Muromskoje (Kaliningrad)

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Siedlung
Muromskoje/Laptau
Муромское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Selenogradsk
Gegründet 1255
Frühere Namen Balota (bis 1404),
Labithau (um 1500),
Labthau (nach 1540),
Laptau (bis 1946)
Bevölkerung 666 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 19 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40150
Postleitzahl 238530
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 215 804 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 54′ N, 20° 30′ O54.89527777777820.49222222222219Koordinaten: 54° 53′ 43″ N, 20° 29′ 32″ O
Muromskoje (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Muromskoje (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Muromskoje (russisch Муромское, deutsch Laptau, litauisch Labota) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Kowrowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kowrowo (Nautzau)) im Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Muromskoje liegt 23 Kilometer nördlich der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) an der russischen Fernstraße A 191 (ehemalige deutsche Reichsstraße 128) unmittelbar an deren Kreuzung mit dem neu gebauten Primorskoje Kolzo (Küstenautobahnring). Im Ort enden zwei Nebenstraßen, die von Oserowo (Tranßau) im Westen bzw. Luschki (Kiauten) im Osten kommen. Muromskoje ist Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Selenogradsk–Pionerski (Königsberg–Cranz–Neukuhren).

Ortsname[Bearbeiten]

Die einstige Ortsbezeichnung Laptau[2] deutet hin auf ein „Wohnhaus in einem Flusstal“ (gemeint ist das früher Bledow oder auch Bledauer Beek genannte Flüsschen, das bei Cranzbeek (heute nicht mehr existent) in das Kurische Haff mündet). Andere Ableitungen denken an „labs“ = gut bzw. „lape“ = Fuchs innerhalb einer hier wildreichen Waldgegend.

Geschichte[Bearbeiten]

Das bis 1946 Laptau[3] genannte alte Kirch- und Gutsdorf wurde in der Ordenszeit als Kammeramt durch Abtrennung vom Amt Powunden (heute russisch: Chrabrowo) begründet[4]. Bereits 1327 erfuhr man, dass sich drei Brüder aus Laptau gegen eine jährliche Zahlung von 80 Mark von Lehnspflichten freikauften und das Geld einer bischöflichen Stiftung am Königsberger Dom zugutekam. Ab dem 16. Jahrhundert musste das Amt Laptau Leistungen zur Unterhaltung der Universität Königsberg erbringen, außerdem zur Gründung und späteren Unterstützung des Königsberger Waisenhauses. 1528 erhielt das Dorf seine Handfeste.

Am 13. April 1874 wurde Laptau Zentrum und namensgebender Ort eines neu errichteten Amtsbezirks[5], der bis 1939 zum Landkreis Fischhausen, danach bis 1945 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Die Ortschaften Blaublum (heute nicht mehr existent) und ab 1893 auch Gidauten (russisch: Priosjornoje, jetzt: Oserowo) waren in die Landgemeinde Laptau eingegliedert, die im Jahre 1910 264 Einwohner zählte[6]. Am 1. Januar 1929 schloss sich die Landgemeinde Laptau mit der Landgemeinde Kiauten (heute russisch: Luschki) sowie dem Gutsbezirk Laptau und dem Vorwerk Nuskern (Besymjanka) des Gutsbezirks Wosegau (Wischnjowoje) im gleichnamigen Amtsbezirk gelegen, zur neuen Landgemeinde Laptau zusammen. Die Zahl der Einwohner kletterte bis 1933 auf 531 und betrug 1939 bereits 612[7].

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Laptau aufgrund seiner Lage im nördlichen Ostpreußen 1945 zur Sowjetunion und erhielt den Namen „Muromskoje“. Im Jahre 1947 „wechselte“ der Ort vom Landkreis Samland in den neu gebildeten Rajon Selenogradsk (Kreis Cranz), und von 1947 bis 2006 bildete Muromskoje das Zentrum des nach ihm benannten Muromski selski sowjet (Dorfsowjet Muromskoje) mit 36 Ortschaften. Seit einer umfassenden Struktur- und Verwaltungsreform[8] gehört Muromskoje jetzt zur neu zusammengestellten Kowrowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kowrowo (Nautzau)).

Amtsbezirk Laptau (1874–1945)[Bearbeiten]

Zwischen 1874 und 1945 war Laptau Amtsdorf eines Amtsbezirks, der sich anfangs aus zehn kommunalen Einheiten, 1945 nur noch aus drei Gemeinden zusammensetzte[9]:

Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen
Landgemeinden:
Kiauten Luschki 1929 in die Landgemeinde Laptau eingegliedert
Laptau Muromskoje
Mülsen Cholmy
Tranßau Oserowo
Gutsbezirke:
Gidauten Priosjornoje,
später: Oserowo
1893 in den Gutsbezirk Laptau eingegliedert
Jaxen Melnikowo 1904 in die Landgemeinde Rudau
im Amtsbezirk Rudau eingegliedert
Korben Krasnoflotskoje 1929 in die Landgemeinde Trentitten eingegliedert
Laptau Muromskoje 1929 in die Landgemeinde Laptau eingegliedert
Mollehnen Kaschtanowka 1929 in die Landgemeinde Trentitten eingegliedert
Samuelshof 1884 in die Landgemeinde Kiauten eingegliedert

Am 1. Januar 1945 bildeten nur noch die Gemeinden Laptau, Mülsen und Tranßau den Amtsbezirk Laptau.

Dorfsowjet Muromskoje (1947–2006)[Bearbeiten]

Von 1947 bis 2006 bestand der Muromski selski sowjet mit Muromskoje als Zentrum für 36 Ortschaften[10]:

Name Deutscher Name Name Deutscher Name Name Deutscher Name
Besymjanka Nuskern Kudrinka Backeln Priwolnoje Gunthenen
Datschnoje Birkenberg Lugowskoje Lobitten Rybnoje Stombeck
Fjodorowo Maldaiten Luschki Kiauten Saschitnoje Georgshöhe
Gussewo
später: Karjernoje
Dorben Melnikowo Jaxen Schirokopolje Roppen
Irkutskoje Plöstwehnen Melnikowo Rudau Serjoschkino Sergitten
Iskrowo Ringels Motewelowo Mogahnen Sirenewo Eisselbitten
Karassino Wittehnen Nadeschdino,
jetzt: Chrabrowo
Twergaiten Sosnowka Bledau
Karjernoje Pomehnen Nadeschdino Gersthenen Swjaginzewo Waschke
Kaschtanowka Mollehnen Nowoje Steinitten Werbnoje Darienen
Kijewskoje Schmiedehnen Nowoselskoje Willkeim Werschinino Pluttwinnen
Kortschagino Tiedtken Oserowo Tranßau Wetrowo Ekritten
Krasnoflotskoje Korben Priosjornoje,
jetzt: Oserowo
Gidauten Wolnoje Schulstein

Der überwiegende Teil der Ortschaften des Dorfsowjets Muromskoje wurde nach 2006 jeweils als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestuft und in die neu gebildete Kowrowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Kowrowo (Nautzau)) eingegliedert. Acht Ortschaften werden seitdem nicht mehr genannt und gelten als nicht mehr existent.

Burg Laptau[Bearbeiten]

Bereits im 13. Jahrhundert existierte in Laptau eine Burg[11] des Bischofs von Samland, die wohl an der Stelle einer ehemaligen prußischen Wallanlage errichtet worden war. Im Jahre 1351 wurde sie ausgebaut und zwischen 1560 und 1607 grundlegend erneuert. Um Baumaterial zu gewinnen ließ man hierfür die Burg Powunden (heute russisch: Chrabrowo) abbrechen.

Die Burg verfiel nach 1700 und war um 1760 bereits wüst. 1851 riss man die restlichen Ringmauern ab, um Steine für den Bau der Cranzer Chaussee (heute russische Fernstraße A 191) zu gewinnen. Auf dem Burggelände entstand eine Gastwirtschaft.

Kirche[Bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Bei der Laptauer Kirche[12] handelt es sich um einen verputzten Feldsteinbau mit Ziegelecken aus dem 14. Jahrhundert. Die oberen Stockwerke des Turmes waren aus Backsteinen. Im Jahre 1818 wurde ihm ein spitzes Dach mit welscher Haube aufgesetzt.

Seit 1818 war das Kircheninnere[13] mit einer Flachdecke überzogen, der Chor hatte ein Sterngewölbe. Der zweigeschossige geschnitzte Altar vom Anfang des 17. Jahrhunderts zeigt in seiner Mitte die Kreuzigung Christi. Auch die wenige Jahrzehnte später entstandene Kanzel verfügte über wertvolles Schnitzwerk.

Bei den Kriegshandlungen wurden sowohl das Turmdach als auch die Eindeckung des Kirchenschiffs stark beschädigt. Das Dach wurde mit flachen Asbest-Platten repariert. Der Turm wurde in den 1980er Jahren bis auf halbe Höhe abgerissen und die Seitenwände wurden erhöht. Im Chorraum baute man Waschräume und Toiletten ein.

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Laptau war ein altes Kirchdorf und wurde etwa 1300 gegründet. Die lutherische Reformation fasste hier recht früh Fuß. Gehörte die Pfarrei zunächste zur Inspektion Fischhausen (heute russisch: Primorsk), so war sie vor 1945 in den Kirchenkreis Königsberg-Land II (nördlich des Pregel) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Heute liegt Muromskoje im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Selenogradsk (Cranz). Sie ist Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[14] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Kirchspielorte (bis 1945)[Bearbeiten]

Zum Kirchspiel Laptau gehörten bis 1945 außer dem Pfarrdorf Laptau 19 Kirchspielorte[15], die heute im Gebiet sowohl der Landgemeinde Kowrowo (Nautzau) als auch der Landgemeinde Chrabrowo (Powunden) liegen:

Name Heutiger Name Name Heutiger Name
Backeln Kudrinka Norgehnen Schatrowo
Bergenau Nuskern Besymjanka
Fritzen Sosnowka Groß Raum Rjabinowka
Gidauten Priosjornoje,
jetzt: Oserowo
Schreitlacken Morschanskoje
Kanten Jelniki Schugsten Berjosowka
Kiauten Luschki Steinerkrug Peschkowo,
jetzt: Chrabrowo
Korben Krasnoflotskoje Tranßau Oserowo
Laptau Muromskoje Trentitten Saizewo
Mollehnen Kaschtanowka Wickiau Klinzowka
Mülsen Cholmy Wiskiauten Mochowoje

Pfarrer (bis 1945)[Bearbeiten]

In Laptau amtierten von der Reformation bis 1945 als evangelische Geistliche[16]:

  • Urban Gesner, bis 1530
  • Michael N., ab 1530
  • Urban Gesner, ab 1533
  • Thomas Zincke, 1542
  • Johann Langner, 1551
  • Valentin Ravelt, 1561
  • Johann Reinhard, bis 1562
  • Gerhard Faber, ab 1562
  • Martin Heldt, 1569
  • Caspar Stürmer, 1572–1581
  • Georg Gallus, 1581
  • Godschalk Halbach von der Pforte, 1581–1598
  • Johann Oye, 1598–1602
  • Johann Hempel, 1602–1626
  • Christian Dorsius, 1627–1638
  • Christian Heineccius, 1638–1663
  • Johann Ehr. Scheibenpoden, 1663–1679
  • Johann Flottwell, 1680–1697
  • Friedrich Herrmann, ab 1697
  • Gottfried Albrecht Nicolai. 1716–1722
  • Johann Philipp Bullinger, 1722–1743
  • Johann Heinrich Rommel, 1744–1761
  • Michael Rosenbaum,1761–1768
  • Georg Christ. Herold, 1769–1779
  • Johann Friedrich Rosenhagen,
    1780–1801
  • Friedrich Riemasch, 1802–1815
  • Michael Biendarra, 1816–1822
  • Friedrich Ferdinand Wenetzki, 1822–1823
  • Eduard Const. W. Hoffmann, ab 1824
  • Carl Ludwig Fischer, 1858–1860
  • Johann Theodor H. Rosseck, 1860–1879
  • Otto Richard H. Prellwitz, 1879–1893
  • Adalbert Gottl. Emman. Ebel, 1893–1901
  • Hermann Cölestin Ebel, 1901–1906
  • Otto John, 1906–1922
  • Friedrich Paul Heck, 1923–1928
  • Ewald Schröder, 1928–1932
  • Richard Jäschke, 1932–1940
  • Alexander Ogilvie, 1941–1945

Schule[Bearbeiten]

In Laptau gab es vor 1945 eine dreiklassige Dorfschule, die aus einer früheren Kirchenschule hervorgegangen war.

Persönlichkeit des Ortes[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Laptau-GenWiki
  3. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Laptau
  4. Geschichte von Laptau und der dortigen Burg bei ostpreussen.net
  5. Rolf Jehke, Amtsbezirk Laptau
  6. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhhausen
  7. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  8. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 510 vom 18. Februar 2005, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  9. Rolf Jehke, Amtsbezirk Laptau (wie oben)
  10. Dorfsowjet Muromskoje bei genealogy.net
  11. Geschichte von Laptau und der dortigen Burg bei ostpreussen.net (wie oben)
  12. Kirche Laptau bei Gen-Wiki
  13. Walter Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreussens, Göttingen, 1968, Band II, Seite 56
  14. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  15. Patrick Plew, Die Kirchen im Samland: Laptau
  16. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 82

Weblinks[Bearbeiten]