Weichersbach

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Weichersbach
Gemeinde Sinntal
Koordinaten: 50° 18′ 43″ N, 9° 40′ 14″ O
Höhe: 282 m ü. NHN
Fläche: 12,99 km²[1]
Einwohner: 834 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 36391
Vorwahl: 06664
Blick von der Burg Schwarzenfels in das Sinntal mit dem Ort Weichersbach und dem Südportal des Landrückentunnels
Blick von der Burg Schwarzenfels in das Sinntal mit dem Ort Weichersbach und dem Südportal des Landrückentunnels

Weichersbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Sinntal im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weichersbach liegt auf einer Höhe von 283 m ü. NN, etwa 11 km südöstlich von Schlüchtern. Durch den Ort fließt die Schmale Sinn.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Weichersbach stammt aus dem Jahr 1311. Der Ort gehörte zum Gericht Altengronau, das 1333 als Reichslehen aus einer Erbschaft vom Haus Rieneck an die Herrschaft Hanau kam. Aus dem Gericht entstand im 15. Jahrhundert das Amt Schwarzenfels der Grafschaft Hanau, ab 1459: Grafschaft Hanau-Münzenberg. Im Jahre 1545 wird der Name Hans Lange genannt Binmoler, Müller zu Weichersbach, und seiner Frau Jela die die Hanauische Mühle zu Weichersbach gegen eine Jahresabgabe von 3 Gulden und 9 Schillinge Frankfurter Währung betrieben, erwähnt. Siehe auch Hauptartikel: Biemühle

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Weichersbach unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Wichenspach (1311)
  • Wychelsbach (1323)
  • Wichersbach (1346)
  • Weichersbach (1360)

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. Kirchlich gehörte das Dorf zu Pfarrei von Mottgers.

1643 wurde das Amt Schwarzenfels – und damit auch Weichersbach – als Pfand zusammen mit anderen Sicherheiten der Landgrafschaft Hessen-Kassel übergeben. Es sollte für Hanauer Schulden bürgen, die im Zusammenhang mit der Befreiung der Stadt Hanau von der Belagerung durch kaiserliche Truppen 1636 gegenüber Hessen-Kassel entstanden waren. Hanau gelang es nicht mehr, dieses Pfand von Hessen-Kassel zu lösen. Das Amt wurde in der Folgezeit wie landgräfliches Eigentum verwaltet. Auch nachdem Hessen-Kassel 1736, nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., die Grafschaft Hanau-Münzenberg erbte, wurde es mit dieser nicht wieder vereinigt. Im 18. Jahrhundert befand sich in der Nähe die legendenumwobene Schlangenbuche.

Aus der Landgrafschaft wurde 1803 das Kurfürstentum Hessen. Während der napoleonischen Zeit stand Weichersbach ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, durch die Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Weichersbach zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen bildete sich 1. Juli 1972 die Gemeinde Sinntal durch den freiwilligen Zusammenschluss der bisher selbständigen Gemeinden Mottgers, Schwarzenfels und Weichersbach.[3][4] Für Weichersbach wurde ein für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet.[5]

Mühlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im nördlichen Bereich der Ortslage gab es die Biemühle, die ihr Wasser durch einen von der Schmalen Sinn abgeleiteten Graben bezog und im Oberdorf die Schlagmühle an einem kleinen, von der Neureuth kommenden Bach.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1549: 31 Haushaltungen und der Zentgraf
• 1587: 25 Schützen und 12 Spießer
• 1812: 81 Feuerstellen, 703 Seelen
Weichersbach: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2017
Jahr  Einwohner
1812
  
703
1834
  
945
1840
  
929
1846
  
931
1852
  
925
1858
  
863
1864
  
829
1871
  
789
1875
  
731
1885
  
760
1895
  
720
1905
  
703
1910
  
756
1925
  
720
1939
  
749
1946
  
1.042
1950
  
1.013
1956
  
818
1961
  
818
1967
  
854
1970
  
846
1979
  
872
1990
  
909
1995
  
901
2000
  
869
2005
  
856
2010
  
844
2015
  
838
2017
  
824
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; nach 1970: Gemeinde Sinntal[6]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1885: 755 evangelische (= 99,34 %), 5 katholische (= 0,66 %) Einwohner
• 1961: 792 evangelische (= 96,82 %), 26 katholische (= 3,18 %) Einwohner

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohner, Daten und Anfahrt. In: Internetauftritt. Gemeinde Sinntal, archiviert vom Original; abgerufen im Juni 2018. (Daten aus Web-Archiv).
  2. a b c d Weichersbach, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Gemeindegebietsreform in Hessen: Zusammenschlüsse und Eingliederungen von Gemeinden vom 21. Juni 1972. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 28, S. 1197, Punkt 851; 2. Abs. 1. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 4,4 MB]).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 376.
  5. Hauptsatzung. (PDF; 529 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Sinntal, abgerufen im Februar 2019.
  6. Haushaltssatzung für den Haushaltsplan 2019. (PDF; 2,8 MB) Statistische Angaben. Gemeinde Sinntal, S. 41, archiviert vom Original; abgerufen im Januar 2019.