist die evangelische Stadtkirche. Außerdem existieren in den Ortsteilen Schnepfenthal, Langenhain und Wahlwinkel evangelische Kirchen und im Stadtteil Ibenhain eine Kapelle. Weiterhin gibt es noch eine Schlosskapelle auf Schloss Tenneberg, die früher katholisch war, heute aber eine evangelische Kirche ist. Eine katholische Kirche wurde im 20. Jahrhundert neu eingerichtet. Seit 1993 ist Waltershausen Sitz des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises (Superintendentur) Waltershausen-Ohrdruf und damit ein kirchliches Verwaltungszentrum.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild des Stadtzentrums

1950 wurden Langenhain, Schnepfenthal und Wahlwinkel eingemeindet.

Zum 31. Dezember 2013 wurde die Gemeinde Emsetal mit ihren Ortsteilen Fischbach, Schmerbach, Schwarzhausen und Winterstein nach Waltershausen eingemeindet. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten beide Bürgermeister Michael Brychcy und Klaus Reißig am 29. Januar 2013.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1834 bis 1960

  • 1834: 2.755
  • 1933: 8.951
  • 1939: 9.498
  • 1946: 11.558 1
  • 1950: 14.963 2
  • 1960: 13.365

1981 bis 1997

  • 1981: 13.766
  • 1984: 14.288
  • 1994: 12.272
  • 1995: 12.164
  • 1996: 12.058
  • 1997: 11.998

1998 bis 2003

  • 1998: 11.956
  • 1999: 11.845
  • 2000: 11.725
  • 2001: 11.532
  • 2002: 11.501
  • 2003: 11.475

2004 bis 2009

  • 2004: 11.348
  • 2005: 11.185
  • 2006: 11.107
  • 2007: 11.013
  • 2008: 10.917
  • 2009: 10.754

2010 bis 2015

  • 2010: 10.668
  • 2011: 10.618
  • 2012: 10.287
  • 2013: 13.077
  • 2014: 13.088
  • 2015:

Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
1 29. Oktober
2 31. August

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[7][8]
Wahlbeteiligung: 51,9 % (2009: 56,1 %)
 %
40
30
20
10
0
30,5 %
24,0 %
14,2 %
9,3 %
20,4 %
1,6 %
BI
Emsetal
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-25
-22,8 %p
+6,5 %p
-0,7 %p
-0,1 %p
+20,4 %p
-0,8 %p
BI
Emsetal
Anmerkungen:
b vollständige Bezeichnung: SPD/Grüne
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer
Das Rathaus von Waltershausen
Kommune Waltershausen in der Puppenfabrik

Stadtrat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Stadtrat gehören 24 Bürger der Stadt an, die durch die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 ermittelt wurden und sich folgendermaßen auf die einzelnen Parteien und Wählergruppen verteilen:[9]

Partei / Liste Sitze G/V
CDU 7 − 6
Die Linke 2 ± 0
SPD/GRÜNE 6 + 1
Bürgerinitiative gegen überhöhte Kommunalabgaben 4 ± 0
Liste Emsetal 5 + 5

Zusätzlich ist auch der Bürgermeister Mitglied des Stadtrats. Bürgermeister von Waltershausen ist Michael Brychcy (CDU).

In den Ortsteilen unterstützen gewählte Ortsteilbürgermeister und Ortsteilräte die Arbeit der Verwaltung.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freundschaftliche Beziehungen bestehen zu:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1176 wurde Schloss Tenneberg erstmals als Burg der Thüringer Landgrafen erwähnt. Mehrfach umgebaut, erhielt es im frühen 18. Jahrhundert seine im Wesentlichen endgültige Gestalt. Durch verschiedene Nutzungen in der Zeit danach sind die meisten Barockräume verloren gegangen, jedoch nicht der Festsaal (1719), das barocke Treppenhaus (1718) und die Schlosskapelle (1721).
  • Klaustor (erste urkundliche Erwähnung 1390), Haupttor der alten Stadtmauer, durch die auf der Straße von Erfurt in Richtung Bad Salzungen der meiste Verkehr ging. Lage
  • Töpfersturm, im frühen 15. Jahrhundert außerhalb der Stadtmauer am Ende der alten Eisenacher Straße errichtet. Im Berich des Turmes hatten sich im Mittelalter die Töpfer des Ortes angesiedelt. Lage
  • Historisches Rathaus (1441), zweitältestes Fachwerk-Rathaus im mitteldeutschen Raum, nach 1990 grundlegend restauriert. Gewölbekeller mit beeindruckenden Kreuzgrat- und Tonnengewölben. Das erste Obergeschoss diente als Festsaal und Markthalle. Im zweiten Obergeschoss sind die Büroräume des Bürgermeisteramtes.
  • Marktplatz mit Brunnen und der „Muschelminna“
  • Salzmannschule Schnepfenthal (1791–1793)
  • Erster deutscher Turnplatz von Johann Christoph Friedrich Guts Muths (1785)

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtkirche (1719–1723) "Zur Gotteshilfe" mit der größten Barockorgel Thüringens von Tobias Heinrich Gottfried Trost von 1730
  • Im Stadtteil Ibenhain befindet sich die kleine Kapelle Unser Liebe Frauen. Bis zur Reformation war die im 14. Jahrhundert erbaute Kapelle ein beliebter Wallfahrtsort. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche bei einer Renovierung im 18. Jahrhundert. Die nur 10 × 6 Meter messende Kapelle wurde 1802 mit einem verschieferten Dachreiter für die kleine Glocke verschönert. Im Februar 1945 wurden über Ibenhain Sprengbomben abgeworfen, die auch die Kapelle beschädigten, 20 Tote waren im Ort zu beklagen. Lage
  • In Langenhain gibt es eine alte (Ur)Kirche St. Maria-Magdalena mit Fresken aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist die älteste Kirche der Stadt. Die Barockkirche wurde 1763–1768 erbaut und wurde am 8. Oktober 2006 nach umfangreicher Restaurierung wieder eingeweiht. Lage
  • In Schnepfenthal steht die St.-Peter-und-Paul-Kirche, ein auf einem Werksteinsockel errichteter, schieferverkleideter Fachwerkbau mit Dachreiter, der 1824 geweiht wurde. Lage
  • In Wahlwinkel steht die Dorfkirche St. Gotthard. Die erste Erwähnung der Kirche in Wahlwinkel stammt aus dem Jahr 1401. Die heutige Kirche wurde 1496 geweiht, der markante Turm wurde 1505 vollendet. Im Inneren der Kirche befindet sich als Besonderheit eine frühgotische Krypta. Die Kirche wird gegenwärtig (2011) baulich saniert. Lage

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Waltershausen gibt es viele Sportvereine. Im Karate konnten von Sportler von Bushido Waltershausen zahlreiche Titel auf nationaler und internationaler Ebene gewinnen. Im Tischtennis ist Waltershausen als Ausrichter von Turnieren auf Landes- und Bundesebene bekannt. Ein weiterer Verein ist die ZSG Waltershausen mit insgesamt 12 Abteilungen.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2009 ging das Internetradio "0800 Regional Radio Tenneberg" auf Sendung. Es strahlte täglich, bis zur Stilllegung im Jahr 2013, ein mehrstündiges Musikprogramm mit vereinzelten Nachrichtenbeiträgen und Lokalinformationen aus. Im Frühjahr 2013 eröffnete der Radiosender "TMR-Radio.de" in Waltershausen sein neues Studio. Im Oktober 2013 vergrößerte sich TMR um ein weiteres Studio und sendet anfangs von 8Uhr bis 22Uhr mit tagesaktuellen Themen und Musik aus 5 Jahrzehnten. Ab Juli 2015 sanierten die TMR Betreiber das ehemaliger Fotofachgeschäft "Gebhardt" in der Lutherstraße Waltershausen und etablierten nach dem Firmenumzug im Januar 2016 ein bürgernahes, expandierendes Medienunternehmen, welches auf die Erstellung digitaler Medien in Bild und Ton fokussiert ist.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das jährliche Stadtfest findet immer Mitte Juni unter wechselnden Mottos statt.

Jedes Jahr Anfang September kann sich der Besucher von Schloss Tenneberg auf eine Zeitreise ins Mittelalter begeben. Über ein Wochenende verteilt gibt es beim Mittelalterschlossfest allerhand Gauklerei und Markttreiben.

Immer am 2. Adventswochenende präsentiert sich auf dem Walterhäuser Marktplatz ein gemütlicher und besinnlicher Weihnachtsmarkt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thüringerwaldbahn (1989)

Waltershausen liegt an der Autobahn A 4 Frankfurt am MainDresden und besitzt eine eigene Anschlussstelle (41a Waltershausen). Der Süden des Stadtgebiets wird von der Bundesstraße 88 tangiert. In Waltershausen selbst beginnen Landstraßen nach Friedrichroda, Georgenthal, Gotha, Hörselgau, Teutleben (zur B 7) und Langenhain.

Ferner hat die Stadt einen Bahnhof an der Regionalbahnlinie FröttstädtFriedrichroda (Friedrichrodaer Bahn, seit 1848). In der Stadt verkehrt außerdem eine Straßenbahnlinie vom Bahnhof zum Gleisdreieck mit fünf Haltestellen, die Linie 6 der Gothaer Straßenbahn und Thüringerwaldbahn GmbH, deren Anteilseigner die Stadt Waltershausen ist. Am Gleisdreieck besteht Anschluss an die Linie 4 dieser Bahn nach Gotha und Tabarz.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Multicar M 26
Puppen im Museum Schloss Tenneberg

Ein bis heute wichtiger Betrieb in der Stadt ist die Multicar Spezialfahrzeuge GmbH, ein Unternehmen mit 80-jähriger Tradition, das sich auf die Herstellung kompakter Spezialtransporter und Geräteträger spezialisiert hat. Fahrzeuge von Multicar werden heute in zahlreichen Kommunen als Allzweck-Kleintransportfahrzeuge eingesetzt.

Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich im 19. Jahrhundert die in Waltershausen bedeutsame Puppenindustrie. Die zunächst aus Papiermaché gefertigten Puppen wurden oft in Heimarbeit mit Puppenwäsche und Accessoires komplettiert als Kinderspielzeug und später auch als Trachtenpuppen zu Sammelobjekten. Aus den einstigen Puppenfabriken entstand in der DDR der VEB Puppenfabrik Biggi Waltershausen. Er stellte die beliebten Biggi-Puppen her, einst ein Exportschlager der DDR-Spielzeugindustrie.

Die Herstellung von Gummiartikeln war und ist ebenfalls ein Hauptindustriezweig. Aus mehreren Firmen ging nach 1945 der VEB Gummiwerke („Kowalit“) hervor. Im Stadtgebiet gab es zwei Betriebsteile, in denen verschiedene technische Gummiwaren und Kleinbereifung hergestellt wurden. Nach 1990 wurde die Firma von der Phoenix AG übernommen. Einige kleinere Betriebe dieser Branche wurden neu gegründet und etablierten sich, z. B. Gummidichtungstechnik Automotive GTA.

Die 1992 gegründete Orgelbau Waltershausen GmbH widmet sich als Unternehmen mit einer sehr spezifischen Ausrichtung dem Neubau, der Restaurierung und der Pflege von Orgeln aller Größen.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine Regelschule und zwei Grundschulen. Die Förderschule wurde im Jahr 2015 geschlossen. Im Ortsteil Schnepfenthal befindet sich die Salzmannschule, ein Spezialgymnasium für Sprachen mit Internat.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Luther (1483–1546) übernachtete hier auf einer Fahrt von Eisenach.
  • Johann Draconites Carlstadt (1494–1566), Reformator und enger Freund Luthers, zeitweise Pfarrer in Waltershausen
  • Christian Gotthilf Salzmann (1744–1811), Pädagoge, Gründer der Salzmannschule in Waltershausen, lebte seit 1784 in der Stadt
  • Johann Christoph Friedrich GutsMuths (1759–1839), Pädagoge, Begründer des Turnens, wohnte seit 1797 in Waltershausen
  • Johann Adolph Jacobi (1769–1847), evangelischer Theologe
  • Heinrich Schwerdt (1810–1888), Pfarrer, Pädagoge und Schriftsteller, ab 1872 Superintendent der Ephorie Tenneberg
  • Victor von Scheffel (1826–1886), Dichter der Biedermeierzeit; zu seinem Gedenken wurde die 'Scheffel-Linde' in der Ausfeldstraße sowie eine Straße benannt
  • August Trinius (1851–1919), Schriftsteller, lebte seit etwa 1880 in Waltershausen, wo ihn der Dichter Joachim Ringelnatz (1883–1934) mehrfach besuchte.
  • Adele Sandrock (1863–1937), Schauspielerin, ihr Vater Eduard Othello Sandrock (1832–1897) stammte aus Waltershausen, ihr Großvater Christoph Wilhelm Sandrock war von 1838 bis 1851 Erster Bürgermeister der Stadt, Adele lebte 1873/74 für längere Zeit bei der Schwester ihres Vaters in Waltershausen
  • Paul Kämpf (1885–1953), Politiker (SPD), Bürgermeister Waltershausens nach Ende des Zweiten Weltkriegs
  • Julius Kühn (1887–1970), Enkel des Dichters Julius Sturm (1816–1896), Schriftsteller, war seit 1934 Oberstudiendirektor an der Oberschule
  • Maria Uhden (1892–1918), deutsche Malerin, lebte 1900 bis 1910 in Waltershausen Am Nicolausthor.
  • Walter Grundmann (1906–1976), Theologe, zwischen 1947 und 1954 Pfarrer in Waltershausen.
  • Ernst Schäfer (1910–1992), Zoologe, bekannter Tibetforscher, wuchs in Waltershausen auf
  • Kathrin Schmidt (* 1958), Schriftstellerin, wuchs in Waltershausen auf, Trägerin Deutscher Buchpreis 2009
  • Monika Lennartz (* 28. Februar 1938 in Stettin), Schauspielerin, wuchs in Waltershausen auf.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Georg Brückner: Historische und Diplomatische Nachricht von der alten Thüringischen Stadt Waltershausen, dem dabey gelegenen Fürstlichen Schlosse Tenneberg und dem Dorffe Ibenhayn. Reyher, Gotha 1763 (Digitalisat)
  • Sigmar Löffler: Geschichte der Stadt Waltershausen (Bd.I/1). Von den Anfängen bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Erfurt/Waltershausen 2004, ISBN 3-932655-14-1.
  • Sigmar Löffler: Geschichte der Stadt Waltershausen (Bd.I/2). Vom 17. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Erfurt/Waltershausen 2004, ISBN 3-932655-14-1.
  • Sigmar Löffler: Geschichte der Stadt Waltershausen (Bd.II). Vom Ausgang des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Erfurt/Waltershausen 2000, ISBN 3-932655-07-9.
  • Hartmut Mai: Waltershäuser Sagenbuch. „Schau ins Land vom Tenneberg“. Sagen, Geschichten und Geschichte. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2006, ISBN 978-3-938997-38-3
  • Carl Polack: „Waltershäuser Chronik“. Ein Beitrag zur thüringischen Geschichte und Alterthumskunde. Eigenverlag, Waltershausen 1854.
  • Kurt Schmidt, Sigmar Löffler: Geschichte der Stadt Waltershausen (Bd.I). Waltershausen 1959. (Digitalisat)
  • Bruno Kestner: "Waltershäuser Heimatbilder", Folge I bis 6. Waltershausen, Eglingsche Buchdruckerei 1932-1938.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Geschichtlicher Abriss der Stadtgeschichte von Waltershausen
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 246f.; Egbert Friedrich: Hexenjagd im Raum Rodach und die Hexenprozessordnung von Herzog Johann Casimir (Schriften des Rodacher Rückert-Kreises, Heft 19), Rodach 1995, S. 192–236.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 104f., ISBN 3-88864-343-0
  5. Lothar Günther: Missionen und Schicksale im Luftkrieg über Südwest-Thüringen 1944/45. Wehry-Verlag, Untermaßfeld 2014. ISBN 978-3-9815-3076-6. S. 323
  6. Thüringer Allgemeine: Eingliederungsvertrag für Emsetal ist unterzeichnet
  7. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2009&zeigeErg=GEM&wknr=067&gemnr=67072
  8. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2014&zeigeErg=GEM&wknr=067&gemnr=67072
  9. http://www.wahlen.thueringen.de/datenbank/wahl1/wahl.asp?wahlart=GW&wJahr=2014&zeigeErg=GEM&wknr=067&gemnr=67072

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Waltershausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Waltershausen – Reiseführer