Nibelungenbahn

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hofheim–Bensheim
Streckennummer (DB):3571 (Hofheim–Bensheim)
3577 (Lorsch–Heppenheim)
Kursbuchstrecke (DB):653
Streckenlänge:23,9 km
5,2 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Betriebsstellen und Strecken[1]
Strecke – geradeaus
Main-Neckar-Bahn von Darmstadt
Bahnhof, Station
23,9 Bensheim 109 m
   
Bensheim Süd (geplant)
BSicon STR+l.svgBSicon ABZlr+xl.svgBSicon STR+r.svg
Main-Neckar-Eisenbahn
BSicon STR.svgBSicon exSTR.svgBSicon BHF.svg
5,2 Heppenheim (Bergstr)
BSicon STR.svgBSicon exSTR.svgBSicon STRl.svg
Main-Neckar-Bahn nach Weinheim
BSicon SBRÜCKE.svgBSicon exSBRÜCKE.svgBSicon .svg
A 5
BSicon STRl.svgBSicon xABZg+r.svgBSicon .svg
ehem. Verbindungsstrecke
Brücke über Wasserlauf (groß)
Weschnitz
Bahnhof, Station
18,179 Lorsch
Straßenbrücke
A6 67
   
14,72 Lorscher Wald[2]
Haltepunkt, Haltestelle
12,945 Riedrode
Turmbahnhof – unten
10,208 Bürstadt (Turmbahnhof) Riedbahn
   
Strecke von Biblis
Bahnhof, Station
5,6 Hofheim (Ried)
Strecke – geradeaus
Strecke nach Worms

Die Nibelungenbahn ist eine 23,9 Kilometer lange, nicht elektrifizierte Eisenbahnstrecke von Hofheim über Bürstadt und Lorsch nach Bensheim. Zu ihrem Namen kam die Strecke, weil sie mehrere Orte miteinander verbindet, die in der Nibelungensage eine wichtige Rolle spielen. Betrieblich wird sie als Kursbuchstrecke 653 nach Worms Hauptbahnhof durchgebunden.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem 1846 die Main-Neckar-Eisenbahn in Nord-Süd-Richtung entlang der Bergstraße eröffnet worden, das Verkehrsaufkommen gestiegen und die Eisenbahntechnik weiter entwickelt war, sollte auch der hessische Teil des vorderen Odenwaldes mit der Eisenbahn erschlossen werden. Für die aus dieser Gegend stammenden Rohstoffe sollte ein einfacher Transportweg zum Hafen in Worms geschaffen werden. In den 1860er Jahren begannen erste Planungen, wobei sich sowohl die Stadt Bensheim als auch das etwas südlicher gelegene Heppenheim darum bemühten, Ausgangspunkt von Odenwaldstrecke und Nibelungenbahn zu werden.

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz unbeendeter Planungen der Odenwaldstrecke fiel eine Entscheidung für die Trassenführung Hofheim–Bensheim. Die Strecke wurde von der Hessischen Ludwigsbahn gebaut und am 27. Oktober 1869 eröffnet.[3] Sie begann zunächst im rechtsrheinischen Bahnhof von Worms, dem Bahnhof Rosengarten, ab 1903 dann in Worms Hauptbahnhof und verlief bis Hofheim (Ried) gemeinsam mit der alten Riedbahn. Ein späterer Bauabschnitt der Riedbahn überquert die Nibelungenbahn im Bahnhof Bürstadt, einem Turmbahnhof. Am 10. Februar 1914 wurden „mit Eintritt der Dunkelheit“ auf der Strecke neue „Doppellichtvorsignale“ in Betrieb genommen, die dem heute noch gebräuchlichen Modell des Formsignals entsprachen.[4]

Anschlüsse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derweil zögerten sich die Planungen für die Odenwaldstrecke noch bis 1890 hinaus. Die endgültige Streckenführung der 1895 eröffneten Weschnitztalbahn hat jedoch den Ausgangspunkt in Weinheim, von wo aus die Bahnlinie dem Tal der Weschnitz folgt.

Zum 1. April 1903 wurde die eingleisige Verbindungsstrecke Heppenheim–Lorsch eröffnet.[5] Sie hatte keinen weiteren Halt zwischen beiden Bahnhöfen. Am 10. Februar 1914 wurden auch auf dieser Strecke „mit Eintritt der Dunkelheit“ die neuen „Doppellichtvorsignale“ in Betrieb genommen.[6] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Verbindungsstrecke stillgelegt und demontiert.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der für 2006 geplante Anschluss der Nibelungenbahn an das elektronische Stellwerk in Weinheim, der verkürzte Einfahrzeiten in die Bahnhöfe ermöglichen sollte, wurde nicht durchgeführt. Die Machbarkeit einer zusätzlichen Station Bensheim Süd wird derzeit geprüft. Im Zuge der Ausschreibung der Nibelungenbahn als Teil des Streckenbündels „Rheinhessen/Weinstraße“ wurde eine vollständige Streckenmodernisierung angestrebt, eine Erneuerung der Sicherungstechnik ist dabei aktuell nicht mehr vorgesehen. Die Bahnsteige sollen jedoch auf 55 Zentimeter erhöht werden, um nach der Ausschreibung barrierefreien Zugang zu den Zügen zu ermöglichen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die verbliebene Nibelungenbahn ist bis heute eine nur schwach ausgelastete Nebenstrecke, die von der Deutschen Bahn AG (DB) mit Dieseltriebwagen der Baureihe 622 und Baureihe 623 als Linie RB 63 bedient wird. Es verkehren stündliche Regionalbahnen mit Begegnung meist zur Symmetriezeit in Bürstadt, in den Hauptverkehrszeiten von Montag bis Freitag mit einzelnen Verstärkerzügen und Kreuzung in Lorsch. Die Strecke verläuft vollständig innerhalb des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar (VRN). Für Fahrten in Richtung Darmstadt und Frankfurt gelten auf der Strecke außerdem die Tarife des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 verkehrten Dieseltriebwagen der Baureihe 628.

Um die Verbindungen zwischen Worms und Darmstadt zu verbessern, wird öfters eine Durchbindung auf hessischer Seite bis Darmstadt Hauptbahnhof gefordert. Dies wird jedoch erst nach einer Entlastung der Main-Neckar-Bahn durch die Neubaustrecke Frankfurt–Mannheim möglich sein.

Betriebsstellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofheim (Ried)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Hofheim (Ried) ist der Bahnhof des Lampertheimer Ortsteils Hofheim. Im Bahnhof verzweigen sich die Strecken nach Biblis (Riedbahn) und Bensheim (Nibelungenbahn).

Bürstadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Bürstadt ist ein Turmbahnhof an der Nibelungenbahn die hier die Riedbahn kreuzt. Der Bahnhof erhielt für die Gleise der Nibelungenbahn erst nachträglich eine Zugsicherung durch Signale, die am 9. September 1906 in Betrieb genommen wurden.[7]

Riedrode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnsteig des Haltepunktes Riedrode

Der Haltepunkt Riedrode ist die Bahnstation des Bürstädter Stadtteils Riedrode. Der Haltepunkt liegt am südlichen Ortsrand. Unweit des Haltepunktes schafft ein Bahnübergang die einzige öffentliche Zufahrtsstraße in den Ort.

Lorscher Wald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Haltepunkt Lorscher Wald erschloss das gleichnamige Waldgebiet zwischen Riedrode und Lorsch. Er wurde zum 1. August 1909 nachträglich in Betrieb genommen[8] und war mit Personal besetzt: Er erhielt einen Anschluss an die Telegrafenleitung.[9]

Lorsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Lorscher Bahnhof im Mai 2007 (Bahnseite)

Der Bahnhof Lorsch ist die einzig verbliebene Kreuzungsmöglichkeit zwischen Bürstadt und Bensheim. Zugkreuzungen finden jedoch nur noch vereinzelt in den werktäglichen Hauptverkehrszeiten in Lorsch statt. Von 1903 an zweigte hier die Verbindungskurve nach Heppenheim von der Strecke nach Bensheim ab, ehe sie einige Jahrzehnte später wieder stillgelegt wurde.

Heppenheim (Bergstr)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Heppenheim (Bergstr) wurde im Zuge der Eröffnung des Streckenabschnittes LangenDarmstadt–Heppenheim der Main-Neckar-Bahn am 22. Juni 1846 eröffnet. 1903 wurde die Verbindungsstrecke Heppenheim–Lorsch gebaut, die aufgrund der unterbliebenen Verbindung des Odenwaldes mit der Nibelungenbahn nach mehr als 30 Jahren wieder stillgelegt wurde.

Bensheim Süd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anlage eines neuen Haltepunkts Bensheim Süd an Nibelungen- und Main-Neckar-Bahn wird etwa seit dem Jahr 2000 diskutiert.[10]

Bensheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Bensheim wurde wie sein Pendant in Heppenheim im Zuge der Eröffnung des Streckenabschnittes Langen–Darmstadt–Heppenheim der Main-Neckar-Bahn am 22. Juni 1846 eröffnet. 1869 wurde die Nibelungenbahn zwischen Worms und Bensheim in Betrieb genommen, wodurch Bensheim zum Eisenbahnknotenpunkt wurde. Ab 2018 soll der Bahnhof außerdem in das Netz der S-Bahn RheinNeckar integriert werden.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eisenbahnatlas Deutschland. 9. Auflage. Schweers+Wall, Aachen 2014, ISBN 978-3-89494-145-1.
  2. Kilometerangabe nach: Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 31. Juli 1909, Nr. 40. Bekanntmachung Nr. 561, S. 389.
  3. Schomann, S. 374
  4. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 24. Januar 1914, Nr. 5. Bekanntmachung Nr. 50, S. 33.
  5. Bekanntmachung Nr. 151, S. 156. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter 7 (1903). Mainz 1904. Amtsblatt vom 14. März 1903. Nr. 15; Bekanntmachung Nr. 198, S. 185. In: Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter 7 (1903). Mainz 1904. Amtsblatt vom 4. April 1903. Nr. 198.
  6. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 24. Januar 1914, Nr. 5. Bekanntmachung Nr. 50, S. 33.
  7. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 22. September 1906, Nr. 51. Bekanntmachung Nr. 539, S. 457.
  8. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 31. Juli 1909, Nr. 40. Bekanntmachung Nr. 561, S. 389.
  9. Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 14. August 1909, Nr. 42. Bekanntmachung Nr. 606, S. 409.
  10. Hessischer Landtag, Drucksache 15/1246