Sannerz

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50.3233333333339.5897222222222322Koordinaten: 50° 19′ 24″ N, 9° 35′ 23″ O

Sannerz
Gemeinde Sinntal
Höhe: 322 m
Fläche: 3,13 km²
Einwohner: 832 (31. Dez. 2005)
Bevölkerungsdichte: 266 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1969
Eingemeindet nach: Sterbfritz
Postleitzahl: 36391

Sannerz ist ein Ortsteil in der Gemeinde Sinntal, Main-Kinzig-Kreis, Bundesland Hessen, Deutschland.

Name[Bearbeiten]

Die Entwicklungsgeschichte des Ortsnamens Sannerz lässt aufgrund von Urkunden und anderen Dokumenten sehr gut belegen: Sanderates (um 950), Sanderades (1295), Sanderatz (1355), Sandracz (1356), Sandertzts (1366), Sanhartz (1496), Sanrits (1648), Sannerts (1295). Der Ort wird 1295 als villa (lateinisch; Dorf) und 1355 als villula (lateinisch; Dörflein) bezeichnet.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Gedenktafel an der Burg Steckelberg

Das Dorf Sannerz, dessen Name erstmals in einer Urkunde aus der Zeit um 950 erwähnt wurde, entwickelte sich aus einer Gutshofsiedlung, die mit ihren Leibeigenen, Gebäuden sowie Acker- und Weideflächen ursprünglich zum Kloster Fulda gehörte.[2] Nach einem Tauschgeschäft fiel das Vermögen an Brun, den Bruder des Königs Otto I.. In einer Urkunde von 1295 belegt, dass auch die Adelsfamilie von Steckelberg über Grundbesitz in Sannerz verfügte, der ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts der Linie Hutten-Steckelberg zufiel. In den folgenden Jahrzehnten vermehrte sich unter Lorenz von Hutten der Grundbesitz erheblich. Nachfolger auf dem Herrschaftssitz war sein Sohn Ulrich, Vater des gleichnamigen ersten Reichsritters, Humanisten und Dichters Ulrich von Hutten, der 1488 auf Burg Steckelberg geboren wurde.

Die Adelslinie Steckelberg-Hutten erlosch 1522 und fiel als Erbe an die Nachfahren Friedrichs von Hutten, die ihren Stammsitz in Altengronau hatten. Einer der späteren Abkömmlinge dieses Geschlechts, der Fürstabt Adolf von Dalberg stiftete in Sannerz eine besondere Propstei und unterstellte sie dem Hochstift Fulda, das damit bis zur Säkularisierung 1802 zum unumschränkten Grundbesitzer in Sannerz, Herolz und Weiperz wurde. Ein Propsteigebäude errichtete 1776 der Abt von Piesport. Es gehört heute zum Gebäudekomplex der Don-Bosco-Jugendhilfeeinrichtung der Salesianer.

In den 1920er Jahren war Sannerz ein Treffpunkt der sogenannten religiösen Sozialisten und anderer Reformer unterschiedlicher Coleur. Grund dafür war der von Eberhard und Emmy Arnold ins Leben gerufene Bruderhof, eine kommunitäre Einrichtung, die an Ideen des Urchristentums und der Radikalen Reformation (Täufer, Hutterer) anknüpfte und diese mit den Gedanken der Wandervogelbewegung und des Religiösen Sozialismus verband. Zu den Tausenden von Gästen des Sannerzer Bruderhofs gehörten in jenen Jahren u.a. der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber, der Reformpädagoge Kees Boeke und der Theologe Hermann Kutter.[3]

Die ehemals selbstständige Gemeinde wurde am 1. Dezember 1969 ein Ortsteil von Sterbfritz, das selbst am 1. Juli 1974 durch die Hessische Gebietsreform zum Main-Kinzig-Kreis kam, seine Selbständigkeit verlor und in die Gemeinde Sinntal eingegliedert wurde.[4]

Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

Hinweisschild der Sannerz-Gemeinschaft

Die Sannerzer Katholiken gehören zur Römisch-katholischen Kirchengemeinde Sinntal-Sannerz. Ihr Gotteshaus, die Kirche Mariä Himmelfahrt, befindet sich am Birkenweg 9.[5] Zur katholischen Kirche gehört auch das Jugendhilfezentrum Don Bosco, eine Einrichtung der Salesianer Don Boscos.[6]

Die evangelisch-lutherischen Einwohner von Sannerz gehören zur Evangelischen Kirchengemeinde Schlüchtern-Ramholz.[7]Mitglieder der Freien evangelischen Gemeinde werden von der Ortsgemeinde dieser Freikirche in Sinntal-Weichersbach (Schulwaldstraße 17) betreut.

Die Sannerz-Gemeinschaft, die heute ihr Domizil an der Lindenstraße 13 hat, gehört zur neuhutterischen Bewegung der Bruderhöfer. Sie wurde wie bereits erwähnt um 1920 von Eberhard und Emmy Arnold gegründet und musste 1937 auf Druck des nationalsozialistischen Regimes Sannerz verlassen. Zunächst fand sie im Fürstentum Liechtenstein Asyl und später in England. Heute existieren Bruderhöfer-Gruppen in Australien, Großbritannien und in den USA. Im Jahr 2002 kehrte eine Gruppe wieder an den Ursprungsort Sannerz zurück und betreibt seitdem dort einen an die Gütergemeinschaft der Jerusalemer Urgemeinde angelehnten Bruderhof. Dort leben nach eigenen Angaben etwa 25 Menschen.[8]

Hauptartikel: Bruderhöfer

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Naturlehrpfad der Vogelschutzgruppe Sannerz
  • Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, erbaut 1895

Bildung[Bearbeiten]

Die für Sannerz zuständige Kindergarteneinrichtung liegt im Sinntaler Ortsteil Sterbfritz. In Sannerz selbst befindet sich eine öffentliche Grundschule (Birkenweg)[9] und die Johann-August-Waldner-Schule, eine private Förderschule, die ihren Sitz in der Don-Bosco-Jugendhilfeeinrichtung hat.[10] Weiterführende Schulen finden sich in Schlüchtern (Gymnasien), Altengronau (Haupt- und Realschule) sowie Sterbfritz (Hauptschule). Für die Freizeitgestaltung steht in Sannerz ein Jugendheim am Birkenweg 15 zur Verfügung.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedhelm Jürgensmeier / Franziskus Büll u.a. (Hrsg.): Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Hessen, 2004, S. 913 - 915
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen, Band 14 in der Reihe Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 1926, S. 419
  • Emmy Arnold: A Joyful Pilgrimage: My Life in Community, 3. Auflage, 1999, ISBN 9780874869569, S. 34–59 online; eingesehen am 20. September 2011

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vergleiche dazu Historisches Ortslexikon: Artikel Sannerz; eingesehen am 20. September 2011
  2. Die Angabe zur Geschichte Sannerz´ orientieren sich weitgehend an folgender Darstellung:Homepage der Kommunalgemeinde Sinntal: Sannerz; eingesehen am 20. September 2011
  3. Emmy Arnold: Gegen den Strom. Mein Leben in Gemeinschaft, Rifton (USA) und Robertsbridge (England) 2009, S. 75ff
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  5. Homepage der Kommunalgemeinde Sinntal: Katholische Pfarrämter; eingesehen am 20. September 2011
  6. Homepage der Jugendhilfeeinrichtung Don Bosco: Über uns; eingesehen am 20. September 2011
  7. Homepage der Kommunalgemeinde Sinntal: Evangelische Pfarrämter; eingesehen am 20. September 2011
  8. Homepage des Sannerzhauses; eingesehen am 20. September 2011
  9. Gemeinde Sinntal: Bürgerinformationen, S. 14; eingesehen am 20. September 2011
  10. Homepage der Don-Bosco-Jugendhilfeeinrichtung: Johann-August-Waldner-Schule; eingesehen am 20. September 2011