North American B-45

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North American B-45 Tornado
B-45c tornado.jpg
North American B-45C „Tornado“
Typ: Bomber
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: North American Aviation
Erstflug: 17. März 1947
Indienststellung: 1948
Produktionszeit: 1948 bis 1950
Stückzahl: 143

Die B-45 Tornado war ein strahlgetriebener leichter Bomber des US-amerikanischen Herstellers North American Aviation. Sie war das erste vierstrahlige Flugzeug der USAF und konnte als erster Düsenbomber in der Luft betankt werden. In den frühen 1950er Jahren bildeten B-45 einen wichtigen Teil der amerikanischen nuklearen Abschreckung. Das Modell wurde allerdings bald von der B-47 Stratojet abgelöst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der B-45 begann gegen Ende des Zweiten Weltkrieges im Herbst 1944, als die Amerikaner die Entwicklung deutscher strahlgetriebener Bomber wie Arado Ar 234 und Junkers Ju 287 bemerkten. Am 8. September 1944 gewann North American Aviation mit dem NA-130-Entwurf die Ausschreibung und begann sofort mit der Produktion von drei Prototypen.

Am Ende des Krieges wurden viele Waffenprojekte gestoppt. 1946 bahnte sich allmählich der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion an und die US Army Air Force beschloss, die Düsenbomber-Entwicklung zu beschleunigen. Mitte 1946 waren die XB-45 und Convair XB-46 fast fertiggestellt, aber die Projekte Boeing XB-47 und Martin XB-48 brauchten noch rund zwei Jahre Entwicklungszeit. Die Air Force entschied sich für die XB-45 anstatt der XB-46. Am 2. Januar 1947 wurde die sofortige Produktion der B-45A angeordnet.

Von den 3 Prototypen stürzte eine Maschine vor der Übergabe ab, wobei zwei Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Die verbleibenden zwei Flugzeuge wurden am 30. Juli 1948 und im August 1948 an die US Air Force übergeben. Ein zweiter Prototyp wurde bei einem weiteren Unfall beschädigt. Die letzte XB-45 wurde 1949 auf die Wright-Patterson Air Force Base überführt. Da sie schwer zu warten war, wurde sie für Bodenübungen genutzt.

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

B-45A[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreiseitenansicht der North American B-45

Die B-45A unterschied sich in einer Reihe von Details von der XB-45. Sie hatte verbesserte Schleudersitze, bessere Funkausstattung, einen E-4 Autopiloten und ein Bomben-Navigationsradar.

Der erste B-45A-Bomber flog im Februar 1948 und wurde am 22. April 1948 an die USAF ausgeliefert. Er hatte allerdings nur schwache J35-Triebwerke und galt als einsatzuntauglich. So wurde er nur zu Trainingszwecken eingesetzt. Die nächsten Maschinen erhielten J47-Triebwerke. Im November 1948 wurden die ersten B-45A bei der 47th Bombardment Group eingesetzt. Die erste Bestellung umfasste 96 Maschinen.

Die Kosten zwangen 1950 allerdings zur Kürzung einer 190 Maschinen-Bestellung auf 139 Maschinen. Die B-45A hatten noch kein Bomben-Leitsystem und litten unter Kreiselkompass-Störungen bei hohen Geschwindigkeiten. Triebwerksbrände, Schwierigkeiten beim Bombenabwurf und schlechte Bedienungsanleitungen kamen dazu. Das AN/APQ-24 Bombennavigationssystem war schwer zu warten und die maximale Flughöhe wurde wegen schlechter Drucklufteinspeisung nicht erreicht.

Es war vorgesehen, 47 B-45A in den Fernen Osten zu verlegen, aber es konnte kein brauchbarer Transportweg gefunden werden. Mit Ausbruch des Koreakrieges 1950 wurde die B-45A zum taktischen Nuklearbomber umgebaut. Allerdings mussten erst kleinere Atombomben konstruiert werden, zudem waren diverse Umbauten am Flugzeug erforderlich.

1952 wurden 55 nuklearfähige B-45 zur 3. US Air Force nach Großbritannien verlegt. Sie hatten modifizierte 1.200 Gallonen Kerosintanks hinter den Bombenschächten. Trotz diverser technischer Probleme wurden sie die ersten Atombomber in Europa.

B-45B[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die B-45B war ein B-45A Variante mit besserem Radar und Feuerleitsystem. Diese Version ging allerdings nie in Serie.

North American B-45C „Tornado“ des "National Museum of the USAF"

B-45C[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die B-45C war das erste Strahlflugzeug, welches aus der Luft betankt werden konnte. Der Aufnahmestutzen für den Tankausleger befand sich auf der Oberseite etwa in Rumpfmitte. Neben der Einführung von Flügelspitzentanks (tip tanks), war der erstmalige Einsatz von J47-GE-13/15-Triebwerken mit Wassereinspritzung eine weitere Verbesserung. Der maximale Schub erhöhte sich dadurch auf 26,7 kN, wobei das mitgeführte Wasser in zwei 810-Liter-Abwurftanks unter den Triebwerksgondeln mitgeführt wurde. An deren Stelle konnten auch zwei Aerojet XLR13-AJ-1 JATO-Raketen untergehängt werden. Diese lieferten für 60 Sekunden zusammen einen Schub von 35,6 kN.

Obwohl die Entwicklung dieser Variante bereits im September 1947 begonnen wurde, war der Erstflug erst am 3. Mai 1949. Nur zehn Maschinen davon wurden gebaut, die restlichen im Bau befindlichen 33 Maschinen wurden in den Typ RB-45C umgewandelt. Zusätzlich wurden viele Exemplare der B-45A auf diesen Standard gebracht, um deren Einsatzzeit zu verlängern.

RB-45C[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie war die letzte Variante der B-45 und diente zur Fotoaufklärung. Sie hatte zwei externe 214 Gallonen-Tanks, zwei JATO-Raketenstarthilfen und zwölf Kameras. Die erste RB-45C flog im April 1950 und wurde von Juni 1950 bis Oktober 1951 ausgeliefert.

Die RB-45C flog während des Koreakrieges im 91st Strategic Squadron. Die Boeing B-29 konnte die Missionen aufgrund des technischen Fortschritts nicht mehr durchführen. Anfang 1952 flogen die RB-45C viele Missionen und wurden danach für Nachtoperationen eingesetzt. Kurz danach wurden sie von der Front zurückgezogen.

1952 und 1954 gab es in Großbritannien mit RAF-Roundels bemalte RB-45. Offiziell flogen die Flugzeuge zur Evaluation von Luftbetankungen für die RAF, der tatsächliche Zweck der Gruppe waren jedoch Aufklärungsflüge mit drei RB-45C direkt über der Sowjetunion.[1] Am 29. Juli 1952 wurde der erste Nonstop-Transpazifikflug mit einer RB-45C durchgeführt. Sie wurde zweimal von KB-29-Tankflugzeugen betankt.

Im Jahre 1959 wurden die letzten RB-45C ausgemustert und durch RB-47E ersetzt.

Weitere Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Tornados wurden zu fliegenden Triebwerksprüfständen umgebaut, als entsprechende Hochgeschwindigkeits-Windkanäle noch nicht verfügbar waren. Dies betraf die letzte Serien-B-45A, die in JB-45A umbenannt wurde; auch eine B-45C (JB-45C) und eine RB-45C (JRB-45C) wurden hierfür modifiziert. Eine weitere Verwendung stellte der Einsatz als Drohnenleitflugzeug (DB-45A) dar. Für eine Zielschleppervariante wurden 16 B-45C zu TB-45C umgebaut. Auch einige frühe, als nicht in der ersten Linie verwendungsfähig angesehene B-45A baute man zu TB-45A Zielschleppern um, die aber anschließend aber auf den Standard der späteren Einsatzvarianten gebracht wurden.

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße Daten der B-45A
Länge 22,9 m
Spannweite 27,1 m
Tragflügelfläche 105 m²
Höhe 7,7 m
Antrieb vier General Electric J47-GE-13-Strahltriebwerke mit je 23,1 kN Schub
Höchstgeschwindigkeit 920 km/h
Reichweite 1.600 km
Besatzung 4
Dienstgipfelhöhe 14.100 m
Leermasse 20.726 kg
Flugmasse 36.980 kg
Bewaffnung vier 12,7-mm-M3-MGs, 10.000 kg Bomben

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: North American B-45 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Guy Martin: Jet Bomber Pioneer - North American B-45 Tornado (Pioneers & Prototypes). In: International Air Power Review, Volume 23, 2007, S.162 - 173.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Squadron Leader John Crampton, The Telegraph, 1. August 2010